Dirk Jasper FilmLexikon

Andrea Leskovec: Der junge chinesische Film

Nach dem Ende der Kulturrevolution in Jahre 1978, entspannte sich, zumindest vordergründig, die Lage der Kunst-und Kulturschaffenden Chinas. Die Pforten der Pekinger Filmakademie öffneten sich noch im selben Jahr und schon 1982 entließ sie eine Generation von Filmemachern, die gemeinhin als der Anfang des chinesischen Autorenkinos gelten kann.

Die sogenannte Fünfte Generation chinesischer Regisseure wähnte sich zunächst in wiedergewonnener schöpferischer Freiheit, doch es wurde bald deutlich, dass die kommunistische Partei auch weiterhin zensierte und Kunst nur im Rahmen eines bestimmten politischen Programms möglich war.

Trotzdem, oder gerade deshalb, zeichnet sich diese Generation durch Regisseure aus, die den neuen chinesischen Film weit über Chinas Grenzen hinaus berühmt gemacht haben.

Von der politische entspannten Zeit unmittelbar nach dem Ende der Kulturrevolution, dem sogenannten "chinesischen Frühling", profitierten vor allem der Regisseur Chen Kaige, der 1993 mit seinem Film Lebewohl meine Konkubine internationale Erfolge feierte, sowie Zhang Yimou und Tian Zhuangzhuang, die besonders in den 80er Jahren berühmt wurden.

So entstanden zu Beginn der 80er Jahre anspruchsvolle Filme, die nicht im Fahrwasser der Kommunistischen Partei schwammen, sondern die Kulturpolitik der herrschenden Partie ablehnten. Die Filmemacher der Fünften Generation verstanden es, an die internationale filmische Avantgarde anzuknüpfen, ohne dabei das Gespür für die eigene chinesische Kultur und Tradition zu verlieren.

So entstanden unter dem Einfluss von Rainer Werner Fassbinder, Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni und unter Berücksichtigung von Peking-Oper sowie chinesischer Literatur und Kunst, diejenigen Filme, die noch heute repräsentativ sind und den Ruhm des chinesischen Autorenkinos mitbegründet haben.

Doch der "chinesische Frühling" war ein kurzer und bereits 1987, zwei Jahre vor dem Massaker auf dem "Platz des himmlischen Friedens", das die Repressionspolitik des chinesischen Regimes gegen Oppositionelle und kritische Künstler einläutete, begann sich die Wende in der Geschichte des chinesischen Films abzuzeichnen, denn zahlreiche Filmemacher verließen China und suchten Asyl in den USA, oder verlegten ihre Produktionen nach Hongkong.

Zwar hatten die Regisseure der fünften Generation mit Schwierigkeiten seitens des kommunistischen Regimes zu kämpfen, aber wie wichtig das chinesische Mutterland für die eigene Persönlichkeit und das schöpferische Potential des einzelnen war, zeigen die Filme dieser Generation, die von einer intensiven Auseinandersetzung mit der chinesischen Tradition und Geschichte zeugen.

Beispiel hierfür ist der Film Rotes Kornfeld des wohl bekanntesten Regisseurs, Zhang Yimou, der sich, Ergebnis jahrelanger Landarbeit, mit dem Leben der chinesischen Landbevölkerung im China der 20er Jahre auseinandersetzt.

Mit dem historischen China beschäftigt sich der Film Romanze von Buch und Schwert der Regisseurin Ann Hui, und Der blaue Drache von Tian Zhuangzhuang ist eine Abrechnung mit dem maoistischen Bewegung.

Doch zahlreiche künstlerisch wertvolle Produkte fielen seit Ende des "chinesischen Frühlings" der Zensur zum Opfer, wurden empfindlich gekürzt oder gar verboten, was vor allem für die Filme von Zhang Yimou gilt.

Seit Beginn der 90er Jahre macht eine neue Generation von Nachwuchsregiesseuren von sich reden, die sich allerdings nur oberflächlich oder gar nicht mit der eigenen Tradition auseinandersetzen, was ihnen eine gewisse Unabhängigkeit garantiert. Neben den immer noch sehr produktiven älteren Kollegen ist besonders Wang Xiaoshuai zu Ansehem gekommen.

Zhang Yimou

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