The Return

Produktionsnotizen

Den Wunsch ??etwas darüber zu schreiben, wie die Toten die Verbindung zu den Lebenden wieder herstellen? verspürte Drehbuchautor Adam Sussman, nachdem ein enger Freund einen großen Verlust erlitten hatte. ?Aber keine Idee zündete wirklich, bis ich auf wissenschaftlich dokumentierte Fälle von sehr kleinen Kindern stieß, die spontane Erinnerungen an Dinge, Personen und Orte hatten, von denen sie keinesfalls etwas wissen konnten.?

?Nachdem ich noch mehr über die Erinnerungen und Geschichten dieser Kinder recherchiert und gelesen hatte, fiel mir auf, dass in fast allen Fällen Gewalt mit im Spiel war?, erklärt Sussman. ?Ein Leben war vorzeitig beendet worden, und so gab es einen Grund für diese ?Rückkehr?.?

Mit diesen Geschichten als Basis erschuf Sussman seine weibliche Protagonistin Joanna Mills und entwickelte um sie herum die Geschichte eines übernatürlichen Thrillers. ?Es machte mir Spaß, diese Schreckensmomente, die großen Horrorszenarien und die (hoffentlich) überraschenden Wendungen zu schreiben?, sagt er. ?Ich verlegte die Handlung in den Mittleren Westen, denn obwohl ich aus New York komme, liebe ich das Landesinnere. Außerdem dachte ich, dass solche entlegenen Locations sicherlich unheimlicher seien.?

Produzent Aaron Ryder war sofort angetan von Sussmans Drehbuch. ?Ich bin in der Regel an Filmen interessiert, die ein wenig komplexer sind als die Durchschnittsware, und so etwas wie diese Geschichte hatte ich wirklich noch nie gelesen?, erinnert sich Ryder. ?THE RETURN ist eine erschreckende Geschichte darüber, wie es ist, verfolgt zu werden: von etwas Geisterhaften, von Dingen, die man nicht versteht. Doch es ist auch eine Spukgeschichte der anderen Art, denn der Film erzählt eine Liebesgeschichte zweier Seelenverwandter, die versuchen, wieder zusammenzukommen. Die Komplexität dieses psychologischen Thrillers bietet Platz für einen solchen emotionalen Kern.? ?Außerdem gefiel mir die Idee einer starken Frau, die in einer Männerwelt arbeitet?, fährt er fort. ?Ebenso interessierte mich der Weg, den Joanna immer weiter voranschreitet, und der voller heftiger Visionen und ungewöhnlicher Situationen ist. Sie muss erkennen, wer oder was von ihr Besitz ergreifen will ? und natürlich warum.?

Produzent Jeffrey Silver fügt hinzu: ?Sie ist auf der Suche; aber wonach, das weiß sie selbst nicht. Wir haben natürlich Recherchen betrieben, aber uns als Filmemachern waren weniger die spezifischen Fakten solcher Fälle wichtig, als das, was in jedem einzelnen Menschen steckt. Wenn wir ein Déjà-vu erleben ? wie erklären wir, woher das kommt?? ?Adam hat seine Hausaufgaben gründlich erledigt?, berichtet auch Ryder. ?Ich habe mich mit einem Herrn unterhalten, der mir genau das erzählt hat: wie man eines Tages aufwacht und die Anwesenheit eines anderen in seiner Seele fühlt. Ich glaube, dass wir alle universelle Ängste vor Kontrollverlust in uns tragen und von unseren eigenen Dämonen gejagt werden. Für Joanna wird das zur Realität, im sehr wörtlichen Sinne.?

?Vorahnungen machen einen guten Thriller aus. Das Erschreckendste an THE RETURN ist die Erwartung, dass sich schon im nächsten Moment etwas Furchtbares ereignen wird?, erklärt Silver. ?Diese Geschichte wird auf den ersten Blick mit einer sehr ruhigen Sichtweise erzählt, aber man erwartet jeden Moment, dass das Schlimmste passiert. Diese Erwartung durchdringt den gesamten Film.?

