Die Hollywood-Verschwörung

Produktionsnotizen: Hinter den Kulissen

Allen Coulter hat sich lange darauf vorbereitet, mit ?Die Hollywood-Verschwörung? sein Regiedebüt zu geben und berichtet: ?Jeden Tag, wenn ich ans Set kam, hatte ich bereits jede Einstellung in allen Einzelheiten vor Augen. Das heißt aber nicht, dass sich im Laufe der Dreharbeiten nicht doch alles veränderte ? und zwar ständig!?

Drehbuchautor Paul Bernbaum erzählt: ?Dass Allen als Regisseur engagiert wurde, hat mich total begeistert ? besonders nachdem wir uns persönlich kennen gelernt hatten. Wir standen auch während der Dreharbeiten in Kontakt und ich verbrachte einige Tage mit ihm am Set. Er ist verdammt intelligent, sehr umsichtig und ein großartiger Regisseur.?

Produzent Glenn Williamson fügt hinzu: ?Nachdem ich so lange an diesem Projekt gearbeitet hatte, war ich überglücklich, dass sich alles so gut gefügt hat. Ich habe bereits mit vielen Filmemachern zusammengearbeitet, und Allen wusste sehr genau, was er wollte. Er wusste aber auch, wie wichtig es ist, am Drehort eine Atmosphäre zu erzeugen, in der sich die Mitwirkenden wohl fühlen und die Gewissheit haben, dass sie ihre denkbar beste Leistung werden vollbringen können. Das traf insbesondere auf das hoch talentierte Schauspielensemble zu.?

Coulter meint: ?Mir gefällt diese Arbeitsweise, bei der ich gemeinsam mit den Schauspielern herauszufinden versuche, wer die Figuren sind und wie wir sie glaubwürdig gestalten können."

?Sobald Ben Affleck für die Rolle als George Reeves zugesagt hatte, begann ich ihm Material zuzuschicken. Er hat sich auch weit mehr Episoden von ?Adventures of Superman? angesehen als ich. Wir haben außerdem eine Kassette aufgetrieben, auf der George Reeves persönlich spricht, und nicht als Superman. Ben war davon völlig fasziniert und hat sich auch am Set diese Tonaufnahmen angehört, manchmal auch Auszüge aus Reeves? Filmen oder TV-Auftritten. Das tat er unmittelbar bevor wir zu drehen begannen. Er hat sich Reeves? Stimmlage, Haltung und Gesten vollständig angeeignet.?

Affleck gibt zu: ?Für diesen Film habe ich mehr recherchiert als jemals zuvor; ich habe mich sehr intensiv auf diese Rolle vorbereitet. Ich habe über 20 Pfund zugenommen, und deswegen hieß es oft: ?Ich gehe gleich ins Bett, lass? mich nur erst noch diese Pizza essen...?. Wenn man einen Film dreht, bekommt man oft kleine Begrüßungsgeschenke von der Produktion; in diesem Fall schenkte man uns glücklicherweise iPods, also konnte ich mir eine Datenbank mit Auszügen von Georges Stimme anlegen. Diese Aufnahmen habe ich genutzt, um mich in George hineinzuversetzen. Außerdem habe ich mir alle 104 Folgen von ?Adventures of Superman? sowie Reeves? Spielfilme angesehen. Seine Arbeit hat mich wirklich inspiriert, denn er war ein sehr guter Schauspieler, so natürlich und charmant.?

?Er hat sowohl Clark Kent als auch Superman so gut und mit einem solchen Enthusiasmus gespielt - denn er verstand, dass die Serie darauf basiert, dass der Zuschauer über seine geheime Identität Bescheid wussten, während die anderen Figuren der Serie ahnungslos sind. George Reeves kam sich im Superman-Kostüm lächerlich vor; für mich hingegen war die Arbeit mit Allen beim Nachstellen der ?Superman?-Szenen eine große Freude.?

Coulter bestätigt: ?Ben hat das Superman-Kostüm und das Clark-Kent-Outfit wahnsinnig gern getragen. In diesen Szenen hat er auch als Reeves gerne improvisiert. Aus unseren Gesprächen mit Jack Larson wussten wir, dass Reeves am Set ständig improvisierte.?

Stunt-Koordinator Matt Birman fügt hinzu: ?Ben hat alle Stunts am Drahtseil selbst übernommen, darunter auch unsere Inszenierung des Vorfalls, der sich damals wirklich am Set ereignete, als ein Seil ? entweder am Gerüst oder direkt am Superman-Kostüm - plötzlich riss und George Reeves aus über drei Metern Höhe zu Boden stürzte. Ihm war nichts Schlimmes passiert ? aber er ließ sich nie mehr auf solche Stunts ein.?

Coulter ist auch voll des Lobes für Leslie McDonald und ihr Team, die das Set der legendären Tageszeitung Daily Planet gemäß der Serienvorlage nachgebildet haben: ?Ausgenommen jene Fans, die genau wissen, wo jeder einzelne Bleistift lag, sind wir der Überzeugung, dass wir dem Original verdammt präzise nahegekommen sind.?

