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Clint
Eastwood interessierte sich für das Projekt, seit er den
Bestseller ?Flags of Our Fathers? von James Bradley
(mit Ron Powers) gelesen hatte. ?Es gibt eine ganze Reihe von
Handlungssträngen ? das macht das Buch so
interessant?, sagt Eastwood.?
?Flags of Our Fathers? beruft sich auf James Bradleys Memoirenbestseller und schildert die Schlacht um Iwo Jima aus der Sicht eines der ?Fahnenhisser?. Erzählt wird aber auch die Geschichte eines Sohnes, der sich aufmacht, die Rolle seines Vaters auf dem berühmten AP-Foto zu ergründen: Durch das Foto will er nicht nur erfahren, was für ein Mann sein Vater war, sondern auch, an wessen Seite er kämpfte, wen er 60 Jahre nach dieser Aufnahme betrauert. ?Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, ein Buch zu schreiben?, berichtet James Bradley, dessen 2000 im Verlag Bantam veröffentlichtes Buch 46 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times stand ? davon sechs Wochen auf Platz 1. ?Mir ging es zunächst nur darum herauszufinden, warum mein Vater schwieg. Zur Buchveröffentlichung entschloss ich mich dann, als ich merkte, dass jeder das Foto, aber niemand die Geschichte dahinter kennt.? Eastwood fand bald heraus, dass sich Steven Spielberg die Filmrechte an Bradleys Buch gesichert hatte. ?Wie sich herausstellte, hatte DreamWorks den Stoff erworben?, berichtet Eastwood. ?Steven Spielberg gegenüber erwähnte ich einmal, dass ich den Stoff sehr schätze ? und dabei beließ ich es vorerst. Dann traf ich Steven vor zwei Jahren bei einer Veranstaltung, und er sagte: ,Warum machst du das Projekt nicht mit uns zusammen? Du inszenierst, ich übernehme für dich die Produktion.? Darauf ich: ,OK, abgemacht.?? Spielberg hat bereits einen außergewöhnlichen Film über den Zweiten Weltkrieg gedreht: ?Saving Private Ryan? (Der Soldat James Ryan) brachte ihm den Oscar als Bester Regisseur ein. Spielberg zweifelte angesichts der Ausnahmekarriere und Eastwoods Prinzipien als Filmemacher keinen Augenblick daran, dass das Projekt bei ihm gut aufgehoben war. ?Ich habe Clint vor 35 Jahren kennen gelernt ? seitdem beobachte ich, wie sich die Bandbreite seines Werks mit großer Selbstsicherheit und Meisterschaft entwickelt?, sagt Spielberg. ?Seine Filmografie lässt sich allein schon aufgrund der sehr unterschiedlichen Themen und Stimmungen mit niemandem sonst in der Welt des modernen Films vergleichen. Genauso schön ist es für mich mitzuerleben, wie begeistert die Welt Clint und seine Filme feiert und ihn als großen Künstler ehrt ? eine Anerkennung, die Clint selbst nie eingefordert hat. Das ist vielleicht das Wunderbarste an dieser Geschichte: Clint ist immer der Mensch geblieben, der er war; das heißt: er ist von sich selbst überhaupt nicht beeindruckt. ,Weniger ist mehr?, sagt er gern, und das gilt vor allem für sein Ego. Er baut Vertrauen zu seinem Team auf. Sein Vertrauen in seine Darsteller, seine Mitarbeiter wird in seinem Selbstvertrauen gespiegelt. Er verlässt sich auf seinen Instinkt, wenn er Schauspieler besetzt, Stoffe auswählt oder eine Kameraeinstellung plant.? Sobald das Projekt als sein nächstes feststand, studierte Eastwood die Geschichte der Schlacht um Iwo Jima, las alle verfügbaren Materialien zum Thema und sprach mit Veteranen, die dort auf beiden Seiten gekämpft haben. Iwo Jima zählt nach wie vor zu den verlustreichsten Kampfeinsätzen in der Geschichte des Marine Corps ? in keiner Schlacht wurden mehr Ehrenmedaillen (Congressional Medals of Honor) verliehen als in dieser: 27 Stück. Aus Eastwoods Recherchen entstand nicht nur der Film ?Flags of Our Fathers?, sondern auch ein weiteres Projekt, das der Regisseur parallel zu seinem amerikanischen Film entwickelte: ein Film in japanischer Sprache, der die andere Seite zu Wort kommen lässt: ?Letters From Iwo Jima?. ?In den Kriegsfilmen meiner Jugend war die Welt klar in die Guten und die Bösen aufgeteilt?, stellt Eastwood fest. ?Das hat aber mit dem wirklichen Leben, mit dem wahren Krieg nichts zu tun. In meinen Filmen geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Es geht um das, was der Krieg in den Menschen anrichtet, es geht um jene, die viel zu früh sterben müssen.? Fahnen hissen Das berühmte Foto vom Hissen der Fahne auf Iwo Jima, das der Fotograf Joe Rosenthal für Associated Press aufnahm, zeigt eigentlich das zweite Hissen der Fahne auf der Insel. Nach der Invasion am 19. Februar versucht die fünfte Marine-Division ? zu der die Fahnenhisser gehören ?, den Mount Suribachi einzunehmen. In den fünf folgenden Tagen müssen die amerikanischen Truppen verheerende Verluste hinnehmen, aber sie drängen die Japaner in die Höhlen der Insel zurück. An jenem Morgen wird befohlen, eine Fahne auf dem Gipfel des Berges zu hissen ? als Geste