Black Christmas

Produktionsnotizen

?Im Vergleich dazu wird 'Willard' aussehen wie 'Meine Lieder ? meine Träume'!? (Kameramann Robert McLachlan beim ersten Blick durch die Linse)


Auf einer gespenstisch dunklen Theaterbühne in Vancouver macht sich eine Besetzung aus viel versprechenden Schauspielerinnen in den Zwanzigern für die letzten Aufnahmen von BLACK CHRISTMAS bereit, einem Remake des bahnbrechenden kanadischen Thrillers aus dem Jahre 1974. Die Vorlage von Regisseur und Autor Bob Clark wird neben Psycho (1960) und Blutgericht in Texas (1974) als einer der Wegbereiter des Slasher-Genres angesehen.

Auf der Bühne wurde nach dem Vorbild eines Gebäudes in Vancouver, wo Regisseur Glen Morgan schon einige Außenaufnahmen machte, ein weitläufiges Verbindungshaus errichtet. Dazu mussten Wagenladungen voller Kunstschnee in einer guten Wohngegend, an der eigentlich für ihre Niederschläge berüchtigten Westküste, abgeladen werden.

Die Darstellerinnen Michelle Trachtenberg, Lacey Chabert, Mary Elizabeth Winstead, Katie Cassidy und Crystal Lowe rennen durch die Räume und kreischen so kräftig, wie es die Regie verlangt.

In den Drehpausen verschwinden sie in der Dunkelheit hinter der Bühne zu ihren Laptops, um nach E-Mails aus L.A. zu sehen. Man sollte schließlich nur wegen eines mordlüsternen Irren nicht gleich seine Karriere vernachlässigen.

Die Vorlage von 1974 setzte auf atmosphärischen Grusel statt blutiger Effekte und wurde in Kanada zum Hit. Für den US-Release wurde der Film umgeschnitten und mit einem neuen Titel versehen, entwickelte sich aber dank Mundpropaganda mit den Jahren zum Erfolg.

?Immer wenn ich davon erzähle, an welchem Film ich gerade arbeite, sagen alle: ??Oh, der hat mich echt zu Tode erschreckt??, erzählt Chabert. ?Das Original ist zum Kult geworden, und ich hoffe, wir können dem gerecht werden.?

Der Film erfand damals das Muster der ?jungen Frau in tödlicher Gefahr?, das sich in zahllosen Fortsetzungen von Freitag, der 13. (1979) und Halloween (1978) wiederholen sollte ? und in der in Vancouver gedrehten Final Destination-Reihe (2000-2003) von Regisseur Glen Morgan und seinem Produzenten James Wong. Es scheint unzählige weibliche Teens und Twens zu geben, die ihresgleichen auf der Leinwand in Gefahr sehen wollen.

?Ich fürchte mich immer ziemlich?, so Chabert. ?Mein erster Horrorfilm war Scream (1996) mit Neve Campbell, neben der ich in ?Party of Five? gespielt habe. Ich war damals vielleicht 13 oder 14, und obwohl ich sie ja kannte, und wusste, dass es nur ein Film war und wie der endet, hatte ich trotzdem Angst. Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Einschlafen - immer wenn ich die Augen geschlossen habe, sah ich diese Maske vor mir.?

Dennoch kann Chabert die Begeisterung der Fans von Stalker-Filmen wie dem Original Black Christmas (1974) nachvollziehen. Damals spielten Margot Kidder (vor ihrem Durchbruch mit Superman [1978]), Olivia Hussey und Andrea Martin, die im Remake die Inhaberin der Verbindungskneipe verkörpert.

Martin, die mit ihrer Rolle der Edith Prickley in ?Second City TV? (1982) bekannt wurde, begeisterte Darsteller und Crew mit ihrem Humor und war den jungen Schauspielerinnen ein Vorbild in Sachen Professionalität.

?In vielen der Charaktere kann man sich selbst oder seine Freunde wiedererkennen und muss dann feststellen, wie ahnungslos diese Mädchen sind?, stellt Chabert fest. ?Das machte die Sache noch Furcht erregender ? sie wissen nicht, wie verletzlich sie sind.?

