Budd Boetticher ?
* 29. Juli 1916 als Oscar Boetticher jr. in Chicago, Illinois, USA • ? 29. November 2001 in Ramona, Kalifornien, USA • Regisseur • Biographie • Oscars • Filmographie • Bibliographie •
Budd Boetticher Biographie Oscar "Budd" Boetticher wurde als Sohn eines Geschäftsmannes in Chicago geboren, lebte mit seinen Eltern dann in Evansville, Indiana, und wurde an der Culver Military Academy in Kalifornien ausgebildet. Seinen sportlichen Interessen ging er während des Studiums an der Ohio State University nach, wo er ein erfolgreicher Boxer und Star seines Football-Teams wurde. Um sich von einer Verletzung zu erholen ging er nach Mexiko, dort begeisterte er sich so sehr für den Stierkampf, dass er mehrere Jahre blieb und selbst als Matador in die Arena ging, bis er von einem Stier schwer verletzt wurde, die Leidenschaft sollte ihn aber sein Leben lang nicht mehr loslassen.

Wieder zurück in Kalifornien öffnete ihm seine Vergangenheit als Matador das Tor zum Film: Boetticher wurde von Rouben Mamoulian als Technischer Berater für die Stierkampfszenen in Blood And Sand engagiert. Seine "Filmkarriere" setzte sich fort: Er arbeitete sich als Postbote, Lektor von Drehbüchern und Zweiter Assistent des Regisseurs nach oben, bevor er 1943 als Regieassistent arbeiten durfte und 1944 bei One Mysterious Night (1944) erstmals Regie führte.

Boetticher drehte danach eine Reihe von B-Filmen, aber auch Propagandafilme für das Militär. Erst 1951 kehrte er zu seiner großen Liebe Stierkampf zurück und drehte The Bullfighter And The Lady, den er für Republic Pictures machte. Man kann wohl davon ausgehen, dass es sich wohl teilweise um ein autobiografisches Drehbuch handelte, da er selbst als Autor am Skript mitschrieb. Übrigens wurde er bei diesem Film im Abspann erstmals als Budd Boetticher bezeichnet. Den Spitznamen "Budd", der von da an sein Markenzeichen wurde, erhielt er von John Wayne, der an diesem Film auch als Ausführender Produzent beteiligt war.

Budd Boetticher erhielt für diesen Film zwar eine Oscar-Nominierung, doch die Produzenten hatten seinen Film verstümmelt. Er sprach über dieses "filmische Drama" 1994 in einem Interview mit der Zeitschrift Guardian: John Ford teilte Boetticher mit, dass sein Film großartig sei, dass es aber 42 Minuten "Scheiße" in ihm gäbe. John Wayne als Ausführender Produzent stimmte Ford zu. Schließlich wurde der Film von 124 auf 87 Minuten gekürzt, darunter die Szenen mit der freundschaftlichen Zuneigung zwischen Gilbert Roland und Robert Stack. Budd Boetticher beharrte zwar darauf, dass sich Männer lieben könnten, aber John Ford und John Wayne antworteten, dass sie nicht wie Schwuchteln wirken wollten. Erst 1986 wurde der Film von der University of California Los Angeles restauriert und seine ursprüngliche Fassung wieder hergestellt.

1951 schloss Budd Boetticher einen Vertrag mit Universal International ab und drehte in zwei Jahren insgesamt neun Low-Budget-Filme. Später spottete er über diese Zeit: "Ich erhielt das Drehbuch am Freitag und musste bereits am Montag filmen."

Den ersten großen Kassenerfolg nach seiner Zeit bei Universal war Der Siebente ist dran (Seven Men From Now, 1956), der auch international kritischen Beifall erhielt. Aber auch dieser Film führte zu Problemen mit John Wayne. Später verlangte Wayne - aus Gründen, die bis heute unklar blieben -, dass dieser Film 30 Jahre lang nicht mehr gezeigt werden dürfe. Budd Boetticher dachte, dass die Negative verloren wären, aber Michael Wayne (Sohn von John Wayne) hatte sie aufbewahrt. Der Eastman-Farbfilm war zwar inzwischen stark verblasst, aber das UCLA-Archiv restaurierte ihn im Jahr 2000, so dass auch die heutige Generation sehen kann, was für ein hervorragender Filmemacher Budd Boetticher tatsächlich war.

Der Erfolg des Films führt dazu, dass auch die europäischen Kritiker Budd Boetticher wahrnahmen, beispielsweise in den französischen Cahiers du Cinema und von Filmemachern wie Bertrand Tavernier.

Im übrigen war Der Siebente ist dran der erste Film einer Serie von sechs, die Boetticher in den späten 50er Jahren drehte und die später als Renown-Zyklus bekannt wurden: Der Siebente ist dran (Seven Men From Now, 1956), Um Kopf und Kragen (The Tall T, 1957), Fahrkarte ins Jenseits (Decision At Sundown, 1957), Sein Colt war schneller (Buchanan Rides Alone, 1958), Auf eigene Faust (Ride Lonesome, 1959) und Einer gibt nicht auf (Comanche Station, 1960).