Im Jahre 2004 stieg Regisseur Asif Kapadia in das Projekt mit ein. THE WARRIOR, der erste Spielfilm des jungen Briten, hatte zuvor zahlreiche Preise und Ehrungen auf der ganzen Welt eingeheimst, darunter zwei BAFTA Awards. ?Was den Reiz an Adams Drehbuch ausmachte, war seine Einfachheit. Die Geschichte wird mehr über Bilder als durch Dialoge erzählt. Als wir uns das erste Mal mit Asif trafen und über THE RETURN sprachen, sagte er, dass es darum gehen würde, nichts auszuschmücken, sondern im Gegenteil auf Überflüssiges zu verzichten?, erinnert sich Silver. ?Er wollte die für einen übernatürlichen Thriller nötige dramatische Spannung erzeugen, aber mit einer sparsamen Qualität in der Präsentation und den Bildern, sowohl in Bezug auf die Kulissen, und Kostüme als auch auf die Schauspieler und Dialoge.? Ryder gibt ihm Recht: ?Asif ist ein wahrhaftiger Erzähler und bemerkenswert gut darin, eine Geschichte auf ihre wahre Essenz herunterzustutzen, auf ihren eigentlichen Kern. In seinen Filmen gibt es nichts, was überflüssig ist. Orson Welles hat einmal gesagt: ?Das Fehlen von Beschränkung ist der Feind der Kunst.? Das ist etwas, woran Asif glaubt. Er kennt gerne seine Parameter, denn so kann er seine Kreativität steigern. Für einen aufstrebenden Filmemacher hat er schon eine starke Vision und eine eigene Stimme. Er erinnert mich in dieser Hinsicht sehr an Christopher Nolan [mit dem Ryder zwei Filme gemacht hat] und dessen Empfindungsvermögen.?

Der Regisseur fühlte sich angesprochen von der ?Unheimlichkeit und Spannung des Drehbuchs und seinen verschiedenen Schichten. Wenn man eine aufdeckt, entdeckt man darunter noch eine und dann noch eine... und man lernt, dass alles eine Motivation hat.? Kapadia fand außerdem Gefallen daran, innerhalb des Thriller-Rahmens mit den Elementen des Schicksals und der Spiritualität zu spielen. Aus seiner europäischen Perspektive handelte es sich um ?einen sehr amerikanischen Film?, wie er zugibt. ?Aber im Zentrum steht diese sinnliche Idee von etwas Spirituellem und Jenseitigem ? das war es, was mich reizte. Ich spürte, dass das etwas war, in das ich mich reinhängen konnte. Schließlich sind die verschiedensten Menschen in den verschiedensten Religionen mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Menschen sterben können und in einem anderen Leben in einer anderen Form zurückkehren.? Um Joannas Geschichte zu erzählen, bemühte sich Kapadia, eine spezielle Sinngebung zu kreieren. Entsprechend erzählt er: ?Der Standpunkt von THE RETURN ist, dass die Menschen alle auf einem gemeinsamen Weg sind und wir nicht wirklich einzelne Wesen sind. Es gibt da draußen irgendeine Macht, die die Dinge miteinander verbindet. Dadurch kann man zurückkommen um etwas wieder gut zu machen, was in einem anderen Leben passiert ist.?

Einige Monate nachdem Kapadia die Zusammenarbeit mit den Produzenten und dem Drehbuchautor begann, fing der Castingprozess so richtig an, als Ryder erfuhr, dass Sarah Michelle Gellar das Drehbuch gelesen und gut gefunden hatte. ?Sarah hat sehr viele und loyale Fans?, bemerkt Ryder. ?Sie werden begeistert sein, dass sie in THE RETURN wirklich ihr ganzes schauspielerisches Können zeigen kann. Das ist eine Rolle, wie sie sie noch nie gespielt hat, und man sieht sie in einem völlig neuen Licht. Ich denke, dass es Joannas Komplexität und Ernsthaftigkeit waren, die sie reizten.? Silver fügt hinzu: ?Ganz im Sinne von Asifs Ansatz, verzichtet sie auf alles Überflüssige und legt Joannas grundlegende Beweggründe offen. Joanna macht eine furchteinflößende psychologische Entwicklung durch, und Sarah ging ein großes Risiko ein, das zu spielen und sich die Rolle wirklich zueigen zu machen.? Sussman gibt ihm Recht: ?Sarah verstand Joanna. Sie sind beide sehr zielbewusst, glaube ich.?

