Flicka - Freiheit. Freundschaft. Abenteuer.

Produktionsnotizen

Die Rückkehr Flickas, eines der mit Abstand erfolgreichsten Romane der Pferdeliteratur, auf die Kinoleinwand begann mit einem neuen Drehbuch des altgedienten Autorenteams Mark Rosenthal und Lawrence Konner. Die beiden hatten schon bei Erfolgsfilmen wie THE JEWEL OF THE NILE (?Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil?, 1985) oder PLANET OF THE APES (?Planet der Affen?, 2001) zusammen gearbeitet.


Rosenthal erinnert sich: ?Als Fox 2000-President Elizabeth Gabler uns auf eine Adaption des Flicka-Stoffes ansprach, gingen wir direkt zurück zum Roman und entschlossen uns, dessen Tonfall beizubehalten, der sehr emotional, allerdings auch ein wenig düster ist. Wir empfanden die Thematik ausgesprochen zeitgemäß, zumal der Westen der USA, ganz besonders Wyoming, in letzter Zeit zur Zweiten Heimat der neuen Superreichen geworden ist. Die Geschichte einer durchschnittlichen, hart arbeitenden Familie, die es gerade so schafft, ihren Lebensunterhalt mit der Aufzucht wilder Pferde zu verdienen, erschien im Angesicht der derzeitigen wirtschaftlichen Lage im Lande in einem ganz anderen Licht.?

Es war Elizabeth Gablers Idee, die Story dadurch zu modernisieren, dass aus dem Jungen Ken, der Hauptfigur des Romans, ein Mädchen namens Katy wurde. Dieser Gedanke war den Autoren gleichermaßen Inspiration und Herausforderung. Rosenthal sagt: ?Diese Veränderung hatte besondere Auswirkungen auf die Figur des Vaters Rob: Jetzt ist es nicht der Sohn, der ein Faible für die Ranch und die Landarbeit hatte, sondern die Tochter, die zudem mit einem hartnäckigen Dickkopf gesegnet ist und zur Durchsetzung ihrer Wünsche gerne unkonventionelle Wege einschlägt. Das alles erforderte eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Originalmaterial.?

?Die veränderte Hauptfigur hatte verschiedene Konsequenzen für die Geschichte, nicht zuletzt erlaubte sie uns, eine Vater-Tochter-Beziehung zu entwickeln, in der beide etwas über sich selbst und den anderen lernen können?, erklärt Konner. Jeder musste seinen Standort innerhalb einer veränderten Familien-Dynamik neu bestimmen.?

Als nächstes galt es, einen Regisseur für das Projekt zu finden. Das Drehbuch wurde an Michael Mayer geschickt, der mit dem Drama A HOME AT THE END OF THE WORLD (?Ein Zuhause am Ende der Welt?, 2004) gerade seinen ersten Spielfilm inszeniert hatte. Obwohl der erfolgreiche Theaterregisseur wenig Erfahrung mit der Inszenierung von Pferden oder Action-Sequenzen hatte, erschien er aufgrund seines erzählerischen Talents und seiner Begabung, menschliche Emotionen zu porträtieren, als idealer Kandidat für die Regie dieser neuen FLICKA-Version.

?Für mich ist das eine sehr schöne, global verständliche Geschichte über das Zueinanderfinden eines Vaters und seiner Tochter?, meint Mayer. ?Es ist eher zufällig, dass ein wildes Pferd der Dreh- und Angelpunkt ihrer Beziehung ist. Am meisten bewegte mich, wie sehr die Familie sich anstrengte, alles am Laufen zu halten. Alle haben nur die besten Absichten. Es gibt keine Bösen ? abgesehen von den äußeren Bedingungen.?

Nachdem das Drehbuch fertig und der Regisseur unter Vertrag genommen war, begann die Suche nach den Darstellern. Für die Hauptrolle der jungen Pferdenärrin Katy entschieden sich die Filmemacher für die vielseitig begabte Alison Lohman, die Kritik und Zuschauer gleichermaßen in so unterschiedlichen Filmen wie WHITE OLEANDER (?Weißer Oleander?, 2002), MATCHSTICK MEN (?Tricks?, 2003) und BIG FISH (?Big Fish ? Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht?, 2003) beeindruckt hatte.

?Alison ist eine großartige Schauspielerin?, sagt der Regisseur. ?Alle ihre bisherigen Arbeiten sind von großer Wahrhaftigkeit und einer emotionaler Tiefe, die ihr Alter schlicht vergessen lassen. Ich war mir sicher, dass sie Katy mit der notwendigen Mischung aus Intelligenz und emotionaler Verletzlichkeit porträtieren konnte.?

