Interview mit Burkhard Driest
Burkhard Driest Interview mit Burkhard Driest (59), Darsteller im Sat.1-Movie "Callboys - Jede Lust hat ihren Preis"

Frage: In "Callboys - Jede Lust hat ihren Preis" spielen Sie den Beamten Busch, einen erfahrenen Kriminologen und Profiler. Warum haben Sie sich für diese Rolle entschieden?

Burkhard Driest: Einen Bullen zu spielen, stand schon lange auf meiner Wunschliste. Ich wurde vorher fast ausschließlich als Verbrecher besetzt, was auch gut so ist. Denn was im Roman die Charakterisierung ist, ist beim Film die Besetzung. Eine Geschichte funktioniert nicht, wenn ich einen zarten, sensiblen, empfindsamen Liebhaber spielen soll und diesen nach außen durch meine Aura nicht verkörpere.

Frage: Haben Sie sich mit dem Job des Profilers bei den Vorbereitungen für Ihre Rolle auseinandergesetzt?

Burkhard Driest: Nein, denn ich bin sowieso ein Fan von John Douglas, dem FBI-Ermittler und Profiler, der das Buch 'Die Seele des Mörders' schrieb. In Europa herrscht immer noch Sigmund Freud. Man stellt sich Ursachenketten in der Psyche vor und bindet sie an Faktoren in der Kindheit. In den USA begründet man aus dem sozialen Kontext, erkennt strukturelle Isomorphien oder Abweichungen. Wenn ein amerikanischer Profiler einen Tatort sieht, sucht er nach Ähnlichkeiten mit aufgeklärten Fällen. Er versucht, strukturelle Regelmäßigkeiten zu erkennen. So sind Serienkiller fast nie Schwarze, nie Frauen und haben in ihrer Kindheit immer Gewalt erlebt.

Frage: Wie bereiten Sie sich überhaupt auf Dreharbeiten vor?

Burkhard Driest: Beim Lernen fühle ich die Figur, beginne mich mit ihr zu identifizieren, begreife die Figur und Handlungszusammenhänge.

Frage: Sie sind selten im Fernsehen zu sehen!

Burkhard Driest: Das Jahr hat nur zwölf Monate, und durch Drehbücher oder Stücke, die ich schreibe, bin ich sehr stark eingespannt. In meinen 'Ferien' spiele ich. Bei 'Callboys' waren es wunderbare Ferien, weil das Team wunderbar war.

Frage: Wie muss ein Team sein?

Burkhard Driest: Fragen Sie besser: Wie muss ich sein? Entspannt, großzügig, liebenswürdig und über den Dingen stehend.

Frage: Schreiben Sie wieder an einem Theaterstück?

Burkhard Driest: Ich schreibe ein Musical für das Theater des Westens in Berlin, das im Februar 2000 Premiere haben soll. Es wird spektakulär sein, mehr kann ich noch nicht verraten. Ein Musical-Theater braucht ein volles Haus. Es ist diese Freiheit des Wettbewerbs, die ich genieße, und die mir Spaß macht. Mein ganzes Leben war Show-Business. Ich weiß, wie das funktioniert, und ich weiß auch, wie die gewöhnlichen Menschen fühlen. Also hasse ich es, von einem ängstlichen Redakteur geleitet zu werden. Das ist hier nicht der Fall. Hier arbeitet ich mit einem Künstler zusammen, mit Elmar Ottenthal.

Frage: In "Callboys" unterstützen Sie als alter Kollege eine junge Beamtin - glauben Sie, dass Erfahrung vor Fehlern schützt?

Burkhard Driest: Ohne Erfahrung kann man sich im Leben nicht orientieren. Das Leben ist ein dauernder Lernprozeß.

Frage: Wo leben Sie eigentlich?

Burkhard Driest: Mein Hauptwohnsitz ist Dublin, weil meine Kinder, die Amerikaner sind, mit einem englischen Schulsystem aufwachsen sollten.

Frage: Sind Sie ein guter Vater?

Burkhard Driest: Kinder habe ich immer geliebt. Kinder haben etwas Göttliches. Eine göttliche Energie, die durch sie hindurchstrahlt. Erwachsene verlieren diese Kraft im sorgenvollen Alltag. Meine Tochter und mein Sohn verbringen ein Viertel des Jahres bei mir. Die Kinder und jeder andere bestätigen, ich sei ein guter Vater. Mein Alter und meine Großzügigkeit begünstigen das.

Frage: Sie werden - tatsächlich - im April 1999 schon 60.

Burkhard Driest: Ich bin selbst erstaunt. Ich habe wirklich schon 60 Jahre der für mich bestimmten Zeit verbraucht. Im Jenseits soll's noch schöner sein, sagen einige. Ich aber bin hingerissen von den irdischen Gerüchen, Farben und Formen, der Lebendigkeit der Menschen, ihrer Musik, ihren Herzen und ihren Küssen.

Frage: Brauchen Sie Einsamkeit?

Burkhard Driest: Es gibt zwei Arten der Einsamkeit. Allein zu sein mit der Natur, der Stille, der Schönheit des Morgens und der Nacht. Diese Einsamkeit liebe und brauche ich. Und dann gibt es: No one is eager to talk to you. Niemand will etwas von dir wissen. Das ist die Einsamkeit, die ich fürchte, weil ich die Menschen liebe.

Frage: Gibt es einen Lebenstraum, den Sie noch unbedingt verwirklichen wollen?

Burkhard Driest: Ja, ich möchte das Leben wieder in eine Kette von Feiern verwandeln. Ich habe mich fünf Jahre hart bestraft und zuviel gearbeitet. Außerdem: Seit ich 18 bin, seit ich 'Der Wendekreis des Krebses' von Henry Miller gelesen habe, träume ich von dem EINEN Buch, das ich schreiben möchte. Wenn ich den Mut aufbringe, es zu erzählen, muss ich mich zwei bis drei Jahre zurückziehen. In ein schönes Haus mit Pool und großem Garten.

Dirk Jasper FilmLexikon
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