der Hoffnung und als Anerkennung der an dem Unternehmen beteiligten Männer.Wie es heißt, forderte der für die Navy zuständige Minister diese Fahne als Souvenir für sich selbst. Um die Fahne für seine Einheit zu erhalten, gab der ranghöchste Offizier Colonel Chandler Johnson (Robert Patrick) dem Marine-Melder Rene Gagnon den Befehl, eine weitere, größere Fahne auf den Gipfel zu bringen und statt der ursprünglichen zu hissen. Gagnon klettert auf den Gipfel des Berges, wo er die Marines Michael Strank, Harlon Block, Ira Hayes und Franklin Sousley vorfindet, die an diesem Morgen eine Telefonleitung verlegt haben. Schnell machen sie ein altes japanisches Wasserrohr ausfindig, das sich nur von sechs Männern gemeinsam anheben lässt. Navy-Sanitäter John Bradley packt mit an. Rosenthal begreift, was da vor sich geht, legt seine Kamera ab und baut sich einen Steinhaufen, um seine Perspektive zu verbessern. Dann merkt er, dass er den entscheidenden Moment zu verpassen droht, und drückt auf den Auslöser. Mit dieser 4/100-Sekunde schreibt er Geschichte. Rosenthal schickt den Film zum Entwickeln nach Guam. AP-Fotoredakteur John Bodkin entdeckt das Bild und schickt es per Kabel nach New York. Siebzehneinhalb Stunden nach der Aufnahme wird das Foto von AP veröffentlicht. Drei der Männer auf dem Foto fallen nach der Aufnahme in der Schlacht. Die drei übrigen Soldaten ? die Marines Gagnon und Hayes sowie Navy-Sanitäter Bradley ? werden nach Hause geholt. Denn die US-Regierung versucht zu dieser Zeit verzweifelt, den Zweiten Weltkrieg über Kriegsanleihen zu finanzieren ? deshalb fordert man die Männer auf, weiterhin ihrem Vaterland zu dienen, jetzt aber als Prominente bei den Spendenaktionen im Rahmen der siebten Kampagne für Kriegsanleihen. Ryan Phillippe (?Crash?/L.A. Crash; ?Gosford Park?) spielt John ?Doc? Bradley, der als Navy-Sanitäter den anderen Soldaten Erste Hilfe leistet. ?John Bradley hat keinen komplizierten Charakter?, sagt Phillippe. ?Er ist ein aufrechter, einfacher, ehrlicher Mann. Bei einer solchen Darstellung habe ich große Freiheiten. Er sagt die Wahrheit, gibt sich so, wie er ist. Ein großartiger Mann. Ich spürte die Verantwortung, ihn auf die denkbar aufrichtigste, umfassendste Weise darzustellen.? Bei der Vorbereitung auf die Rolle traf Phillippe auch Bradleys Sohn, James Bradley, den Autor von ?Flags of Our Fathers?. Dazu Phillippe: ?Es war schon merkwürdig, als ich mich ihm als den Mann vorstellte, der seinen Vater spielt. Aber er war begeistert bei der Sache und hält mich für eine gute Wahl.? Abgesehen von der gefühlsmäßigen Auslotung der Rolle sah sich Phillippe vor allem von der akkuraten Darstellung der medizinischen Handgriffe gefordert, die Doc als Sanitäter beherrschen muss. ?Ich lernte, wie man Gliedmaßen abbindet, Druckverbände und Tragetücher anlegt?, berichtet er. Im Gemetzel auf Iwo Jima muss Doc vielen sterbenden Kameraden beistehen. Die Erinnerung an den jungen Soldaten Iggy (Jamie Bell), den Doc unter seine Fittiche nimmt, wird den Sanitäter noch Monate verfolgen, nachdem er Iwo Jima längst verlassen hat. ?In meiner Familie hat es viele Soldaten gegeben?, sagt Ryan Phillippe. ?Mein Vater hat während des Vietnamkriegs in der Navy gedient, meine Onkel ebenfalls. Meine beiden Großväter kämpften im Zweiten Weltkrieg. Ich empfinde es als gewaltige Verantwortung und als Ehre, ihnen auf diese Weise Respekt zu zollen.? Ob Schicksal oder Zufall ? jedenfalls gehört Doc zu den drei überlebenden Fahnenhissern, zu denen auch Rene Gagnon zählt. Ihn spielt Jesse Bradford (?Happy Endings?/Happy Endings; ?Bring It On?/Girls United). Im Gegensatz zu dem in sich gekehrten, schweigsamen Bradley ist Gagnon ein lebendiger, geselliger Typ. Er schwelgt in seinem Ruhm, den die Kriegsanleihentournee mit sich bringt, bis er schließlich begreift, welchen Opfern er diesen Umstand zu verdanken hat. ?Als Rene all das erlebt, ist er 19 Jahre alt?, sagt Bradford. ?Er ist eine Art Muttersöhnchen, zum Soldaten nicht gerade geboren. Andererseits versucht er sich zu bewähren. Was man von ihm verlangt, das tut er auch.? ?Als sie durch die Staaten touren, werden sie überall wie Stars empfangen, man gibt Partys für sie und erweist ihnen eine Menge Aufmerksamkeit?, berichtet Eastwood. ?Das muss die jungen Leute ja völlig durcheinander bringen. Sie selbst haben auf Iwo Jima nicht viel durchgemacht, aber sie kennen andere, denen es viel dreckiger ging.? Bradford gibt zwar zu, dass der freche Gagnon einen deutlichen Kontrast zu den beiden anderen ?Helden wider Willen? darstellt, aber dennoch ist er wie seine Kameraden zwischen widersprüchlichen Empfindungen hin- und hergerissen. ?Ich habe mich mit seinem Sohn ausführlich über seinen Charakter unterhalten?, erzählt der Schauspieler. ?Er war 19 und wollte