Chabert ist eine Newcomerin in Sachen Horror, aber ihre Kolleginnen haben schon eigene Erfahrungen mit Filmblut hinter sich. Cassidy wurde im diesjährigen Remake Unbekannter Anrufer erwürgt, während Lowe in Morgans und Wongs letztem Hit Final Destination 3 (2005) unter der Sonnenbank verbrutzelte. In diesem Film spielte auch Winstead mit.

?Die meisten Frauen, die ich kenne, sind Horrorfans?, sagt Winstead. ?Wir können all die Verletzlichkeit und Angst nachvollziehen, die sie durchstehen müssen und uns mit der Frau identifizieren, die am Ende den Killer überwältigt ? man traut diesen kleinen, schwachen Mädchen ja erst gar nicht zu, dass sie so was draufhaben. Haben sie aber, und wie!?

Trachtenberg verbrachte einige Jahre mit den Vampiren aus ?Buffy ? Im Bann der Dämonen? (1997-2003) und drehte danach den Familienfilm Die Eisprinzessin (2005) und mehrere Independent-Arbeiten.

?Eigentlich wollte ich nicht mehr allzu weit zurück in diese typische Grusel-Welt?, sagt sie. ?Aber das Drehbuch gefiel mir wirklich gut, und Glen ließ mir große Freiheiten bei der Rollengestaltung.?

Kann Trachtenberg vielleicht erklären, was Frauen wie sie an diesen Filmen so fasziniert?

?Ich mag solche Filme. Aber leider versaue ich sie allen anderen, die dabei sind. Ich kreische, ich halte mir die Augen zu und lasse mir erzählen, was gerade passiert. Jeder mag es, sich zu fürchten.?

Weit hinten in einer Ecke der Bühne empfängt Bob Clark die Berichterstatter von Zeitung und Fernsehen. Während der Produktion besuchte er für eine Woche das Set, saß dort hinter der Kamera und beobachtete mit einem zufriedenen Lächeln, wie Morgan seine Einstellungen vorbereitete. In einem ruhigen Moment erzählte er: ?Als Glen und Jim mich wegen des Remakes ansprachen, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, der Stoff würde in guten Händen sein. Die beiden werden der Vorlage mit Sicherheit gerecht werden.?

Er fügte hinzu: ?Im Remake wird der Hintergrund der Story näher beleuchtet. Glen hat mit dem Drehbuch wirklich sensationelle Arbeit geleistet. Ich möchte ja nicht zu viel verraten, aber wenn man verfolgt, was hinter diesen Telefonanrufen steckt...! In der Vergangenheit sind jedenfalls einige schreckliche Dinge passiert. Mir gefiel es, den Charakteren eine solch offenherzige Geschichte mitzugeben. Diese Unglücklichen finden sich in einem absolut glaubwürdigen Szenario wieder.?

Vorsicht, Bein! Ein großer Teil des Films spielt im Gemeinschaftsraum des Verbindungshauses, diesem weitläufigen alten Gemäuer, das wahrscheinlich einmal für einen reichen Banker in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet wurde. Wenn man genau hinsieht, dann könnte einem ein berühmtes Ausstattungsstück aus dem Klassiker Fröhliche Weihnachten (1983) auffallen, in dem Darren McGavin das Oberhaupt einer dysfunktionalen Familie spielte, und als Mr. Parker eine schäbige Stehlampe findet, die aus dem alten Bein einer Schaufensterpuppe geformt ist. Dasselbe Bein steht auch im Gemeinschaftsraum des Verbindungshauses an prominenter Stelle. Außerdem wurde es noch in Clarks und Wongs Final Destination 3 (2005) und überhaupt in jedem Film des Produktionsdesigners Mark Freeborn eingesetzt.

?Wir sind jetzt fertig für deine Nahaufnahme.? In einem ungewöhnlichen Besetzungscoup hat Regisseur Glen Morgan einen seiner Assistenten als Killer Agnes besetzt. Dean Friss ist eigentlich der erste Kameraassistent der Produktion und wurde ursprünglich auch nur in dieser Funktion angestellt.

Clark traf Friss während der Probeaufnahmen und mochte dessen ungewöhnliches Aussehen. Friss hat Gefallen am Schauspielern gefunden, arbeitet jetzt bei der Fernsehserie ?Saved? (2006) auf TNT und hat je einen Agenten in L.A. und Vancouver.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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