Die Hollywood-Verschwörung

Produktionsnotizen: Die Vorbilder zu den Charakteren in „Die Hollywood-Verschwörung“

George Reeves kam am 5. Januar 1914 in Iowa als George Keefer Brewer zur Welt. Häufig wird jedoch der 5. April 1914 als sein Geburtsdatum angegeben – denn er wurde innerhalb von weniger als neun Monaten nach der Hochzeit seiner Eltern geboren. Sogar seine eigene Mutter Helen sagte zu Reeves, er habe am 5. April Geburtstag, und erst als Erwachsener erfuhr er die Wahrheit. Von seinem Stiefvater wurde er dann adoptiert und bekam den Namen George Bessolo, bevor er den Künstlernamen George Reeves annahm.


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George Reeves wuchs in Pasadena auf und war eine Zeitlang als Amateurboxer und Musiker tätig, bevor er am Pasadena Playhouse zum Schauspieler ausgebildet wurde, was seiner wahren Berufung entsprach. Sein Theaterdebüt gab er 1935 und war im Laufe der darauffolgenden 18 Jahre in etlichen Inszenierungen auf der Bühne zu sehen. Einer seiner frühen Auftritte erregte die Aufmerksamkeit eines Talentsuchers aus Hollywood, und Ende 1938 – da hatte er schon den Künstlernamen George Reeves angenommen - ergatterte er seinen ersten Studiovertrag samt Filmrolle: im Klassiker „Gone With the Wind“ („Vom Winde verweht“) spielte er Brent Taleton.

In den Folgejahren spielte er weitere Rollen am Theater und im Film, darunter eine Hauptrolle an der Seite von Claudette Colbert in „So Proudly We Hail!“ (1943) unter der Regie seines Mentors Mark Sandrich. Reeves kämpfte im Zweiten Weltkrieg und war zehn Jahre lang mit der Schauspielerin Ellanora Needles verheiratet. Als Reeves dann für seine berühmteste Rolle engagiert wurde, geschahen gerade große Umwälzungen in der Filmindustrie – durch das Aufkommen des neuen Massenmediums Fernsehen. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich das System der großen Filmstudios aufgrund der Konkurrenz durch das Fernsehen zu wandeln; Verträge mit siebenjähriger Laufzeit für die Künstler wurden seltener.

1950 gab es für Reeves kaum Aussichten auf eine große Spielfilmrolle – also stimmte der Schauspieler zu, in dem einstündigen Low-Budget-Film „Superman and the Mole-Men“ die Hauptrolle als Clark Kent/Superman zu übernehmen. Kirk Alyn, der in diesen Rollen gerade für einige Episodenfilme vor der Kamera gestanden hatte, wurde für den Spielfilm unter der Regie von Lee Sholem nicht wieder engagiert. Reeves wurde - an der Seite von Phyllis Coates in der Rolle der Lois Lane – als neuer Superman ausprobiert und machte im Laufe der zwölftägigen Dreharbeiten einen so guten Eindruck auf den Regisseur und die Produzenten, dass ihm ein weiteres und längerfristiges Engagement als Superman angeboten wurde.

So kam es, dass Reeves 1951 - im selben Jahr, als der Generalmanager der MGM-Studios, Edgar (Eddie) Mannix, seine langjährige Geliebte Camille (Toni) Lanier heiratete – einen schlecht bezahlten, aber langfristigen Vertrag unterzeichnete, durch den er an eine neue, halbstündige TV-Serie gebunden war: „Adventures of Superman“. Reeves war sich dessen bewusst, dass TV-Rollen geringer geschätzt wurden als Spielfilmrollen – doch schon bald erwarb er sich den Ruhm, der ihm bei den Kinofilmen versagt geblieben war. Allerdings ging diesen Ruhm nicht mit dem Reichtum einher.

Diese TV-Serie, bei der in mehreren Episoden Sholem Regie führte, war die erste Fernsehsendung über die Abenteuer dieses Superhelden, der in den 1930er Jahren als Comic entstanden und schon Ende jenes Jahrzehnts zu einem internationalen Erfolg geworden war. Der „Mann aus Stahl“ war (von 1940 bis 1951) in Radiosendungen vertreten und trat in 17 Animationsfilmen sowie in zwei Kinofilmen auf. Es war jedoch Reeves‘ Darstellung der Figur des Superhelden, die sich durch die Verbreitung des Fernsehens am stärksten in das kollektive Gedächtnis der Zuschauer einprägte.