?Die Figur Katy hat mich von Anfang an fasziniert?, bestätigt Allison Lohman. ?Es gefiel mir, dass sie keine Angst hat, eigensinnig zu sein. Obwohl sie noch sehr jung ist, steht sie mit beiden Beinen auf dem Boden und weiss genau, was sie will. Gleichzeitig ist sie sehr sanft und mädchenhaft. Diesen Widerspruch in ihr mag ich sehr.?

Für die Rolle des störrischen, aber äußerst liebevollen Vaters Rob, entschieden sich die Filmemacher für den Country Music-Star Tim McGraw, der in letzter Zeit auch als Schauspieler auf sich aufmerksam gemacht hat. McGraw, der sein beeindruckendes Kinodebüt 2004 in dem Football-Drama FRIDAY NIGHT LIGHTS (2004) hatte, freute sich über die Chance, bei diesem Film eine liebenswertere Person verkörpern zu können. ?Rob hat seine harten Seiten, aber er ist ein guter Mensch und ein verantwortungsvoller Familienvater?, meint der Darsteller über seine Rolle. ?Es war eine Riesenchance, einen Film machen zu können, den meine Kinder ? und Generationen nach ihnen ? mit Freude sehen können.?

Für Maria Bello, die für die Rolle der starken und durchsetzungsfähigen Mutter Nell engagiert wurde, war FLICKA eine willkommene Abwechslung zu ihren meist härteren Filmen wie PERMANENT MIDNIGHT (?Permanent Midnight ? Voll auf Droge?, 1998), THE COOLER (2003) oder A HISTORY OF VIOLENCE (?A History of Violence?, 2005). ?Es ist nicht so, dass ich ein sonderliches Faible für leichte Kost hätte, aber als ich hörte, dass Michael Mayer Regie führen würde, wurde ich aufmerksam. Ich las das Drehbuch mit all seinen schön beschriebenen Beziehungen und wusste genau, warum Michael zugesagt hatte. Da wollte ich auch dabei sein.?

Dann wurde der vielversprechende australische Schauspieler Ryan Kwanten als Katys Bruder Howard besetzt, den es nach Boston ans College zieht. Dallas Roberts, der mit Regisseur Mayer schon in A HOME AT THE END OF THE WORLD (?Ein Zuhause am Ende der Welt?, 2004) zusammen gearbeitet hatte, bekam die Rolle des langjährigen Landarbeiters Gus und für die Rolle seines Kollegen Jack wurde Danny Pino engagiert. Kaylee DeFer ergänzte das Ensemble als Howards reiche und pferdevernarrte Freundin Miranda.

Vor dem Beginn der Dreharbeiten mussten der Regisseur und die Schauspieler lernen, so natürlich wie möglich mit Pferden umzugehen. Da - abgesehen von Tim McGraw - keiner der Schauspieler viel Erfahrung mit den Tieren hatte, gab es ein ?Cowboy Camp?, in dem sie von den Film-Cowboys in wenigen Wochen alles beigebracht bekamen, was sie über den Umgang mit Pferden wissen mussten.

Im Camp, das von Chef-Cowboy Rusty Hendrickson geleitet wurde, lernten die Schauspieler die Pferde, die sie reiten sollten kennen und gewöhnten sich so langsam an die Tiere. ?Ob es darum ging zu lernen, wie man ein Lasso wirbelt oder wie man auf ein Pferd rauf und wieder runter kommt, immer ging es darum, die Schauspieler in die Lage zu versetzen, dieses im Film glaubhaft rüberzubringen?, erklärt Hendrickson. Obwohl alle einen ganz individuellen Zugang zu den Tieren hatten, meint Henderson, es sei manchmal einfacher jemandem etwas beizubringen, der überhaupt keine Ahnung hat, als jemandem der meint, ohnehin schon alles zu wissen: ?Die hören einfach besser zu.?

Die Schauspielerin, die die meiste Zeit mit oder auf Pferden verbringen sollte, war Alison Lohman und sie hatte am meisten zu lernen. ?Entweder kannst du reiten oder nicht ? spielen kann man das nicht?, verdeutlicht Henderson, ?also kam als erste Alison in den Sattel. Wir hatten wenig Zeit für ihre Ausbildung, um so überraschter und beeindruckter waren wir, wie schnell sie lernte.?

Alison Lohman meint: ?Es geht darum, zu üben, viel bei den Pferden zu sein, sie zu streicheln, Zeit mit ihnen zu verbringen. Anfangs war es beängstigend und mitunter schmerzhaft, aber nach einigen Wochen Training lief es ganz prima. Ich war erstaunt, was ich in so relativ kurzer Zeit geschafft habe.?