Gellar selbst sagt über ihre Rolle: ?Als wir ihr das erste Mal begegnen, ist sie ziemlich verloren. Sie lebt ihr Leben, aber erlebt es nicht. Sie hatte eine schwere Kindheit, lief von zu Hause weg, ergriff einen Beruf, für den sie keine wirkliche Leidenschaft verspürt, aber in dem sie gut ist ? und der ihr erlaubt zu reisen, so dass sie nie lange genug an einem Ort bleiben und über Besitz nachdenken muss. Doch dann ereignen sich einige Dinge, und sie verliert sehr schnell die Orientierung und begibt sich auf einen erschreckenden, aufwühlenden Weg. Dabei tut sie ihrem Körper Gewalt an. Ich habe mit Leuten gesprochen, die getan haben, was sie sich selbst antut, und wir haben über das Prinzip von Lust und Schmerz diskutiert. Erst kommt der Schmerz, dann folgt die Euphorie.?

Als Gellar sich das erste Mal mit Kapadia traf, sprachen sie mehr über das Konzept als Ganzes denn über die eigentliche Geschichte, wie Gellar berich-tet: ?Ich glaube, dass wir beide fasziniert waren von den unterschwelligen buddhistischen Lebensthemen und der Idee, dass das Leben ein Zyklus ist. Man kommt zur Welt und lebt sein Leben, und später kommt man zurück und bringt die Fehler der Vergangenheit wieder in Ordnung. THE RETURN handelt davon, dass man sein Leben wirklich zu Ende führen muss, bevor man es wirk-lich zurücklassen und in das nächste Leben übertreten kann. Und natürlich davon, was passiert, wenn man eben nicht beendet, was die eigene Aufgabe im Leben war. Was passiert, wenn Gefühle nach dem Tod weitergeführt werden??

?Was mir an Joanna besonders gut gefiel, war, wie exemplarisch sie für alle jungen Mädchen bzw. Frauen steht, die wissen, wie es ist, wenn man nicht dazu gehört. Sie fühlt sich, als hätte sie nie irgendwo dazu gehört, als hätte sie nie ihren eigenen Platz gefunden ? und dann muss sie feststellen, dass sie Recht hatte. Sie nimmt es selbst in die Hand, ihre Identität und ihren Platz im Leben zu finden.? Joannas Weg führt sie auf geheimnisvolle Weise in das Städtchen La Salle. Dazu erklärt Gellar: ?Sie beginnt, Erinne-rungen und Gefühle für einen Ort zu haben, an dem sie nie war. Sie trifft Terry und fühlt sich zu ihm hingezogen. Gemeinsam finden sie schließlich heraus, was sie sich gegenseitig geben und wie sie sich helfen können.? ?Beide sind Einzelgänger, aber als sie sich treffen, besteht eine starke Verbindung zwischen ihnen, und sie wissen nicht warum?, erzählt Sussman. ?Nur zusammen können sie wirklich herausfinden, was vor sich geht.?

Für Terry wurde ein Schauspieler gesucht, der die Rolle an zwei unter-schiedlichen Punkten seines Lebens spielen konnte. In der Gegenwart ist ein 40jähriger, der dank zu vieler Jahre im Gefängnis zu viel gesehen hat, während er in den Rückblenden in seinen 20ern ist und eine romantische Jugendlichkeit ausstrahlt. Nach einem langwierigen Castingprozess entschied man sich für den australischen Schauspieler Peter O?Brien, der mit der Rolle sein Hollywood-Debüt gibt. ?Als Peter vorsprach, hat mich sein kraftvolles Auftreten umgehauen?, erinnert sich Kapadia. ?Und ich liebte sein Aussehen. Ich versuche immer, Schauspieler zu finden, die wirklich so aussehen, wie der Part es verlangt, und die eine gewisse Schwere, eine echte Präsenz ausstrahlen. Er nimmt seine Arbeit sehr ernst. Peter macht einfach glaubhaft, dass Terry eine Vergangenheit und in seinem Leben viel durchgemacht hat.? Gellar kann sich dem nur anschließen: ?Peter mochte und verstand die Rolle, und er gab ihr viel mehr mit als das womöglich ein amerikanischer Schauspieler getan hätte.?

