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Die
erste Klappe für FAST FOOD NATION fiel in Colorado Springs,
Colorado, am 24. Oktober 2005. Diese Stadt in den Rocky Mountains,
in deren Nähe das amerikanische Bergmassiv Pike?s Peak
liegt und die United States Air Force Academy beheimatet ist, steht
im Film für Cody. Gedreht wurde unter anderem in der Harrison
High School und in einem Café namens Bear
Rock.
?Die Probleme, denen sich diese Familie gegenüber sah, nur weil sie sich einem Enteignungsverfahren widersetzte und versuchte, ein privates Unternehmen daran zu hindern, einen zollpflichtigen Highway über ihr Land zu führen, sind unglaublich?, sagt Kris Kristofferson, dessen Szenen überwiegend auf der Ranch spielten. ?Heutzutage dürfen Unternehmen scheinbar alles. Dabei ist es noch nicht mal ausschlaggebend, ob es dem Allgemeinwohl dient oder nicht. Der Zweck wird allein dadurch legitimiert, dass jemand von dem Motiv getrieben ist, Geld zu machen. So hat er bereits eine erhebliche Rechtfertigung?. Danach begab sich das Team für zwei Wochen in die Wüste. Hier wurden die Szenen gedreht, in denen Benny die Migranten, darunter auch Sylvia, Coco und Raul, aufnimmt. Verschiedene Stationen der Odyssee, die dieser ?Mitfahrgelegenheit? vorangingen, wurden ebenfalls unter der brennenden Wüstensonne inszeniert. In Mexiko drehte Linklater sämtliche Sequenzen, die in der Fleischfabrik spielen, inklusive der Bilder aus dem Schlachthaus. Da das auserkorene Unternehmen nur eine Dreherlaubnis geben wollte, wenn der laufende Betrieb nicht gestört würde, sind diese Momente unter großer Eile, immensem Druck und mit minimalen Proben entstanden. Die strikt begrenzte Zahl an Crew-Mitgliedern, die dabei waren, wenn die Kamera lief, durften nur in voller Schutzmontur und unter Beachtung rigider Sicherheitsbestimmungen den Schauplatz betreten. Linkalter, der Vegetarier ist, erinnert sich lebhaft an seine verschiedenen Aufenthalte in Fleischfabrik und Schlachthaus: ?Ich habe gesehen, wie man Rinder für die Tötung vorbereitete, und ich merkte, wie ich mir die Empathie mit diesen Kreaturen untersagte. Schließlich konnte ich ja nicht die Augen zukneifen, wenn ich diese Vorgänge doch zeigen wollte. Aber ich empfand deutlich, wie der Künstler in mir starb und der Techniker, der ich ja auch bin, die Oberhand gewann. Ich bin mir sicher, dass es den Menschen, die solche Arbeiten verrichten, genauso geht: manche Empfindungen werden reduziert, andere verstärkt. Ansonsten würde die menschliche Psyche kollabieren.? ?In diesem Schlachthaus zu sein, dabei zuzuschauen, wie ein Rind getötet wird, in einer riesigen Blutlache zu stehen und nichts als diesen Geruch zu spüren ? darauf war ich nicht vorbereitet?, gibt Catalina Sandino Moreno zu. ?Aber ich bin trotzdem froh, dass wir in einem realen Schlachthaus gedreht haben, statt im Studio. Auch die Innereien, die wir anfassen mussten, waren so furchtbar echt. All das hat viel dazu beigetragen, dass in diesen Szenen eine fast schmerzhafte Unmittelbarkeit herrscht.? Andere Schauspieler haben die Erfahrung anders verarbeitet: ?Es gibt natürlich 1.000 Situationen, die angenehmer zu spielen sind, als das, was da für uns vorgesehen war?, sagt Ana Claudia Talancón. ?Aber es ist wirklich kurios: irgendwann nimmt man gar keine Notiz mehr vom Blut und dem Gestank und den Knochen. Das Ganze ist nur noch eine Fleischmasse, die man verarbeiten muss. Es wird normal, wie ein Bürojob. Die Arbeiter, die bei unseren Szenen als Statisten dabei waren, sind alle sehr nette Menschen. Sie versuchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wie die Charaktere in unserer Geschichte.? ?Natürlich war es ein kurzer Schock, als ich alles zum ersten Mal sah, aber es hat mich nicht wirklich angegriffen?, erklärt Bobby Cannavale. ?Nach drei Stunden hatte ich Kohldampf. Ich wollte einen Hamburger. Ich mag nun mal Fleisch.? Eine andere