Anthony Hopkins
* 31. Dezember 1937 in Port Talbot, Wales • Schauspieler, Regisseur • Biographie • Oscars • Filmografie • Adresse: Anthony Hopkins, c/o William Morris, 147-149 Wardour Street, London W 1, England • 7 High Park Road, Kew, Surrey, Richmond TW9 3BL, England •
Anthony Hopkins Biographie Anthony Hopkins wurde als Sohn eines Bäckers im südwalisischen Fischernest Port Talbot geboren. Der Großvater war "ein sentimentales Scheusal", der Vater schwermütig und Anthony Hopkins von früher Kindheit an ein Außenseiter. Er litt unter Versagensängsten, seine Mitschüler nannten ihn "Hühnerhirn", und Hopkins brachte es fertig, wochenlang kein Wort zu sprechen. Die entnervten Eltern schickten das psychisch angeschlagene Kind ab seinem elften Lebensjahr auf ein drittklassiges Internat.

Er besuchte die Cowbridge Grammar School, bis er mit 17 Jahren an einer Amateurtheater-Produktion des YMCA teilnahm. Von da an war seine Leidenschaft für die Schauspielerei geweckt. Dieser Enthusiasmus, gepaart mit einer gewissen Begabung am Klavier, brachte ihm 1955 ein Stipendium am Welsh College Of Music & Drama in Cardiff ein, wo er zwei Jahre studierte. Richard Burton, der einzige, der es in Port Talbot je zu etwas gebracht hatte, wurde zur Identifikationsfigur für den Jungen. Mit 17 Jahren beschloß er, es ihm gleichzutun. "Ich wollte berühmt werden - etwas anderes wollte ich nie".

Er schaffte den Absprung und machte Karriere. "Ich wollte nie der sein, der ich war." 1958 absolvierte er einen zweijährigen Militärdienst bei der Royal Artillery in Bulford. Am Library Theatre in Manchester arbeitete er 1960 als Regieassistent, bis er zur Nottingham Repertory Company ging, wo man ihm allerdings den Rat gab, seine Ausbildung zum Schauspieler noch zu vertiefen. Hopkins besuchte Schauspielkurse am Cardiff College Of Music, Drama And Art, wurde 1961 Student der Royal Academy Of Dramatic Arts, die er 1963 als Silbermedaillenträger beendete. Es folgten einige Engagements am Phoenix Theatre in Leicester, am Liverpool Playhouse und am Hornchurch Repertory.

Mit diesen kleinen Engagements an Repertoire-Theatern fristete er sein Dasein. "Ich habe ein Trauma aus meiner Zeit als junger Schauspieler, wo ich tagelang nichts zu fressen hatte - dieses stechende Hungergefühl will ich nie wieder erleben", sagte er später über seine Anfangsjahre. Nach dem Debüt am Royal Court Theatre lud ihn 1965 Sir Laurence Olivier, der damalige Intendant des National Theatre At The Old Vic, zum Vorsprechen ein. Hopkins wurde Mitglied der National Theater Company und war schon zwei Jahre später die Zweitbesetzung für Olivier in Strindbergs The Dance Of Death. Das Londoner Publikum wurde auf ihn aufmerksam, als er den Andreij in Die drei Schwestern spielte.

Laurence Olivier, erkannte und förderte das Talent von Hopkins - aber der war zu diesem Zeitpunkt schon Vollzeit-Alkoholiker, und nach zwei Jahren seelischer Amokläufe warf er bei Olivier das Handtuch. Begründung: Lieber Taxi fahren, als sich herumkommandieren lassen. In diese Zeit fiel auch das Scheitern seiner nur vierjährigen ersten Ehe mit Petronella Barker, in der Hopkins einziges Kind Abigail geboren wurde. Peter O'Toole schlug ihn 1968 für die Rolle des Richard Löwenherz in dem Film Der Löwe im Winter vor. Es sollte Anthony Hopkins' Filmdebüt werden. Hopkins stand mit Peter O'Toole und Katharine Hepburn im psychologischen Haß- und Familiendrama Der Löwe im Winter das erste Mal vor der Kamera - und inszenierte selbiges am Set: O'Toole nannte ihn einen "Scheißversager, der Klavier spielt und in die Sterne guckt", Hopkins bot ihm dafür Schläge an.

1972 siedelte er in die USA über - das Broadway-Debüt als Psychiater Martin Dysart in Shaffers Equus wurde zum Kassenschlager. Seit Beginn der 70er Jahre arbeitete er mit wachsendem Erfolg auch als Fernseh-Schauspieler. Nachdem er sich ohne Erfolg für eine Rolle in Die Brücke von Remagen beworben hatte, erhielt er den Part eines Secret-Service-Agenten in dem Film Der Krieg im Spiegel nach einem Roman von John Le Carrè. Das US-Publikum wird 1973 auf Hopkins durch sein Mitwirken an der Miniserie QB VII von Leon Uris aufmerksam. Im gleichen Jahr heiratete er die Produktions-Sekretärin Jennifer Lynton, mit dem er auch heute noch zusammenlebt. Es folgt ein Engagement am Broadway für Equus, das er später noch in Los Angeles spielt.