Die Dreharbeiten zur Serie begannen im Juli 1951; 24 Episoden wurden produziert. Neben Reeves und Coates war auch Jack Larson als Jimmy Olsen mit von der Partie. Als Grundlage zur Vorbereitung auf die TV-Sendung wurde „Superman and the Mole-Men“ zu Thanksgiving 1951 in die Kinos gebracht und erfreute sich einer erfolgreichen Saison. 1952 bekam Reeves eine weitere Rolle, die seine letzte große Spielfilmproduktion werden sollte: „Verdammt in alle Ewigkeit“.

Denn nachdem die von Kellog’s gesponsorten „Adventures of Superman“ ab September 1952 über die Mattscheibe flimmerten, wurden sie augenblicklich zu Publikumserfolgen: die Sendung war ein fester Termin für Millionen Kinder und machte den beliebten Hauptdarsteller landesweit berühmt. Ein Jahr später war Reeves (in seiner Doppelrolle als Clark Kent und Superman) auf dem Titelblatt des TV Guide; die dazugehörige Schlagzeile lautete: „George Reeves – Mann und Superman“. Der „Mole-Men“-Spielfilm war unterteilt und als zwei weitere Episoden der TV-Serie gesendet worden; man begann mit den Dreharbeiten zu weiteren 26 halbstündigen Episoden (wobei Coates nun von Noel Neill abgelöst wurde, die in den Kinofilmen bereits die Rolle der Lois Lane verkörpert hatte).

Der enge Terminplan der Produktion und das knapp bemessene Budget machten es erforderlich, dass Reeves ganze fünf Episoden gleichzeitig abdrehte – und das in nur zwölf Arbeitstagen. Zusätzliche Drehs zu weiteren 26 Folgen fanden in den darauf folgenden Jahren in unregelmäßigen Abständen statt, wobei man dann auf Farbfilm umstieg. Die Gesamtzahl der Episoden (inklusive der „Mole-Men“ Episoden) belief sich auf 104; bei drei davon führte Reeves auch selbst Regie. In all dieser Zeit saß eine ganze Generation vor den Fernseher, um Supermans Heldentaten wieder und wieder zu genießen – „für Wahrheit, Gerechtigkeit und Amerika“.

Reeves war vertraglich verpflichtet, auch persönlich im Superman-Kostüm aufzutreten – wobei dann Heerscharen von Kindern versuchten, „seine“ Unbesiegbarkeit zu testen, oft auch körperlich. In einer besonders präzisen Einschätzung der Intensität, mit der seine Superman-Darstellung die Pop-Kultur beeinflusst hatte, trat Reeves 1957 als Gast in einer weiteren äußerst erfolgreichen halbstündigen TV-Show auf: „I Love Lucy“. Die Episode, in der zwei der beliebtesten Stars der frühen Fernsehjahre gemeinsam auftraten, trug – gemäß der heroischen Tradition – den Titel „Lucy and Superman“ und handelte von Little Rickys Wunsch, Superman möge doch zu seiner Geburtstagsparty kommen.

Im November 1957 schloss Reeves die Dreharbeiten zu 26 weiteren Superman-Episoden ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Sender ABC damit begonnen, täglich eine der alten Episoden zu senden – was der Serie noch mehr neue Zuschauer bescherte und den Schauspieler in den Augen der Filmindustrie noch stärker auf die Rolle als Superman festlegte. Die letzte neue Episode wurde im April 1958 gesendet, und auch vorhergehende Episoden wurden weiterhin gezeigt – weltweit.

Als die Serie startete, hatte Reeves bereits eine Affäre mit Toni, einem ehemaligen Showgirl der Ziegfeld Follies. Ihren zukünftigen Ehemann, den Generalmanager des MGM-Filmstudios, hatte das Showgirl bereits 1936 kennen gelernt, als sie im Spielfilm „Der große Ziegfeld“ zu sehen war – und Eddies Geliebte wurde. Eddie Mannix, der ehemalige Gangster aus New Jersey, war einst in etlichen Mordfällen unter Tatverdacht geraten – und ihm wurde nachgesagt, seine Mafia-Verbindungen stets aufrechterhalten zu haben, auch lange nachdem er sich in Hollywood als „Fixer“ etabliert hatte.

