Dirk Jasper FilmLexikon

Buddhismus in Hollywood

Auf ihrer Ranch hat sich Hollywood-Star Goldie Hawn ("Eine ganz krumme Tour") einen buddhistischen Altar bauen lassen. Mindestens einmal täglich zieht sie sich hier zum Meditieren zurück. Hier schöpft sie Kraft, hier findet sie Ruhe vom turbulenten Leben im Showbiz.

Nach ihren eigenen Worten peppt der Buddhismus sogar ihr Sexleben mit Dauerpartner Kurt Russell auf. Dank der Kraft ihres Glaubens reagiert dieser sofort auf die erotischen Vibrationen. Doch Goldie Hawn ist längst nicht die einzige prominente Buddhistin in Hollywood.

Immer mehr Celebrities suchen ihr Glück in der Lehre des geistlichen tibetischen Oberhauptes. Einer der ersten Stars war Schauspieler Richard Gere. Seit er den Dalai Lama 1982 zum ersten Mal traf, fährt der Schauspieler ein bis zwei Monate im Jahr nach Dharamsala, um zu meditieren. Den Spott, den er damals erntete - "im linken Arm den Dalai Lama, im rechten Cindy Crawford" - ertrug er mit fernöstlicher Gelassenheit.

Heute spottet keiner mehr, denn der Buddhismus hat im sonnigen Kalifornien Hochkonjunktur. Tina Turner fand durch ihren neuen Glauben die Kraft für einen Neuanfang, Don Johnson bekam durch Buddhas Lehre seinen Alkoholismus in den Griff, und auch Sharon Stone wechselte im Zuge des allgemeinen Booms flugs von den Scientologen zu den Buddhisten.

Selbst Partyheld Leonardo DiCaprio besucht plötzlich ein buddhistisches Kloster, und Kollege Brad Pitt, der sich nie für Religion interessierte, erklärte kürzlich: "Im Alltag hat man es ständig mit Selbstbefriedigern zu tun. In einer solchen Situation wird der Geist empfindungslos. Da hilft nur Buddha."

Die Schar der Anhänger wächst und wächst. Ob Willem Dafoe, Woody Harrelson, Harrison Ford (Die Waffen der Frauen) und Ehefrau Melissa, Oliver Stone oder Action-Held Steven Seagal - sie alle haben sich die spirituellen Lehren auf die Fahnen geschrieben.

Kein Wunder, dass sich diese Welle auch die Filmindustrie zunutze machte. Filme wie Sieben Jahre in Tibet oder Martin Scorseses Kundun beschreiben hollywoodgerecht Leben und Wirken des Dalai Lama.

Doch warum ist gerade der Buddhismus heute in den USA so populär? Wahrscheinlich, weil er mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist. Überbezahlt, überschätzt und überfordert, was den Umgang mit ihrem Glück betrifft, sehnen sich die Stars nach Regeln, damit ihnen ihre Unabhängigkeit nicht auf die Nerven geht. Außerdem ist es politisch korrekt, sich mehr für die Rechte der Tibetaner zu engagieren als für die des Vatikans.

Doch wo ist allen Glaubens Ursprung? Siddharta Gautama Buddha lebte von 553 bis 483 vor unserer Zeitrechnung. Er war ein indischer Prinz. Als 29-jähriger verließ er den Palast, um den Sinn des Lebens zu finden. Er aß sechs Jahre lang täglich nur ein Hirsekorn und meditierte. Seine Erleuchtung: Die Quelle von Glück und Leid liegt in dir selbst.

Heute ist das Objekt der Begierde ein älterer Herr mit Brille. Honigfreundlich lächelnd und mit nackten Armen unter der Toga posiert der 14. Dalai Lama mal als schmunzelnder Gottkönig zum Anfassen, mal als Inkarnation fernöstlicher Menschenfreundlichkeit.

Auch Deutschland ist inzwischen vom Buddha-Fieber gepackt. Fast 500.000 Deutsche begeistern sich für den Buddhismus, darunter auch Christiane Herzog, die verstorbene Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten von Deutschland. Jeden Morgen um sechs Uhr ging sie eine halbe Stunde auf die Matte und machte Yoga. Weltweit sind es schätzungsweise sogar 30 Millionen Anhänger.

Wer nähere Informationen über die neue Kult-Religion des beginnenden Jahrtausends erfahren möchte, wendet sich am besten an die "Freunde des westlichen Buddhistischen Ordens", Essen, Fon (02 01) 23 01 55.

Denn wie sagt Richard Gere treffend: "Die feine Ironie des Buddhismus ist, dass der einzige Weg zu wirklichem Glück bedeutet, unser eigenes Glück jedem und allen anzubieten."

Goldie Hawn
Richard Gere
Sharon Stone
Brad Pitt
Oliver Stone

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Quelle: Sat.1 Fotos: Archiv © 1994 - 2010 Dirk Jasper