?Sarah hat es mir leicht gemacht, denn sie kommt unglaublich gut vorberei-tet an den Set?, sagt O?Brien, der sich aus verschiedenen Gründen von THE RETURN angezogen fühlte. ?Ich hatte THE WARRIOR gesehen und fand, dass Asif den Charakteren und Bildern sehr viel Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit ent-lockt?, erinnert er sich. ?Adams Drehbuch lieferte darüber hinaus das Unerwartete, nicht nur in den Schockmomenten und Plotwendungen, sondern auch hinsichtlich der Unkonventionalität der Charaktere und des Themas.? ?Ich spiele gerne Menschen, die eher düster und zurückgezogen sind?, fährt O?Brien fort. ?Terry zu spielen war eine Herausforderung, denn er ist in all seinen Szenen sehr verschlossen. Weil seine Entwicklung während des Films nicht gerade fortlaufend ist, musste ich selbst Anknüpfungspunkte finden und immer ein Gespür für den Charakter aufrechterhalten. Joanna und er fühlen sich zu einander hingezogen und müssen ihren Weg gemeinsam gehen. Der Zuschauer wird dazu verleitet, intensiver darüber nachzudenken, wer diese beiden Menschen sind und warum sie tun, was sie tun. Er ist nie sicher, was sie als nächstes machen werden.?

Eine weitere wichtige Figur im Mysterium von THE RETURN ist Joannas Vater Ed Mills, über den Ryder sagt: ?Die beiden haben sich über so viele Jahre entfremdet, dass viele widerstreitende Gefühle zutage treten, als die Umstände sie wieder zusammenführen.? Silver fügt hinzu: ?Zwischen Joanna und Ed liegt einige riesige Kluft von 15 Jahren. Indem sie diese Kluft überwindet, findet Joanna einen Schlüssel zu den rätselhaften Vorgängen und kann in ihrem Leben einen Schritt weitergehen.? Für die Rolle des Ed war der legendäre Schriftsteller und Schauspieler Sam Shepard immer die erste Wahl für Gellar und die Filmemacher. Als ihm die Geschichte gefiel, waren daher alle begeistert. ?Mir wurde berichtet, dass er die gleiche Verbindung zum Drehbuch fühlte wie wir anderen auch?, erinnert sich Gellar. ?Ich glaube nicht, dass ich jemals so ehrfürchtig und nervös war, mit jemandem zu arbeiten ? wie ein Fan eben.? Auch Kapadia gesteht: ?Ich habe versucht, nicht zu viel darüber nachzudenken, dass er eine lebende Legende ist, denn sonst hätte ich meine Arbeit nicht richtig erledigen können. Aber das ist das Großartige am Arbeiten in den USA: dass man die Möglichkeit bekommt, mit Menschen wie ihm zu arbeiten.?

Vervollständigt wird die Besetzung durch zwei Schauspieler, die den Regisseur aus unterschiedlichen Gründen immer wieder überraschten: ?J.C. Mackenzie, der den Griff spielt, hat mich während des Drehs gelegentlich wirklich erschreckt. In manchen Szenen habe ich mir tatsächlich die Augen zugehalten. Adam Scott schließlich spielt Kurt, Joannas Exfreund und Stalker, nicht als klischeehaften Schläger, sondern charmant und sogar witzig.? Auch Silver war begeistert: ?Einige unserer Schauspieler spielen wirklich gegen ihren Typ. Sie haben spannende Entscheidungen getroffen.?

Noch während das Casting lief, plante Kapadia schon das visuelle Konzept des Films, wie er erklärt: ?Ich bin ziemlich besessen davon sicherzugehen, dass alles interessant und richtig aussieht. Für THE RETURN wollte ich einen dynamischen, dramatischen und unheimlichen Look.? ?Ich bin ein eher altmodischer Filmemacher, weil ich die Dinge gerne ?in-camera? mache. Was mich betrifft ist weniger mehr. Ich wollte ein subtiles Unbehagen erzeugen und das Publikum erschrecken und ängstigen, aber eben auf eine originelle Art und Weise. Ich bin ein großer Fan von Polanski und Hitchcock; von Filmen, die ein Unwohlsein entstehen lassen, ohne dass man wirklich sagen könnte, warum. Vor allem im Bezug auf Terry gibt es im Drehbuch ein VERTIGO-Element, an dem ich mich orientiert habe.? Gellar erzählt: ?Ich versuche, direkte Vergleiche zu vermeiden. Asif ist anders als alle anderen und er kopiert nicht diesen Film oder bedient sich bei jenem Regisseur. Die Einfälle in THE RETURN sind originell und absolut seine eigenen.?