Die junge Schauspielerin wollte sich den Pferden emotional nähern. ?Alison wollte wissen, was für Bedürfnisse ein Pferd hat und umgekehrt, was sie vom Tier erwarten durfte?, erinnert sich Hendrickson. ?An der gefühlsmäßigen Bindung arbeitete sie genauso intensiv wie am Reittraining.?

Maria Bello, die auch wenig Erfahrung mit Pferden mitbrachte, betrachtete ihre Ausbildung aus einer anderen Perspektive. ?Pferde haben mich schon immer fasziniert, aber ich hatte auch immer ein wenig Angst vor ihnen?, gibt sie zu. ?Aber ungefähr nach meiner dritten Lektion mit meinem Pferd Belle, verstand ich, was es bedeutet, eins mit dem Tier zu werden. Es wurde zu einer Art Zen-Erfahrung für mich - diese Balance zwischen Kontrolle und Nachgeben ist etwas, wonach ich auch im richtigen Leben suche.?

Auch Regisseur Mayer musste einen Crashkurs machen und bereitete sich intensiv mit Rusty Hendrickson und dem Second Unit-Regisseur vor. ?Wir sprachen darüber, was Pferde wirklich tun können und was nicht?, erinnert sich der Regisseur. ?Einer der komischsten Momente war, als ich fragte, ob wir eines der Tiere dazu bringen könnten, Flicka ?nur so? anzusehen. Die Antwort lautete ?Michael, es ist ein Pferd, kein Schauspieler?. Ich begriff dann ziemlich schnell, dass Pferde keine Darsteller sind, sondern wunderschöne, intuitive Tiere. Das letzte, was sie interessiert ist, in welche Richtung sie blicken sollen, wenn ich ?Action? rufe.?

Tim McGraw hingegen wuchs in seiner Heimat Louisiana mit Pferden auf, schränkte das Reiten allerdings deutlich ein, als er nach Nashville ging, um seine Karriere als Musiker zu verfolgen. ?Als ich begann mit den Cowboys zu arbeiten, kam alles ganz schnell wieder?, versichert McGraw, ?aber ich hatte eine Menge technischer Fragen.? McGraw hatte Lust zu experimentieren, besonders als es ans Lassowerfen ging. Die Trainer schnallten einen Dummy an einen Geländewagen, den er jagen und fangen konnte ? natürlich im Sattel. ?Das war großartig?, schwärmt McGraw. ?Seit meiner Kindheit hatte ich das nicht mehr gemacht und ich hätte den ganzen Tag trainieren können.? Nebenbei verfeinerte er so natürlich seine Reitkünste. ?Es ist gut, wenn man ein anderes Ziel hat?, meint Hendrickson, ?das lenkt einfach von den Schwierigkeiten ab, die man mit dem Reiten selbst hat.?

Trotz Rückenschmerzen und wunden Hinterteilen entwickelten alle Schauspieler eine große Liebe und Respekt zu den majestätischen Tieren. Tim McGraw meint: ?Wenn man bei ihnen ist, spürt man ihre Kraft und ihre Sensibilität. Es ist einfach unmöglich, sie nicht zu respektieren.? Und Alison Lohman ergänzt: ?Ich glaube Pferde sind so etwas wie die Verkörperung von Schönheit und Freiheit.?

Auch die Pferde brauchten Training. Hendrickson und zehn weitere Pferdetrainer arbeiteten mit 30 Ranchpferden, 10 trainierten ?Spielpferden? und 6 ?Flicka-Darstellerinnen?, die alle auf die Dreharbeiten vorbereitet werden mussten. Die größte Herausforderung für Hendrickson war es, den Pferden beizubringen, wo sie zu stehen hatten ? besonders ohne Reiter. ?Da muss man viel trainieren. Man muss tatsächlich eine Stelle markieren und sie wieder und wieder dahin führen, bis sie es sich merken. Wenn sie es mal begriffen haben, finden sie die Stelle immer wieder ? aber natürlich nur freiwillig.?

Es gehörte zu den Aufgaben der Trainer, die Pferde zu bestimmen, die sich in der Titelrolle abwechseln sollten. Nach Rücksprache mit den Filmemachern wählten sie das Flicka-Team aus. ?Vor den Proben wussten wir nicht, welches Pferd welche besonderen Fähigkeiten haben würde, aber wir wussten, was wir alles mit ihnen ausprobieren wollten?, sagt Hendrickson. ?Man hofft natürlich, dass das Pferd, das am besten in der Großaufnahme aussieht, auch so athletisch und so gut ausgebildet ist, wie die anderen. Aber alles klappte letzlich ganz vorzüglich.?