unbedingt alles richtig machen. Sicher hatte er seine Fehler, aber auf seine Art war auch er ein Held. Er war davon überzeugt, dass ihr Einsatz für den Ausgang des Krieges unbedingt nötig war. Und ich wollte ihn als positive Figur darstellen.? Als die drei Fahnenhisser auf das Podium am Times Square treten, an dem sich Tausende drängen, sagt Gagnon vor der Menge, dass nicht die drei die eigentlichen Helden sind ? die wahren Helden hat man nämlich auf Iwo Jima verscharrt. ?Um die völlig überhöhten Erwartungen zu erfüllen, bekommen diese jungen Männer ein öffentliches Image aufgedrückt, das sie stark unter Druck setzt. Sie mussten sich sehr ins Zeug legen, um diesen Druck auszuhalten ? nicht allen ist das gelungen?, sagt Eastwood. Der dritte Fahnenhisser ist der komplizierte, unzugängliche Ira Hayes, dem sein Ruhm und sein ?normales Leben? derart zu schaffen machen, dass er zur Flasche greift. Eastwood vertraute die Rolle Adam Beach (?Windtalkers?; ?Smoke Signals?) an, der sie sehr unmittelbar emotional und überzeugend gestaltet. ?Adam hat eindeutig das getroffen, was Ira Hayes ausmacht?, lobt der Regisseur. ?In vielerlei Hinsicht ist Ira ein klassischer Kriegsheld?, sagt Beach. ?Er nahm an drei der blutigsten Schlachten im Südpazifik teil und kam mit heiler Haut davon. Er will einfach nur so schnell wie möglich zurück an die Front, an der Seite seiner Kameraden kämpfen. Er kann es nicht ertragen, dass er in Sicherheit ist, während seine Freunde, seine Brüder, weiter dem Grauen des Krieges ausgesetzt sind. Er weiß einfach nicht, wie er damit umgehen soll.? Beach versuchte sich in Hayes hineinzuversetzen und stellte sich vor, was man empfindet, wenn man vor einer nach Tausenden zählenden Menge steht, die ihm zujubelt: ?Es ist nämlich gerade mal eine Woche her, dass er den Tod seiner engsten Freunde miterleben musste?, berichtet der Schauspieler. ?Wie soll er damit fertig werden? Ich hätte das auch nicht geschafft? aber er musste seine Aufgabe erfüllen. Wahrscheinlich hat er sich gesagt, dass er diesen Job einfach so gut wie möglich bewältigen musste. Das hat er dann auch getan. Die Auftritte der drei brachten mehr Geld zusammen als alle anderen Kampagnen.? Der Film schildert auch das Schicksal der drei Fahnenhisser, die die Schlacht nicht überlebt haben: Michael Strank, Harlon Block und Franklin Sousley. Sergeant Strank, der Führer der Einheit, wird von Barry Pepper (?Der Soldat James Ryan?; ?The Green Mile?) dargestellt. ?Durch seinen Einsatz an der Front inspiriert er die anderen, das Letzte zu geben ? so ein Typ ist er?, berichtet Pepper. Bei seinen Recherchen zu Strank merkte Pepper bald, dass der Sergeant einhellig gelobt wurde. ?Alle Berichte der Männer, die unter ihm gedient haben, bestätigen, wie großartig er als Vorgesetzter war?, sagt er. ?Ein guter Mann, der mit gutem Beispiel voranging.? ?Mike Strank war bei seinem Einsatz auf Iwo Jima 25 Jahre alt ? die Jungs in seiner Einheit waren 18 oder 19?, fügt Phillippe hinzu. ?Er war bereits altgedient und schlachterfahren. Witzigerweise übernahm Barry in unserem Team eine ganz ähnliche Funktion, denn er hatte bereits in ,Der Soldat James Ryan? und ,We Were Soldiers? (Wir waren Helden) mitgewirkt. Mit seiner Kriegsfilmerfahrung wurde er unser Anführer und brachte uns bei, was wir wissen mussten.? Damit sie glaubhafte Soldaten abgaben, unterzogen sich die Hauptdarsteller einem intensiven militärischen Lehrgang unter Leitung der vier Militärberater des Films, statt irgendeine Grundausbildung für Schauspieler abzuleisten. ?Clint legte offenbar großen Wert darauf, uns die Grundausbildung zu ersparen?, sagt Pepper. ?Denn es ging ihm wohl mehr darum, die tatsächliche Situation auf dem Schlachtfeld zu beschreiben ? man steckt junge Männer in Uniform und überlässt sie ihrer heillosen Verwirrung. Daraus ergeben sich die entsprechenden Gefühle ganz automatisch.? In den ersten Zeitungsberichten über das Foto wird der Gefreite Harlon Block mit einem anderen Marine verwechselt, nämlich mit Hank Hansen, im Film von Paul Walker dargestellt). Dazu Benjamin Walker, der Harlon Block spielt: ?Harlon gehörte in der Highschool zum Footballteam ? er hatte bereits eine erstklassige Kondition, als er seine Grundausbildung begann.? Vor den Dreharbeiten absolvierte Walker ein intensives Fitnessprogramm, um Blocks Kondition zu erreichen, und das zahlte sich voll aus. ?Ein paar Mal drehten wir nachts bei minus 20 Grad ? der Wind am Strand war mörderisch?, sagt er. ?Ich rannte so schnell wie möglich durch den Sand, kam aber kaum voran. Körperlich war das echter Stress, aber trotzdem eine fantastische Erfahrung.? Den letzten Fahnenhisser Franklin Sousley spielt Joseph Cross. ?Franklin hat gern seinen Spaß, er lebt in den Tag hinein?, sagt Cross. ?Vielleicht ist er noch