Um seine gewünschte Optik zu erreichen, verpflichtete Kapadia mit dem Kameramann Roman Osin einen wichtigen Mitarbeiter seines ersten Films THE WARRIOR. Die beiden arbeiteten eng mit der Produktionsdesignerin Thérèse DePrez zusammen. ?Für mich ist die optische Seite eines Films ein wichtiger Aspekt der Entstehung?, erklärt der Regisseur. ?Unsere Absicht war es, ein bisschen mit dem Verstand und der Zeit zu spielen. Die in der Gegenwart spielenden Szenen sollten beunruhigender sein als die Rückblenden. Für jede Zeit entwarfen wir andere visuelle Konzepte, aber natürlich schufen wir auch sichtbare Gemeinsamkeiten. Selbst bei Tageslicht herrscht in den Aufnahmen viel Dunkelheit und man sieht nicht immer jede Ecke des Bildes.? Die Macher setzen auf eine sich fast ständig bewegende Kamera mit vielen POV-Shots, also Aufnahmen aus der Perspektive der Protagonistin. ?Ich verwendete für den Film sowohl eine Handkamera als auch eine Steadicam um das Unbehagen beim Zuschauer zu steigern?, erläutert Osin. ?Durch die vielen POV-Shots sieht die Kamera Joannas allzu klaren Visionen genauso, wie sie sie sieht ? und sie sieht auch die Visionen anderer.? Gellar ergänzt: ?Es war das erste Mal, dass Asif und Roman in Amerika arbeiteten, wodurch sie ein ganz anderes Arbeitstempo hatten. Sie sehen die Dinge anders als wir mit unserem festgefahrenen Tunnelblick.?

?Wir haben früh begonnen, die richtige Stimmung und das passende Gefühl für den Film zu entwickeln?, berichtet DePrez. ?Das Erschreckendste an THE RETURN ist das, was man nicht sieht: die Dunkelheit ? und nicht zu wissen, was hinter der Wand ist oder in der Ecke lauert. Die anamorphe Übersetzung [2:35/1] und die Bildkomposition sind unglaublich wichtig für Asif und Roman, auch wenn die Bildausschnitte nie perfekt im klassischen Sinne waren. Es gibt immer Elemente im Bild, die sich dem Blick des Zuschauers zunächst entziehen und dann erst enthüllt werden. Außerdem wandten sie in der Entwicklung des Films in der Postproduktion eine Art Bleichprozess an, was ? soweit ich weiß ? noch nie bei einem Film vor ländlicher Kulisse getan wurde.? ?Wir haben uns bemüht, Klischees zu vermeiden und dem Zuschauer die Bilder nicht mit dem Holzhammer zu vermitteln?, fährt sie fort. ?Der Film hat eine wunderschöne Spärlichkeit, durch die jedes Element, das ins Bild eingeführt wird, eine graphische Bedeutung bekommt und etwas über die gezeigte Figur aussagt. Außerdem haben wir versucht, sowohl die Offenheit der Landschaften des Mittleren Westen als auch das klaustrophobische Gefühl der Innenräume zu betonen.?

