Die Hollywood-Verschwörung

Produktionsnotizen: Den Überblick behalten

„Die interessantesten Figuren sind doch diejenigen, die uns etwas über unser eigenes Wesen erzählen“, meint Adrien Brody, der in „Die Hollywood-Verschwörung“ die Rolle des Louis Simo spielt. „Als Schauspieler möchte ich von meiner Rolle und dem Szenario ergriffen werden. Außerdem suche ich nach Rollen, die ich bei früheren Gelegenheiten noch nicht habe spielen können. Dieses Drehbuch bot all das und noch mehr; es ist sehr fließend und geschmeidig."


+++ Werbung +++

„Simo ist in seinem Leben in Hollywood an einem Punkt angekommen, an dem sich viele Menschen wiederfinden: sie wollen ein bestimmtes Ziel erreichen, haben aber wahrscheinlich nicht die richtigen Schritte unternommen, um dort hin zu gelangen. Simo ist in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen etwas kindisch und muss erwachsen werden. Er versucht, gut auszusehen, aber das ist nur Fassade – er agiert. Irgendwann muss er seine hektische Betriebsamkeit einstellen und damit beginnen, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Es war großartig, diese Rolle auszuloten.“

Allen Coulter erläutert: „Es gibt eine Sequenz in einem Diner, wo ein ehemaliger Geschäftspartner zu Simo sagt, er versuche wie Ralph Meeker auszusehen - ein Schauspieler, der damals für seine Rollen als Privatdetektiv bekannt war. Simo bemüht sich zwar, ein wirklich moderner Ermittler zu sein, doch statt wirklich wie ein Profi zu handeln, spielt er diese Rolle als Privatdetektiv nur, ganz so, als wären Kameras auf ihn gerichtet.“

„Für die Rolle des Simo brauchten wir einen Schauspieler, der sexy und charmant sein konnte und gleichzeitig Intensität und Gefahr ausstrahlte. Adrien ist genau der außergewöhnliche Schauspieler, den wir benötigten.“

Glenn Williamson fügt hinzu: „Adrien verleiht dieser Figur in jeder Szene eine eindringlich nuancierte Komplexität. Er ist als Simo einfach umwerfend.“

Brody meint: „Anfangs geht Simo der Sache nur nach, um aufzufallen und in seiner Branche aufzusteigen. Doch im Laufe der Ermittlungen beginnt Simo die Traurigkeit im Innersten von George Reeves zu erfassen.“

Die Ermittlungen zum Tode von George Reeves verlaufen, wie in „Die Hollywood-Verschwörung“ dargestellt, in verschiedene Richtungen. „Es wird viel darüber spekuliert, welche Ursachen – oder Personen – für Reeves‘ Tod verantwortlich waren“, berichtet Brody. „War es ein falsches Spiel oder Selbstmord? Allen und ich haben darüber debattiert und beschlossen, die Antwort für mich als Schauspieler offen zu lassen – denn meine Filmfigur weiß auch nichts darüber, sondern versucht ja gerade, die Einzelheiten herauszufinden.“

„Reeves‘ Tod hat immer hitzige Kontroversen ausgelöst“, meint Paul Berbaum. „Besonders drei Theorien wurden angeführt: 1) er habe Selbstmord begangen, 2) er sei entweder versehentlich oder vorsätzlich von Leonore Lemmon erschossen worden oder 3) Eddie Mannix habe seine Ermordung angeordnet. Bei der Arbeit am Drehbuch wollte ich alle drei Theorien mit einflechten – und jeder ausreichend Glaubwürdigkeit verleihen, damit die Zuschauer beim Verlassen des Kinosaals drei unterschiedliche Meinungen zum wahren Tathergang in jener Nacht vertreten.“

Coulter sagt: „Wir bringen die drei Möglichkeiten ins Spiel und haben versucht, jeden Beteiligten und alle Details jeweils so plausibel wie nur möglich einzubauen.“ Williamson meint: „Wir haben uns alle – auch mit den Schauspielern – darüber unterhalten, dass wir uns wünschen, dass das Kinopublikum nach dem Film diskutieren sollte, was wohl in jener Nacht wirklich geschah.“

Manche dieser Diskussionen unter den Schauspielern und Filmemachern wurde auch abgebrochen. Brody merkt an: „Was auch immer geschehen sein mag, es war ein tragischer Vorfall.“

Noch deutlicher wird die Hauptdarstellerin Diane Lane, die meint: „Das waren fürchterliche Gespräche, denn das ganze Thema ist so traurig. Ich habe mich wirklich mit Tonis Emotionen identifiziert – vor allem mit diesem Gefühl des Verlusts.“

Lane hatte sich viele Gedanken um ihre Herangehensweise an die Rolle als Reeves‘ langjährige Geliebte gemacht. „Diane war über Jahre hinweg ein echter Fan dieses Projekts und verfolgte aufmerksam die Fortschritte des Drehbuchs“, erinnert sich Williamson.

