Interview mit Christiane Paul
Christiane Paul Christiane Paul, Darstellerin in dem Kino-Film Im Juli

Frage: Wann hat dich Fatih das erste mal auf die Rolle der "Juli" angesprochen?

Christiane Paul: Ich habe Fatih auf der Abschlußparty von Kurz und Schmerzlos kennengelernt. Das war '97. In Saarbrücken, 1998, auf dem Max-Ophüls-Festival haben wir uns erneut gesehen, da hat er mir schon von der Idee Im Juli erzählt. Im Sommer 1998 wurde es dann konkreter und dann war es bald klar, dass ich die Juli spielen würde. Es war klasse, so früh involviert zu sein, denn so konnte ich die Figur von Juli mitentwickeln. Die Rolle sollte anfangs viel kleiner sein und Juli früher aus dem Verlauf aussteigen. Dann hätte aber keiner kapiert, warum die beiden zusammenkommen, vor allem, warum Daniel sich am Ende doch in sie verliebt. Juli mag auf den ersten Blick vielleicht wie jemand wirken, der in den Tag hinein lebt, aber sie hat sehr wohl konkrete Vorstellungen von ihrem Leben. Sie hat Wünsche und Träume, lebt aber alles mit einer gewissen Leichtigkeit. Sie verliert dabei nie die Freude am Leben aus den Augen. Die Sache mit Daniel ist ihr sehr ernst. Es geht ihr nicht darum, einfach nur Beute zu machen. Sie ist richtig in ihn verliebt und sie glaubt, etwas in ihm zu sehen, was er bei sich selbst noch nicht entdeckt hat.

Frage: Gibt es Szenen, die dir sofort einfallen, wenn du an die Dreharbeiten zurückdenkst?

Christiane Paul: Besonders komisch war die Szene, die nachher auf dem Schiff spielt, wo sich Juli und Daniel Geschichten erzählen. Das ist ja vor einer Blue Screen gefilmt worden und wir lagen auf so dünnen Holzbrettern im Studio, die an Seilen aufgehängt waren. Es war wahnsinnig unbequem, aber wir musssten völlig entspannt sein und romantische Stimmung aufkommen lassen.

Als anstrengend empfand ich den Moment, als wir in nassen Klamotten über die Insel laufen musssten. Es war sehr warm und unsere Kleider trockneten viel zu schnell, so dass man uns immerwieder Wasser drübergeschüttet hat. Das war ziemlich unangenehm wegen der Gräser und Insekten, alles klebte.

Frage: Wie bereitest du dich auf einen neuen Film vor? Verinnerlichst du schon lange vor Drehbeginn die Rolle, die du verkörpern wirst?

Christiane Paul: Ich kann gar nicht genau beschreiben, wie ich mich auf eine bestimmte Figur vorbereite. Ich beschäftige mich schon mit ihr, investiere Zeit ..., aber eigentlich spiele ich aus dem Bauch heraus, gehe mit der Geschichte mit, die mein Charakter erlebt. Ich werde kein anderer Mensch und klinke mich auch nicht aus dem Leben aus.

Was die Regie betrifft, so schaue ich mir schon Sachen an, die der betreffende Regisseur vorhergemacht hat. In diesem Fall kannte ich Kurz und Schmerzlos bereits und habe mir daraufhin noch den Kurzfilm "Getürkt" von Fatih angesehen, einfach, um seine Arbeit zu kennen. Außerdem habe ich ihn in Hamburg besucht, wir haben viel Zeit zusammen verbracht. Mich hat interessiert, wie er drauf ist, was er so macht, wo er herkommt. Wir haben viele Filme zusammen geguckt, darüber diskutiert und dabei auch überlegt, wie wir Juli anlegen.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Fatih am Set?

Christiane Paul: Es war unbeschreiblich schön, Fatih beim Arbeiten zu beobachten, mitzuerleben, wie er arbeitet, zu sehen, wie seine Augen anfangen zu leuchten, wenn er eine Idee hat. Ich bin froh, ein Teil davon gewesen zu sein.

Frage: Der Film hat euch den ganzen Balkan runtergeführt. Wo hat es dir am besten gefallen?

Christiane Paul: Gefreut habe ich mich besonders auf Budapest, weil ich die Stadt von früher noch kenne. Ich war dort oft mit meinen Eltern in den Ferien. Doch ich bin ziemlich enttäuscht gewesen. Budapest hat in letzten Jahren total seinen Charme verloren. Es sieht dort fast überall aus wie im Westen. Es hat ein richtiger ausverkauf stattgefunden. Ganz begeistert war ich dagegen von Bukarest. Die Stadt ist so jung und so lebendig. Die Menschen in Rumänien überhaupt waren unglaublich freundlich und offen.

Frage: Warum verliebt man sich so häufig in jemanden, der es einem offensichtlich schwer macht?

Christiane Paul: Es ist eher der Grund, dass man in dem anderen etwas sieht oder glaube gefunden zu haben, was derjenige selber vielleicht überhaupt nicht so empfindet. Wie bei Juli und Daniel. Sie hat ja auch das Gefühl, dass da etwas tief drinnen ist, das raus will.

Frage: Welche Reise steht bei dir als nächstes an?

Christiane Paul: Ich verreise eigentlich garnicht so gerne. Ich bin so viel im Beruf unterwegs, dass ich echt gerne zu Hause bin. In Berlin, in meiner Wohnung oder ich fahre an die Ostsee, leg' mich an den Strand mit einem guten Buch. Klingt nicht so aufregend, was?

Dirk Jasper FilmLexikon
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