|
|
|
Im
Vergleich mit anderen aufwändigen Filmen in historischer
Kulisse ist MEIN FÜHRER eine schnelle Produktion, die den Weg
von der Idee zum fertigen Film in rund einem Jahr durchlief.
Nachdem Dani Levy die erste Drehbuchfassung im Juli 2005
geschrieben hatte, begann Stefan Arndt von X Filme bereits mit der
Finanzierung.
Dazu Stefan Arndt: ?Wir haben mit dem Dreh von MEIN FÜHRER nach knapp sieben Wochen Vorbereitungszeit begonnen, was schon ziemlich halsbrecherisch ist, wenn man bedenkt, dass wir jedes Motiv bauen und erfinden, Uniformen nähen mussten, dass wir uns überlegen mussten, wie man das zertrümmerte Berlin zeigen kann und wie man aus Helge Schneider Adolf Hitler macht.? Großes Finale im Berliner Lustgarten MEIN FÜHRER spielt maßgeblich in Speers gigantischem Bau der Neuen Reichskanzlei. Die überdimensionierten Räume stellten Regie und Ausstattung vor logistische Probleme. Wo sollten man solche Räume finden, wenn man sie nicht im Studio nachbauen wollte? Es gab genau zwei Gebäude in Berlin und Umgebung, die über solche Räumlichkeiten verfügten und beide in Kombination klappen mussten: die ehemalige Russenkaserne in Krampnitz und das Amtsgericht in Charlottenburg. Beides klappte.Für die Außendrehs stellten sich ganz andere Probleme: Als Ehrenhof der Neuen Reichskanzlei wurde der Innenhof des heutigen Finanzministeriums (und damaligen Luftfahrtministeriums) benutzt. Finanzminister Peer Steinbrück erteilte die Genehmigung, in seinem Ministerium zu drehen, und für ein paar Stunden mit Nazifahnen den alten Hausherren Göring wieder spürbar werden zu lassen. Für das große Finale im Berliner Lustgarten, mit dem größten Statistenheer, das Dani Levy bisher dirigieren musste, wurde der Platz vor dem Berliner Dom abgesperrt und in die NS-Zeit verwandelt. ?Das war ein Dreh, der sich nun wirklich nicht verheimlichen ließ?, erinnert sich Stefan Arndt. ?Der Aufmarsch war europaweit auf den Titelseiten der Zeitungen, und ich war schon sehr erschrocken, als ich morgens zum Drehort kam, als es gerade hell wurde, und da hockten auf den Bäumen schon überall die Fotografen. Wenn man auf so einem historischen Platz Hitler im offenen Auto durch die ?Heil? brüllende Menge fahren lässt, kann man diese Aufmerksamkeit nicht vermeiden.? Der Kameramann Carsten Thiele erinnert sich: ?Besonders schockierend fand ich es zu erleben, wie Hunderte von Komparsen ?Sieg Heil!? brüllten: Da lief es mir kalt den Rücken herunter, und ich wagte kaum, mir vorzustellen, wie sich das erst bei Tausenden von Leuten anfühlen müsste. In diesem Moment habe ich zum ersten Mal hautnah gespürt, wie gefährlich Massenaufläufe sind ? und was für eine Macht ein Demagoge hat, der solche Menschenmengen beeinflussen kann.? Das Szenenbild sollte die Komödie unterstützen Dani Levy hatte sich früh entschieden, sich nicht akribisch an die historische Realität zu halten. Er wollte seine Fantasie mit feinen Wurzeln aus der Wirklichkeit versehen. ?Das Schöne an der Arbeit war, die verschiedenen Departments, die Ausstattung, die Maske, das Kostümbild zu ermutigen ? ausgehend von der historischen Rekonstruktion, mit der man ja immer erst mal anfängt ? große Fantasie zu entwickeln?.In der Tat genoss Ausstatter Christian Eisele die ungewohnten Freiheiten, die sich daraus ergaben: ?Historische Projekte sind für mich immer eine besonders schöne Aufgabe. In diesem Fall lag der Reiz unter anderem darin, sich die intimste Umgebung des Führers auszumalen ? sein Schlafzimmer, sein Badezimmer ... Mit dem Szenenbild konnten wir