Die Hollywood-Verschwörung

Produktionsnotizen: Die verschiedenen Facetten von „Hollywoodland“

Der Originaltitel der Films lautet „Hollywoodland“ – so stand es ursprünglich auch auf dem weltberühmten Schriftzeichen, das später zu „Hollywood“ verkürzt wurde, als sich der internationale Ruhm der Stadt etabliert hatte.


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Sogar für einen Ort, der abwechselnd – und manchmal sogar gleichzeitig – seine Vergangenheit entweder verherrlicht oder niederreißt, stand das Hollywood der frühen 50er Jahre in scharfem Kontrast zur Stimmung, die gegen Ende jenes Jahrzehnts herrschte. Die traditionelle Formalität und Naivität wich dann nämlich einer eher modernistischen und lässigeren Attitüde, was sich auch in der Unterhaltung, Mode und Architektur widerspiegelte. Da die Geschichte in „Die Hollywood-Verschwörung“ im Laufe der 50er Jahre spielt, ließen Allen Coulter und sein Team, darunter Kameramann John Freeman, Produktionsdesignerin Leslie McDonald und Kostümdesignerin Julie Weiss, hier bei den Details ganz besondere Sorgfalt walten.

Coulter sagt: „Jonathan hat großartige Arbeit geleistet, indem er den zwei verschiedenen Epochen einen ganz unterschiedlichen Look verliehen hat. Seine Kamera ist formeller und zurückhaltender, wenn George Reeves‘ Hollywood gezeigt wird, hier setzt er auch sattere Farbtöne ein. In der Welt von Louis Simo scheinen die Farben von der scharfen kalifornischen Sonne ausgeblichen worden zu sein. Um dieses Gefühl noch zu unterstreichen haben wir mit einer Belichtung gedreht, die die fast unerträgliche Hitze fühlbar macht, und die Kamerabewegungen sind unsteter und unruhig.“

Adrien Brody meint: „Allen hat die Szenen mit Simo in einem schnellen Rhythmus gedreht; aber daran war ich aus etlichen Independent-Filmen bereits gewöhnt. Das hält uns alle auf Trab, doch Jonathan war immer bereit für den spezifischen Stil und die besondere Energie, die für die jeweiligen Szenen notwendig waren.“

Coulter fügt hinzu: „Das Hollywood, in dem sich Simo bewegt, ist zunehmend gekennzeichnet von informellem Verhalten – sowohl körperlich als auch sonst. George ist noch in einem Hollywood aufgewachsen, wo elegante Ausstrahlung auf der Tagesordnung stand. Die Menschen verhielten sich eher zurückhaltend und in gewisser Weise vielleicht sogar würdevoll. Diesen Kontrast haben wir auch bei etlichen anderen kreativen Entscheidungen sichtbar machen wollen. In Reeves‘ Welt spielen Live-Bands in Clubs und Restaurants noch Klassiker und feinen Jazz; in Simos Umgebung finden wir Radiomusik, Plattenspieler und Jukeboxes, aus denen Rock ‘n‘ Roll dröhnt.“

„Außerdem spielt sich Georges Leben in einem eher ruhigen Umfeld ab: das Meer rauscht, aus der Ferne hört man die sanften Klänge einer Jazz-Band und in dem Raum, in dem er mit Toni über die Zukunft spricht, ist es ansonsten still. In Simos Alltag prasselt aber pausenlos eine Lärmkulisse auf uns ein.“

Coulter analysiert auch die Arbeit an einem Kostümfilm und weiß, dass die Filmemacher in einem solchen Fall zuerst das berücksichtigen müssen, was das Publikum sehen wird: „Wir haben es absichtlich vermieden, die typischen Postkarten-Motive zu filmen, die zu sagen scheinen: ‚Wir haben viel Geld ausgegeben, um diese alten Autos und Kostüme zu mieten, also wollen wir sie auch zur Schau stellen.‘ Wir aber wollten alles echt aussehen lassen; wir hatten zwar tolle Autos und Kostüme, haben sie dann aber als etwas ganz Natürliches betrachtet. Ich habe ständig gesagt: ‚Lasst die Autos nicht so sauber sein!‘ - außer es handelte sich um das Begräbnis oder die Szenen im Anwesen der Mannix...“

„Bei den unverwechselbaren Sehenswürdigkeiten wie Ciro’s oder Cocoanut Grove haben wir versucht, die dazugehörige Stimmung einzufangen und zu vermitteln. Ist unser Ciro’s eine architektonisch akkurate Nachbildung? Nein. Aber wir haben die damalige Beleuchtung, die Lampen und das Outfit der Menschen reproduziert – und ich bin davon überzeugt, dass genau die entsprechende Atmosphäre entstanden ist. Wir haben uns so getreu wie nur möglich an das gehalten, was die Quintessenz dieser Orte ausmacht.“