Dank der intensiven Vorbereitung arbeiteten die Schauspieler und die Tiere schließlich wie ein Team zusammen. Natürlich gab es auch einige Überraschungen ? inklusive der Frage, wie ?bereit für die Großaufnahmen? die Pferde eigentlich sein konnten. Danny Pino, der Darsteller des Jack, erinnert sich: ?Die Pferde, die wir am Set hatten, waren meistens ruhig und cool. Aber wenn die Kommandos zum Drehen kamen, sah man, wie sie die Ohren spitzten. Wenn Michael ?Action? rief, suchten sie ihre Position.? Regisseur Mayer ergänzt: ?Ich gewöhnte mir an, ?go? anstatt ?Action? zu sagen, wenn die Pferde am Set waren. Und das so ruhig wie möglich.?

Der Regisseur wusste, um die schwierigste Außenszene des Films, ein Rennen wilder Mustangs, so effektiv wie möglich zu drehen, musste er den Tieren sehr genaue Vorgaben machen. ?Man kann den Tieren beibringen, sich von einem Punkt zum nächsten zu bewegen. Also mussten wir ganze Serien dieser Punkte für sie festlegen und die Stampede so im Film zusammenbauen?, erinnert sich Mayer. ?Es ist als ob man Wasser auf den Boden gießt und vorhersagen soll, in welche Richtung es fließen wird. Man gibt den Pferden eine Schutzzone, in der sie Wasser und Futter haben und keinen Stress. Dort gefällt es ihnen und sie begreifen den Ort schließlich als ihr Refugium. Dann bringt man sie woanders hin und lässt sie laufen. Natürlich wollen sie dorthin zurück ? und das muss man dann drehen.?

Obwohl FLICKA in Wyoming spielt, wurden große Teile des Films in der Gegend von Los Angeles gedreht, wo es auch sehr imposante Bergketten und außergewöhnliche Aussichten gibt. ?Wenn man den Film sieht, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass etliche dieser wunderschönen, unberührten Landschaften tatsächlich ganz in der Nähe der wuchernden Metropole L.A. gedreht wurden?, sagt Kameramann J. Michael Muro. ?Wir hatten uns vorgenommen, den typischen, bis ins kleinste Detail genau ausgeleuchteten Familienunterhaltungs-Look zu vermeiden und einen realistischeren Stil zu finden, der letztlich mehr der eher düsteren Anmutung der literarischen Vorlage entsprach.?

Die Aufnahmen einer Szene, in der Katy im Morgengrauen über die Ranch reitet, war eine weitere Herausforderung für die Filmemacher. ?Diese Sequenz war schwierig zu koordinieren und zu komponieren,? erinnert sich Muro, ?sie erforderte Einiges an besonderer Planung, da ein Teil von Katys Ausritt in Los Angeles und andere Teile in Wyoming gedreht wurden. Unterschiedliche Tageszeiten und Lichtverhältnisse erforderten eine kontinuierliche Anpassung der Belichtung und viel Nacharbeit im Labor, um Licht- und Farbsprünge innerhalb der Sequenz zu vermeiden. Es war kompliziert, aber es hat hervorragend geklappt?, freut sich Muro. ?Mein Ziel war es, die Zuschauer mit der Schönheit dieser Aufnahme so zu beeindrucken, dass sie nach Hause gehen und nichts sehnlicher wünschen, als auf ein Pferd zu steigen und den gleichen fantastischen Ausritt zu machen wie Katy.?

Alison Lohman hat die Hoffnung, dass der Film die Zuschauer wieder für die Schönheiten der Natur begeistert und die Menschen daran erinnert, dass die letzten unzerstörten Landschaften erhalten und respektiert werden müssen. ?Es muss mehr geben als nur Häuser und Einkaufszentren?, sagt die Schauspielerin. ?Es muss auch ein bisschen freie Landschaft übrigbleiben.?

?Jede Figur im Film ist ein Musterbeispiel für amerikanischen Individualismus, jede verfolgt ihre persönliche Vorstellung des Amerikanischen Traums?, erklärt Regisseur Mayer. ?Es gibt etwas im Film, das uns alle anspricht, weil wir wissen, dass man nichts geschenkt bekommt in diesem Land, das wir gemeinsam geschaffen haben.?

?Alle unsere Figuren müssen einschneidende persönliche Opfer bringen. Und doch haben alle schließlich ein hohes Maß an Achtung und Respekt füreinander, und das finde ich ganz wunderbar.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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