Dirk Jasper FilmLexikon

Hollywood à la Francaise: Französische Hits - US-Remakes

Anfang der 30er Jahre bissen die Produzenten in den sauren Apfel: Wenn sie Filme weiterhin international verkaufen wollten, mußsten sie ihre bisher stummen Produkte jetzt in Tonfassungen der jeweiligen Landessprachen anbieten.

Das hieß damals: Es wurden in derselben Dekoration eine englische, französische und deutsche Fassung hintereinander gedreht, wobei das Darstellerteam jeweils ausgetauscht wurde. Eine kostspielige Angelegenheit, die spätestens nach dem Krieg zugunsten der Synchronisation fallengelassen wurde.

In den USA ist das Publikum jedoch auch heute weiterhin daran gewöhnt, dass Filmhelden, die ernst genommen werden wollen, Englisch sprechen - fremdsprachige Filme sind von vornherein in eine kleine Marktnische, nämlich in die Filmkunsttheater einer Handvoll US-Großstädte verbannt. Auch bei den Oscars® wird diese Situation durch die Würdigung nicht-englischsprachiger Filme mit einem Sonderpreis festgeschrieben.

Aufwändige europäische Filme, die wegen der Kosten auf einen möglichst großen Markt spekulieren, werden grundsätzlich auf Englisch gedreht (Die unendliche Geschichte, Der Name der Rose usw.) Bei Welterfolgen spielt also der US-Markt immer eine entscheidende Rolle. Ganz gegen die Regel brachte 'Walt Disney' den französischen Hit Little Indian in einer englisch synchronisierten Fassung in die US-Kinos.

Es gibt aber auch Riesenhits, die sich "trotz" Hollywood in den Sternenhimmel katapultieren, vor allem auf dem rührigen französischen Kinomarkt. Der internationale Erfolg von Filmen wie Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh und Drei Männer und ein Baby beschränkt sich natürlich meist auf das europäische Ausland. Doch Hollywood lässt sich ungern eine Story entgehen, die sich an der Kinokasse bereits bewährt hat.

Und so haben sich US-Regisseure seit Anfang der 80er Jahre verstärkt daran gemacht, französische Kassenknüller für das US-Publikum attraktiv zu machen - mit zunächst bescheidenem Erfolg: Wahrscheinlich waren es die flauen Remakes seiner Hits Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh, Die Filzlaus und Das Spielzeug, die Autor und Regisseur Francis Veber dazu brachten, beim Verkauf von Die Flüchtigen an 'Walt Disney' gleich sich selbst als Regisseur mit in den Vertrag zu schreiben.

Auf diese Weise konnte er den Geist des Originals bewahren und stellte seinen Film mit US-Stars fast eins zu eins nach. Nachdem schließlich bereits der sechste Francis Veber-Stoff us-amerikanisiert war, holte man ihn für das US-Remake von Mein Vater, der Held als Autor, obwohl er am Original von Gerard Lauzier gar nicht beteiligt war!

In den 90er Jahren beweisen US-Blockbuster wie Noch drei Männer, noch ein Baby, Sommersby, True Lies, Nine Months und The Birdcage endlich, dass mit dem rechten Einfühlungsvermögen von Autor und Regisseur der Sprung über den Atlantik bravourös gelingt.

Bestimmte Stars scheinen eine besondere Affinität zu frankophonen Vorlagen zu haben: Richard Gere spielte in Begegnungen - Intersection bereits seine dritte ursprünglich gallische Rolle. Ted Danson, Nick Nolte, Robin Williams und Martin Short machten es bisher zweimal auf Französisch.

Und auch Sharon Stone erweist sich nach Begegnungen - Intersection mit Diabolisch, dem Remake von Henri-Georges Clouzots klassischem Thriller, zum zweitenmal als Kennerin französischer Qualität.

Filmplakat
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Szenenfoto
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