McDonald erläutert: ?Das Original-Set der TV-Serie veränderte sich mit den Jahren ja auch, also mussten wir einige Entscheidungen treffen hinsichtlich der Dinge, die wichtig waren. Ein großer Spaß war sicher, das schlechte Kulissenbild der Brooklyn Bridge hinter der Figur von Perry White neu zu erschaffen!?

Viele der Mitarbeiter von Dennis Berardi, dem Leiters der Abteilung für visuelle Effekte, wollten unbedingt an ?Die Hollywood-Verschwörung? mitarbeiten. Berardi erklärt: ?Wir haben hier Künstler, die große Fans der Superman-Comics sowie der Original-Serie sind.?

Berardi weiter: ?Um den einstigen Schwarz-Weiß-Vorspann von ?Adventures of Superman? wieder entstehen zu lassen, haben wir beschlossen, dass es am Besten wäre, Ben vor einer Green Screen zu filmen, alles andere dann in Farbe zu drehen. So hatten wir ausreichend Spielraum, um in der Post-Produktion auf digitalem Weg der alten Vorlage gerecht zu werden. Sich mit diesen frühen technischen Finessen wieder vertraut zu machen war ein faszinierender Vorgang.?

Eine noch größere Herausforderung für den Schauspieler und die Fachleute war es, Affleck als Reeves in Originalszenen von ?Verdammt in alle Ewigkeit? einzubauen ? und zwar in einer Szene an der Seite des Hauptdarstellers Burt Lancaster. Berardi sagt: ?Wir haben Ben vor einer Green Screen gefilmt, besonders auf seine Blickrichtung geachtet und uns sehr genau an die vorgegebene Kameraeinstellung gehalten. Ben konnte Burts Text über einem Knopf im Ohr hören und spielte dann Reeves? Rolle so, als stünde er wirklich direkt neben Burt. Ben hat das großartig gemeistert.?

Das Team für Spezialeffekte musste das Filmmaterial auch für den Kontext in ?Die Hollywood-Verschwörung? einfügen, denn im Film ist ?Verdammt in alle Ewigkeit? während einer Kinovorführung auf der Leinwand zu sehen. Berardi betont: ?Damals wurden Kinofilme in einem anderen Verhältnis von Perspektive und Winkeln gedreht als heutzutage, deswegen mussten wir erst herausfinden, welche Linsen wir einsetzen und wie wir die Geometrie der Szene aufbauen mussten, damit alles echt wirkt.?

Eine weitere, körperlich noch anspruchsvollere Sequenz waren die Szenen, in denen Reeves in einer ?Western-Stadt? vor einem Kinderpublikum einen Werbeauftritt im Superman-Kostüm absolviert. Birman meint: ?Es hat Spaß gemacht, traditionelle Western-Stunts zu drehen und mit Kindern und Pferden zu arbeiten. Doch im Film selbst ist dies eine eher furchteinflößende und bittersüße Sequenz, denn im wahren Leben hat dies dazu geführt, dass Reeves eine Waffe im Haus hatte.?

Um diese Sequenz zu drehen, wurden rund 100 Kinder als Statisten engagiert und am Drehort versammelt. In einem nahe gelegenen Zelt kleideten Julie Weiss und ihr Team jedes der Kinder im damaligen Stil ein; wenn doch einmal eines der Kinder versehentlich mit einem allzu modernen Armband bis zum Drehort gelangt war, korrigierte Weiss den Stilbruch kurzerhand, bevor die Kameras liefen. Sie meint: ?Man hätte sagen können, das macht doch nichts. Aber es macht viel aus. Diejenigen unter uns, die sich an den Tag erinnern, als Superman starb, wissen, dass er niemals hätte sterben sollen. Wir waren zu jung, um zu trauern, und zu jung, um uns Gehör zu verschaffen.?

?Deshalb war es sehr aufregend für mich, Teil der Mannschaft von ?Die Hollywood-Verschwörung? sein zu können. Ich hatte das Gefühl, Ben habe sich wirklich in George Reeves verwandelt. Wenn er am Set mit mir sprach, hörte ich Georges Stimme.?

Bernbaum meint: ?Alle Schauspieler haben in diesem Film großartige Darstellungen abgeliefert. Das Publikum wird hoffentlich der gleichen Meinung sein und auch einem weiteren Schauspieler ? George Reeves ? den Respekt zollen, nach dem er sich immer sehnte.?

Williamson sagt: ?Wir wünschen uns für diesen Film ein breites Publikum, das George Reeves als Menschen begreift und durch Simos Entwicklung dazu angeregt wird, Bilanz darüber zu ziehen, was im eigenen Leben wirklich wertvoll ist.?

Coulter merkt an: ?Man könnte sagen, ?Die Hollywood-Verschwörung? kombiniert zwei widersprüchliche Elemente: das nostalgische Flair und das emphatische Naturell des Hier und Jetzt. Ich hoffe aber, dass wir vermitteln konnten, wie die Herausforderungen und die Selbsterkenntnis, der sich George Reeves und Louis Simo stellen, uns auch heutzutage noch alle betreffen. Ich bin überzeugt, dass sich jeder mit dieser Geschichte wird identifizieren können ? denn genau wie George mit seinen Träumen vom Ruhm und genau wie Simo mit seinem Geltungsdrang leben wir doch alle in ?Hollywoodland?!?


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Dirk Jasper FilmLexikon

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