ein bisschen naiver als die anderen. Er sorgt in der Einheit dafür, dass es nie langweilig wird. Sie ziehen ihn gern damit auf, aber er lässt sich das gefallen. Sie sehen ihn als eine Art ,jüngeren Bruder? an.? Cross hat die Dreharbeiten mit Eastwood ähnlich erlebt wie seine Darsteller-Kollegen und spricht für sie, wenn er sagt: ?Die Erfahrung war einfach unglaublich. Clint will herausbekommen, was wir draufhaben, und in seiner ruhigen, höflichen Art lässt er uns die Freiheit, die Rolle so zu spielen, wie wir wollen. Deswegen glauben wir alle an Clints Vision, alle zeigen wir hundertprozentigen Einsatz.? ?Diese mageren Jungs hatten gerade die Wirtschaftskrise überstanden ? viele Amerikaner mussten damals einiges durchmachen?, stellt Eastwood fest. ?Viele Jungs meldeten sich zum Marine Corps oder wurden in die Army eingezogen, aber sie waren alle beseelt ? sie glaubten an ihre Mission. Weil sie daran glaubten, hielten sie durch.? Eastwood arbeitete eng mit Besetzungschefin Phyllis Huffman zusammen, die während der Endfertigung des Films starb. ?Mit Phyllis verband Clint ein enges Vertrauensverhältnis?, sagt sein langjähriger Produzent Robert Lorenz. ?Bei weit über 100 Sprechrollen in ,Flags of Our Fathers? hatte sie alle Hände voll zu tun. Sie hat buchstäblich Hunderte von Schauspielern zwischen New York und Los Angeles vorsprechen lassen.? Gemeinsam stellten sie eine illustre Schauspielerriege zusammen, die all jene historischen Figuren darstellt, die das Schicksal auf Iwo Jima zusammenführte. Neil McDonough spielt den zähen, starken Captain Severance; John Benjamin Hickey spielt den Offizier Keyes Beech, der bei der Navy für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und die Fahnenhisser bei ihren unzähligen Auftritten begleitet ? dabei behandelt er sie anfangs so unpersönlich wie ein Spediteur, um dann aber Mitgefühl für die unfreiwilligen Repräsentanten zu entwickeln. Tom Verica spielt Lieutenant Pennel; John Slattery spielt Bud Gerber; und Stark Sands spielt Walter Gust. In der amerikanischen Heimat warten die Gold Star Mothers ? die Mütter jener Fahnenhisser, die auf Iwo Jima gefallen sind: Myra Turley spielt Madeline Evelley, Hank Hansens Mutter; Ann Dowd spielt Mike Stranks Mutter; und Connie Ray spielt Franklin Sousleys Mutter. Judith Ivey spielt Mrs. Block, die schwört, dass sie ihren Sohn Harlon auf dem Foto erkennt, als ihr offiziell mitgeteilt wird, dass es sich um einen anderen Soldaten handelt. Und Christopher Curry spielt ihren Mann Ed. Rene Gagnons Mutter wird von Beth Grant dargestellt, seine Verlobte Pauline von Melanie Lynskey. Weitere Rollen übernehmen David Patrick Kelly als Präsident Truman; Brian Kimmet als Sergeant Boots Thomas; und Matt Huffman als Lieutenant Bell. Kameradschaft hinter der Kamera Um ?Flags of Our Fathers? auf die Leinwand zu bringen, setzte Eastwood auf sein bewährtes Team langjähriger Mitarbeiter. Produzent Robert Lorenz hat bei Eastwoods fünf aktuellsten Filmen alle Aspekte von der Entwicklung über die Dreharbeiten, die Endfertigung, das Marketing und den Vertrieb betreut. Michael Owens, der bei ?Space Cowboys? (Space Cowboys) zu Eastwood stieß, verantwortete beim Dreh die wichtigen Bereiche Visuelle Effekte und Regie des 2. Drehteams. Hinzu kommen Kameramann Tom Stern (fünf Eastwood-Filme als Kameramann, zahlreiche weitere als Oberbeleuchter), Kostümbildnerin Deborah Hopper (fünf Eastwood-Filme als Kostümbildnerin, neun weitere in anderen Funktionen), Cutter Joel Cox (20 Filme mit Eastwood) und der kürzlich verstorbene Henry Bumstead (elf Filme mit Eastwood). Als Vermächtnis der engen Zusammenarbeit und ihrer langjährigen Freundschaft hat Eastwood den Film Huffman und Bumstead gewidmet.Bevor er im Mai 2006 mit 93 Jahren starb, sagte Bumstead: ?Mir macht es immer noch Spaß, vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen, ein Set zu entwerfen und dann zuzuschauen, wie es gebaut wird. Daraus bestand mein Leben, und ich habe es immer genossen.? Vor seinem Tod konnte Bumstead seine Entwürfe für die Sets zu ?Letters From Iwo Jima? abschließen, Eastwoods Begleitfilm zu ?Flags of Our Fathers?. ?Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich Clint schätze?, sagte er. ?Man muss sich nur ansehen, wie er die Kamera auf meine Sets richtet ? schon merkt man, dass wir gut zusammenarbeiten: Ich weiß, wie er inszeniert, wie er die Positionen der Kamera auswählt; ich entwerfe die Sets entsprechend dieser Vorgaben, und er platziert die Kamera dann genau an der vorgesehenen Stelle. Ich halte ihn für den besten Regisseur der Vereinigten Staaten.? Tom Stern leuchtete seit ?Honkytonk Man? (Honkytonk Man, 1982) über 20 Jahre lang alle Eastwood-Filme aus, bis er 2002 auch die Verantwortung als Kameramann übernahm. Die lange Zusammenarbeit zahlt sich aus. ?Ich nenne Clint gern den eloquentesten Schweiger, den ich kenne. Ich spüre sehr genau, was er will. Zunächst zeige ich ihm Bilder oder Bildbände, die ich ausgesucht habe, und wir reden darüber. Meist bleibt Clint bis zum letzten Augenblick sehr flexibel. Und er fordert auch alle Beteiligten auf, sich möglichst spontan auf die Dinge einzustellen.? Bei ?Flags of Our Fathers? konzentrierte sich Eastwood laut Stern stets intensiv auf den menschlich-emotionalen Kern der Story ? egal, wie gewaltig die Panoramen auch gerieten. ?Wir treiben sehr viel Aufwand, aber die Geschichte bleibt immer sehr persönlich?, sagt er. ?Immer wieder ergeben sich optische Gelegenheiten, um das zu demonstrieren.? Die Schlachtsequenzen auf Iwo Jima werden deutlich durch die Augen der beteiligten Soldaten gesehen, die durch ihre Erlebnisse traumatisiert sind, während die anschließende PR-Tournee und ihr Leben in der amerikanischen Heimat eher naturalistisch gezeigt werden. ?Mit dem Look des Films versuchen wir dem emotionalen Gehalt der Story gerecht zu werden?, erklärt Stern. ?Das haben Clint und ich schon bei ,Mystic River? (Mystic River) und ,Million Dollar Baby? (Million Dollar Baby) versucht ? und da hat sich das bereits bewährt. Wir manipulieren, bleichen die Farben, verwenden sehr, sehr tiefe, schwarze Schatten, um mit dem Look auszudrücken, was in den Figuren vorgeht.? Deborah Hopper übernahm die gewaltige Aufgabe, Kostüme zu liefern, die präzise der damaligen Zeit entsprechen ? nicht zuletzt gehören dazu die Uniformen für 500 Statisten. Hopper fand den richtigen Stoff ? ein heute seltenes, absolut authentisches Körpergewebe, mit dem sie die Kostüme gestaltete, um sie dann einzufärben und künstlich zu verschleißen. ?Die Schauspieler müssen sich in ihre Rollen einfühlen, und oft beginnt das in dem Moment, wo sie ihre Kleidung anziehen?, stellt Hopper fest. ?John Bradley war eher konservativ, deshalb kleide ich ihn im Zivilleben in Anzüge des Herrenausstatters Brooks Brothers. Rene könnte man als ,Filmstar? der Gruppe bezeichnen, also tritt er immer wie aus dem Ei gepellt auf, was sich durch seine Kleidung ausdrückt. Weil Ira Probleme hat, trägt er alte und schmutzige Anzüge, die er auch nicht gerade vorteilhaft zusammenstellt.? Sergeant Major James Dever, der dem Filmteam bei ?Flags of Our Fathers? als Militärberater zur Verfügung stand, beriet die Filmabteilungen Kostüme, Requisiten und Spezialeffekte in Bezug auf die damalige Zeit, um die historische Authentizität jedes Details auf der Leinwand zu gewährleisten. Wie bei allen Eastwood-Filmen spielt die Musik eine wesentliche Hauptrolle. Für ?Flags of Our Fathers? komponierte Eastwood die Musik selbst, wobei er nostalgische Motive der Epoche verwendet: Themen von Irving Berlin, Sammy Cahn, Jule Styne und John Philip Sousa. Auf dem Soundtrack sind auch Original-Aufnahmen von Dinah Shore und Artie Shaw and His Gramercy Five zu hören. Spezielle Arrangements auf dem Soundtrack stammen von Eastwoods Sohn Kyle und seinem Komponistenpartner Michael Stevens. Lennie Niehaus, der mit dem Regisseur schon bei ?Heartbreak Ridge? (Heartbreak Ridge) und ?Bird? (Bird) zusammengearbeitet hat, verantwortet die Arrangements und dirigiert das Orchester. Japan und Island: Rückkehr nach Iwo Jima In der ersten Phase der Vorbereitung reiste Eastwood auf die Insel Iwo Jima. ?Die japanische Regierung erlaubte mir im April 2005 freundlicherweise, Iwo Jima zu besuchen?, berichtet er. ?Ich war sehr bewegt, als ich über die Insel ging, wo im Krieg auf beiden Seiten so viele Mütter ihre Söhne verloren haben.?Eastwood wusste genau, dass die Invasion einer gewaltigen Filmarmee nicht ohne Auswirkungen auf die Strandzonen bleiben würde ? er wollte diesen Ort nicht den harten Bedingungen beim Dreh intensiver, zerstörerischer Schlachtszenen aussetzen. Doch er machte Filmaufnahmen auf Iwo Jima, weil die Insel ? und die historischen Ereignisse, die mit ihrem Sand verbunden ist ? in der Geschichte eine entscheidende Rolle spielt. ?Wenn man dort am Strand sitzt, löst das starke Gefühle aus?, berichtet er. ?Niemand lebt dort außer einem kleinen japanischen Militärkommando und ein paar amerikanischen Air-Force-Soldaten, die manchmal dort auftauchen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Wenn man dort am Strand sitzt, glaubt man die Landung der Truppen und das Chaos förmlich zu hören.? Für die kompromisslose Invasion suchten die Filmemacher einen der wenigen Schauplätze aus, der Iwo Jima geologisch und topografisch täuschend ähnelt ? die vulkanische Halbinsel Reykjanes südwestlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik. ?Ein mit Iwo Jima vergleichbarer Drehort lässt sich kaum finden, denn der ist auf der Welt ziemlich einmalig?, kommentiert Eastwood. ?Doch