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Der Tod des bei einem Millionenpublikum beliebten Superman-Darstellers George Reeves im Jahr 1959 ist eines der ungelösten Geheimnisse von Hollywood und erregt auch 50 Jahre nach dem Vorfall großes Interesse. Obwohl die Umstände, die zu seinem Tod führten, niemals vollständig aufgeklärt wurden, ist die Dokumentation zu diesem Todesfall dennoch sehr umfangreich. Drehbuchautor Paul Bernbaum konnte aus dem Vollen schöpfen: in das Original-Drehbuch flossen zu gleichen Teilen die Ergebnisse der Recherche anhand der echten Ermittlungsakten und Dokumente sowie die eigene künstlerische Inspiration mit ein.
„Jahrelang habe ich mit der Idee gespielt, ein Drehbuch über Reeves zu schreiben: sein Leben war abwechslungsreich, interessant und endete tragisch. Allerdings wollte ich auch zeigen, wie unwohl er sich eigentlich in seiner Superman-Haut fühlte, obwohl seine Fans total begeistert waren. Er war ein Schauspieler, der ein Star werden wollte und ein Superstar wurde – sogar weitaus berühmter, als er jemals zu hoffen gewagt hatte – aber nur in den Augen von Kindern. Und obwohl er mit dieser Enttäuschung lebte und sich dessen bewusst war, dass die Rolle als Superman alle Chancen zunichte machte, jemals als „anerkannter Schauspieler“ Karriere zu machen, erkannte er trotzdem die Zuneigung an, die Millionen von Kindern ihm entgegenbrachten. Er hat diese Kinder niemals enttäuscht; für sie war er Superman – und das macht ihn in meinen Augen zu einem echten Helden.“ Produzent Glenn Willliamson sagt: „Die Originalität in Pauls Werk beruht darauf, dass er das Drehbuch auf der Figur des Privatdetektivs Louis Simo aufgebaut hat. Das hat es ihm ermöglicht, mit dem Fall George Reeves sehr authentisch umzugehen. Man wird durch diesen berühmten ungelösten Todesfall in den Film hineingezogen – und mitgerissen von einem sehr vielschichtigen und menschlichen Drama.“ Im Herbst 2001 begann Williamson mit der Arbeit am Drehbuch zu diesem Spielfilm. „Ich wusste sofort, dass jeder Schauspieler diese Rollen liebend gerne übernehmen würde; das Drehbuch behandelt ein ergreifendes und universelles Thema. Wir sind doch alle auf die Dinge fixiert, die wir nicht haben – und erkennen gar nicht, was wir eigentlich haben.“ „Aus historischer Sicht bedeutete der Tod von George Reeves für eine ganze Generation das Ende der Unschuld. Sein Ableben berührte Millionen Menschen. Wenn man sich die Schlagzeilen aus jener Zeit anschaut, dann steht dort fast immer etwas wie „Superman ist tot“ oder „TV-Superman stirbt“ – und nicht „George Reeves ist gestorben“. Es geht um einen Schauspieler, der einen unbesiegbaren Superhelden verkörpert – doch seiner eigenen Lebensspanne wurde ein abruptes Ende gesetzt. Wir wollten zeigen, wer dieser Mensch war; auf der Suche nach der Persönlichkeit des Verstorbenen erfährt nun ein anderer Mann immer mehr über sich selbst.“ Regisseur Allen Coulter las das Drehbuch ein Jahr später und fand es „clever und unglaublich gut geschrieben. Es ist die Geschichte zweier Männer, die jemand anderes sein wollen als sie selbst. Es erschien mir auch wie ein einmaliger Einblick in eine großartige Epoche, die Ära nach der Blüte der Kinostudios und der Übergang ins Fernsehzeitalter, die in dieser Form in einem ernsthaften Film bisher noch nicht gezeigt worden ist. Im selben Augenblick, als ich das Drehbuch fertig gelesen hatte, rief ich meinen Agenten an.