Interview mit Derek Jacobi
Frage: Alle die in diesem Film mitwirken haben eine kleine Anekdote zu erzählen. Haben Sie auch eine?

Derek Jacobi: Gut; Jonas hat mir gesagt, er würde mich gerne in seinem neuen Projekt dabeihaben und er hätte auch einen besonderen Part für mich. Ich las es und identifizierte mich eigentlich viel mehr mit einer ganz anderen Figur. Dann habe ich durch meinen Agenten nachfragen lassen, ob ich nicht die andere Rolle übernehmen könnte. Zum Glück sagte er ja.

Frage: Was fanden Sie denn so besonders an der Figur des Lavelle?

Derek Jacobi: Seine Reise im Verlauf der Geschichte fand ich ganz interessant und außerdem bekam ich die Gelegenheit, mich in der letzten Szene vom Dach des Klosters zu stürzen, was ja auch nicht so schlecht ist.

Frage: Glauben Sie, dass es ein religiöser Film ist?

Derek Jacobi: Nein, nicht in dem Sinne, eine Religion oder einen Glauben zu fördern. Das Beste, glaube ich, ist die äußerst interessante Hypothese, nach der die Wiederauferstehung gar nicht stattgefunden habe. Und wenn es nun die Auferstehung gar nicht gab, wo bleibt dann das Christentum? Eine ziemlich faszinierende und kontroverse Idee, aber ich glaube nicht, dass die Waage sich in diesem Fall zu der einen oder anderen Seite neigen wird. Diejenigen, die den Glauben haben, werden sagen, es handele sich um einen Irrtum, weil viel zu viele Beweise fehlten. Man muss schon einen starken Glauben haben, um tatsächlich anzunehmen, ein Mensch sei auferstanden und gen Himmel aufgefahren.

Frage: Es scheint, man hat den Film zu einem ziemlich günstigen Zeitpunkt gemacht: dem Ende des christlichen Jahrtausends.

Derek Jacobi: Ich glaube, ja. Gerade jetzt beschäftigt man sich mit diesen Themen. Und das erscheint mir korrekt, weil man annimmt, dass das Millennium eine essenziell religiöse Feier ist.

Frage: Sie haben ein paar Szenen mit Antonio Banderas geteilt.

Derek Jacobi: Ja, das war klasse. Er ist ein echter Schauspieler und auch ein Star, aber er hat nicht diese typischen Starallüren mit diesem "Hofstaatgehabe" und diesem ganzen "du kannst mir nicht in die Augen schauen, weil ich ein Star bin" und diesem ganzen Kram. Er weiß sehr viel mehr als ich über das Kino und ist ein großzügiger Kollege, man kann gut mit ihm zusammenarbeiten. Er versucht immer zu helfen. Er ist liebenswürdig, lustig und sehr intelligent. Es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten.

Frage: Und wie war es mit Olivia Williams?

Derek Jacobi: Noch eine authentische Schauspielerin. Diesen Film gemacht zu haben, hieß, mit vielen wirklichen Schauspielern gesegnet zu sein.

Frage: Erzählen Sie mir was zu Ihrer Erfahrung mit Jonas.

Derek Jacobi: Jonas ist ein Mann mit ziemlichem Tiefgang. Er hat Welterfahrung. Er war schon in Kriegen und vielen anderen Dingen verwickelt. Er weiß viel und lässt sich nicht so leicht in die Karten schauen. Wenn wir uns unterhalten haben, hatte ich immer das Gefühl, dass er viel mehr Ahnung hat als ich. Er hat einen großen Intellekt und er hat mir unglaublich viel geholfen. Außerdem ist er sehr direkt. Er verliert keine Zeit und steuert immer klar auf sein Ziel zu.

Frage: Welche Botschaft hat der Film für Sie persönlich?

Derek Jacobi: Ich würde gerne auf das von vorhin schon Gesagte zurückkommen, das beim Happy Ending (mit dem Sprung vom Dach ...): die Botschaft für mich heißt, "besser, du zählst nicht auf ihn".

Dirk Jasper FilmLexikon
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