Reykjanes ist eine geothermische Vulkaninsel genau wie Iwo Jima, das heißt, sie wird ständig von kleinen Erdbeben erschüttert. Es gibt dort völlig schwarzen Sand, wie auf Iwo. Auf beiden zischt vulkanischer Dampf aus dem Boden. Natürlich liegen sie nicht auf derselben Breite, doch Island im August bietet recht ähnliche Bedingungen wie Iwo im Februar, außer dass es etwas kühler ist.? Bald darauf schlugen die etwa 700 Darsteller und Mitarbeiter des Teams auf Reykjanes ihr Hauptquartier auf, um sich auf das kommende Feuerwerk vorzubereiten. ?In Island kommt man sich vor wie auf dem Mond?, sagt Ryan Phillippe. ?Es ist sehr schwierig, dort zu drehen, weil der Drehort so abgelegen ist ? wir waren vom Rest der Welt ziemlich isoliert. Daraus ergab sich, dass wir als Team so eng zusammenwuchsen, wie das bei einem Dreh in Hollywood wohl kaum möglich gewesen wäre.? Damit der Sandvik-Strand auf Island Iwo Jima möglichst ähnlich sah, musste das Team eine Menge Sand verschieben. Das flache Gelände auf Island musste massiv aufgeschüttet werden, um jene Böschung zu schaffen, die den Japanern als Verteidigungsmauer gegen die Invasoren diente. ?Wir haben auf Island über 1,5 Millionen Kubikmeter schwarzen Sand bewegt, um die Uferböschungen nachzubauen, die die japanische Armee auf den Stränden von Iwo Jima errichtet hatten?, sagt Ausstatter Jack Taylor, Jr., der ebenfalls schon oft mit Eastwood gearbeitet hat. ?Auf einer Länge von 250 Metern errichteten wir einen vier bis viereinhalb Meter hohen Sandwall, um jene Uferzone nachzuahmen, an der die U.S. Marines auf Iwo Jima landeten, und sie sieht dem Original täuschend ähnlich.? Die eigentliche Film-Invasion stellte ein monumentales Unterfangen dar, bei dem sich alle Abteilungen genauestens abstimmen mussten. Die Filmemacher legten größten Wert darauf, diese Sequenzen absolut detailgetreu und realistisch nachzustellen. Bei diesem Bemühen war der Beitrag des für die visuellen Effekte zuständigen Michael Owens entscheidend: Er arbeitete eng mit den Filmemachern zusammen, um dann die visuellen Effekte zu schaffen, die das Panorama links und rechts der Hauptakteure verlängern, um die gewaltigen Dimensionen der Invasion einzufangen. ?Die tatsächliche Invasion auf Iwo Jima war ein unvorstellbar riesiges Unternehmen, viele Einzelkomponenten spielten dabei zusammen?, berichtet Lorenz. ?Nicht nur die Mörser am Boden feuerten unentwegt, sondern auch die Flugzeuge in der Luft, die Schiffe auf See. Hinzu kommen die Soldaten in gewaltiger Truppenstärke ? ein unendliches Puzzle aus Einzelbildern, das Mike Owens nahtlos mit den real gedrehten Aufnahmen kombinierte.? ?Der Film bleibt immer eng an seinen Hauptfiguren, aber zu ihrer Geschichte gehört auch eine realistische Darstellung des alles entscheidenden Augenblicks in ihrem Leben?, sagt Owens. ?Schon die Dimension der Invasion ist überwältigend. Clint legt großen Wert darauf, dass wir diese Dimension mithilfe der Effekte ins Bild bringen.? Der für die Spezialeffekte verantwortliche Stephen Riley leitete vor Ort alle real gefilmten Aspekte der Invasion und alles, was mit Pyrotechnik verbunden war. Dabei erwies sich der schwarze Sand als sehr vorteilhaft ? er erlaubte Riley sehr viel realistischere Explosionen als üblich. ?Die Standard-Explosion im Boden mit einem Feuerball aus Benzin und schwarzem Rauch in der Luft lehnte Clint von vornherein ab?, sagt er. ?Er wollte realistisch zeigen, wie es aussieht, wenn die Geschosse auf dem Boden aufschlagen und das Erdreich explodiert. Die Tests haben viel Zeit gekostet, weil wir entsprechende Sicherheitsmaßnahmen entwickeln mussten, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.? Oft informierte Eastwood seine Schauspieler gar nicht, wann und wo die vorbereiteten Sprengsätze explodieren würden. Die Akteure waren nie in Gefahr, aber immer überrascht. ?Ständig wurden wir kalt erwischt?, erinnert sich Phillippe. ?Wenn etwas neben dir explodiert, dann reagierst du absolut überzeugend. Diese Erfahrung ist mit nichts zu vergleichen: Ich stand auf dem Strand, schaute nach links, wo 500 Leute aus allen Rohren feuerten. Uns klopfte das Herz bis zum Hals, wir waren voll auf Adrenalin, die Emotionen gingen mit uns durch. Es ist einfach unmöglich, in dieser Situation unbeeindruckt zu bleiben.? Neben seiner Arbeit mit den Hauptdarstellern trainierte Sergeant Major Dever auch die 500 Statisten, die jene Marines darstellen, die den Strand hinaufstürmen ? er fühlte sich in die tatsächliche Invasion zurückversetzt. ?Ich beobachtete 500 Männer, denen wir beigebracht hatten, wie sie ihre Ausrüstung handhaben, ihre Waffen abfeuern müssen. Sie bildeten den Hintergrund der Einstellung ? um sie herum überall Explosionen, wobei immer darauf geachtet wurde, dass Verletzungen ausgeschlossen waren. Alles