Interview mit Christiane Paul
"Mut zur Liebe, ja, ohne das geht es wohl nicht."
Christiane Paul in 'Himmelreich auf Erden' Christiane Paul spielt die Hauptrolle in Kinofilm "Himmelreich auf Erden", der auf dem Filmfest in München (29. Juni bis 6. Juli 2002) seine Weltpremiere hat.

Frage: Die Hauptfigur Julie wandelt auf dem Weg zu sich selbst zwischen zwei Welten. Was für einen Einfluss haben die unterschiedlichen Geschichten dieser Menschen auf ihre eigene Entwicklung?

Christiane Paul: Julie ist auf der Suche nach sich selbst und steht dabei zwischen ihrer Verwirklichung, ihrem Beruf und ihrer Partnerschaft und ihren Vorstellungen, Träumen und Sehnsüchten. Roland bedeutet auf eine Art Sicherheit, und seine Zielstrebigkeit und Sachlichkeit gibt ihrem Leben Festigkeit. Allein, ihr Wesen, ihre Sehnsüchte erfasst er nicht. Sie hat Angst, nicht zu genügen, ihn zu verlieren, sich der Liebe hinzugeben. Deshalb der andere Mann, Max. Baba verliebt sich in Julie und nähert sich ihr banz unmittelbar, direkt. Er ist in der Lage, trotz oder gerade wegen seiner geistigen Behinderung einen Teil der Ängste zu erkennen, denen Julie sich nicht stellt, und konfrontiert sie damit. Julie muss erkennen, dass sie vor sich selbst nicht weglaufen kann, wenn sie bereit ist, das Risiko eines Verlustes oder einer Verletzung zu tragen.

Frage: Julie trifft bei ihrer Arbeit auf eine Dorfgemeinschaft, die ihre eigene, etwas verschrobene Sicht auf die Dinge hat. Ändert sich die Sicht auf Menschen, wenn man solche Rollen spielt?

Christiane Paul: Die Sicht auf Menschen ändert sich nicht einfach bei dem Spielen von Rollen. Sicher lernt man mit jeder Rolle andere Lebensbereiche kennen - auch war ich noch nie so lange in Niederbayern. Vielmehr ist es, denke ich, das Leben selbst. Jede Erfahrung, die man im Umgang mit Menschen sammelt, also der Beruf, den man z. B. mal ausgeübt hat, Reisen, die man macht, oder Situationen des eigenen Lebens verändern das Sichtbild, bereichern die eigene Persönlichkeit und helfen sicher, Rollen zu erarbeiten. Julie steht in ihrem Berufsleben am Anfang. Ihr fehlt die notwendige Erfahrung und Sicherheit, um mit dem Misstrauen, den Vorurteilen von Familienangehörigen, überhaupt mit einer solchen Situation souverän umzugehen. Das ist etwas, das ich auch kenne. Und das ist wirklich oft nicht leicht. Aber sicher geht es jedem Berufsanfänger so.

Frage: Der Film zeichnet sich unter anderem durch eine große Eigenwilligkeit der Erzählung aus. Was ist speziell anders oder sogar besonders an einem Dreh mit Torsten C. Fischer?

Christiane Paul: Die spezielle Erzählweise oder Form des Films kann man aus der Perspektive des Schauspielers, der also während des Schaffensprozesses vor der Kamera steht, nicht wirklich beurteilen. Ich glaube auch nicht, dass man das so sehr in der Interaktion zwischen Regie und Schauspiel spürt.

Ich glaube mehr, dass es die Atmosphäre ist, die ein Regisseur für die Schauspieler schafft, das Vertrauen, das er ihnen entgegen bringt, die Freiheit und die intensive Auseinandersetzung und die Liebe zu den Figuren, die wichtig für die Arbeit des Schauspielers ist. Und ich denke, dass das die Arbeit mit Torsten C. Fischer ausmacht. Ich habe mich insgesamt bei diesem Dreh bei Regie und Team sehr gut aufgehoben gefühlt. Und das war bei einer Geschichte wie dieser sehr sehr wichtig.

Frage: Ein Hauptthema des Films ist Liebe und Mut zur Liebe, Mut zum Risiko des Verlustes. Wie denkt Christiane Paul über dieses Thema?

Christiane Paul: Mut zur Liebe, ja, ohne das geht es wohl nicht. Und das beinhaltet natürlich auch zu akzeptieren, dass man verlieren kann, was einem wertvoll ist, dass man verletzt wird, wenn man sich einem anderen Menschen öffnet. Hier lässt sich immer gut "Der kleine Prinz" zitieren. Ich persönlich versuche, mich den Herausforderungen des Lebens und auch der Liebe zu stellen. Da ich ein sehr emotionaler und auch beeinflussbarer, manchmal geradezu naiver Mensch vin, kann das manchmal alles ganz schön kompliziert werden. Ich glaube, das Wichtigste bei allem ist, dass man auf sein Herz hört und seinem Gefühl vertraut. Und diesen Weg gehe ich.

Dirk Jasper FilmLexikon
© teamWorx © 1994 - 2010 Dirk Jasper