Kapadia, DePrez und Location Manager Robbie Friedmann legten insgesamt gut 3000 Meilen zurück und schauten sich 30 Städte in Texas an, um den idealen Drehort zu finden. ?Asif war ganz aufgeregt, hierher zu kommen. Jede Stadt hat einen unglaublichen Charakter und eine eigene Geschichte?, erinnert sich DePrez. ?Außerdem gibt es in Texas eine bestimmte Palette und Qualität des Lichts, die man sonst nirgends findet. Die Art und Weise, wie Farbe vergilbt und wie Dinge gefärbt sind und dazu der mexikanische Einfluss ? all das passte sehr gut zu unserem Film. Darüber hinaus findet man hier diesen bestimmten industriellen Rost, der vollkommen von der Natur überwu-chert wurde. Der strahlt eine ganz besondere Schönheit aus, wirkt aber auch irgendwie bedrohlich, vor allem wenn man ihn, wie Joanna, nicht gewohnt ist.? Silver stimmt ihr zu, auch wenn sich die Schlüsselstelle des Films ursprünglich woanders entfalten sollte. ?Aber wir dachten schließlich, dass sich die Landschaft Texas? wunderschön eignete, die gleiche Geschichte zu erzählen. Wir suchten eine Gegend und ein Milieu, wo Joanna permanent das Gefühl hat, aus dem Gleichgewicht geworfen zu sein. Texas bot dafür gleichzeitig die Weite, die Schönheit und die Fremdheit.?

THE RETURN entstand an beinahe zwei Dutzend Drehorten. Als Produktions-standort entschied man sich für die texanische Hauptstadt Austin, wo in den örtlichen Studios ein Produktionsbüro installiert wurde. Die beiden Städte Cele und Granger dienten als Hauptlocations für den fiktive texanischen Ort LaSalle. Auf einem Grundstück in Cele wurde eine Scheune aus verwitterten Balken im Originalmaßstab als Mittelpunkt für die entscheidende Szene des Films gebaut. Dagegen wurde für Terrys Zuhause ein existierendes Bauernhaus umgestaltet. Die für die Geschichte wichtige Red Bar wurde in Granger in einer verfallenen alten Baumwollmühle gebaut, mit einzigartigen roten Ziegelsteinen und ?einem oben herausragenden Kamin?, wie Kapadia schwärmt. ?Thérèse hat daraus eine unglaubliche Location gemacht.?

Eine paar Blocks weiter nutze DePrez? Team ein altes Gewerkschaftsgebäude als Set für Arlos Hotel. Im zweiten Stock wurde ein Hotelzimmer gebaut, das ganz am Ende lag, so dass es einen unheimlichen, langen Korridor zu durch-queren gab. ?Am Set zu sein und zu sehen, wie die Szenen des Drehbuchs zum Leben erwachten, an denen ich so lange gearbeitet hatte ? das war wirklich wild?, lacht Sussman. Das Gelände der Viehauktion in Luling diente als Gegenstück zur in Cele gebauten Scheune. Die beiden Bauwerke wurden architektonisch ähnlich gehalten, damit die actiongeladenen Szenen, die sich an beiden Orten ereignen, einander so widerspiegeln wie es die Geschichte verlangt. Das historische texanische Städtchen Lockhart südlich von Austin hielt als Wichita in Kansas her. Dort wurde ein Handwerkerhaus aus den 1930er Jahren als Joannas Kindheitshaus hergerichtet, in dem Ed noch immer lebt. Die Straßen, durch die Joanna fährt als sie ihren Vater besucht, sind jene von Lockhart. Für die entscheidende Szene des Autounfalls wurden Dämme errichtet, Sandsäcke aufgetürmt und ein Flusslauf umgeleitet. ?Stunts sind nie einfach?, erklärt Ryder. ?Aber wir stürzen ein Auto einen Hang hinunter in einen Fluss ? und es sieht großartig aus.?

THE RETURN wurde außerdem in den Städten Uhland und McNeil, in einem Strom-kraftwerk, einem Nachtclub in Austin sowie in den Austin Studios gedreht. ?Alle wussten nur Gutes über Austin zu berichtet, und ich verstehe warum?, erzählt Kapadia. ?Es gibt hier eine unglaubliche Bandbreite an Landschaf-ten, wo auch immer man hingeht.? Ryder gibt ihm Recht: ?Wenn man einen Film in der Mitte der USA drehen will, ist das hier der beste Ort dafür. Die Locations sind großartig und als Basis für die Crew ist es ideal.? ?Hier ist eine wirkliche Filmindustrie entstanden?, begeistert sich Silver. Und Ryder betont: ?Austin macht einfach Spaß. Ich möchte wetten, dass es hier mehr Bars gibt als in New York...?