Den ersten Emmy kassierte Hopkins 1976 für seine Rolle des Bruno Hauptmann in The Lindbergh Kidnapping Case. Im TV-Film Der Führerbunker wagte sich der Schauspieler an die Rolle des Adolf Hitler. Er stilisierte den Tyrann nach seinem Großvater väterlicherseits und ging wieder mit einem Emmy nach Hause. International bekannt wurde David Lynchs Film Der Elefantenmensch - Hopkins spielte, wie auch 1982 in Der Glöckner von Notre Dame, die Gruselrolle. Weitere zehn Jahre verbringt Anthony Hopkins in den USA, um an diversen Film - und Fernsehproduktionen mitzuarbeiten, u. a. spielte er in Unternehmen Entebbe die Rolle des kürzlich ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Yitzak Rabin.

Erst nach seiner Darstellung des Kapitän Bligh in Die Bounty kehrte er 1984 nach England zurück. Gleich seine erste Rolle 1985 in David Hares Prawda am National Theatre wird zu einem großen Erfolg. Er erhält den British Theatre Association's Award als bester Schauspieler und den Observer Award für besondere Verdienste bei der Verleihung der Laurence Olivier Awards. Zu weiteren Bühnenstücken, in denen er herausragte, gehören König Lear, Antonius und Kleopatra und die Londoner Produktion von M. Butterfly. Seit Juni 1987 trägt Anthony Hopkins den Titel Commander Of The Order Of The British Empire. Auch wenn Hopkins sporadisch weiterhin auf der Bühne stand, u. a. hatte er mit dem Film sein Medium gefunden.

"Ich spürte eine gewisse Macht, ein Zentrum der Kraft. Ich dachte, dass darfst du nie verlieren, dieses Gefühl des Zentrums in dir selbst. Das hatte ich auf der Bühne nie gespürt." Mit Hilfe der "Anonymen Alkoholiker" und der Unterstützung seiner zweiten Frau Jennifer bekämpfte der Schauspieler seine Sucht und war nach 15 Jahren wieder clean. Depressionen und emotionale Instabilität begleiten aber bis heute sein Leben.

Die eigene Biografie mag es Hopkins oft erleichtert haben, extreme Charaktere differenziert und authentisch darzustellen - als Hannibal Lecter im Hollywood-Grusel-Klassiker Das Schweigen der Lämmer spielte er sich endgültig in den Schauspieler-Olymp. Den extrem gefährlichen Kannibalen mit einer Vorliebe für rohe (Menschen-)Leber, Favabohnen und Chianti verkörperte er mit atemberaubender Präsenz und einem erotischen Touch, der das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Lecter brachte ihm den internationalen Durchbruch, einen Oscar, den Ritterschlag der Königin und nicht zuletzt auch etwas Seelenfrieden. "Lecter sieht den Dschungel in jedem Menschen, er sieht die dunklen Seiten. Wir wären alle gern wie Maschinen, ohne Gefühle." 1991 erhielt er für seine schauspielerische Leistung in Das Schweigen der Lämmer den Oscar als bester Hauptdarsteller. "Der Oscar hat mein Leben verändert, weil meine Selbstzweifel über den Haufen geworfen worden sind." Hopkins avancierte in den 90er Jahren zu einem der gefragtesten Hollywood-Darsteller - und die Rollen wurden abwechslungsreicher.

In Filmen wie Wiedersehen in Howards End oder Shadowlands verlor er endgültig sein Grusel-Image und wurde als "charismatischer Meister des Gefühlskinos" (News) gefeiert. "Ich wußte, was ich für emotionale Reserven in mir habe. Wir müssen versuchen zu lieben. Alles andere ist Obszönität". Seine höchste Ehrung erhielt er aber an seinem 55. Geburtstag, an dem sein Ritterschlag vom Buckingham Palace bekanntgegeben wurde. Die Zeremonie wurde am 23. Februar 1993 im Buckingham Palace abgehalten. 1994 wagte sich Hopkins an seine erste Filmregie.

Nach einer Vorlage von Anton Tschechow drehte er Szenen aus einem ländlichen Leben. Im Film Was vom Tage übrigbleibt stand er im gleichen Jahr zusammen mit seiner Tochter vor der Kamera - eine späte Versöhnung. 1994 wurde er in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" für die Darstellung des Butlers nominiert, für die er später den British Academy Of Film & Television Arts Award erhielt. Nicht der letzte Geniestreich: Oliver Stones Polit-Drama Nixon mit Hopkins in der Titelrolle lief in den US-Kinos mit großem Erfolg. Er arbeitete mit bekannten Regisseuren wie Francis Ford Coppola, James Ivory, Alan Parker, David Lynch, Jonathan Demme, Michael Cimino und Sir Richard Attenborough zusammen.

Eine weitere Regiearbeit lieferte er 1995 mit dem Film August ab, einer Adaption von Tschechows Onkel Wanja, in dem er auch die Hauptrolle spielte. Wenn ein Schauspieler für 27 Minuten Leinwandpräsenz den Oscar bekommt und von Ihrer Majestät der Britischen Königin dafür geadelt wird, klingt das wie ein modernes Märchen. Aber genauer besehen, erinnert der Werdegang des Anthony Hopkins eher an Gestalten aus der skurrilen Welt eines Henry Millers oder Charles Bukowskis - verkorkste Kindheit, jahrzehntelange Alkoholexzesse, Leben in Armut und schwere Depressionen, schließlich Berühmtheit als Darsteller von Mördern und Psychopathen.

Sir Anthony Hopkins setzt konsequent die Tradition großer britischer Bühnen- und Filmschauspieler wie Richard Burton und Sir Laurence Olivier fort.


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