eindrucksvolle Erfahrung waren für alle Beteiligten die Dreharbeiten in der mexikanischen Wüste: ?Man spürte, dass die Umgebung, in der wir unsere Szenen spielten, solche Situationen tatsächlich schon zuhauf gesehen hatte?, erzählt Catalina Sandino Moreno. ?Ich erinnere mich, dass eine Statistin aus eigener Erfahrung von einem solchen Transport erzählte. Bei kaum einer Fahrt kommen alle Menschen lebend über die Grenze. Manchmal sind die Lieferwagen so voll, dass fünf Flüchtlinge übereinander liegen. Man weiß also: Wer zuerst einsteigt, für den ist die Aussicht zu verrecken am größten.? ?Es war hart?, gibt Luis Guzman zu. ?Man sagt das so einfach: Der Weg in die Freiheit. Aber was wirklich hinter dieser Floskel steckt, das ahnt niemand.? ?Ich hoffe, dass dieser Film die Zuschauer besser nachempfinden lässt, was diese Immigranten eigentlich durchmachen?, sagt Wilmer Valderrama. ?Und wenn man sich vor Augen hält, welche Jobs ihnen offen stehen, mit denen sie eine Zukunft aufbauen wollen ...? Der nächste Umzug führte die Produktion nach Austin, Texas, Richard Linklaters Heimatstadt. Hier dienten mehrere öffentliche Orte und Privathäuser als Schauplätze. Aufgrund des schmalen Budgets war es undenkbar, irgendwo ein Atelier anzumieten, und die Szenen ungestört und am Stück zu drehen. ?Bei jedem Film gibt es etwas, das eine Produktion vor fast unüberwindbare Schwierigkeiten stellt. Manchmal ist es das Wetter, manchmal sind es die Gesetze zur Kinderarbeit, manchmal die Sturheit von Institutionen, die einen fühlen lassen wollen, wer das Sagen hat. Es gibt immer diese Momente, in denen man sich wie eine Schindmähre fühlt, die vom Kutscher ein Bündel Hafer vorgehalten bekommt, aber jeder Schritt, den man macht, rückt das Fressen wieder weiter weg. Doch ich will mich nicht beklagen, denn immerhin hält das auch die Energie aufrecht.? ?Wir hingen wirklich in den Seilen?, erinnert sich Linklater. ?Es gab schon das geflügelte Wort: Welches Zwei-Tage-Pensum drehen wir heute eigentlich gerade?? Richard Linklater betont auch: ?Das Buch ?Fast Food Nation? hat eine riesige Fan-Gemeinde, aber mindestens ebenso zahlreich sind die Feinde?. In der Tat hatte das Buch in der amerikanischen Öffentlichkeit und unter Politikern eine höchst polarisierende Wirkung, und mehr als einmal wurde der Autor des Anti-Amerikanismus? bezichtigt.? ?Unser Projekt hat das Buch zwar als Grundlage?, führt der Regisseur aus, ?aber wir gehen mit dem Film einen ganz eigenen Weg. Alles in allem betrachtet, geht es im Film um Menschen, die eine individuelle Möglichkeit suchen, sich ihr Leben einzurichten. Wir haben versucht, für diese Menschen Interesse zu wecken, unabhängig davon, ob man mit ihren Entscheidungen einverstanden ist. Ich glaube, wie sehr wir einem Menschen nahe kommen, hat nur am Rande damit zu tun, ob wir mit dessen politischen Meinungen einverstanden sind.? Anderen Beteiligten ist indes die Idee, mit FAST FOOD NATION auch den politischen Status Quo anzugreifen, gar nicht mal so unsympathisch. Jeremy Thomas und Malcolm McLaren zum Beispiel denken, dass die Sex Pistols diesem Vorhaben viel hätten abgewinnen können. ?Ich hoffe, dass diesem Film auch eine Portion Punk-Feeling innewohnt. Ich glaube nicht, dass es an einer Gegenkultur fehlt, die uns helfen würde, anders über manche Fakten und Zusammenhänge zu denken?, sinniert Ethan Hawke und fügt hinzu: ?Unsere wirkliche Stärke als Amerikaner besteht nicht darin, dass wir zur Wahl gehen können, sondern dass wir Konsumenten sind. Mit unseren Konsumentscheidungen befördern oder verzögern wir Veränderungen. Filme, Kunst, Bücher und auch freie Diskussionen tragen dazu bei, das Nachdenken von Menschen zu beeinflussen. Dinge ändern sich nicht, weil in einem System eine Weiche umspringt oder nicht. Sie ändern sich, weil Menschen daran gearbeitet haben.? Zum Weiterlesen
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