McDonald meint: „Viele dieser legendären Lokale existieren nicht mehr, also haben wir uns bemüht, genau die Wirkung zu erzeugen, die diese Umgebung damals entfaltete. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es gewesen sein muss, sich jeden Abend in Schale zu werfen und in solche Nachtclubs zu gehen, aber George und seine Zeitgenossen haben es so gemacht. Allen hat sehr genau auf bestimmte Dinge wie z.B. die Farbpalette geachtet. Julie, Jonathan und ich haben lange mit ihm darüber gesprochen.“

„Als Drehort für Simos Wohnung haben wir nach einem Apartmenthaus in Hollywood gesucht. Es sollte ein Gebäude sein, das - wie Simo selbst - Ecken und Kanten hat. Im heutigen Hollywood war das schwer zu finden, aber wir wurden in Long Beach fündig, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Interessant war, dass dieses Anwesen über einen Pool in Form eines Sarges verfügte. Es war einfach perfekt, denn schon auf den ersten Blick macht diese Wohnanlage einem klar, dass Simos Ehe in die Brüche gegangen ist.“

Während der siebenwöchigen Dreharbeiten zu „Die Hollywood-Verschwörung“ wurde auch im Hancock Park und in den Parkwood Estates gefilmt, dem ehemaligen Wohnsitz von Sam McLaughlin, dem Gründer von General Motors Canada. Dieses Anwesen stellt im Film die Villa des Ehepaars Mannix dar und ist eines der ganz seltenen intakten Beispiele für die mittlerweile fast vollständig verschwundene Architektur der Nachkriegszeit.

Die Party, auf der sich Reeves und Toni kennenlernen, wurde auf der Dachterrasse eines Kaufhauses aus den 1930er Jahren gefilmt, das vor kurzem restauriert worden ist und nun wieder in alter Pracht erstrahlt.

Glenn Williamson staunt: „Eines Tages am Set war ich total schockiert, als all diese Statistinnen wirklich Handschuhe trugen – aber so kleideten sich die Leute damals eben, alles verlief sehr steif und förmlich. Diane Lane ist ja eine sehr schöne Frau; doch bereits nach der ersten Kostümprobe war sie völlig verwandelt: die Haare, die gezupften Augenbrauen, die Kleider...“

Diane Lane meint: „Diese glamourösen Schauspieler und das elegante Hollywood gehören ausschließlich in die damalige Zeit. Davon ist heutzutage absolut nichts mehr übrig, leider – ein weiterer Grund, um jene Epoche nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“

„Jeder Mitwirkende an diesem Film hat sein Bestes gegeben, um diese Ära wieder aufleben zu lassen – und das sieht man. Obwohl ich sicher bin, dass sie sich eher als Reaktion auf die tolle Geschichte und Allens wunderbare Regiearbeit so ins Zeug gelegt haben, und nicht nur weil es eben eine Story über Hollywood ist. Julie Weiss und ihr Team haben sich mit den Kostümen und der Ausstattung selbst übertroffen.“

Julie Weiss hat als Kostümdesignerin bereits zwei Oscar-Nominierungen erhalten; über zwei Jahre hinweg beobachtete sie die Entstehung des Filmprojekts: „Ich wollte unbedingt an diesem Film mitwirken. Er erinnert uns daran, dass wir unseren Idolen applaudieren, uns umdrehen und dann nicht mehr zurückblicken – doch der Mensch steht noch immer auf der Bühne. Wir sollten diejenigen, die uns zum Träumen verholfen haben, viel freundlicher behandeln als man George Reeves behandelt hat. Die Menschen in „Hollywoodland“ sind auf der Suche nach sich selbst, und zwar zu einer Zeit, als die Stadt selbst im Wachstum begriffen war. Die Orangenbäume wurden gefällt, neue Häuser hochgezogen. Da ich selbst in Los Angeles aufgewachsen bin weiß ich sehr wohl, dass man sich entweder bewusst machen kann, an welchem Ort man sich wirklich befindet – oder aber man tut so, als sei man an dem Ort, nach dem man sich sehnte.“

„Es lag in meiner Verantwortung, die Schauspieler dabei zu unterstützen, dieses kleine Etwas aufzuspüren, durch das sie sich in ihre Rollen hineinversetzen können. Es geht um den Augenblick, wenn aus dem Kostüm ihre zweite Haut wird. Ab da wirkt alles natürlich, und die Zuschauer betrachten die Darsteller und haben das Gefühl, über eine Brücke in die Vergangenheit getragen zu werden. Das Filmpublikum wird hoffentlich nicht unterscheiden können, welche Elemente neu geschneidert und welche Kostüme ausgeliehen worden sind.“

Bob Hoskins gibt zu: „Alle meine Anzüge waren Originalteile aus den 50er Jahren, es war wunderbar! Ich trug ja Sachen, die Edward G. Robinson vielleicht einmal angehabt hat...“


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Szenenfoto
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