hier wunderbar die Komödie unterstützen und der Fantasie freien Lauf lassen. Dabei bestand die größte Herausforderung für unsere Abteilung sicherlich darin, unser äußerst knappes Budget nicht zu überziehen. Nur auf Grund eines sehr kompetenten und leistungsfähigen Ausstattungsteams und der intensiven Zusammenarbeit mit Dani Levy war es mir möglich, die Vielzahl anspruchsvoller Motive mit unseren begrenzten finanziellen Mitteln umzusetzen.? Entscheidung für den Modellbau Im Gegensatz zu den frei erfundenen Privaträumen wurde Hitlers Büro sehr getreu rekonstruiert, wenn auch nicht mit teurem echten Marmor, sondern mit übermaltem Styropor. Von der Neuen Reichskanzlei wurde ein maßstabsgerechter Modellnachbau aus patiniertem Styropor Stein für Stein nachgebaut. ?Diese gespenstische, gigantomanische Trümmer-Landschaft, 300 Meter Vossstraße in Ruinen auf der einen Seite und der Reichskanzlei auf der anderen Seite, das wäre in keinem Studio der Welt baubar gewesen?, so Dani Levy. ?Wir haben uns daher dafür entschieden, auf die alte Filmtradition des Modellbaus zurückzugreifen, was mir auch sehr viel näher liegt, als wochenlang vor dem Computer zu sitzen. In der Welt des Modellbaus fühlte ich mich wie ein Kind.? Das Modell der Reichskanzlei misst 17 Meter Die Entscheidung zwischen Modell und Computer war auch für den Modeel & Visual Effects-Supervisor Frank Schlegel elementar:?In den letzten Jahren fiel die Entscheidung leider oft viel zu schnell für die digitale Variante. Modelle galten als unzeitgemäß und zu teuer. Ich hingegen halte Modell und digital zumindest bei Kinofilmen meist für die beste Lösung, da die Gestaltung der Oberflächen und deren Verhalten im Licht vor einer Filmkamera bei Modellen oft überzeugender ist. Seit Peter Jacksons exzessivem Modelleinsatz in HERR DER RINGE habe ich auch hierzulande wieder offene Ohren gefunden für die Idee, mit Modellen zu arbeiten. So ließen sich Dani Levy und seine Mitarbeiter bei X Filme glücklicherweise auch gleich auf meinen Vorschlag ein, die Reichskanzlei und das zerbombte Berlin mit Hilfe eines Modells tricktechnisch darzustellen und dieses Modell dann digital mit real gedrehten Elementen zu kombinieren. Meine Kollegen und ich haben schließlich ein Modell mit einer 17 Meter langen Reichskanzlei und 10 Meter langen Häuserruinen gebaut. Es eröffnet dem Film eine Dimension, die man mit dem verfügbaren Budget in dieser Qualität niemals rein digital hätte herstellen können.? Ein Mantel für Blondi, des Führers Schäferhund So wie bei der Ausstattung ging es auch bei den Kostümen darum, die historischen Gegebenheiten komödiantisch zu überziehen. Zu Dani Levys absoluten Lieblingskostümen gehört das weiße Jackett, das Hitler so wirklich besaß, mit dem erfundenen schwarzen Cape darüber, und die kleine SS-Uniform für Blondi, die auch der Kostümbildnerin Nicole Fischnaller besonderen Spaß machte:?Es ist nicht wahr, dass ich mich zum Ende der Dreharbeiten zu MEIN FÜHRER bei ?Wetten, dass?? bewerben wollte mit der Wette: Ich kann 17 Hakenkreuze in 10 Minuten blind aufsticken! Wahr ist allerdings, dass ich für Blondi (des Führers Hund) ein Mäntelchen anfertigte, um es ebenfalls mit dem bekannten Symbol zu versehen ? im naiven Glauben, es sei meiner Fantasie entsprungen. Ein paar Wochen später kam ich zu der bitteren Erkenntnis, dass selbst dieses Bekleidungsstück von den Nazis zu Propagandazwecken eingesetzt wurde: Ich fand tatsächlich ein Foto einer KZ-Wärterin samt Schäferhund im Mäntelchen mit Abzeichen. Im Zuge dessen wurde