Dirk Jasper FilmLexikon

Dieter Frank - Herr der Filmstadt

Dr. Dieter Frank lenkt als Geschäftsführer der Bavaria Film Gruppe bereits seit 10 Jahren die Geschicke des Unternehmens. Ein Jubiläumsportrait von Corinna Streng.

Eigentlich hätte Dr. Dieter Frank durchaus Grund zum Jubeln, denn trotz immer schwerer werdender wirtschaftlicher und branchenbedingter Voraussetzungen ist es ihm, zusammen mit seinem Kollegen Prof. Thilo Kleine, gelungen, die Bavaria Film Gruppe einigermaßen unbeschadet durch die Krisen geschüttelte jüngste Zeit zu führen.

Immerhin umfasst die Bavaria Gruppe bundesweit 30 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und 1.500 feste sowie ca. 3.000 bis 4.000 freie Mitarbeiter. Zwar mußste auch er die durch die Werbeflaute und den Quizshow-Boom ausgelösten Produktionsrückgänge der zahlreichen TV-Sender verschmerzen, hat aber "keine Entlassungen vornehmen oder rote Zahlen schreiben müssen".

Sogar den Umsatz des Geschäftsjahres 2001/2002 konnte er um 7,1 Millionen ? auf 254,7 Millionen ? erhöhen. Und dass dieses Ergebniss weit mehr als einen soliden Erfolg darstellt, zeigt besonders eindrucksvoll der Untergang des Kirch Imperiums, des einstigen deutschen Medien-Schlachtschiffs.

Aber im Gegensatz zu vielen Branchenkollegen hat Dr. Dieter Frank "die Gewinne aus den wirklich guten und fast überschäumenden Jahren" lieber dazu verwendet, das Stammkapital, das derzeit 29,99 Millionen ? beträgt, zu erhöhen oder beispielsweise die Pensionskasse der Bavaria Film aufzufüllen. Schnelllebige IT-Projekte oder risikoreiche Geschäftsbeteiligungen sucht man bei ihm vergebens.

Zum einen weiß der zukunftsorientierte promovierte Steuerfachmann nur zu gut, was bespielsweise die geplanten "Basel II-Richtlinien" für die Kreditvergaben von Banken für das kommende Filmgeschäft bedeuten könnten, zum anderen blickt er auf eine 35jährige Filmgeschäftserfahrung zurück. Denn schon seit 1968 arbeitet Dr. Dieter Frank schon für die Bavaria Film Gruppe.

Doch nicht nur seine langjährige Geschäftserfahrung ist für die recht gute Positionierung des Unternehmens verantwortlich. Vor allem die auf mehrere Geschäftsfelder verteilten Aktivitäten und Dienstleistungen, die die Bavaria Film Gruppe bietet, hatten sicher entscheidenden Einfluss auf das Geschäftsergebnis. Dazu gehört in erster Linie die Entwicklung und Produktion von Fernseh- und Kinofilmen, die stets auf eine breite Zuschauermenge ausgerichtet sind.

Mit über 30.000 Sendeminuten jährlich zählt die Bavaria Film zu den größten Fernsehproduzenten Deutschlands. Mit Kinofilmen wie Bibi Blocksberg oder der "Oscar-gekürten" Koproduktion Nirgendwo in Afrika konnte sich die Bavaria Gruppe aber auch auf dem Filmparkett gut aufstellen.

Von erheblicher Wichtigkeit für das Firmenergebnis ist auch das zweite Geschäftsfeld der Bavaria Gruppe, nämlich der Komplex an Dienstleistungen im Film- und Fernsehbereich mit den zahlreichen Filmateliers, Produktionshallen, Ton- und Synchronstudios, Deko- und Kostümfundus, Postproduktion und Technik. Damit bietet die Bavaria Gruppe rund ums Filmemachen einen Full-Service wie kein anderer in Europa.

Aber auch der weltweite Vertrieb von TV-Produktionen und Kinofilmen, wie Lola rennt und Goodbye Lenin!, der Merchandising-Rechtehandel an zahlreichen Musik- und Verlagsprojekten wie "Janosch" oder "Die Maus" sowie der Bereich Business TV und Infomercials für Industriekunden wie Audi, SAP und die Hypo Vereinsbank sind Geschäftsfelder, mit denen die Bavaria Gruppe schon seit Jahren erfolgreich einen gelungenen Spagat zwischen Medien und Wirtschaft erreichen.

Für die Zukunft plant Dr. Dieter Frank den langsamen und stetigen Ausbau der Bavaria-Aktivitäten im europäischen Ausland. Denn der Wegfall der Kirch Gruppe bietet durchaus "Lücken, die durch die Nachfolge-Gesellschaften der Kirch Gruppe nicht aufgefangen werden. Das hat sich auch auf den diesjährigen Filmmärkten in Cannes gezeigt, wodurch wir eine wesentlich stärkere Wettbewerbsposition bekommen haben. Diese Chance sollten wir nutzen".

dass der 60jährige Dr. Dieter Frank neben seiner regulären 50-Stundenwoche auch noch seit drei Jahren Präsident des Golfclubs München-Riedhof e. V. ist, überrascht im ersten Moment. "Das funktioniert natürlich nur deshalb so gut, weil es im Riedhof ein Betreiber-Modell mit einer Betriebs KG gibt, die einen eigenen Geschäftsführer eingesetzt hat. Ich bin also nur für die Vereins- und Mitgliedsangelegenheiten zuständig" wiegelt der eher bescheidene Familienmensch ab, der bereits seit 30 Jahren Golf spielt.

Neben seinen zahlreichen Aufgaben richtet der leidenschaftliche Wochenendgolfer mit Handicap 13,7 jährlich sein eigenes Turnier, den "Bavaria Film Cup" aus, an dem stets zahlreiche Prominente aus Showbiz und Wirtschaft teilnehmen. Und auch hier zeigt Dr. Dieter Frank nicht nur im sportlichen Bereich Engagement: Die Erlöse der Tombola werden jährlich an die Künstler-Nothilfe gespendet.

Dieter Frank
Filmplakat
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