“ Kurz darauf verpflichtete sich Coulter, mit diesem Projekt sein Kinodebüt als Regisseur zu geben. Bezüglich der kraftvollen Story und ausdrucksstarken Charaktere meint Coulter: „Die einzelnen Geschichten bringen sich gegenseitig zur Geltung, und beide Erzählstränge werden dadurch bereichert. Beide Männer sind zu sehr in ihrem Traum von Hollywood verstrickt und wissen nicht zu schätzen, was der wahre Reichtum in ihrem Leben ist. In ihrer jeweiligen Branche haben beide weniger Status erlangt, als sie es sich gewünscht hatten; sie sind der Ansicht, erst durch den Erfolg könnten sie vor der Welt bestehen – und damit auch vor sich selbst. Erst durch seine Ermittlungen zu Georges Werdegang gelingt es Simo, auch sein eigenes Leben mit anderen Augen zu betrachten.“ „Für Simo sind diese Ermittlungen zu Beginn lediglich ein Auftragsjob, für den er bezahlt wird. Doch im Verlauf der Geschichte vertieft sich der Detektiv immer mehr in Reeves Leben – und schert sich überhaupt nicht um diesen Mann. Außerdem stellt er lakonisch fest: ‚Jeder muss mal sterben’.“ Nachdem sie einige Jahre an „Die Hollywood-Verschwörung“ gearbeitet hatten, entwickelten sowohl der Regisseur als auch der Produzent großen Respekt und Mitgefühl für den verstorbenen Schauspieler. Coulter sagt: „Reeves litt meiner Ansicht nach darunter, dass er meinte, niemals sein ganzes Potential als Schauspieler eingesetzt haben zu können. Es belastete ihn sehr, dass man ihn seiner Meinung nach nicht als seriösen Darsteller anerkannte, sondern in ihm ‚nur diesen Kerl, der Superman spielt‘, sah. Wir hoffen, neues Licht in diese Geschichte gebracht zu haben und damit den Menschen zeigen zu können, welcher Rang Reeves in Hollywood wirklich gebührt.“ „Wir haben doch alle einen Plan für unser Leben – bis das Leben selbst diese Pläne umwirft. Reeves Lebensplanung wurde vom Zweiten Weltkrieg verändert. Seine Karriere startete einst mit einem so glücklichen Zufall – immerhin war „Gone With the Wind“ („Vom Winde verweht“) sein erster Kinofilm - doch als er nach dem Dienst an der Waffe in sein Heimatland zurückkehrte, bekam er innerhalb des Hollywood-Systems kein Fuß auf den Boden. Er war bereits Anfang 30 und galt als ‚etwas zu alt‘ für Hollywood. Dann wurde er ein Fernsehstar – aber das bedeutete ihm nicht viel, und ganz gewiss verdiente er keine Millionen, wie die heutigen Darsteller von Superhelden.“ Coulter staunt: „Millionen Kinder sahen in diesem Mann – der im wahren Leben kinderlos blieb – eine starke und allwissende Vaterfigur. Das kleine Augenzwinkern, das er der Figur mitgab, sprach die Kinder direkt an: sie dachten, er zwinkere ihnen zu. In diesem jungen Alter konnten sie nicht unbedingt zwischen dem Schauspieler und der Rolle unterscheiden.“ Williamson fügt hinzu: „Als kreativer Künstler sehnte sich Reeves danach, andere Dinge zu tun. Doch ironischerweise machte gerade der große Erfolg der TV-Serie dies unmöglich. Reeves war die Schlüsselfigur in einem Ereignis, das für eine ganze Generation von großer Bedeutung war – doch das war ihm in seinem Privatleben nicht genug. Wenn man sich die Zeit nimmt, seine Superman-Episoden anzusehen, wird man natürlich gut unterhalten, kann aber gleichzeitig feststellen, dass sie eine Botschaft der Toleranz und guten Werte vermitteln und für Ehre und Gerechtigkeit werben.