Dirk Jasper FilmLexikon

Ernst Corinth: Kino 1998 auf Erfolgskurs: Nur die deutschen Filme hinken hinterher

Den besten Saisonstart aller Zeiten melden die deutschen Kinobetreiber. Gleichzeitig sank jedoch im ersten Quartal des Jahres die Anzahl der Besucher dramatisch, die sich eine deutsche Filmproduktion anschauen wollten.

Nach Angaben der Berliner Filmförderungsanstalt (FFA) wurden von Anfang Januar bis Ende März 1998 insgesamt 46,5 Millionen Zuschauer gezählt, das sind 6,8 Millionen mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dieser Anstieg ist unter anderem auf den enormen Erfolg des romantischen Untergangsepos Titanic zurückzuführen, das gleich an 15 Wochenenden die Umsatzlisten anführte.

Weiterer Gründe für den anhaltenden Kinoboom sind die zahlreichen Neueröffnungen von Lichtspielhäusern besonders in den neuen Bundesländern und die neuentstandenen Großkinos, deren Anzahl sich bis zum 31. März 1998 auf 60 Multiplexe mit insgesamt 570 Sälen erhöht hat.

Die deutsche Filmwirtschaft konnte von diesem Erfolg allerdings nicht profitieren. Nach dem sogenannten "Kinowunder 1997", mit einem Anteil deutscher Filme von 17,29 Prozent, erreichte die heimische Kinoproduktion im 1. Quartal 1998 einen Anteil von nur 11,1 Prozent. (Januar: 13,8 Prozent, Februar 12,1 Prozent, März 6,2 Prozent), obwohl die Uraufführungen deutscher Filme im Vergleich zum 1. Vorjahrsquartal von 14 (1997) auf insgesamt 22 anstiegen.

dass die Zahlen nicht noch niedriger ausgefallen sind, ist vor allem den beiden Besuchermillionären Comedian Harmonists mit rund 2,5 Millionen und Pippi Langstrumpf mit rund einer Million Kartenkäufern zu verdanken.

Sönke Wortmanns heiteres Universitätsdrama Der Campus lockte dagegen gerade mal 700.000 Zuschauer in die Kinos. Götz George als schwulen Ganoven in Das Trio wollten nicht einmal 90.000 Besucher sehen, die Beziehungskomödie 2 Männer, 2 Frauen, 4 Probleme floppte mit rund 70.000 Zuschauern und der Til Schweiger-Film Bastard schaffte gerade mal 14.400 Besucher.

Zwar hält der Rückgang weiter an, wie die flauen Besucherzahlen der gerade in den Kinos laufenden Komödien Frau Rettich, die Czerni und ich und Frauen lügen nicht zeigen, dennoch hofft die Kinobranche auf einen Trendwechsel bereits im kommenden Herbst 1998 Dann starten so vermeintlich publikumsträchtige Produktionen wie Doris Dörries Film Bin ich schön? oder Detlev Bucks Streife Liebe deine Nächste!. Und Hoffnung kostet ja bekanntlich nichts.

Ernst Corinth
Filmplakat
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