Bill Ramsey

* 17. April 1931 als William M. Ramsey in Cincinnati, Ohio, USA • Sänger, Entertainer, Schauspieler • Biographie • Filmografie • Discografie • Autogramme: Bill Ramsey c/o Bear Family Records, Postfach 11 54, D-27727 Hambergen •

Biographie Bereits im zarten Alter von acht Jahren hatte Bill Ramsey seinen ersten öffentlichen Auftritt: Am 19. Dezember 1939 war er eine Schokoladenkuchen-Genießer bei einer Crisco-Präsentation (Backfett), eines der Produkte für die der Vater Werbung machte. Doch zunächst deutete nichts auf eine musikalische Karriere hin.

Seit seinem 10. Lebensjahr hört er sich Big Band- und Swing-Platten zu Hause an. Damals war Cincinnati ein bedeutendes Produktionszentrum für Rhythm & Blues-Schallplatten, und so bekam er schnell sehr engen Kontakt zur "Schwarzen Musik", die er so liebte. Jetzt trat er auch auf Schülerpartys als Sänger auf.

In den 40er Jahren spielte Bill Ramsey als Boogie Woogie und Blues auf dem Klavier und sang dazu. Sein "Feeling" war ganz automatisch schwarz wie seine Vorbilder, z. B. Jimmy Rushing, Louis Jordan, Fats Waller, und viele andere mehr. Heute spielt er überhaupt kein Instrument mehr.

Nach seinem College-Abschluss studierte er von 1949 bis 1951 an der Yale University New Haven Soziologie und Volkswirtschaft. Inzwischen hatte er sein Blues- und Folk-Repertoire mit Ballads, Traditional- und Swing-Nummern ergänzt und hatte eine kurze Zeit eine kleine Tanzband, war aber immer noch Hobbysänger, "hauptberuflich" war er Student. Zu seinen Idolen gehörten nun auch Ella Fitzgerald und Nat "King" Cole.

Von Juni bis Dezember 1950 arbeitete er als Regieassistent beim TV-Sender WLW-TV (NBC) in Cincinnati, Ohio, USA. Eigentlich wollte er in die Werbebranche, aber seine Liebe zur Musik kam ihm dazwischen.

Die häufigste Frage der Journalisten wie der Fans lautet: "Wie kamen Sie dazu, von Schlager auf Jazz umzuwechseln?" Dass die Frage umgekehrt lauten sollte, können nur diejenigen wissen, die sich schon Mitte der 50er Jahre intensiv mit der Jazzszene beschäftigt haben.

Seine eigentliche Heimat ist der natürlich Jazz, doch richtig nach oben brachte ihn dann der deutsche Schlager. Bill Ramseys parodistische Hits der späten 50er und 60er wie Zuckerpuppe (aus der Bauchtanzgruppe) oder Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett sind Ohrwürmer geblieben. Viele Film- und Fernsehrollen und sein großes komödiantisches Talent haben den Musiker mit dem us-amerikanischen Akzent populär gemacht.

Im Jahre 1950 wurde wegen des Korea-Krieges die Wehrpflicht in den USA wieder eingeführt. Bereits 1951 absolvierte Bill Ramsey Probeaufnahmen beim berühmten Filmstudio MGM in Hollywood. Ihm wurde mitgeteilt, er "soll sich nach dem Militärdienst melden". 1951 kam Bill Ramsey deshalb zur US Air Force und im Sommer 1952 als GI nicht nach Korea, sondern nach Deutschland!

Ab Herbst 1953 war er als Chef-Produzent von AFN-Frankfurt tätig und hatte Zeit für Jazzkonzerte und für Auftritte als Entertainer an Wochenenden in den us-amerikanischen Clubs sowie für zwei vom Militär veranstalteten Tourneen, die erste mit Eddie Fisher, dann mit Raymond Burr ("Perry Mason"/"Der Chef").

In diesem Jahr hatte er als Produzent bei AFN (US-Militärsender) in Frankfurt ein "Jazz At The Philharmonic"-Konzert aufgenommen. Nachher saß er in einer Runde unter anderem mit Ella Fitzgerald. Von den AFN-Kollegen wurde er regelrecht gezwungen, etwas vorzusingen. Ella drehte sich zu seinem Chef um und sagte: "All you got to do is close your eyes". Für sie war er - mindestens akustisch - schwarz, und das ist "die schönste Kritik, die ich je gehört hatte!"

Seine ersten deutschen Freunde traf er im Frankfurter "Jazzkeller" und musizierte begeistert dort mit. In den Jahren 1953 und 1954 ist er bei den German-American Jazzfestivals 1 und 2 in Nürnberg mit dem Kurt Edelhagen Orchester aufgetreten. 1954 trat er als erster us-amerikanischer Jazzsänger beim deutschen Jazzfestival in Frankfurt auf.

