Interview mit Daniel Brühl

"Mir war immer schon klar, dass ich Schauspieler werden würde."

Daniel Brühl ist einer der Hauptdarsteller in dem deutschen Road-Movie Vaya Con Dios.

Frage: Arbo ist, was das Leben betrifft, völlig unerfahren und meint, bisher nur die falschen Dinge gelernt zu haben. Was konnte falsch sein an seinem Klosterleben?

Daniel Brühl: Zu dem Zeitpunkt weiß er das selbst noch nicht so genau. Aber mit Chiara ahnt er, dass das Leben noch etwas anderes als Spiritualität bieten muss. Niemand im Kloster konnte ihm vermitteln, was das ist: Leben, Abenteuer, Frauen. Er wird es erfahren. Und dann wird er auch begreifen, dass ihm für das neue das alte Leben wertvolle Erfahrungen bringt.

Frage: Was hat der Mönch uns voraus? Oder anders gefragt: Was bleibt für dich persönlich wichtig aus deiner "Begegnung" mit Arbo?

Daniel Brühl: Normalerweise legt man ja seine Erfahrungen in eine Rolle hinein. Hier war es genau umgekehrt. Um Arbo zu verstehen und an seine Naivität dranzukommen, musste ich alles, was ich erlebt hatte, erst mal komplett beiseite lassen. Naivität im besten Sinne von Offenheit, Klarheit und Ausgeglichenheit.

Mein Naturell ist eher nervös, aufgekratzt und auf Abenteuer aus. Aber mich hat am Mönchtum immer schon diese Schönheit fasziniert, die in der Ruhe, auch in der Disziplin liegt. In einem sind sich Arbo und ich allerdings sehr ähnlich - auch in unseren unterschiedlichen "Berufen": in der Neugier auf alles Menschliche.

Frage: Am Ende gibt Chiara ihm ein Zeichen, dass sie auf ihn wartet, aber sie lässt ihm die Wahl, wartet nicht gleich vor dem Tor auf ihn. Was wird er mit seinem neuen Leben außerhalb der Klostermauern nun beginnen? Wird er Chiara je wiedersehen?

Daniel Brühl: Mag sein. Aber er ist - nach allem was er erlebt hat - offen und frei für alles. Kann also auch sein, dass er sich mal richtig austobt. Zur Freiheit gehören ja Gelegenheiten, Fehler machen zu dürfen. Und vielleicht ist Chiara dann auf einmal nicht mehr als eine schöne Erinnerung. Diese Erfahrung hat auch fast jeder mit der ersten Liebe gemacht, die gehört dazu. Und vielleicht ist er dann sogar so frei, wieder ins Kloster zurückzukehren.

Frage: Wie kann er die Erfahrungen aus dem Kloster in seinem neuen Leben nutzen?

Daniel Brühl: Arbo hat gelernt, Falschheit von Wahrheit zu unterscheiden. Er kann völlig offen auf Menschen zugehen und ihnen zuhören. Mit seiner Offenheit wird er viel schneller und genauer herausfinden, was gut, wichtig und wesentlich für sein Leben ist.

Frage: Du hast schon mit 15 Jahren deine erste Rolle (in "Svens Geheimnis") gespielt. Wusstest du schon immer, dass der Schauspielerberuf das "Wichtigste und Wesentlichste" für dich sein würde?

Daniel Brühl: Ich hab schon als kleiner Junge immer gerne mal eine Riesen-Show abgeliefert, später hab ich dann synchronisiert und auch Theater gespielt. Mir war immer schon klar, dass ich Schauspieler werden würde und das war auch für meine Eltern keine Überraschung. Naja, es hatte den Vorteil, dass ich mich nach der Schule und dem Zivildienst nicht so rumhängen ließ wie viele meiner Freunde, die einfach nicht wussten, was sie machen sollten.

Frage: Du warst auf keiner Schauspielschule?

Daniel Brühl: Nein, ich hab mir das angeschaut und diese Art der Schule hat mir persönlich nicht so zugesagt. Ich bin Autodidakt, weil ich daran glaube, dass für einen Schauspieler das Leben die beste Schule ist. Wie für Arbo auch!

Daniel Brühl
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Archiv © 1994 - 2010 Dirk Jasper