Diese so genannten „Fixer“ standen auf den Gehaltslisten der großen Studios und wurden engagiert, um die Probleme der Stars zu lösen – das heißt, sie vertuschten deren Verbrechen und Skandale und sorgten dafür, dass deren Geheimnisse gewahrt blieben, und zwar unter Einsatz aller erdenklichen Mittel zum Zweck, die Namen der Stars in unliebsamen Zusammenhängen aus der Presse heraus zu halten. Die Mannix‘ führten eine offene und unkonventionelle Ehe, und Tonis Beziehung zu Reeves war in Hollywood ein streng gehütetes und doch offenes Geheimnis. Aus Respekt und auch aus Angst hat die Presse (die von MGM-Pressechef Howard Strickling professionell in Schach gehalten wurde) diese Affäre nie ans Tageslicht gebracht.

Toni war mindestens acht Jahre älter als Reeves; er war zwar der Prominente, doch sie war es, die für sein Haus im Benedict Canyon in den Hollywood Hills bezahlte und seinen Lebensunterhalt finanzierte. Mitte des Jahres 1958 aber verließt Reeves sie für eine Jüngere: das New Yorker Society-Girl und Möchtegern-Starlet Leonore Lemmon. Toni war am Boden zerstört – und Eddie außer sich.

Da ihm keine Spielfilmrollen mehr angeboten wurden und weitere 26 Superman-Episoden zwar geplant, aber noch nicht in Produktion waren, zog der nun arbeitslose Reeves sogar in Betracht, sich im Showkampf zu versuchen. Lemmon, mit der er nun verlobt war, gab in seinem Haus Partys. Bei einer solchen Festlichkeit hielt sie sich gerade im unteren Stockwerk auf, als Reeves in den frühen Morgenstunden des 16. Juni 1959 an einer einzigen Schusswunde starb. Er war 45 Jahre alt.

In Windeseile verbreitete sich die Nachricht, Reeves habe Selbstmord begangen; der Grund dafür sei das ewige Typecasting und/oder der Niedergang seine Schauspielkarriere gewesen. Dennoch tauchte zehn Tage später ein Bericht auf, in dem es hieß, die Polizei habe unter dem Teppich in dem Raum, wo Reeves gefunden worden war, zwei weitere Einschusslöcher gefunden – abgefeuert aus der selben Luger-Automatikwaffe, die Reeves getötet hatte. Eine der Kugeln hatte den Boden durchstoßen und sich in die Vertäfelung des Wohnzimmers im Untergeschoss gebohrt; die andere Kugel wurde in einem Deckenbalken aufgespürt. Im Schlafzimmer fand man jedoch nur eine Patronenhülse – und auf der Waffe keinerlei Fingerabdrücke.

Lenore Lemmon gab an, Wochen zuvor einen Schuss in den Deckenbalken abgegeben zu haben um einer Freundin zu demonstrieren, wie laut der Knall eines Schusses werden könne. Die betreffende Freundin bestätigte diese Angaben und Lemmon verließ Hollywood umgehend. Sie kehrte ihrer Traumkarriere den Rücken und zog wieder nach New York, wo sie 1990 verstarb.

Reeves‘ Mutter, Helen Bessolo, glaubte nicht daran, dass ihr Sohn Selbstmord begangen haben könnte. Schon bald gab sie eigenständige Ermittlungen in Auftrag, doch eine Autopsie ergab, dass alle Umstände auf Selbstmord hinwiesen. Helen verstarb 1964.

Eddie Mannix starb 1963; seine Witwe Toni verbrachte bis zu ihrem Tode im Jahre 1983 Jahrzehnte in Luxus und Reichtum in Beverly Hills.

Fast 50 Jahre später ranken sich noch immer etliche Spekulationen um den Tod von George Reeves – weiterhin eines der ungeklärten Mysterien von Hollywood und eine der dunklen Legenden um einen talentierten Schauspieler, dessen Karriere auf so schicksalhafte Weise ein jähes Ende fand.


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Szenenfoto
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