Produziert wurden sie meist von Harry Joe Brown, geschrieben von Burt Kennedy, Hauptdarsteller war Randolph Scott. Die Kombination der moralischen Bestimmtheit und das Verhalten ihrer Helden unter Zwang, das spartanische Gelände, in denen die Filme gedreht wurden sowie und Boettichers einfache, unaufdringliche Art des Drehens kündeten eine neue Art des Westerns an, die von ihm beeinflusst wurde.

Die Achtung für sein Schaffen setzte sich fort, so dass Filme wie Blutige Hände (The Killer Is Loose, 1955) und J. D., der Killer (The Rise And Fall Of Legs Diamond, 1960, oft unbemerkt blieben. Boetticher hielt jetzt Ausschau nach großen Hollywood-Produktionen, die er als Außenseiter der Szene aber nie übertragen bekam. Schließlich setzte er sich an sein Lieblingsprojekt, ein Doku-Drama über seinen Freund, den mexikanischen Stierkämpfer Carlos Azzuro.

Das Projekt stand unter einem unglücklichen Stern: Es dauerte insgesamt sieben Jahre. Er und seine Frau, Debra Paget, für die er die Rolle der Frau Arruza geschrieben hatte, ließen sich scheiden. Er war pleite, da er für diesen Film andere Filmangebote ausschlug, landete sogar für sieben Tage im Gefängnis, wobei keiner wusste, wo er war. Eine Woche kam er in einem Heim für Landstreicher unter - er starb fast, an Hunger wie an einer Lungenentzündung.

Schließlich verunglückte Carlos Arruza kurz nach dem Ende der Dreharbeiten mit einem Teil der Crew bei einem Autounfall. Andererseits hatte er aber auch das Glück, während der Produktion seine zweite Frau Mary kennenzulernen. Sehr ausführlich hat Boetticher selbst diese Probleme des Projekts in seinem Buch When In Disgrace beschrieben.

Der Film hatte keinen großen Erfolg in den Kinos, aber viele Kritiker glauben, dass er damit ein Meisterwerk produziert hat, das auch eine Essenz seiner Themen wie auch die Art seines Filmens darstellte. Boetticher selbst war beispielsweise in der letzten Einstellung mit 10 Kameras in der Arena - zusammen mit Arruza.

Wenn er von Studenten der University of Mexico-City - wo er lehrte - gefragt wurde, warum er so lange an diesem Film gearbeitet habe, pflegte er zu antworten: "Denken Sie doch mal darüber nach, wie wundervoll es gewesen wäre, wenn der Regisseur von The Agony And Ecstasy als Hauptdarsteller Michelangelo selbst statt Charlton Heston gehabt hätte!"

Zurück in Hollywood, erneuerte er seine Partnerschaft mit Audie Murphy, mit dem er seinen ersten Western (The Cimarron Kid, 1951) gedreht hatte. Er war Hauptdarsteller und Produzent in Zeit zum Sterben (A Time For Dying, 1969). Aber alle Pläne für die weitere Zusammenarbeit endeten mit Audie Murphys Tod bei einem Flugzeugabsturz.

Zu seinen großen Erfolgen zählt auch das Drehbuch zu Ein Fressen für die Geier (1969), das von Don Siegel mit Clint Eastwood und Shirley McLaine verfilmt wurde. In Tequila Sunrise war er unter der Regie von Robert Towne 1988 als Schauspieler in der Rolle eines reichen Ölmannes zu sehen.

1985 drehte er mit My Kingdom For ... einen Dokumentarfilm über Leben und Training portugiesischer Pferde, den er auf einer Ranch in Kalifornien filmte.

Boetticher drehte in seinem Leben rund 40 Filme, darunter viele B-Pictures und Low-Budget-Produktionen, aber auch Publikumserfolge wie Der Mann von Alamo (1953) oder Sein Colt war schneller (1958). Die meisten seiner Filme waren Western, häufig mit Randolph Scott in der Hauptrolle. Boetticher drehte ebenso eine Reihe von TV-Serien, darunter die erste Staffel der Erfolgserie 77 Sunset Strip und Episoden von Maverick. Bekannte Schauspieler wie Richard Boone, James Coburn, Glenn Ford, Lee Marvin, Audie Murphy, Anthony Quinn, Sidney Poitier und Joseph Cotten arbeiteten mit Budd Boetticher zusammen, doch den Sprung in die A-Kategorie der Hollywood-Regisseure schaffte er nie, er blieb immer ein Außenseiter.

Einige Jahre arbeitete er daran, Burt Kennedys Drehbuch zu A Horse For Mr Barnum zu verfilmen, doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Budd Boetticher starb im Alter von 85 Jahren in Kalifornien. Er hinterließ seine Ehefrau Mary und zwei Töchter.


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