lief wie am Schnürchen?, erinnert er sich. ?Einfach überwältigend.? Der für die Marines-Ausrüstung zuständige Jimmy O?Connell besorgte zahlreiche 60 Jahre alte LVTs (Landing Vehicle Tracked) ? das sind Landefahrzeuge, die aus dem Wasser direkt den Strand hochfahren können, weil sie wie Panzer Kettenfahrzeuge sind. Hinzu kamen etliche 40 Jahre alte LCVPs (Landing Craft, Vehicle, Personnel, auch als ?Higgins Boats? bekannt), die die Marines bis an den Strand transportieren, und bei denen dann vorn eine Rampe hinuntergeklappt wird. Für die Szenen auf dem Truppentransporter, der auf dem Meer in Richtung Japan unterwegs ist, verwendeten die Filmemacher die S.S. Lane Victory, ein noch voll funktionsfähiges Frachtschiff aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs mit Heimathafen Long Beach. Es wurde von Henry Bumsteads Team ausgestattet. ?Wir mussten einfach nur den Zustand wie damals im Krieg wiederherstellen?, erklärt Eastwood. ?In der Ausstattungsabteilung nehmen sie das sehr genau.? ?Es war traumhaft, auf einem echten Schlachtschiff zu arbeiten?, erinnert sich Darsteller Benjamin Walker, der Harlon Block spielt. ?Dieses Schiff hat damals seinen Beitrag geleistet, die Vereinigten Staaten zu schützen ? für mich war es eine Ehre, mit dabeizusein. Auf diesem authentischen Schiff waren wir von echten Seeleuten umgeben ? da mussten wir dann nur noch unseren Anteil am großen Ganzen einbringen.? Niemand war überrascht, als sich der Drehtag, an dem das Hissen der Fahne nachgestellt wurde, als einer der bewegendsten Momente der Produktion erwies. Jeder Darsteller, jedes Teammitglied war natürlich bemüht, die Einstellung so präzise wie nur möglich hinzubekommen. ?Als wir die Fahne hissten, spürte man förmlich die Energie, die das Team beflügelte ? da passierte etwas Außergewöhnliches?, erinnert sich Barry Pepper. ?Wir schüttelten uns die Hände und gratulierten uns gegenseitig, als wir es geschafft hatten. Dass wir diese Männer darstellen, ihre Geschichte erzählen dürfen, aber auch, was die Marines auf Iwo Jima geleistet haben ? das bedeutet uns allen sehr viel.? ?Die Szene gehört zu den wenigen, die Clint wiederholen ließ?, sagt Benjamin Walker. ?Wir haben sie vier oder fünf Mal gedreht, um sie wirklich richtig hinzubekommen. Wir sechs haben am Abend vorher geprobt ? wir sahen uns die Filmaufnahmen in Zeitlupe an und probierten, um die Bewegungen möglichst exakt nachzuahmen.? Sergeant Major Dever fügt hinzu: ?Wie die Schauspieler das Marine Corps an diesem Tag repräsentiert haben, ist wirklich hervorragend.? ?Flags of Our Fathers? entstand an 61 Drehtagen an Schauplätzen in und um Los Angeles/Kalifornien; Arlington/Virginia; Chicago/Illinois; Houston/Texas; am Strand auf Island; und auf Iwo Jima. Die Schlacht um Iwo Jima Die Schlacht um Iwo Jima wurde von den Alliierten für notwendig erachtet, um dem Sieg über Japan im Pazifik einen entscheidenden Schritt näher zu kommen. Die Alliierten flogen damals bereits von den Marianen aus tägliche Bombenangriffe auf Japan. Die von den Japanern besetzte Insel Iwo Jima diente dem Gegner als Frühwarnstation ? per Funk wurden die Hauptinseln informiert. Wenn die alliierten Bomber dann Japan erreichten, wurden sie bereits von der Flugabwehr erwartet. Angeschossene amerikanische Flugzeuge auf dem Rückweg waren dann leichte Ziele für die feindlichen Piloten am Himmel rund um Iwo Jima. Die Insel diente als Luftstützpunkt, und fast täglich flogen die japanischen Bomber von dort aus Angriffe auf die Flughäfen von Saipan. Falls man die alliierten Bombenangriffe fortsetzen wollte, musste man Iwo Jima zuvor neutralisieren. Die Alliierten konzentrierten sich zwar vorwiegend auf andere strategische Ziele ? vor allem auf Okinawa ?, aber diese Invasionen schienen noch in weiter Ferne zu liegen, und Iwo Jima bot sich als aktuelles Ziel an. Die Insel war der Schauplatz der ersten Schlacht des Zweiten Weltkriegs, die auf japanischem Territorium stattfand.Am 16. Februar 1945 begannen die Vereinigten Staaten zu Wasser und aus der Luft einen massiven Angriff auf die Insel, die von 22.000 Japanern verteidigt wurde. Drei Tage später begann die amerikanische Invasion. Im Kampf um die Insel kam es zunächst darauf an, den höchsten Gipfel der Insel einzunehmen: Mount Suribachi, einen 166 Meter hohen Berg im Süden der Insel. Als die 33.000 Amerikaner am Strand landeten und den Mount Suribachi umstellten, gerieten sie unter schweren Beschuss. (40.000 weitere Marines folgten an den kommenden Tagen). Ein heftiger Kampf um den Berg entbrannte, doch am 23. Februar nahmen die Marines Suribachi ein und hissten die Fahne (zweimal). Weitere 31 Tage dauerte der Inselkampf zwischen den Amerikanern und Japanern. Die Marines stießen nach Norden in Richtung der Landebahnen vor; die Japaner kämpften mit Todesverachtung, um die Insel zu halten. Am Ende, am 26. März, wurden die schweren Verluste vor allem der Japaner offenbar: Von den 22.000 Verteidigern überlebten nur 1083. 