Babel

Ausführlicher Inhalt

Marokko, irgendwo im felsigen Hinterland. Ein Jagdgewehr wechselt den Besitzer: 500 Dirham und eine Ziege zahlt ein Hirte für die Waffe, mit der seine halbwüchsigen Söhne Ahmed (Said Tarchani) und Yussef (Boubker Ait El Caid) fortan die familieneigene Herde vor den Schakalen schützen sollen. Die Jungen haben keine rechte Vorstellung von der zerstörerischen Kraft einer solchen Schusswaffe. Beim Ziegenhüten wollen sie die Reichweite des Gewehrs testen, und Yussef legt von einer Bergspitze aus auf einen vorbeifahrenden Reisebus an. Die Kinder sind beinahe enttäuscht, als der Schuss ohne Konsequenzen bleibt. Doch dann stoppt der Bus auf offener Straße ? etwas ist geschehen. Die Jungen nehmen die Beine in die Hand.


San Diego, ein Mittelklasse-Einfamilienhaus. Gerade bringt Amelia (Adriana Barraza) die Geschwister Debbie (Elle Fanning) und Mike (Nathan Gamble) zu Bett, da erhält sie einen Anruf von Richard (Brad Pitt), dem Vater der Kinder. Er informiert die mexikanische Nanny darüber, dass seine Frau Susan (Cate Blanchett) operiert werden müsse und dass am nächsten Tag seine Schwester vorbeikommen werde, um auf die Kinder aufzupassen. Dann telefoniert er noch mit Mike. Am nächsten Morgen ruft Richard erneut an. Diesmal ist er sehr kurz angebunden und erklärt Amelia barsch, dass seine Schwester verhindert sei und Amelia nun doch Babysitten müsse. Für Amelia bricht eine Welt zusammen, hatte sie doch geplant, an diesem Tag zur Hochzeit ihres Sohnes nach Mexiko zu fahren. Verzweifelt versucht sie, im Bekanntenkreis ein anderes Kindermädchen für Debbie und Mike aufzutreiben ? doch ohne Erfolg. So trifft sie schließlich die Entscheidung, die Kinder auf die Reise mitzunehmen. Ihr Neffe Santiago (Gael García Bernal) ist alles andere als begeistert, als die beiden auf die Rücksitzbank seines Autos klettern.

Marokko, ein Restaurant. Richard und Susan essen zu Mittag. Sie sind ein Paar in der Krise, die Spannung zwischen ihnen lässt sich mit Händen greifen. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie ein Kind verloren und sind noch nicht über den Verlust hinweg. Susan begreift nicht so recht, warum sie diese Reise überhaupt angetreten haben. Sie streiten. Wenig später sitzen sie nebeneinander in einem Reisebus und durchqueren die ebenso karge wie pittoreske Felswüste. Plötzlich durchschlägt eine Gewehrkugel das Fenster und landet in Susans Schulter.

Tokio, ein Mädchen-Volleyballspiel. Die widerspenstige Chieko (Rinko Kikuchi) legt sich mit dem Schiedsrichter an, wird des Feldes verwiesen und verschuldet so die Niederlage ihres Teams. Wenig später lässt sich der taubstumme Teenager von seinem Vater in die Stadt fahren. Geduldig bemüht sich Yasujiro (Kôji Yakusho), ein Gespräch mit seiner Tochter zu führen, doch Chieko ist zickig und lässt ihn auflaufen. Yasujiro erklärt, er vermisse Chiekos vor kurzem gestorbene Mutter genauso wie sie. In einem Restaurant namens J-Pop trifft Chieko ihre Freundinnen. Sie versuchen, Kontakt mit gleichaltrigen Jungs aufzunehmen, doch als diese merken, dass Chieko kein normales Mädchen ist, ziehen sie sich zurück. Chieko macht ihrer Wut mit einem radikalen Akt Luft: Nachdem sie sich auf der Toilette ihres Slips entledigt hat, lässt sie die jungen Typen vom Nachbartisch zwischen ihre Beine schauen.

Marokko, das Haus des Ziegenhirten. Beim Abendessen erzählt der Vater, er habe gehört, eine amerikanische Touristin sei erschossen worden, die Polizei suche die Täter. Ahmed und Yussef wagen es nicht, ihren Fehltritt zu gestehen. Das schlechte Gewissen quält sie gleichwohl.

San Diego. Gut gelaunt überqueren Amelia und Co. die Grenze nach Mexiko. Mike und Debbie sind überwältigt von den üppigen Sinneseindrücken, die das Nachbarland für sie bereithält. In Amelias Heimatdorf sind die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange. Glücklich begrüßt Amelia ihren Sohn Luis (Robert Esquivel). Mit offenem Mund bestaunen die Kinder, wie Santiago einem Huhn bei lebendigem Leibe den Kopf abreißt.

