Interview mit Christoph M. Ohrt
"Wenn Felix eine Frau wäre, dann wäre er gern wie Sandra Starck"
Christoph M. Ohrt Christoph M. Ohrt ist der Hauptdarsteller der Sat.1-TV-Serie 'Edel & Starck'.

Frage: Brauchen Sie zukünftig noch juristischen Beistand?

Christoph M. Ohrt: Ich habe großen Respekt vor Anwälten, aber die Juristerei ist nicht meine Richtung. Ich finde es schwierig, überhaupt die Texte auswendig zu lernen. Dieses Juristendeutsch - das ist wirklich nicht mein Ding. Klar, man lernt schon ein bisschen was. Aber ansonsten - ich spiele so vor mich hin und vertraue denen, die es geschrieben haben.

Frage: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Drehbücher das erste Mal gelesen haben?

Christoph M. Ohrt: Ich habe gedacht: Das ist ja mal was ganz anderes! Da sind so viele verschiedene Ebenen, die man sonst in Filmen gar nicht spielen kann. Das letzte Jahr war für mich äußerst positiv. Ich habe sieben Filme nacheinander gedreht, habe dieses Jahr noch einen Kinofilm gemacht. Dann kam die Anfrage, ob ich nicht mal wieder Lust hätte auf eine Serie. Ich bin dann zum Casting und habe dort Rebecca getroffen. Dann kamen noch mehr von den Drehbüchern. Als die Anfrage kam, ob ich das nicht machen will, habe ich nur fünf Minuten überlegt.

Frage: Es hat den Anschein, als würden Ihnen die Rolle passen wie ein Maßanzug ...

Christoph M. Ohrt: Natürlich bin ich aus einem ganz bestimmten Grund für diese Rolle besetzt worden. Das hat sicher auch was mit komödiantischen Aspekten zu tun - sich selbst nicht so irrsinnig ernst zu nehmen und die Situationen nicht mit verbissenem Ehrgeiz darzustellen, sondern auch mit einem Zwinkern in den Augen. Es ist schön für mich, dass ich hier etwas spielen kann, was ich seit langem nicht mehr machen konnte. Auf der anderen Seite drehen wir Folgen, in denen es hochdramatisch zugeht. Die Bandbreite, die ich hier habe, ist bemerkenswert. Es ist wirklich alles drin. Über 13 Folgen hat man natürlich auch die Möglichkeit, so eine Figur vielschichtig darzustellen.

Frage: Was ist Felix Edel für ein Typ Mann?

Christoph M. Ohrt: Er ist leicht einzuschüchtern. Aber wenn es ums Ganze geht, wenn er von einer Sache überzeugt ist, dann kann er auch mal zulangen - der steht schon seinen Mann. Natürlich auch bei bestimmten Situationen vor Gericht - bei Plädoyers. Da kann ihm keiner was vormachen.

Frage: Wie ist das Verhältnis von Felix zu Sandra?

Christoph M. Ohrt: Die klassische Situation: Zwei, die sich mögen, die vielleicht auch ein Pärchen werden könnten, kommen sich durch ihre Verbohrtheit, ihren Tunnelblick, nicht näher. Sie stehen immer vor dem, der ihr Leben einfacher machen würde. In gewisser Weise haben sich die beiden gefunden, benehmen sich wie ein altes Ehepaar. Sie sind ja eigentlich schon 30 Jahre verheiratet - so kommt es zumindest oft rüber. Sie kennen ihre Macken gegenseitig. Das macht Spaß, wie die beiden in dieser völlig verzickten Art miteinandere umgehen. Die Situation lässt es natürlich nicht zu, dass die zwei zusammen kommen. Dazu kommt auch noch das Konkurrenzdenken. Es ist immer eine angespitzte Situation zwischen den beiden. Konstant ein Unterfeuern einer Situation, die nicht ausgelebt wird.

Frage: Was fasziniert die beiden aneinander?

Christoph M. Ohrt: Ihre Professionalität, ihre Art, mit Menschen umzugehen, ihr Humor. Ich würde mal sagen, wenn Felix Edel eine Frau wäre, dann wäre er gern wie Sandra Starck.

Frage: Wie stehen Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt zueinander?