Was die Schauspielerin jedoch nicht bemerkte, war, dass das Drehbuch sie im Auge hatte. Bernbaum erklärt: „Diese Rolle habe ich mit Diane im Hinterkopf geschrieben, also hat sich alles wunderbar zusammengefügt!“

Coulter sagt: „Diane hat in einigen ihrer Filme bereits Frauen gespielt, die von unkontrollierbaren Emotionen getrieben werden. Man könnte sagen, dass dies auch auf Toni in „Die Hollywood-Verschwörung“ zutrifft – aber Toni ist noch weitaus tougher und wagemutiger. Diane hat diesen Charakterzug schon in anderen Rollen zur Geltung gebracht, hier hat sie nun Gelegenheit, das noch weiter auszubauen. Sie ist eine sehr kraftvolle Schauspielerin.“

Lane meint: „Die Beziehung zwischen Toni und George fand ich ungeheuer interessant. Für eine Frau in der damaligen Zeit war sie sehr selbstbewusst; sie war eine große Dame – nicht unbedingt ein gutes Mädchen, aber sicher eine vielschichtige Persönlichkeit. Ben und ich haben Bücher gelesen, in denen beschrieben wurde, wie Toni in das Leben von George hinein passte. Wir haben auch mit Jack Larson, Reeves‘ Schauspielkollegen aus Superman, gesprochen: er hat Toni und George und deren Beziehung wirklich sehr gemocht.“

„Toni war eine sehr lebenslustige und vor Energie sprühende Frau; sie war älter als George, hatte die Kontrolle über die Finanzen und scheute sich auch nicht, diese Machtposition auszuspielen. Sie führten eine erotische, lebendige und reife Beziehung, die durchaus auch Belastungen gewachsen war. Es hätte eine oberflächliche Affäre bleiben können, aber das war es nicht. Ihr Verhältnis entwickelte und vertiefte sich, und sie hatten ein Arrangement. Sie war dankbar dafür, ihn in ihrem Leben zu haben.“

Ben Affleck sagt: „Als Toni in Georges Leben trat, repräsentierte sie etwas, wonach er sich sehnte: einen neuer Anfang zu machen, um sich jünger und lebendiger zu fühlen. In gewisser Hinsicht benutzte sie die Tatsache, dass sie ihm Geld gab – denn sie bezahlte seine Rechnungen mit dem Geld ihres Ehemannes - um ihn zu kontrollieren. Obwohl ich überzeugt bin, dass sie sich wirklich geliebt haben, verwandelte sich Toni in Georges Augen dennoch in etwas, das ihn unglücklich machte. Doch sobald sich ihre Wege trennten, lief sein Leben völlig aus der Bahn.“

Zum Ausgang dieser Beziehung meint Lane: „Wie in jeder Beziehung war es auch zwischen Toni und George so, dass die Dinge ihren Lauf nehmen, wenn sich die Partner nicht weiterentwickeln. Und Toni wollte nicht wirklich, dass George sich weiterentwickelt – sie wollte, dass er so blieb wie sie ihn kannte. Sie hat ihn geliebt und ich denke, sie hat die Trennung nie wirklich verkraftet.“

Nachdem sie nun die Rolle spielen konnte, der sie über Jahre nachgespürt hatte, wollte Lane „Toni natürlich nicht betrügen. Ich musste sie so authentisch wie nur möglich porträtieren. Ich bin Schauspielerin, keine Geschichtswissenschaftlerin – aber ich fühlte ihr gegenüber eine Verantwortung. Außerdem machte es mir großen Spaß, eine Frau zu verkörpern, die älter sein soll als ich selbst – es war sehr befreiend! Ich musste mir keine Sorgen machen, ob ich auch jung wirke... das ist so langweilig und beengend. Obwohl es natürlich wunderbar war, so schön ausgeleuchtet so werden. Toni hätte das genauso verlangt ...“