Marokko, der Reisebus. Als Richard und die anderen Touristen realisieren, was soeben geschehen ist, bricht das Chaos los. Susan blutet stark, aber in der Nähe gibt es weder ein Krankenhaus noch einen Arzt. Sie beschließen, in das nahe gelegene Dorf Tazarine zu fahren, wo die Verletzte zumindest notdürftig versorgt werden kann. Die Mitreisenden, angesichts des ?Anschlags? in Panik geraten, wollen sofort weiterfahren, aber Richard kann sie überreden, ihn und Susan nicht im Stich zu lassen. Richard ruft Susans Schwester an und bittet sie, mit der amerikanischen Botschaft Kontakt aufzunehmen. Der Doktor, der Susan behandelt, entpuppt sich als Tierarzt. Widerwillig gestattet Richard ihm, die Wunde zu nähen, da Susan ansonsten verbluten würde.

Tokio, eine Zahnarztpraxis. Während der Behandlung macht Chieko dem Doktor überdeutliche Avancen und fliegt achtkantig aus dem Behandlungszimmer. Zu Hause wird sie von zwei Polizisten erwartet, die eigentlich mit ihrem Vater sprechen wollen und Chieko bitten, Yasujiro ihre Telefonnummer auszurichten. Einer der beiden Beamten gefällt Chieko. Per Bildtelefon verabredet sie sich wenig später mit einer Freundin und zappt dann durchs TV-Programm. In den Nachrichten wird über eine Schießerei in Marokko berichtet; Fotos von Yussef, Ahmed und ihrem Vater werden eingeblendet.

Marokko, in den Bergen. Yussef und Ahmed verstecken das Gewehr in einer Höhle. Die Polizei ermittelt an der Unglücksstelle; die Beamten finden Patronen. Sie vernehmen den ursprünglichen Besitzer des Gewehres mit brachialen Methoden und entlocken ihm schließlich die Information, dass er die Waffe an den Ziegenhirten verkauft hat. Auf dem Weg dorthin treffen die Polizisten auf Ahmed und Yussef. Die beiden schicken den Kommissar in die falsche Richtung und gewinnen so etwas Zeit. Sie eilen nach Hause und gestehen dem fassungslosen Vater alles.

Mexiko, die Hochzeit. Wie all die anderen Gäste amüsiert Amelia sich bestens bei der traditionellen Feier. Sie findet sogar Zeit für einen kleinen Flirt. Santiago trinkt und feiert derweil exzessiv, und auch die Kinder haben ihren Spaß.

Tazarine. Im Radio wird darüber spekuliert, ob es sich bei dem Angriff auf den Bus um einen Raubüberfall gehandelt habe; die amerikanische Regierung schließe einen Terroranschlag nicht aus. Susan wird von einer einheimischen Greisin mit einem Joint ruhig gestellt, um das qualvolle Warten auf Hilfe erträglicher zu gestalten. Im Bus verlieren die wartenden Mitreisenden allmählich die Fassung. Auch für sie entwickelt sich der Ausflug zu einer echten Strapaze, da die Klimaanlage nicht funktioniert. Mehr als dreißig Minuten wollen sie nicht mehr ausharren.

Tokio, ein öffentlicher Platz. Chieko vergnügt sich gemeinsam mit Gleichaltrigen mit Schnaps und Albereien, und diesmal scheint es sogar, als habe ein attraktiver junger Mann ein Auge auf sie geworfen. Ausgelassen stürzt sich die Clique in das Nachtleben der japanischen Metropole. In einer Disko erlebt Chieko jedoch abermals eine Enttäuschung: Ihre beste Freundin hat sich den Jungen geschnappt und knutscht ihn mitten auf der Tanzfläche ab. Konsterniert nimmt Chieko Reißaus. Zu Hause bittet sie den Hauswart, den Polizisten vom Nachmittag anzurufen, er möge zu ihr kommen.

Marokko, das Haus des Ziegenhirten. Der Vater, wütend und verzweifelt zugleich, verprügelt seine Söhne. Auch die Tochter, die sich bereitwillig beim Auskleiden von Yussef angaffen ließ, bekommt eine Ohrfeige verpasst. Derweil sind die Polizisten wieder beim Verkäufer des Gewehrs angelangt, den sie im Verdacht haben, ihnen eine falsche Adresse genannt zu haben. Er erklärt ihnen, dass er die Waffe von einem japanischen Jäger geschenkt bekommen habe. Und seine Frau ist bereit, sie zum Haus des Ziegenhirten zu führen. Auf dem Weg dorthin passieren sie den Hirten und seine Söhne, die das Gewehr inzwischen aus dem Versteck geholt haben. Die Beamten eröffnen sofort das Feuer und verletzen Ahmed schwer. Yussef schießt zurück und trifft einen Polizisten.