mir wieder einmal erschreckend bewusst, welche ungeheuerliche Rolle gnadenloses, allgegenwärtiges Corporate Design in Verbindung mit Uniformierung spielen kann ? und wie sehr doch Kleidung ein Spiegel der Zeit ist.? 31 Drehtage ? zwei Kameramänner Der Film wurde an 31 Drehtagen ab Mitte Januar 2006 gedreht. Um Zeit zu sparen, wurde mit zwei Kameras gedreht, wodurch immer gleich zwei Einstellungen gleichzeitig entstanden. Das hat die Arbeit der Schauspieler deutlich erleichtert, dafür aber die Arbeit an der Kamera deutlich erschwert, wie Kameramann Carl-F Koschnick bestätigt: ?Die größte Herausforderung bei diesem Film war sicherlich, mit relativ einfachen Mitteln möglichst genaue historische Bilder herzustellen ? unter Zuhilfenahme von Modellbau, Blue Screen und Archivmaterial. Da wir den Film durchgehend mit zwei Kameras (oft aus unterschiedlichen Richtungen) gedreht haben und nicht viele Drehtage hatten, musste ich zudem ein Lichtkonzept entwickeln, das möglichst wenig Umbauzeit brauchte.? Die Verwandlung von Helge Schneider Eine weitere große Aufgabe bestand in der Maske, die Helge Schneider jeden Morgen in einer fast dreistündigen Prozedur in Adolf Hitler verwandelte: ?Manchmal fallen mir die Augen zu?, erzählte Helge Schneider während der Dreharbeiten. ?Und wenn ich aufwache, kann ich mich nicht erinnern, wie ich in Wirklichkeit aussehe. Dafür schaut mich aus dem Spiegel jemand an, dessen Antlitz uns sehr geläufig ist.?Gregor Eckstein, der für diese Spezialmaske zuständig war, berichtet: ?Die größte Herausforderung war für mich, Helge Schneider in Adolf Hitler zu verwandeln, denn bekanntlich hat Helges Physiognomie so gut wie keine Ähnlichkeit mit der des Führers. Es war Dani Levy aber wichtig, dass Helge vor allem zu Beginn des Films möglichst gar nicht als Helge zu erkennen ist, sondern dass er die Zuschauer stattdessen sofort an Hitler erinnert. Eine Perücke kam aus diversen Gründen nicht in Frage ? ich musste also all meine Überredungskunst aufbringen, bis ich Helge davon überzeugen konnte, sich von seiner Haarpracht zu trennen. Wenn ich?s mir recht überlege, dann war das vielleicht sogar meine allergrößte Herausforderung bei diesem Film.? Auch für die Maskenbildnerin Jeannette Latzelsberger bestand der besondere Reiz dieses Projektes in der komödiantischen Zuspitzung: ?Anders als etwa bei einem historisch genauen Doku-Drama hatte ich gewisse Freiheiten bei der Gestaltung: Die Figuren sollten zwar einerseits möglichst so aussehen, als würden sie 1945 leben, aber andererseits mussten sie nicht 1:1 ihren historischen Vorbildern entsprechen. So durften wir beispielsweise Goebbels ausgeprägten Hinterkopf noch einen Hauch mehr betonen als auf den Fotos. Wir haben also versucht, die Figuren ein wenig zu überzeichnen ? nicht plump, sondern mit Charme!? Die originell komödiantische Besetzung Das Zentrum des Films, sein Herz sozusagen, bildet eine waghalsige und innovative Besetzung. ?Es war meine allererste Intuition, Helge Schneider als Hitler zu besetzen. Und es ist mir unerklärlich, wie ich darauf kam?, gesteht Dani Levy. ?Aber die Idee fraß sich in mir ein, bis ich den Mut zusammennahm und ihn einfach anrief. Wir machten Probeaufnahmen und ich verliebte mich sofort in Helges Art zu spielen, zu probieren, zu suchen. Unsere Universen könnten weiter nicht voneinander entfernt sein, aber im Kern sind wir uns sehr nah.?Die Besetzung übernahm Simone Bär, die für X Filme schon einige Projekte, mitunter GOOD BYE, LENIN!, besetzt hatte. Für die Rolle von Adolf