Bertrand Tavernier
* 25. April 1941 in Lyon, Frankreich • Regisseur, Autor, Produzent • Biographie • Interviews • Filmographie •
Bertrand Tavernier Biographie 1941 in Lyon geboren, wuchs der Sohn eines Schriftstellers und Verlegers in Paris auf. Seine Passion war und ist das Kino. Seit der Kindheit ein leidenschaftlicher Kinogänger, gab er das Jurastudium auf und arbeitete Ende der fünfziger Jahre für die renommierten französischen Filmzeitschriften Positif und Cahiers du cinéma als Kritiker.

Nach einer Assistenz bei Jean-Pierre Melvilles Film Eva und der Priester - übrigens zusammen mit Volker Schlöndorff - inszenierte Tavernier 1973 seinen ersten langen Spielfilm: Der Uhrmacher von St. Paul, eine Georges Simenon-Verfilmung mit deutlicher Kritik an den Verhältnissen in seiner Heimat. Es folgte 1974 Wenn das Fest beginnt ..., eine leidenschaftliche Reflexion über die Geschichte und ihre Wirkungskräfte. Seine Vorliebe für historische Themen setzte Tavernier mit der sozialpsychologischen Kriminalstudie Der Richter und der Mörder 1975 fort.

Death Watch - Der gekaufte Tod (1979) widmete sich dem Kino, dem Fernsehen und dem Voyeurismus der Medien. Für publikumswirksame Schlagzeilen sorgte die 1981 gedrehte Kolonialsatire Der Saustall, angesiedelt im französischen Westafrika, wo Ende der dreißiger Jahre, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, der Moral- und Werteverfall der Weißen ad absurdum geführt wird.

Selbst hinter dem wehmütigen Abschied eines Künstlers von seiner Familie im Sommer des Jahres 1912 ließ der Regisseur in Ein Sonntag auf dem Lande (1984) das brüchige Klima der Zeit, die Schwelbrände einer untergehenden Epoche anklingen. Die Schönheit des Augenblicks und die Vergänglichkeit menschlichen Lebens zelebrierte der Musikfilm Um Mitternacht (1986). Zurück zu den historischen Themen kehrte der Franzose mit Die Passion von Beátrice (1987) und Das Leben und nichts anderes (1988).

"Daddy Nostalgie beschreibt die Suche nach den kleinen Dingen, die uns das Leben liebenswert machen. Es ist ein zärtlicher melancholischer Walzer, bei dem die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit nach und nach verblassen und zu einer Reihe von Momenten verschmelzen, in denen das Leben wirklich wie das Leben zu sein scheint," so Bertrand Tavernier selbst über seinen Film.

Nach Daddy Nostalgie widmete sich Tavernier 1991 erneut der Geschichte von unten: Der Krieg ohne Namen ist ein schonungsloser Dokumentarfilm über ein Tabu, einen jahrzehntelang sehr einseitig dargestellten Mythos - den Algerienkrieg. Anschließend gelang ihm eine brillante Momentaufnahme der aktuellen, sozialen Realität Frankreichs: Auf offener Straße (1992) schilderte die ständig steigende Gewalt- und Drogenkriminalität in Paris. Eine Parodie auf das Mantel-und-Degen-Genre lieferte er 1994 mit D'Artagnans Tochter. Taverniers Film Der Lockvogel wurde 1995 bei den Filmfestspielen in Berlin mit dem Goldenen Bären geehrt.

Trotz seiner Bewunderung für das Kino Hollywoods hat Bertrand Tavernier bisher eine Arbeit in den USA abgelehnt. Der Franzose gilt international als einer der produktivsten und künstlerisch eigenständigsten Filmemacher der Generation nach der Nouvelle Vague. Und sein Motto lautet: "Filme zu machen, ist wie eine Therapie. Ein Mittel, sich weiterhin einen moralischen Anstrich zu geben."


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Dirk Jasper FilmLexikon
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