Affleck meint: „Diane ist eine der besten – wenn nicht gar die beste Schauspielerin, mit der ich je zusammengearbeitet habe. Sie ist außergewöhnlich, und dazu noch sehr nett und ein echter Profi. Oft ertappte ich mich dabei, wie ich dachte: ‚Später werde ich stolz darauf sein, in diesem Film mitgespielt zu haben, allein schon wegen der Zusammenarbeit mit jemandem, der eine solche Performance abliefert‘. Ihre Darstellung in unseren Szenen war so aufrichtig und realistisch.“

Lane hatte vor zwei Jahrzehnten bereits in „Cotton Club“ mit Bob Hoskins zusammengearbeitet, der in „Die Hollywood-Verschwörung“ ihren Ehemann spielt. Sie meint bewundernd: „Allein schon durch diese frühere gemeinsame Erfahrung spürten wir auf Anhieb eine enge Verbundenheit – wir waren augenblicklich gute Kameraden! Es war toll, wieder an der Seite von Bob vor der Kamera zu stehen; er ist wirklich süß.“

Hoskins erzählt: „Als ich herausfand, dass Diane in „Die Hollywood-Verschwörung“ mitspielen würde, dachte ich: Das ist cool! Sie war schon damals als Teenager eine außergewöhnliche Schauspielerin. Sie hatte damals – genau wie heute noch – die unglaubliche Fähigkeit, überall auf der Stelle einschlafen zu können. Sie geht einfach in ihren Wohnwagen und tut es – das ist beeindruckend... Es war wunderbar spannend, erneut mit ihr zusammenarbeiten zu können, und das bei einem so großartigem Drehbuch.“

Hoskins hat im Laufe seine Schauspielkarriere bereits mehrfach real existierende Personen im Film porträtiert und meint: „Ich bin einzig und allein dafür verantwortlich, niemals irgendein Urteil über die jeweilige Figur zu fällen. Zwar habe ich allerhand über Eddie Mannix gelesen, wollte aber nicht allzu viel Recherche betreiben und mich auf vorgefasste Meinungen festlegen, denn Allen sollte das aus mir herausholen können, was er sich für die Rolle wünschte.“

„Mannix war ein komplizierter Mann. Als „erster Offizier“ von MGM war er sehr mächtig, aber er war auch sehr krank. Ich glaube auch, dass die sexuelle Leidenschaft schon früh aus seiner Ehe gewichen war und dass er mit Toni eine eher geschwisterliche Beziehung führte.“

Diane Lane meint: „Ganz sicher wussten Toni und Eddie über die jeweiligen Affären des anderen Bescheid. In ihnen war die Überzeugung gereift, dass jeder den anderen glücklich sehen wollte – doch gleichzeitig wollte keiner dieses Arrangement und die Vorteile, die ihnen diese Ehe bot, auf Spiel setzen.“

Hoskins sagt: „Eddie war knallhart – und konnte zu Toni dennoch so sanft sein. Ihm wurde bewusst, dass - wenn er sie als Ehefrau halten wollte – er ihr sexuelle Freiheit zugestehen musste. Im Grunde bedeutete das: Du kannst mit meiner Frau ins Bett gehen – aber wenn du sie zum Weinen bringst, bist du tot. Es war eine außergewöhnliche Epoche, denn die großen Filmstudios waren praktisch die Eigentümer ihrer Mitarbeiter und schrieben ihren Angestellten vor, wie sie ihr Leben führen sollten.“

Brody meint: „Wir alle haben das glamouröse Hollywood vor Augen – und in diesem Film lassen wir eine unglaublich aufregende und faszinierende Epoche wieder aufleben. Es gab jedoch immer und überall auch die Schattenseiten, die düstere Kehrseite der Medaille.“

Coulter fügt hinzu: „Unser Film ist eine weitaus bedrohlichere Version jener Epoche als die, die man üblicherweise zu sehen bekommt. Während der Recherche zu „Die Hollywood-Verschwörung“ habe ich sehr viel gelesen und festgestellt, dass ein Teil der glanzvollen Fassaden von den Studios erzeugt wurde – um eine Fantasie-Welt zu erschaffen, die von jedermann bewundert werden sollte. Wir blicken hinter diese Kulissen, um die echten Menschen mit ihren privaten Problemen zu zeigen – denn die schöne Garderobe hat diese Personen nicht vor menschlichen Dramen beschützen können.“


Zum Weiterlesen
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto


© Fotos: Buena Vista © 1994 - 2010 Dirk Jasper