Bei diesen Anlässen und im Jazzkeller hat er die damaligen Jazz-Interpreten Paul Kuhn, James (Hans) Last, Ernst Mosch (später kannten ihn viele mit anderer Musik) und viele andere heute in der Pop- und Volksmusik bekannte Musiker kennengelernt - auch seinen langjährigen Freund und Produzenten, Heinz Gietz.

Nach der Entlassung vom Militär im April 1955 fing er wieder an zu studieren, zuerst in Frankfurt, dann kurze Zeit in Cincinnati und ab 1957 wieder Volkswirtschaft in Frankfurt. Seinen Unterhalt verdiente er sich mit Club-Auftritten und Jazz-Konzerten sowie als Discjockey bei Radio Luxemburg und beim Saarländischen Rundfunk.

Zitat von Fritz Rau: "Jazz ist die Universität der Popularmusik." Und jetzt die richtige Formulierung der Frage: "Wie sind Sie vom Jazz zum Schlager gekommen?"

Und so war das auch für einen Jazzpianisten und Arrangeur Heinz Gietz, einer von Deutschlands erfolgreichsten Komponisten-Produzenten-Arrangeuren, den Bill Ramsey sehr gut aus dem "Jazzkeller" in Frankfurt kannte. Heinz Gietz hatte ihn schon 1955 zum Film gebracht und fragte Ende 1957 "ob er mal eine Platte machen möchte." - "Warum nicht!" - "Willst du Rock'n Roll oder lieber was Lustiges singen?" Er hat sich für was Lustiges entschieden!

Bereits seine zweite Platte - "Schokoladeneisverkäufer" - war einen Riesenhit und erreichte 1959 Platz 4 auf der Verkaufshitparade. Der nächte Hit "Souvenirs" sprang schnell auf Platz 1 der Verkaufshitparade. "Pigalle" kam 1961 auf Platz 1, und direkt danach "Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe", sie kam zwar nur bis Platz 5 der Charts, zählt aber zu seinen amüsantesten Songs.

1962 wechselte Bill Ramsey von seiner Plattenfirma Hamburger Polydor zur Kölner Electrola. Mit "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" setzte er hier seine Erfolgskarriere fort. Allerdings erlitt auch seine Karriere mit der Beat-Welle einen Knick. So konnte er noch 1963 "Maskenball bei Scotland Yard" in die Charts auf Platz 8 bringen.

Alle Produktionen waren lustige Kommentare zu Aktualitäten der Zeit. Er errang 1964 mit "Bossa Nova Baby" und "Ein Student aus Heidelberg" noch zwei Achtungserfolge, doch nach ein paar Flops hängte er die Schlagersingerei an den Nagel und wandte sich wieder dem Jazz zu. Doch Bill Ramsey steht nach wie vor zu diesen veregnüglichen Liedern, das zeigt auch sein Album Rückfall, dass er in den Achtzigern aufnahm.

Bisher hat er über 25 Spielfilme, unzählige Fernsehsendungen, Live-Auftritte, Tourneen und Hörfunkproduktionen, 50 Single- sowie 30 LPs und CDs und einiges anderes gemacht.

Mitte der sechziger Jahre fing er an, sein Repertoire zu erweitern, indem er sich auf Kindersendungen, HF- und FS-Moderation konzentrierte. In dieser Zeit produzierte er auch die ersten Jazz- und Folk-LPs und ging mit dieser Musik auf Tournee.

Inzwischen hat sich sein Image beim breiten Publikum so erweitert, dass er nach wie vor als Schlagersänger aber auch als Jazzinterpret und Moderator akzeptiert wird, was ihn sehr freut.

Von 1979 bis 1991 wohnte Bill Ramsey in Wiesbaden, Hessen, im April 1991 zog er nach Hamburg um. Privat ist Bill Ramsey in festen Händen. Seine Frau Petra, eigentlich Ärztin, managt ihn, kümmert sich um seine musikalischen und geschäftlichen Dinge.

Übrigens ist William M. Ramsey seit dem 17. Oktober 1984 Deutscher! Hans-Joachim Kuhlenkampf, der große deutsche Showmaster, in der letzen Folge seiner Show "EWG": "Jetzt müssen wir 'Wilhelm Ramsei' zu ihm sagen". Wir meinen: "Bill" bleibt einfach Bill.