“ Um dem Vermächtnis von George Reeves die Ehre zu erweisen, dessen waren sich die Filmemacher bewusst, war es absolut ausschlaggebend die Hauptrolle mit einem Schauspieler zu besetzen, der sowohl die private als auch die berufliche Seite von Reeves zur Geltung bringen konnte. „Ben Affleck hat großen Respekt vor dem Menschen George Reeves“, berichtet Coulter. „Er hat von Anfang an sehr intensiv recherchiert und widmete sich dieser Rolle und diesem Tribut mit voller Hingabe.“ Affleck offenbart: „Ich habe eine noch größere Verantwortung verspürt, als man sie normalerweise sowieso trägt, wenn man historische Personen darstellt. Hier geht es um einen Mann, dem im echten Leben keine Anerkennung für seine wahre Persönlichkeit zuteil wurde. Bei der Recherche habe ich herausgefunden, dass er einmal einen Autounfall hatte und praktisch in Ohnmacht fiel. In den Schlagzeilen stand dann zu lesen: ‚Supermann wird ohnmächtig beim Anblick des eigenen Blutes‘. Die Menschen haben ihn damals ziemlich unsensibel und grob behandelt. Es war erniedrigend, und er hatte besseres verdient.“ „Dieser Kontrast hat mich interessiert: er war sehr frustriert und traurig, aber jeder dachte, er müsse doch eigentlich glücklich sein. Er hatte diese Rolle angenommen, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen und als Schauspieler aktiv zu bleiben; er war auch einer der ersten Schauspieler, der die Erfahrung durchmachte, wie frustrierend die Festlegung auf eine bestimmte Rolle ist. Jeder Superman-Zuschauer fühlte sich ihm automatisch nahe und zugehörig – und ich denke, dabei fühlte er sich unwohl und unsicher. Die Menschen erwarteten ja von ihm, wirklich Superman zu sein. Meines Erachtens äußert sich „Die Hollywood-Verschwörung“ auch darüber, wie unsere Gesellschaft die kulturellen Ikonen anbetet und dann verschlingt.“ „Ich habe zuvor schon mit Ben zusammengearbeitet und ihn nie so glücklich auf die Arbeit konzentriert gesehen wie bei diesem Film“, berichtet Williamson. „Es gab viele Schauspieler, die diese Hauptrolle übernehmen wollten, doch ich wusste, dass sich Ben mit der Rolle als Reeves völlig identifizieren und in ihr aufgehen würde.“ „Ben hat bestimmte Dinge über Reeves sehr verinnerlicht; sie haben auch einige Charakterzüge gemeinsam“, fügt Coulter hinzu. „Nach allem, was wir gehört und gelesen haben, war Reeves ein wirklich liebenswerter und charmanter Mann. Genau wie Ben – und der hat ja ebenfalls die ein oder andere Erfahrung damit gemacht, wie es ist, als Schauspieler in Hollywood verletzlich zu sein.“ Affleck zieht seinen Recherchen zu Reeves ein Fazit: „Man kannte ihn auch als ‚Honest George‘, den ‚Ehrlichen George‘; er verbrachte viel Zeit damit, sich darum zu bemühen, dass andere Menschen sich besser fühlten – teilweise auch um sich selbst aufzuwerten. Er war großzügig und hat wohl auch weitaus mehr Geld verliehen, als er selbst hatte; er war unterhaltsam und witzig, konnte Gitarre spielen und sprach mehrere Sprachen. Er war ein echter Mann, im wahrsten damaligen Sinne des Wortes. George war nicht perfekt; er war zu ehrgeizig und ungeduldig, zu sehr am schönen Schein und an Oberflächlichkeiten interessiert. Doch meiner Meinung nach hat er sein Leben mit viel Charakter geführt.“ Zum Weiterlesen
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