Mein Name ist Eugen

Produktionsnotizen

Das Buch ?Mein Name ist Eugen? von Klaus Schädelin prägt seit den 50er Jahren bis heute die Generationen. Die eigene Sprache, gespickt mit Helvetismen und der Blick auf die Welt der Erwachsenen sind ein Teil Schweizer Kulturgutes geworden.

Jetzt ist es soweit: Eugens Geschichten erwachen auf der Kinoleinwand zum Leben. MEIN NAME IST EUGEN ist als spritzige Komödie und Generationen übergreifender Schweizer Kinospielfilm umgesetzt. Die Handlung wurde ins Jahr 1964 gelegt. Abgesehen von der Festlegung der Epoche waren im Laufe der Umsetzung vom Buch zum Film weitere dramaturgische Anpassungen nötig. Denn das Buch ist episodenhaft geschrieben, ein Film jedoch verlangt dramaturgische Bögen. Darum wurde eine Rahmenhandlung entwickelt und die Buchepisoden darin verwoben.

Regisseur Michael Steiner, der zusammen mit dem Drehbuchautor Michael Sauter das Filmdrehbuch entwickelt hat, meint dazu: ?Wir mussten einen roten Faden in die Episoden einweben. Aber die wichtigsten Streiche, an die sich jeder erinnert, wie zum Beispiel das Malheur mit dem Helm oder die zerplatzte Sirupflasche, kommen im Film natürlich vor. Wir haben uns aber für den Film erlaubt, einige Streiche neu zu erfinden. Im Vergleich zum Buch erhalten auch die Eltern einen größeren Stellenwert. Die zentralen Themen des Buches findet man jedoch alle wieder: Freundschaft, Rebellion gegen die Erwachsenen und das Erwachsenwerden, erste Liebe, Bubenträume und Bubenstreiche.

MEIN NAME IST EUGEN ist mit rund sechs Millionen Schweizer Franken Budget die größte Schweizer Produktion seit acht Jahren. Abgesehen von der kostspieligen Versetzung der Handlung in die 60er Jahre, ist MEIN NAME IST EUGEN auch ein Film mit Kindern, Tieren, Stunts und Spezialeffekten - also alles, was Schweizer Filmen normalerweise das Budget sprengt: Ein Boot kracht durch drei Stockwerke eines Hauses, Münzen, Tropfen und Kinder fallen vom Dach, Hühner sitzen auf Kirchtürmen und Frösche müssen im richtigen Moment von einer Astgabel springen. Während des Drehs reisten Stunt-Kinder aus den USA an, um in den gefährlichsten Actionszenen die vier Lausbuben zu ?doubeln?.

In der Postproduktion wurden dann die Bildbearbeitungen und Animationen vorgenommen. Greenscreens bei den Zugfahrten wurden mit Landschaftsbildern des Gotthardmassivs ersetzt, Drähte, an welchen die Kinder hingen, mussten entfernt werden, ebenso alle möglichen Hilfskonstruktionen und Baukräne. Insgesamt 30 Minuten des Filmes sind von den Spezialisten der On Line Video 46 AG so bearbeitet worden, um die Illusion perfekt zu machen. Eine Besonderheit und ein wahres postproduktionelles Highlight sind die ?day for night?- Szenen, die nachts spielen, aber am Tag gedreht und in der Postproduktion mit immensem Aufwand umgearbeitet wurden.

Der Dreh im Sommer 2004 dauerte 10 Wochen und verlangte über 100 Drehmotive, verteilt in der ganzen Schweiz. Rund 40 SchauspielerInnen, über 500 StatistInnen und 180 MitarbeiterInnen beschäftigte die Produktion. Täglich standen zwischen 50 und 150 Personen auf dem Set. Die Postproduktion benötigte 11 Monate und beinahe 100 Mitarbeiter.