Christoph M. Ohrt: Super! Das hat man schon beim Casting gemerkt. Gerade für eine Serie mit mehreren Folgen ist das natürlich Voraussetzung, dass es funktioniert. Das ist einfach ein großes Plus, dass man sich das nicht mehr erarbeiten muss. Dass man weiß, auf den anderen ist völlig Verlass, da gibt es keine Textprobleme, da gibt es kein Generve, kein Geschrei - ein absolut professionelles Zusammenarbeiten mit Lachen, Tränen und allem, was dazu gehört.

Frage: Wie ist das Verhältnis der beiden zum anderen Geschlecht - mal abgesehen voneinander?

Christoph M. Ohrt: Ich würde es so formulieren: Er ist kein Typ für One-Night-Stands. Ich sehe ihn eher als jemanden, der sich sagt, ich warte auf die Richtige und habe mit der fünf Kinder. Er ist keiner für halbe Sachen. Aber, wie gesagt: Eigentlich ist die Partnerin bei ihm ja schon vorhanden, aber er hat es noch gar nicht richtig mitbekommen. Genauso wie sie. Die laufen beide immer nebeneinander her, schnallen nicht, dass das Personen sind, die das Leben einfach schöner machen würden.

Frage: Man hat den Eindruck, dass es Ihnen aufrichtig Spaß macht ...

Christoph M. Ohrt: Ja, das hat auch viel mit der Besetzung zu tun, mit der Regie, mit Rebecca. Sie hat das Talent, die Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit darzustellen - obwohl das natürlich ein hartes Stück Arbeit ist. Das hilft mit. Natürlich braucht so was eine intensive Vorbereitung - aber dann, wenn es läuft, dieses Leichte - das macht wirklich Freude beim Spielen.

Frage: Die Serie ist bis in die kleinste Nebenrolle sehr gut besetzt ...

Christoph M. Ohrt: Allerdings. Hanns Zischler, Udo Thomer, Doris Kunstmann, Reiner Schöne - alles Leute, vor denen ich größten Respekt habe, mit denen ich praktisch aufgewachsen bin. Die meisten kennt man ja seit 20 Jahren oder länger. Auf einmal hat man die Möglichkeit, mit denen ein paar Worte zu wechseln. Das ist schon klasse.

Frage: Macht es für Sie einen Unterschied, sich für eine Serie oder einen 90-Minüter zu entscheiden?

Christoph M. Ohrt: Ich habe schon ein paar gute Serien gemacht. Im Vergleich zu einem Movie gibt es einen Unterschied, weil man auf einmal 130 Drehtage vor sich hat. Ich muss an 130 Drehtagen funktionieren wie sonst an 20 oder 30. Ich habe fast jeden Tag eine Szene. Das halbe Jahr merke ich jetzt langsam.

Frage: Worin liegt der Reiz von 'Edel & Starck'?

Christoph M. Ohrt: Ich könnte mir vorstellen, dass die Zuschauer den Wunsch haben, etwas zu sehen, was qualitativ hochwertig ist. Es fängt bei den Drehbüchern an, geht über Kamera, Regie, Darsteller. Es sind gute Geschichten, die in 45 Minuten stringent erzählt werden - da geht es einfach ab. Ohne Gewalt, ohne Explosionen, ohne Blut. All das, was den Zuschauern doch stark in den letzten Jahren um die Ohren gehauen wurde. Ich glaube, es gibt viele Figuren, in denen sich jeder ein bisschen wieder erkennen kann. Es gibt Situationen, die jeder aus dem Alltag kennt. Wir stellen das in einer Weise dar, die wirklich äußerst unterhaltsam ist. Das Konzept ist einfach sehr gut. Ich denke nicht, dass man das an dieser klassischen Rechtsanwalts-Geschichte aufhängen sollte - das ist mehr der äußere Rahmen.

Frage: Was machen Sie, wenn die Dreharbeiten beendet sind?

Christoph M. Ohrt: Erst Mal Ferien. Wir drehen noch bis Ende Januar 2002. Was danach kommt - mal sehen ...

• Dirk Jasper FilmstarLexikon
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Das Interview führte Christiane Beeck. © 2002 Sat.1 © 1994 - 2010 Dirk Jasper