Mexiko, die Feier. Noch in der Nacht will Amelia die Heimreise antreten. Santiago setzt sich hinters Steuer, obwohl er sturzbetrunken ist. An der Grenze werden sie von einem skeptischen Beamten kontrolliert. Santiago gibt die Kinder als Verwandte aus, was den Argwohn des Grenzers erregt. Als Santiago Widerworte gibt und Amelia das erforderliche Genehmigungsschreiben der Eltern nicht vorweisen kann, eskaliert die Situation. Die Polizisten durchsuchen das Auto und fordern die Insassen schließlich zum Aussteigen auf. Daraufhin verliert Santiago die Nerven und gibt Gas. Mit Vollgas rast er los, bald verfolgt von US-amerikanischen Streifenwagen. Irgendwo in der Wüste setzt er Amelia und die Kinder ab; so könne er die Polizei leichter abschütteln, meint Santiago. Er verspricht, am nächsten Morgen wiederzukommen und sie abzuholen, und verschwindet in der Dunkelheit.

Tazarine. Ein Polizist informiert Richard darüber, dass vorerst kein Krankenwagen kommen werde, da man keinen zur Verfügung habe. Man versuche nun, einen Helikopter aufzutreiben. Richard, müde und verzweifelt, platzt der Kragen. Er beschimpft den Polizisten, der dies gleichmütig über sich ergehen lässt. Die anderen Touristen verlieren unterdessen die Geduld und fahren weiter. Richard rennt dem Bus schreiend hinterher.

Tokio, Yasujiros Wohnung. Chieko empfängt den Kommissar, der ihr am Nachmittag so gut gefallen hatte. Sie glaubt, die Polizisten wollten ihren Vater sprechen, weil sie immer noch den Tod seiner Frau untersuchten. Nun will sie Yasujiro entlasten und erklärt, er habe geschlafen, als die Mutter vom Balkon gesprungen sei. Der Polizist betrachtet Fotos des Vaters, auf denen er in Jägerpose in Afrika zu sehen ist. Er erklärt dem Mädchen, dass er Yasujiro wegen des Gewehrs sprechen wolle, nicht wegen des Todes der Mutter. Der Vater werde nicht ins Gefängnis kommen, beruhigt er sie und will schon gehen, als Chieko plötzlich splitternackt vor ihm steht. Wiederum macht sie einem Mann Avancen, und wiederum wird sie zurückgewiesen. Der Polizist geht jedoch sehr behutsam mit ihr um, und es entwickelt sich ein Moment von verquerer Zärtlichkeit zwischen den beiden.

Marokko. Ahmed liegt leblos in den Armen seines schluchzenden Vaters. Yussef zerstört das Gewehr und ergibt sich der Polizei.

Mexiko. Amelia erwacht am Morgen in der Wüste und macht sich zunächst mit den Kindern auf den Weg. Als sie begreift, dass sie es gemeinsam nicht schaffen werden, lässt sie die Kinder notgedrungen an einem schattigen Platz zurück und taumelt allein weiter. Unter der sengenden Sonne droht sie zu verdursten, als sie schließlich einem patrouillierenden Polizeifahrzeug über den Weg läuft. Der Beamte hält sie zwar für eine illegale Grenzgängerin, macht sich aber mit ihr auf die Suche nach den Kindern. Amelia ist entsetzt, als sie die Kinder nicht mehr wieder findet.

Marokko. Richard und die immer kraftlosere Susan sprechen sich aus und versöhnen sich. Endlich trifft der Helikopter ein, der sie in ein Krankenhaus bringen wird.

Mexiko. Amelia erfährt von einem Grenzpolizisten, dass die Kinder gefunden und die Eltern benachrichtigt wurden. Richard wird keine Anzeige gegen sie erstatten, dennoch wird Amelia ausgewiesen werden, da sie keine Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Zunächst will sie einen Anwalt sprechen, sieht dann aber ein, dass ihre Position aussichtslos ist. Luis holt sie an der Grenze ab.

Tokio. Der Polizist verlässt die Wohnung, trifft beim Verlassen des Gebäudes Chiekos Vater, der ihm bestätigt, der Besitzer des ominösen Gewehrs gewesen zu sein. In einer Bar sieht der Polizist die Nachrichten: Susan, Opfer eines terroristischen Anschlags, sei nach fünf Tagen des bangen Hoffens und Wartens aus dem Krankenhaus entlassen worden. Währenddessen findet Yasujiro seine immer noch verstörte Tochter auf dem Balkon. Die beiden nehmen einander zärtlich in die Arme.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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