Grünbaum konnte man den viel beschäftigten Ulrich Mühe gewinnen. ?Uli hat diese schöne Mischung aus Melancholie, Ruhe und Schlitzohrigkeit, die ich mir für Grünbaum immer gewünscht hatte?, bestätigt Levy. ?Es war uns immer klar, dass die Wärme des Films von seiner Figur abhängen würde.? Um die beiden zentralen Figuren glänzt MEIN FÜHRER mit einer bis in die kleinsten Nebenrollen originellen komödiantischen Besetzung. ?Simone Bär arbeitet sehr sensibel und fantasievoll. Sie denkt das Unmögliche. Von ihr stammt auch die Idee, Sylvester Groth als Goebbels zu besetzen. Groth ist für mich der geheime Star des Films und eine Riesenentdeckung. Er wurde noch nie komödiantisch eingesetzt und ist doch eigentlich der geborene Komiker. Auch Stefan Kurt (als Speer), Ulrich Noethen (als Himmler) und Lambert Hamel (als Rattenhuber) ? nicht zu reden von kleinen Auftritten von Lars Rudolf, Axel Werner, Meret Becker, Katja Riemann und Victor Schefe ? es gibt in Deutschland eine wirkliche ausgeprägte Komödiantenkultur.? Eine besondere Stütze für den Regisseur war Adriana Altaras (Elsa Grünbaum) als jüdische Partnerin bei diesem Film: ?Sie hat mich schon auf der Buchebene unterstützt und mich ermutigt, meiner inneren Stimme zu folgen. Und sie hat jede Menge historischer Hintergrundgeschichten zur Familie Grünbaum geliefert. Wir hatten schöne Gespräche über das Projekt und vor allem über den Humor als Gratwanderung zwischen Tabu und gutem Geschmack.? Ihr Sohn spielt den kleinsten Sohn (Benny) der Grünbaums. In allen Stufen der Produktion wurde bis zuletzt an den Feinheiten des Komödiantischen gefeilt, so erzählt auch der Cutter Peter Adam, dass viele der Dialoge Zeit brauchen, um ihre Wirkung entfalten zu können: ?Wir haben einfach gemerkt, dass wir den Film nicht auf das rasante Tempo einer Billy Wilder- Komödie beschleunigen können. Viele Sätze sind so hart, dass sie einige Zeit zum Nachhallen brauchen.? Mit Pauken und Trompeten Auch für den Komponisten Niki Reiser, der es genossen hat, zum ersten Mal in seiner Karriere mit großem Orchester, ?mit Pauken und Trompeten? arbeiten zu können, hat sich der Ansatz im Laufe der Arbeit verändert: ?Während ich mich anfangs eher an Richard Wagner oder an Nino Rotas Musik zu Filmkomödien orientierte und eine Art opulente Wagner-Parodie anstrebte, verlagerte sich mein Interesse immer mehr in Richtung einer fast minimalistischen, antreibenden Musik, die die Spannung zwischen Grünbaum und dem Führer widerspiegelt ? und Grünbaums permanenten Zwiespalt, ob er den Führer nun umbringen oder lieber seine Haut retten soll. So hat sich die Musik immer mehr reduziert und während der Schnittphase allmählich ihre jetzige Form gefunden: Dank der Dynamik des Films haben sich viele Stücke gewissermaßen wie von selbst ergeben.?Mit großer Spannung sehen alle Beteiligten jetzt dem Filmstart entgegen: Wie wird Deutschland und die Welt auf diesen Film reagieren? ?Das wird sicherlich ein Film sein, bei dem ich sehr neugierig am Ausgang warten werde, um zu sehen, in welcher Stimmung die Zuschauer das Kino verlassen!?, sagt Stefan Arndt. Anmerkungen des Regisseurs Sehr geehrte Damen und Herren, der Führer ist unsterblich. In unseren Köpfen zumindest. Das Trauma dieser Zeit treibt wilde Blüten und das anhaltende weltweite Interesse an unserer Geschichte wird durch Erfolge wie Der Untergang, Sophie Scholl - Die letzten Tage, Das Boot usw. belegt. Als Steven Spielberg Schindlers Liste verfilmte, war ich einer der ?orthodoxen? Kritiker, die sich dagegen auflehnten, dass