MEIN NAME IST EUGEN wird von den vier Hauptfiguren Eugen, Wrigley, Bäschteli und Eduard getragen. Um die entsprechenden Rollen der vier jugendlichen Hauptdarsteller im Alter zwischen 10 und 14 Jahren zu besetzen, wurden in einem groß angelegten Casting von über 1.200 Bewerbern 900 Kinder eingeladen, um die talentiertesten Knaben zu eruieren. Dieser Prozess benötigte vier Casting-Runden von Sept. 2003 bis Feb. 2004. Acht Lausbuben bekamen dann an einigen Wochenenden die Gelegenheit, sich vor Coaches und Regie zu bewähren. Schließlich standen unsere vier Hauptdarsteller fest: Manuel, Janic, Dominic und Alex.

Der Schauspielunterricht und die Vorbereitung der jungen Hauptdarsteller auf ihre Rollen war die schwierigste Aufgabe für das Gelingen des Filmes. Darum wurde unter der Leitung der Schauspielerin Stephanie Japp (im Film als Mutter Bäschteli zu sehen) ein eigenes Coaching-Departement ins Leben gerufen. Zusammen mit dem Schauspieler Christof Oswald erarbeitete Stephanie Japp einen strikten Übungsplan, um den Kindern die bestmöglichen Voraussetzungen für den Dreh zu schaffen.

Mit Hilfe klassischer Schauspielunterrichtsmethoden lernten die Kinder in drei Monaten zu improvisieren und sich in emotionale Situationen zu versetzen. Ebenso wurden sie darauf vorbereitet, auch während anstrengender Drehtage konzentrierten Einsatz leisten zu können. Auf dem Set war immer ein Coach anwesend, der die Kinder auf die Szenen vorbereitete, damit der Regisseur in ?normalem? Spielfilmtempo arbeiten konnte.

MEIN NAME IST EUGEN spielt im Jahr 1964. Dadurch waren Ausstattung, Kostüme und Maske speziell gefordert. Schon ein Jahr vor Drehbeginn durchkämmten Location-Scouts die Schweiz, um Ecken, Häuser und Straßen zu finden, die noch für die Inszenierung der Sechziger-Jahre funktionieren könnten. Denn selbst ?alte? Orte wie Bahnhöfe, Museen oder die Altstadtgassen sind besonders hierzulande dermaßen modernisiert, dass die Motivsuche vielfach dem Aufspüren weißer Trüffeln gleichkam. Selbst bei erfolgreicher Suche mussten ganze Straßenzüge und Plätze ausgestattet werden. Schaufenster wurden umdekoriert, Türen und Zäune ausgewechselt, Verkehrstafeln demontiert oder ersetzt.

Um Leben in die Szene zu bringen, brauchte es Oldtimer, Fahrräder und nicht immer ganz funktionstüchtige Fahrzeuge aller Art. Und natürlich eine große Anzahl von Statisten, von denen jeder zuvor in stundenlanger Vorbereitung gekleidet und frisiert worden war, damit die Damen in eleganten Deux-pièces und mit hochtoupierten Haaren und die Männer in Anzügen und mit Mittelscheitel den historischen Eindruck vervollständigten. Da viele Motive in den Stadtzentren lagen, war der logistische Aufwand enorm. So mussten beispielsweise beim Dreh vor dem Berner Zytgloggeturm über 25 Helfer engagiert werden, nur um die Touristen davon abzuhalten, mit ihrer modernen Kleidung vor die Kamera zu treten.

Natürlich waren auch die Innenmotive schwer zu finden. Alle Wohnungen im Film wurden entweder im Filmstudio Uster errichtet oder in leerstehende alte Häusern eingebaut. In Uster musste zudem eine spezielle Konstruktion ausgetüftelt werden, um ein Boot durch drei Stockwerke fallen zu lassen ? zusammen mit 1.000 Litern Wasser.

Gerald Damovsky und Monica Rottmeyer leiteten die Ausstattung, angefangen von der Sichtung von Bildbänden der Sechzigern bis hin zum Bau der Kirchenuhr samt Freske, die auf 12 Metern Höhe an einen Turm in Carona montiert werden mussten. Pascale Suter durchforschte alle Kostümfundus von Hamburg bis Mailand und brachte Entlebucher Grosis dazu, 50 Paar Wollensocken nach Großmutterart zu stricken, und schließlich schminkte und frisierte Jakob Peier die Sechziger herbei, war er doch einer der wenigen im Team, die diese Zeit noch in gelebter Erinnerung hatten.