6821 Amerikaner fielen, darunter drei der Fahnenhisser (Sergeant Michael Strank, Harlon Block und Franklin Sousley). 20.000 Amerikaner wurden im Kampf verwundet. Für Tapferkeit bei der Invasion von Iwo Jima wurden 27 Ehrenmedaillen verliehen ? mehr als in allen anderen Schlachten des Zweiten Weltkriegs ? es sind mehr als ein Viertel dieser Orden, die im gesamten Krieg verliehen wurden. ?Es geht in dieser Geschichte um eine ganze Generation, die sich für ihr Land geopfert hat, und die daraus folgenden Konsequenzen?, sagt Eastwood. Der Regisseur möchte jedem im Film dargestellten Mann Ehre erweisen und bemühte sich außerordentlich, von den Schlachtveteranen und ihren Angehörigen so viele Einzelheiten wie nur möglich zu erfahren. ?Clint hat dafür gesorgt, dass wir die Story wahrheitsgemäß und korrekt umsetzen, denn das sind wir diesen Männern schuldig?, sagt Darsteller Neil McDonough, der Captain Severance spielt. ?Wir bildeten eine unzertrennliche Gruppe, und als Team zeigen wir, wie es war, welches Grauen diese Männer durchstehen mussten.? Der Vater von Alan Murray, einem Mitglied des Tonaufnahmeteams, hat an der Schlacht teilgenommen, aber nie darüber gesprochen. Das traf offenbar auf viele Veteranen von Iwo Jima zu. ?Ich habe an der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Schlacht in San Francisco teilgenommen und mich ausführlich mit den Veteranen unterhalten?, erinnert sich Eastwood. ?Sie hatten viel zu erzählen. Da gab es einen Mann, der auch im Buch erwähnt wird, er hieß Danny Thomas. Auch er war Sanitäter, eine Art Pendant zu John Bradley. Ähnlich wie John Bradley hatte er nie über Iwo Jima gesprochen. Über den Krieg schwieg er sich aus. Er kehrte nach Hause zurück und lebte sein Leben. Erst als er älter wurde, merkte er, dass er darüber reden konnte. Ich habe zwei Stunden mit ihm gesprochen, und er war sehr bewegt, als er erzählte, wie er sich damals gefühlt hat. Eine wirklich beeindruckende Gruppe.? Über AP-Fotograf Joe Rosenthal Joe Rosenthals Foto wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und ist eines der meistgedruckten Bilder in der Geschichte der Fotografie. Es wurde auf Briefmarken, Postern, auf zahllosen Zeitschriften-Titeln reproduziert und diente sogar als Vorlage für das Kriegsdenkmal des Marine Corps in Arlington/Virginia.Ebenso wie die drei Überlebenden der auf dem Foto abgebildeten Männer wurde auch Rosenthal berühmt. Bei der Musterung wurde er zunächst als 4-F eingestuft und war damit für den Militärdienst untauglich, weil er eine starke Brille benötigte. Doch dann wurde seine Einstufung in 2-AF (grundsätzlich zurückgestellt) geändert, weil ? so hieß es in einem Artikel des Time-Magazins damals ? er aufgrund dieses Fotos ?eine bessere Einstufung als 4-F verdiente?. Dennoch war das Bild umstritten. Wenige Tage nach dem Erscheinen des Fotos auf den Titelblättern der Zeitungen im ganzen Land fragte ein Reporter Rosenthal, ob er das Bild inszeniert habe. Rosenthal glaubte, der Reporter beziehe sich auf ein anderes, ganz offensichtlich gestelltes Bild mit Marines, die der Fahne zujubeln, und sagte: ?Klar.? Auch die Tatsache, dass das Foto das zweite Fahnehissen an diesem Tag zeigt, trug zur Verwirrung bei, und in den folgenden 50 Jahren warf man Rosenthal immer wieder vor, er habe das Ereignis, das er zuvor miterlebt hatte, nachgestellt. Um die zahlreichen Anfragen nach Interviews und Auftritten in den Griff zu bekommen, richtete die AP ein ?Rosenthal-Büro? ein. Rosenthal lernte Präsident Truman kennen, erhielt aus dem Fonds der Kriegsanleihen einen Zusatzlohn für ein ganzes Jahr und gewann den Pulitzer-Preis. Im August 2006 starb Rosenthal im Alter von 94 Jahren. Im Nachruf der New York Times würdigte Richard Goldstein das berühmteste Werk des Fotografen: ?Das triumphale Bild repräsentierte die erste Eroberung japanisch verwalteten Gebiets durch amerikanische Truppen und löste eine überschwängliche Gefühlsreaktion an der Heimatfront aus ? es hat sich uns als Symbol für die Vielfältigkeit amerikanischen Lebens eingebrannt.? Für Rosenthal gab es keinen Zweifel, wer die wirklichen Helden waren. In einem Artikel im Magazin Collier?s wird er zitiert: ?Bei allem, was zur Entstehung dieses Bildes beigetragen hat, spielte ich die geringste Rolle. Um diese Fahne dort aufzupflanzen, mussten amerikanische Soldaten auf der Insel ihr Leben lassen, aber auch auf anderen Inseln, zur See und in der Luft. Was bedeutet es schon, wer das Foto aufgenommen hat? Ich habe es gemacht, aber die Marines haben Iwo Jima eingenommen.? |
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