man ?sich ein filmisches Bildnis des Holocausts mache?. Dass Kino so etwas nachstellen, abbilden, zur Schau stellen kann, diese ? wenngleich auch authentische ? Darstellung des Elends war für mich (als Jude) eine größenwahnsinnige Lüge. Die Diskussionen um Roberto Benignis Das Leben ist schön war der Beginn einer neuen Zeit. Darf der Holocaust, als Kulisse abstrahiert, für eine neue Perspektive, einen tragischkomischen Blick auf eine Vater-Sohn-Beziehung benutzt werden? Ich finde Ja! Benigni hat nie den Versuch unternommen, seine Abbildung der Zeit und des Grauens als realistisch zu behaupten. Benigni hat sich auf eine andere Ebene gewagt. Er erzählt mit einem poetischen Märchen in einem KZ, dass die kindliche Fantasie unzerstörbar ist. Ich habe versucht zu schreiben wie Karl May, der sich ?seine? Indianerwelt, ?seine? arabische Welt erfunden hat. Die Zustände und die Geschichte, die in Mein Führer beschrieben werden, sind auf den Kenntnissen dieser Zeit basierend, frei erfunden. Warum? Weil für mich die Fantasie, die faktenunabhängige Fabel, der Wahrheit vielleicht näher kommt. Oder anders gesagt: Ich will diesen zynischen, psychisch verwahrlosten Menschen nicht die Ehre einer realistischen Darstellung gewähren. Die ?Wahrheit?, die ich erzählen möchte, ist eine andere. Es ist die Geschichte eines menschlichen Dramas, die moralische Tragödie einer Zeit. In was für einer Zeit, mit welchen ethischen Werten, sind diese Menschen aufgewachsen, die im Nationalsozialismus geführt haben und ihm gefolgt sind? Welche Köpfe haben sich diese Verbrechen, die Ungerechtigkeiten und die Zerstörung menschlichen Lebens ausgedacht, und wie war es möglich, dies auf dem Rücken von Millionen durchzuführen? Ich bin auf Alice Miller gestoßen, eine der bekanntesten und populärsten Psychologinnen unserer Zeit. In ihrem Buch Am Anfang war Erziehung gibt es ein Kapitel über Hitlers Kindheit und die ?schwarze Pädagogik? jener Zeit. Ihre genau recherchierten Schilderungen über den Zusammenhang zwischen erlittenem Leiden in der Kindheit und der Rache dafür mittels eines gesamten Systems, haben mir mehr erzählt als Dutzende Nachschilderungen der Ereignisse. Die ?analytische? Reise, die Hitler mit seinem ?Therapeuten? Grünbaum unternimmt, basiert also auf wahrem Material. Ich hatte mich schon lange gewundert, warum bisher niemand einen Film, ob Drama oder Komödie, über diesen Zusammenhang gedreht hat. Ich möchte mich dafür der Komödie bedienen. Wenn Sie mir erlauben, würde ich sagen, die Komödie ist subversiver als die Tragödie. Sie kann Dinge behaupten, die in einer authentisch abgebildeten Ernsthaftigkeit nicht möglich sind. Sie kann Verhältnisse krass und ungeschminkt zeigen und sie dadurch in ihrer Erbärmlichkeit entlarven. Es ist Fakt, dass Hitler vor und während der Machtergreifung einen Schauspiellehrer hatte. Er hieß Paul Devrient (seine Autobiographie: Mein Schüler Adolf Hitler). Aus Devrient wurde der Jude Grünbaum. Dass dieser 1944 aus dem KZ zu einem ?letzten Einsatz? geholt wird, ist nur ein kleiner subversiver Schritt weiter in der Fantasie. Dass Hitler an Depressionen litt, ist bekannt. Die größenwahnsinnige Sprache, das Herrenmenschenweltbild und Goebbels Wirken in einer allumfassenden Propaganda ? lädt das nicht alles zur (Tragik-)Komödie ein? Nun bin ich natürlich längst nicht der Erste, der auf diese Ideen kommt. Der große Diktator oder "Sein oder Nichtsein" fallen einem sofort ein. Ich würde gerne mit meinen Mitteln an diese Tradition anknüpfen. Dani Levy |
|
|
|









