Dirk Jasper FilmLexikon

Studie zeigt gravierende Veränderungen im Besucherverhalten!

Kino verliert im ersten Halbjahr 2005 massiv an Besuchern! Probleme werden aus Hollywood importiert!

Im ersten Halbjahr 2005 verzeichnen die deutschen und österreichischen Kinos deutlich schlechtere Besucherzahlen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. In Deutschland betrug die Zahl der Kinobesucher nur 60,3 Millionen, im Vorjahr waren es im selben Zeitraum 72,3 Millionen gewesen.

Das bedeutet ein Minus von 16,6 Prozent. Der Umsatz der Kinobetreiber verminderte sich trotz einer leichten Preiserhöhung der Ticktes um 67 Millionen Euro bzw. 16 Prozent auf 352,5 Millionen Euro, im Vergleich zu 419,6 Millionen Euro 2004. Die Österreichischen Kinos verzeichnen nach Auskunft des Büros von Kurt Kaufmann, Geschäftsführer des WKO Fachverbandes der Lichtspieltheater ebenfalls einen Rückgang der Besucherzahlen um rund 1,7 Mio. bzw. 18,4 Prozent.

Laut Kinobesucherstudie, die im Auftrag der Filmförderungsanstalt (FFA) Deutschland durchgeführt wurde, stammen die Ursachen für die rückläufigen Zahlen vor allem aus Hollywood. Nach wie vor sind us-amerikanische Blockbuster wichtig für ein gutes Geschäft. In diesem Halbjahr seien exzellente Zahlen jedoch auf ganzer Linie ausgeblieben.

Insgesamt verzeichneten beinahe alle europäischen Länder Besucherrückgänge im zweistelligen Prozentbereich, weil die US-Produzenten derzeit nicht den Geschmack des Publikums treffen. Im vergangenen Jahr verzeichneten in Deutschland neun der Top-Ten-Filme über zwei Millionen Besucher, in diesem Jahr aber nur drei.

Trotz der schlechten Ergebnisse im Halbjahr 2005 kann jedoch nicht von einer allgemeinen Kinomüdigkeit gesprochen werden. Dies belegt die FFA-Studie mit den Zahlen vom März. Da in diesem Monat das Filmangebot größeres Interesse hervorgerufen hatte, stimmten auch die Zahlen. Gegen den Trend konnten die Kinos im März ein Besucherplus von 7,7 Prozent verbuchen.

Filme wie Hitch - Der Date Doktor, aber auch deutsche Produktionen wie Die wilden Kerle 2 und Sophie Scholl - Die letzten Tage lockten das Publikum verstärkt an. Am schlechtesten fielen die Ergebnisse im Juni aus, im Vergleich zum Vorjahr halbierten sich die Besucherzahlen beinahe. Auch in Österreich schneidet der Monat März am besten und der Juni am schlechtesten ab.

Die Studie zeigt auch gravierende Veränderungen im Besucherverhalten. Während im Vorjahr noch 11,5 Prozent einen Kinofilm als aktuelles Gesprächsthema einstuften, waren es in diesem Jahr nur noch 5,2 Prozent der Befragten. Auch Empfehlungen von Freunden verringerten sich und es zeigt sich eine sehr geringe Resonanz auf Außenwerbung.

Plakate werden häufig gar nicht wahrgenommen. Zudem fällt auf, dass die Begeisterung an Special Effects abgenommen hat und im Halbjahr 2005 mehr auf die Qualität der Schauspieler, Inhalte und Themen geachtet wurde.

Um dem Kino eine gute Zukunft zu ermöglichen, seien auch neue Marketingkonzepte nötig. Laut FFA-Vorstand Peter Dinges bestehe gerade bei den Kinobetreibern großer Handlungsbedarf. Wie diese neuen Marketingstrategien aussehen sollten, darüber konnten Mitarbeiter der PR-Abteilung bei der FFA jedoch keine genauen Aussagen treffen.

In der aktuellen Studie zum Halbjahr wurden vorrangig die Besucherzahlen analysiert, eine ausführliche Studie, die auch Auskunft zu Altersgruppen geben wird, erscheint Anfang nächsten Jahres. Im November soll eine Motivationsstudie zum Thema veröffentlicht werden.


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Plakatmotiv von 'Hitch - Der Date Doktor'
Plakatmotiv von 'Die wilden Kerle 2'
Plakatmotiv von 'Sophie Scholl - Die letzten Tage'

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