?Austin ist eine großartige Stadt, in der viel passiert. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich überhaupt cool genug bin, um hier abzuhängen?, lacht Gellar. ?Unsere Crew arbeitete schon seit fünf Jahren zusammen, so dass sie wirklich zusammenhielt und sehr eingespielt war. Alle waren so unglaublich effizient, dass es für uns Schauspieler ganz einfach war einzusteigen.? ?Die Crew hat wahnsinnig hart gearbeitet, schließlich waren es nicht wir, die mitten in der Nacht zu diesen entlegenen Locations fahren mussten. Alle waren wirklich erstaunlich und arbeiteten immer Hand in Hand: wenn der Kameramann Hilfe brauchte, sprang schon mal der Requisiteur ein und wenn Equipment bewegt werden musste, packte auch ein Handwerker mit an. Filme zu drehen sollte immer eine familiäre Angelegenheit sein zu der jeder seinen Teil beiträgt, doch ich habe diesen Grundsatz noch nie so verwirklicht ge-sehen wie bei diesem Dreh. Es war eines der großartigsten Teams, mit dem ich je das Glück hatte zu arbeiten.? Gellar fährt fort: ?Asif verspürte eine besondere Magie, die auf die anderen abfärbte. Er brachte ein europä-isches Flair in diese amerikanische Geschichte. Was ich außerdem so sehr an ihm schätze, ist die Tatsache, dass er immer mittendrin ist. Asif kauerte sich auch bei Hitze unter ein schwarzes Tuch in die Ecke, so dass ihn nie-mand sah, aber er ganz nah an den Gesichtern der Schauspieler dran war. Ich denke, dass das zu einer besseren Leistung unsererseits beigetragen hat.? Kapadia berichtet dazu: ?Ich habe noch nie anders gearbeitet, denn ich bin gerne direkt an der Kamera und in der Lage, mit den Schauspielern zu sprechen. Wenn man sich alles nur auf einem Monitor anschaut, dann kann man gar nicht mitbekommen, ob sich unten in der Ecke des Bildes etwas tut ? außer man hat einen riesigen Bildschirm. Außerdem kann man am Monitor die kleinen Details und Gesichtsregungen der Darsteller nicht richtig wahr-nehmen, doch auch die gehören zu meinem Job.?

?Die größte Herausforderung an THE RETURN waren nicht unsere Stunts?, wie Silver bemerkt. ?Einige waren ziemlich groß, aber vor allem ging es im Bild um die Schaffung einer Umgebung, die schön und gleichzeitig verstörend, ruhig und gleichzeitig beunruhigend ist.? ?Für mich ist das Schönste am Inszenieren der eigentliche Dreh?, stellt Kapadia fest. ?Ganz egal, ob das die Arbeit mit den Pyrotechnikern ist oder einfach nur mit zwei Schauspiel-ern, die zusammen eine dramatische Szene spielen.? O?Brien berichtet: ?Asif hat einen Sinn fürs Visuelle, aber er versteht auch, was eine Geschichte ausmacht. Er weiß, was er will, ohne dass er einer dieser Regisseure ist, die festgefahren und unnachgiebig sind. Man kann ihn jederzeit ansprechen und Ideen beisteuern.? Gellar ist genauso begeistert: ?Wir haben mit sehr hohem Tempo gearbeitet, nach einem sehr straffen Zeitplan. In diesen weiten Landschaften zu drehen ist etwas ganz anderes als sonst, wo man auf seine Markierung tritt und den Text aufsagt. Man vergisst so oft, wie viel eine Location zu einem Film beiträgt. Asif hat einige der kompliziertesten Szenen gedreht, an denen ich je teilhaben durfte ? und zwar ganz anders, als ich es je gesehen habe.?

Nachdem sie den fertigen Film gesehen hat, ist sich DePrez sicher: ?Das Publikum wird in THE RETURN all die Überraschungen gemeinsam mit Joanna erleben.? O?Brien ergänzt: ?Menschen, die sich nicht rational verhalten, haben etwas Erschreckendes, und in unserer Geschichte gibt es einige wirklich verwirrte und verzweifelte Personen. Das sorgt für den Angstfaktor.? Das letzte Wort steht Kapadia zu: ?Ich hoffe, wir halten das Publikum auf Trab, wenn es den Film sieht ? und natürlich auf einer Art Achterbahnfahrt!?

Szenenfoto
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