Filmografie
  • 1955: Liebe, Tanz und Tausend Schlager. Rolle: Playbacks.
  • 1955: Musik im Blut - Die Kurt Widmann Story. Regie: Paul Martin. Rolle: Pianist von Kurt Widmann.
  • 1959: La Paloma. Regie: Paul Martin. Rolle: Song "Wumba-Tumba Schokoladeneisverkäufer".
  • 1959: Kein Mann zum Heiraten. Regie: Hans Deppe. Rolle: Song "Souvenirs".
  • 1960: Schlagerparade 1960. Regie: Franz Marischka. Rolle: Songs "Souvenirs", "Go Man Go".
  • 1960: Das Rätsel der grünen Spinne. Regie: Franz Marischka. Rolle: Bill Brown; Song "Telefon aus Paris".
  • 1960: Mit Himbeergeist geht alles besser. Regie: Georg Marischka. Rolle: Kapitän der US-Army.
  • 1960: Geh'n Sie nicht allein nach Hause - Schlagerparade 1961. Regie: Franz Marischka. Rolle: Billy Brown; Song "Jeden Tag 'ne andere Party".
  • 1961: Die Abenteuer des Grafen Bobby. Regie: Geza von Cziffra. Rolle: Kellner; Songs "Pigalle" und "Immer zieht es mich zu ihr" (Duett mit Peter Alexander).
  • 1961: Junge Leute brauchen Liebe. Regie: Geza von Cziffra. Rolle: Bill; Gesang.
  • 1961: Adieu, Lebwohl, Goodbye. Regie: Paul Martin. Rolle: Fiorelli; Song "Pigalle".
  • 1961: Musik ist Trumpf - Die Hazy Osterwald Story. Rolle: Song "Pigalle".
  • 1961: Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln geh'n. Regie: Franz Marischka. Rolle: Nebenrolle; Gesang.
  • 1961: Unsere tollen Tanten. Regie; Rolf Olsen. Rolle: Bill; Song "Ich habe beides ausprobiert - kein Vergleich".
  • 1961: Heute geh'n wir bummeln. Regie: Erik Ode. Rolle: Bill Brown; Songs "Nichts gegen die Weiber" und "Mach ein Foto davon".
  • 1961: Café Oriental. Rolle: Nebenrolle; Gesang.
  • 1962: Das süße Leben des Grafen Bobby. Regie: Geza von Cziffra. Rolle: US-amerikanischer Detektiv; Song "Das Leben ist doll - Dolce Vita".
  • 1962: Zwischen Shanghai und St. Pauli. Regie: Wolfgang Schleif. Rolle: Felix; Song "Flotten Dampfer".
  • 1962: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett. Regie: Franz Antel. Titelmelodie mit Edith Hancke als "Mimi" im Vor- und Nachspann.
  • 1962: Sing, aber spiel nicht mit mir. Regie: Kurt Nachmann. Rolle: Songs "Hallo Boss" und "Maskenball bei Scotland Yard".
  • 1963: Maskenball bei Scotland Yard. Regie: Domenico Paolella. Rolle: Agostino Celli; Titelmelodie "Maskenball bei Scotland Yard".
  • 1963: Heimweh nach St. Pauli. Regie: Werner Jacobs. Rolle: Manager von Freddy Quinn.
  • 1963: Old Shatterhand. Regie: Hugo Fregonese. Rolle: Konstantin Timpe.
  • 1964: Liebesgrüße aus Tirol. Regie: Franz Antel. Rolle: Nebenrolle; Gesang.
  • 1965: Cat Ballou - Hängen sollst du in Wyoming. Rolle: Synchronstimme für Nat King Cole.
  • 1971: Hurra, bei uns geht's rund. Regie: Wolfgang von Chmielewski. Rolle: Onkel Mike.
  • 1978: Die Schweizermacher. Regie: Rolf Lyssy. Rolle: William S. Tall, Kontrabasist des Symphonieorchesters.

  • Discografie
  • 1958: Single: Yes, Fanny, ich tu' das
  • 1959: Single: Wumba-Tumba Schokoladeneisverkäufer / Casa Bambu
  • 1959: Single: Souvenirs / Mach keinen Heck-Meck
  • 1960: Single: Telefon aus Paris
  • 1960: Single: Gina Gina
  • 1. April 1961: Single: Pigalle / Café Oriental
  • 1961: Single: Zuckerpuppe / Das Mädchen mit dem aufregenden Gang
  • 1961: Single: Nichts gegen die Weiber (mit Bibi Johns)
  • 1961: Single: Sagst du alles deiner Frau? (mit Chris Howland)
  • 1961: Single: Missouri-Cowboy (mit Peter Alexander)
  • 1962: Single: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett / Flotter Dampfer
  • 1963: Single: Maskenball bei Scotland Yard
  • 1964: Single: Bossa Nova Baby / Wer heißt hier Johnny?
  • 1964: Single: Ein Student aus Heidelberg
  • 1964: Single: Ein bequemer Arbeitnehmer bin ich nicht
  • 1965: Single: Bin nur ein Tramp
  • 1965: Single: Chug-a-lug
  • 1966: Single: Yellow Submarine / Such dir was Liebes
  • 1966: Single: Parlez vous francais?
  • 1968: Single: Piccadilly Circus / Die Welt, die ist kaputt
  • Bill Ramsey. Foto: Dieter Lüttgen
    Bill Ramsey
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    Bill Ramsey und Peter Alexander
    Plattencover
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    Bill Ramsey auf dem 'Bravo'-Titel
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    Filmplakat

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