Dirk Jasper FilmLexikon

Frauen-Power in Hollywood: Schauspielerinnen produzieren sich selbst

Michelle Pfeiffer tut es, Demi Moore tut es auch, und Barbra Streisand tut es schon lange. Immer mehr Schauspielerinnen verlassen sich nicht mehr darauf, dass ihnen gute Rollen in den Schoß fallen, sondern produzieren und inszenieren ihre eigenen Filme - mit Erfolg.

Zum Beispiel Haus der stummen Schreie (If These Walls Could Talk, 1996): Demi Moore fungierte als Executive Producer, ihre Kollegin Cher gab mit dem berührenden Drama über Abtreibung ihr Debüt als Regisseurin. "Produzieren ist für mich eine Art kreatives Ventil", erklärte Demi Moore in einem Cosmopolitan-Interview, "Ich bin immer auf der Suche nach Dingen, die mich bilden und mir etwas beibringen - hauptsächlich über mich selbst. Am Anfang meiner Karriere hatte ich nur Zugang zu Material, das andere Menschen kreiert haben. Da bekommt man das Gefühl einer gewissen Ohnmacht."

1991 gab Demi Moore mit Alan Rudolphs Thriller Tödliche Gedanken ihren Einstand als Produzentin, als dem Film, in dem sie an der Seite ihres damaligen Gatten Bruce Willis agiert, wegen finanzieller Probleme das Aus drohte. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Suzanne Todd gründete sie die Produktionsfirma Moving Pictures, um Filme wie Now And Then, Haus der stummen Schreie und Ridley Scotts nächsten Film Die Akte Jane auf die Leinwand zu bringen.

Sich die Rollen, die man unbedingt spielen will, selbst zu schaffen - diese Motivation treibt Schauspielerinnen dazu, auch hinter dem Schreibtisch des Produzenten Platz zu nehmen. So produzierte Meg Ryan mit ihrer Produktionsfirma Prufrock Pictures die romantische Komödie French Kiss und plant ein Remake des Kinoklassikers Die Frauen. Goldie Hawn etablierte sich mit ihrem Film Schütze Benjamin 1980 als Produzentin und hat seither eine Reihe erfolgreicher Filme produziert.

Sally Field und ihre Produktionsfirma Fogwood Films schenkten dem Kino Filme wie Punchline - Der Knalleffekt, und Michelle Pfeiffer zeichnet mit ihrer Firma Via Rosa Productions für Kinohits wie Gefährliche Gedanken und Tage wie dieser ... verantwortlich.

Schon 1976 fungierte Barbra Streisand als Executice Producer von A Star Is Born. Spätestens mit Yentl machte sie unmissverständlich klar, welch kreatives Potential in ihr steckt, als sie in Personalunion als Hauptdarstellerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin brillierte. Der Grund für ihre Umtriebigkeit: Barbra Streisand ist Perfektionistin und will möglichst großen Einfluss auf die Projekte haben.

Um "kreative Federführung" geht es auch Jodie Foster und ihrer Firma Egg Pictures. Auch ihr liegen Stoffe, Themen und Rollen am Herzen, die in Hollywood sonst vielleicht keine Chance hätten. Mit ihrer eigenen Firma im Rücken fiel es ihr zudem leichter, sich als Regisseurin (Familienfest und andere Schwierigkeiten) zu beweisen.

Hollywoods neue Powerfrauen bauen ein Netzwerk auf, indem sie nicht nur für sich selbst produzieren, sondern auch für Kolleginnen Stoffe verwirklichen. Barbra Streisand, zum Beispiel, gewann Glenn Close als Hauptdarstellerin für den TV-Film Serving In Silence - The Margarethe Cammermeyer Story; Sally Field produzierte Entscheidung aus Liebe mit Julia Roberts; Power Of Love, ebenfalls mit Julia Roberts in der Hauptrolle, zählt zu Goldie Hawns Credits als Produzentin.

Mit so geballter Macht lassen sich auch angeblich "schwierige" Stoffe durchsetzen. Und "schwierig" ist für Hollywood-Maßstäbe schon gemeinhin jeder Streifen, in dem Frauen mehr als nur schmückendes Beiwerk für einen Actionhelden abgeben.

Umgekehrt erkennen auch immer mehr Produktions- und Verleihfirmen das besondere Potential, das im Label "Made By Women" steckt. So offerierte Universal dem jugendlichen Shooting-Star Alicia Silverstone nach ihrem Erfolg in Clueless - Was sonst! einen lukrativen Production Deal: Für 7 bis 10 Millionen Dollar produziert das Batgirl zwei Filme, der erste - Ärger im Gepäck - kam in den USA 1998 ins Kino. Universal erhofft sich von dem Engagement der 20-jährigen, die längst zum 'Role Model' für Teenager avancierte, unverbrauchte Einsichten und Sichtweisen.

Dabei profitieren nicht nur die Stars von solch neuen Strukturen. Wenn Demi Moore und Suzanne Todd Leute einstellen - vom Elektriker zum Kulissenschieber - geben sie immer einer Frau den Vortritt vor männlichen Mitbewerbern.

Der frauenlastige Set von Haus der stummen Schreie bot denn auch eine paradisische Szenerie, die manch männlichem Kollegen indes als reinste Hölle erscheinen muß: Statt Fast Food vom 08/15-Catering wurden für das gesamte Team Leckereien aus einem vegetarischen Restaurant bestellt; statt Hektik und Telefongebimmel bestimmte Ruhe das Geschehen. Denn Demi Moore und Suzanne Todd, beide ausgesprochene Yoga-Fans, gönnen ihren Angestellten sogar Pausen zum Meditieren.

Michelle Pfeiffer
Demi Moore
Barbra Streisand
Cher
Meg Ryan
Goldie Hawn

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Archiv © 1994 - 2010 Dirk Jasper