Interview mit Cornelia Froboess

"Da darf man nicht mogeln!"

Cornelia Froboess spielt in dem Kinderfilm Villa Henriette die Rolle der Großmutter. Cornelia Froboess erzählt, warum jeder Kinderfilm eine ganz besondere Aufgabe ist.

Frage: Was können Sie mir über ihre Figur erzählen?

Cornelia Froboess: Die Großmutter ist eine richtige Type. Ich nehme mal an, dass ihr Mann relativ früh gestorben ist. Ich denke, dass diese Frau immer sehr an kulturellen Dingen interessiert war und sich nie mit der Rolle als Hausfrau und Mutter zufrieden geben wollte, sondern immer versucht hat, was Eigenes hervorzubringen. So fängt sie an, ein bisschen zu fantasieren, diverse Erfindungen geistern in ihrem Kopf herum, das ist so ihr kleiner Spleen.

Ihre Kinder und ihre Enkelkinder leben bei ihr in einem alten Haus aus der Bauhaus-Zeit, aber irgendwo hat sie doch leicht den Bezug zur Realität verloren, zu dem, was in der Welt geschieht. Daher ist sie bald auch ohne Geld, lässt sich von merkwürdigen Menschen zu großen Ausgaben überreden, sie hat Schulden bei der Bank, es droht die Gefahr, dass das Haus versteigert wird.

Sie liest aber keine Kontoauszüge, das interessiert sie überhaupt nicht. Sie ist eine Träumerin, von Grund auf positiv gestimmt. Es wird schon alles gut gehen, denkt sie, dabei geht gar nix gut. Das Haus soll versteigert werden, die Kinder haben aber auch kein Geld. Und da gibt es dieses wahnsinnig vife und kluge Enkelkind von ihr, die eben die Sache rettet. Diese Rolle ist sehr schön, weil sie Gottseidank sehr ulkig ist.

Frage: Macht es für Sie als Schauspielerin einen Unterschied, zu wissen, dass sich der Film an ein jugendliches Publikum richten wird?

Cornelia Froboess: Überhaupt nicht. Ich würde diese Frau nicht eine Sekunde anders spielen, wenn ich wüsste, das ist ein Erwachsenenfilm. Gerade mit Kindern muss man sehr aufrichtig und wahrhaftig umgehen. Da darf man nicht mogeln. Dann schon eher noch bei Erwachsenen.

Frage: Was glauben Sie, dass dieser Film den Kindern gibt?

Cornelia Froboess: Vielleicht eine kleine Utopie. Das man sich von Problemen nicht sofort entmutigen lassen soll, sondern vielleicht doch erst einmal seine Fantasie benutzen muss, um eine bessere Welt zu schaffen. Auch wie geht man mit seinen Großeltern um. Maries Eltern tun die Großmutter doch eher ab, aber Marie denkt sich: Die spinnt zwar manchmal, aber da steckt doch auch was dahinter.

Cornelia Froboess
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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