Artur Brauner

* 1. August 1918 in Lodz, Polen • Produzent • Biographie Oscars Filmografie

Wenn einer seine Memoiren "Mich gibt's nur einmal" titelt, lässt das meist auf einen gewissen Größenwahn schließen. Aber bei Artur Brauner, von Freunden auch liebevoll "Atze" genannt, ist es nur die einfache Bezeichnung für eine Tatsache.


+++ Werbung +++

Artur Brauner wurde 1918 als Sohn eines Holzgroßhändlers in Lódz, Polen, geboren. Dort verbrachte er seine Kindheit und Jugend und machte auch sein Abitur. Anschließend studierte er am Polytechnikum bis zum deutschen Überfall auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg auslöste. Mit seinen Eltern und vier Geschwistern flüchtete er in die Sowjetunion, wo er unerkannt überleben konnte. Er hat 49 jüdische Verwandte durch die Nazis verloren.

Nach vorübergehenden Plänen in die USA auszuwandern, gründete Artur Brauner am 16. September 1946 in Berlin die Central Cinema Company (CCC-Film). 1949 baute er auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Spandau seine eigenen Filmstudios auf, in denen seit den ersten Dreharbeiten - im Februar 1950 für Maharadscha wider Willen unter der Regie von Ákos Ráthonyi - über 500 Filme entstanden, über die Hälfte davon in eigener Produktion. Artur Brauners CCC-Filmstudios wurden dadurch zu einer der erfolgreichsten Filmproduktionsstätten in Europa.

Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Artur Brauner die deutsche Nazi-Vergangenheit aufzuarbeiten, u. a. mit dem Film Morituri (1948) von Eugen York, bei dem er auch am Drehbuch mitwirkte.

In den darauffolgenden Jahren setzte Artur Brauner auf publikumswirksame Unterhaltungsfilme und hatte vor allem mit einigen sehr interessanten Filmserien in den 60er und 70er Jahren - von den Mabuse-Filmen (u. a. Das Testament des Dr. Mabuse, Scotland Yard jagt Dr. Mabuse) über die Edgar-Wallace-Krimis (u. a. Der Würger von Schloss Blackmoor, Der Henker von London) bis hin zu einer Reihe von Karl-May-Verfilmungen (u. a. Old Shatterhand, Durchs wilde Kurdistan) - großen Erfolg.

Außerdem produzierte Artur Brauner Filme wie Fanny Hill - Memoiren eines Freudenmädchens unter der Regie des Busenfetischisten Russ Meyer, die beiden Nibelungen-Filme (Die Nibelungen 1 - Siegfried und Die Nibelungen 2 - Kriemhilds Rache) unter der Regie von Harald Reinl und Kampf um Rom Teil 1 und 2“ (1968), wobei – im ersten Teil - Orson Welles mitspielte und Robert Sidomak Regie führte.

Nachdem Artur Brauner in den 70er Jahren unter dem Abgesang auf „Opas Kino“ und dem Aufkommen des Neuen Deutschen Films zu leiden hatte, fasste er in den 80er Jahren wieder Fuß, vor allem mit Filmen, die sich mit dem NS-Regime auseinandersetzen. In den Mittelpunkt seines Schaffens rückte Artur Brauner immer wieder Menschen, die als Juden den Verfolgungen der Naziherrschaft ausgesetzt waren.

Zu den Glanzstücken aus jener Zeit zählen u. a. die Rolf Hochhut- Romanverfilmung Eine Liebe in Deutschland (1983) von Andrzej Wajda mit Hanna Schygulla und Armin Mueller-Stahl, Hanussen (1987) mit Klaus Maria Brandauer unter der Regie von István Szabó, Hitlerjunge Salomon (1990) unter der Regie von Agnieszka Holland und der Film Babij Jar – Das vergessene Verbrechen von Jeff Kanew aus dem Jahre 2002. Dieser Tradition ist auch sein neuer Film Der letzte Zug (2006) von Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová verpflichtet.

Artur Brauner bekam in seinem langen Produzentenleben viele Auszeichnungen, darunter das Bambi, diverse Goldene Leinwände und Filmbänder, 1985 sogar eine Oscar-Nominierung für Bittere Ernte von Agnieszka Holland, 1990 den Deutschen Filmpreis: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, 1992 den Golden Globe für Hitlerjunge Salomon von Agnieszka Holland, 1993 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und außerdem die Goldene Kamera.

1976 erschienen dann seine Memoiren mit dem Titel Mich gibt's nur einmal. Artur Brauner lebt mit seiner Familie in Berlin.


Oscars
  • Oscar-Nominierung für 1985: "Bittere Ernte" (Bester Auslandsfilm)

Filmografie (Auswahl)
  1. 14. Oktober 1955: Liebe, Tanz und 1000 Schlager
  2. 1958: Das indische Grabmal
  3. 2. Oktober 1958: Wehe, wenn sie losgelassen
  4. 22. Januar 1959: Der Tiger von Eschnapur
  5. 22. September 1960: Der brave Soldat Schwejk
  6. 1960: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse
  7. 1961: Willy auf Sondermission
  8. 1961: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse
  9. 1961: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse
  10. 1962: Das Geheimnis der schwarzen Koffer
  11. 1962: Im Schatten einer Nacht
  12. 1962: Der Tod fährt mit
  13. 1962: Das Ungeheuer von London-City
  14. 1962: Der Fluch der gelben Schlange
  15. 1962: Sherlock Holmes und das Halsband des Todes
  16. 1962: Das Testament des Dr. Mabuse
  17. 1963: Old Shatterhand
  18. 1963: Der Würger von Schloss Blackmoor
  19. 1963: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse
  20. 1963: Der Henker von London
  21. 14. Februar 1964: Das Phantom von Soho
  22. 1964: Das 7. Opfer
  23. 1964: Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse
  24. 1964: Der Schut
  25. 25. September 1964: Fanny Hill - Memoiren eines Freudenmädchens
  26. 1965: Der Schatz der Azteken
  27. 1965: Durchs wilde Kurdistan
  28. 1965: Die Pyramide des Sonnengottes
  29. 1965: Im Reich des silbernen Löwen
  30. 1966: Die Nibelungen 1 - Siegfried
  31. 1967: Die Nibelungen 2 - Kriemhilds Rache
  32. 1967: Geheimnisse in goldenen Nylons
  33. 1968: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
  34. 1968: Kampf um Rom 1
  35. 1968: Kampf um Rom 2
  36. 1969: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
  37. 1970: Black Beauty
  38. 1971: Der Todesrächer von Soho
  39. 1971: Der Teufel kam aus Akasava
  40. 1971: X 312 ... Flug zur Hölle
  41. 1972: Das Geheimnis des gelben Grabes
  42. 1974: Ein Unbekannter rechnet ab
  43. 25. Februar 1983: S. A. S. Malko - Im Auftrag des Pentagon
  44. 1983: Eine Liebe in Deutschland
  45. 1985: Bittere Ernte. Regie: Agnieszka Holland
  46. 1987: Hanussen
  47. 1990: Hitlerjunge Salomon. Regie: Agnieszka Holland
  48. 9. November 2006: Der letzte Zug
Oscar
Artur Brauner
Filmplakat
Filmplakat
Filmplakat


© Fotos: Archiv © 1994 - 2010 Dirk Jasper