Interview mit Ben Verbong
Ben Verbong Ben Verbong ist der Regisseur des Films Das Sams

Frage: Was hat Sie an einem Family-Entertainment-Film wie Das Sams besonders gereizt?

Ben Verbong: In meiner Heimat Holland habe ich fast ausschließlich Kinofilme gedreht und dabei verschiedene Genres bedient. Aber Family-Entertainment beziehungsweise eine Komödie war nie dabei. Eine Komödie finde ich so ungefähr das Schwierigste überhaupt und genau deshalb wollte ich schon immer einmal eine drehen. Außerdem hat mir am Drehbuch von Paul Maar und Ulrich Limmer dessen Ironie und Absurdität gefallen. Ich habe versucht, die tragikomische Erzählung mit einer gewissen Leichtigkeit zu inszenieren.

Frage: Wo lagen die Schwierigkeiten bei einem solchen Projekt, bzw. was ist vielleicht einfacher als bei einem "Erwachsenen"-Film?

Ben Verbong: Einfacher war da gar nichts, im Gegenteil. Denn das Publikum bei diesem Genre ist gnadenlos, ohne "Wenn" und "Aber". Es ist ein Publikum, das keine Hemmungen hat oder es schick findet, diesen Film gut zu beurteilen. Die Kommunikation mit den Emotionen des Publikums erfolgt direkt und ungefiltert. Gleichzeitig kennen Kinder das Sams und seine Geschichte extrem gut, haben eigene Vorstellungen davon und wollen trotzdem vom Film überrascht werden!

Frage: Dem deutschen Publikum sind sie eher durch TV-Filme wie "Schock" oder "Lieber, böser Weihnachtsmann" bekannt. Ist Das Sams ein Ausflug ins Kino oder eine grundsätzliche Rückkehr zur Leinwand?

Ben Verbong: Fernsehen beschäftigt sich mit der Alltagswirklichkeit. Im Kino steht unsere innere Wirklichkeit im Mittelpunkt, unsere Träume, Ängste, Abgründe, Sehnsüchte und Alpträume. Obwohl ich in Holland schon sieben Kinofilme gedreht hatte, nahm ich in Deutschland erst mal eine "Auszeit". Weil ich finde, dass man die Kultur eines Landes sehr gut kennen musss, um einen Kinofilm zu drehen. Nachdem ich jetzt sechs Jahre ausschließlich in Deutschland gearbeitet habe, fand ich, die Zeit sei gekommen, um hier Kino zu machen. Und wenn möglich, will ich auch dabei bleiben. Dennoch spricht natürlich nichts gegen einen interessanten Fernsehfilm, wie zum Beispiel "Das Opfer", den ich jetzt gerade für das ZDF drehe.

Frage: Ist es schwieriger, die Beziehung zwischen einer Hauptfigur und deren Alter ego (Sams) darzustellen, als die Beziehung zwischen zwei "normalen" Partnern?

Ben Verbong: Ja, weil die erwachsene Hauptfigur Herr Taschenbier in Das Sams gezwungen ist, sich mit dem verdrängten Kind in sich selbst auseinanderzusetzen. Erst nach dieser Auseinandersetzung kann er sich zu dem Menschen weiterentwickeln, der er eigentlich gerne sein möchte. Herr Taschenbier musss durch das Sams herausfinden, wer er wirklich ist und was seine ganz persönlichen Wünsche sind. Und am Ende stellt er fest, dass es wichtiger ist, zu akzeptieren wer er wirklich ist. Dieses Thema hat mich auch schon in meinen beiden Spielfilmen "Die Unanständige Frau" und "Housecall" beschäftigt.

Frage: Und wie floss dieser Ansatz in die Inszenierung von Das Sams ein?

Ben Verbong: Ich mussste zeigen, dass es sich um einen Konflikt innerhalb ein und derselben Figur handelt, der lediglich über zwei Personen erzählt wird. Deshalb sind Taschenbier und das Sams fast ständig zusammen im Bild. Eine weitere Frage war das Verhältnis dieser Fantasiegeschichte zur Umwelt. Wie zum Beispiel reagieren Menschen auf der Straße, wenn sie Taschenbier mit seinem Sams sehen? Hätten sie die beiden ständig angegafft, wäre die Geschichte merkwürdig geworden. Deshalb habe ich die "normalen" Menschen - ob sie das wirklich sind, bleibt ja fraglich - nur auf das reagieren lassen, was das Sams tut und treibt und fast nicht auf sein Aussehen. So stelle ich mir jedenfalls die "Taschenbierwelt" in unserer Welt vor.

Dirk Jasper FilmLexikon
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