Gerne erinnern wir uns daran, wie Patrick Frey und Mike Müller ratlos am Gotthard neben ihren Oldtimern standen, die wieder einmal den Kampf gegen den Berg verloren hatten und wie Kurt Fritsche immer wieder Motorhauben öffnete und Autos auseinander- und zusammenschraubte, bis er den Kampf gegen den stotternden Motor gewann.

Als Road-Movie angelegt, führt der Film in einer sommerlichen Reise von Bern mit dem Zug samt Krokodil-Lokomotive durch den Gotthard ins Tessin, mit dem Fahrrad geht?s über den Gotthard zurück durch die Innerschweiz bis nach Zürich. Wir erleben die Berner Altstadt, das Zürcher Niederdorf, das Berner Umland, romantische Flussufer, die Voralpen, ein malerisches Tessiner Bergdorf, halsbrecherische Kehren der Tremola und mondbeschienene Schneeberge. Die in der Deutsch- und Südschweiz verteilten Drehorte umfassten 107 Motive.

Das Kinderbuch 1955 erschien im Zwingli-Verlag das Kinderbuch "Mein Name ist Eugen", eine heitere Ansammlung von Bubenstreichen und Abenteuern, geschildert aus der Sicht des 12-jährigen Eugen. Ähnlich wie die Bücher von Erich Kästner in Deutschland wurde "Mein Name ist Eugen" zu einem Kultbuch der heranwachsenden Schweizer Nachkriegsgeneration und entwickelte sich rasch zu einem Bestseller. Das Buch verkaufte sich in den ersten 10 Jahre 54?000 Mal und geht heute noch etwa 2.000 Mal jährlich über den Ladentisch. Insgesamt wurden bis dato ca. 200'000 Exemplare verkauft. Damit gehört "Mein Name ist Eugen" neben "Heidi" zu den erfolgreichsten und bekanntesten Schweizer Kinderbüchern. Immer wieder taucht das Buch in Magazinen unter der Kategorie "Ihr liebstes Buch" von Schweizer Persönlichkeiten auf und wird im Schulunterricht behandelt.

Die Sprache des Buches erinnert denn auch bewusst an Schulaufsätze, sie ist gespickt mit Helvetismen und eigenen Wortkreationen. Es ist diese Sprache, welche dem Buch seinen einzigartigen Charme verleiht und den Leser jeden Alters schnell in Eugens eigene Welt eintauchen lässt.

Das Buch berichtet von den Alltagssorgen und -freuden von Eugen und seinem besten Freund Wrigley (der so heißt, weil er dauernd Kaugummis der Marke Wrigley kaut). Die beiden erleben zusammen die verrücktesten Geschichten. Die dummen Ideen stammen meistens von Wrigley - und regelmäßig münden deren Ausführung in kleinere und größere Malheurs - sehr zum Ärger der Erwachsenen natürlich, aber sehr zur Freude der Buben, versteht sich.

Haupthandlungsort des Buches ist das Haus, in welchem Eugen und Wrigley mit ihren Familien wohnen, ein Ort mit "Lausbubengeschichte", wohnte früher darin doch Fritzli Bühler, der König aller Lausbuben. Einige Schandtaten von Fritzli Bühler geistern noch immer durch Bern und betreffen vor allem die arme Tante Melanie, welche die aktive Zeit Fritzli Bühlers noch leidvoll in Erinnerung hat, wobei genau da auch ihr Problem liegt: Die gute Dame verliert langsam die Orientierung. Eugen führt uns im Buch durch seine Welt ? er stellt uns seine Familie vor, die Schule mit den dazugehörigen ungeliebten Lehrern und weitere Protagonisten wie der starke, aber etwas unterbelichtete Eduard oder der aus sehr gutem Hause stammende Bäschteli.

Die Viererkombo mit Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli steht im Verlauf des episodenhaften Buches im Mittelpunkt. Zusammen gehen sie ins Tessin ins Pfadilager und machen sich von dort auf die Suche nach dem König der Lausbuben, Fritzli Bühler, der angeblich in Zürich wohnt. Natürlich treffen sie in Zürich zuerst auf den falschen Fritzli Bühler, doch dann ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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