Eric Roberts
* 1958 • Schauspieler • Biographie • Oscars • Filmografie •
Eric Roberts Biographie Schauspielkollege James Woods gerät ins Schwärmen, wenn er über Eric Roberts spricht: Er ist ein wunderbarer Darsteller. Er verkörpert eine Art überbordenden Narzißmus. Woods muss es wissen. Schließlich ist er auf die gleichen Rollen abonniert wie Roberts - auf die zwielichtigen Schurken, die charmanten Machos und teuflischen Verführer. Mit dem großen Unterschied, dass Woods, privat ganz kosmopolitischer Connaisseur, die Untiefen seiner Seele nur auf der Leinwand auslotet, während Roberts Leben immer wieder Schlagzeilen provoziert, seien es Drogenkonsum, Prügeleien, Verhaftungen oder der Prozeß ums Sorgerecht für Töchterchen Emma.

Eric Roberts, der Bad Boy von Hollywood, steht sich und der ganz großen Karriere immer wieder selbst im Weg. Eine immense Verschwendung von dramatischem Potential, denn nicht nur Woods weiß, welch formidabler Mime Roberts ist. Mit seinem markanten Gesicht und den frostblauen Augen, mit seiner beeindruckenden Physiognomie und einer schier atemberaubenden Präsenz spielt Eric Roberts beinahe jeden seiner Kollegen mühelos an die Wand. Wenn er die Szene betritt, gehen die andern in Deckung. Im metaphorischen wie im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit seinen Leinwandhelden ist selten gut Kirschen essen. Daher zögerte er zunächst auch, als Jonathan Kaplan ihm die Rolle des behinderten Armee-Veteranen Perry Smith in der Neu-Daption von Truman Capotes Romanklassiker Kaltblütig anbot. Denn während sein Filmpartner Anthony Edwards freudig die Chance ergriff, sein Image als freundlicher ER - Emergency Room -Doktor zu konterkarieren, hat Roberts schon wahrlich genug Schurken gespielt und fürchtete erneutes Type Casting. Dennoch sagte er schließlich zu, weil Capote mit Perry eine so wunderbar komplexe Figur geschaffen hat.

Den schlagzeilenträchtigen Affären zum Trotz, besitzt Roberts eine Menge Fans (u. a. Til Schweiger), genießt Ansehen bei Regisseuren und Renommee bei Kritikern. Am Anfang seiner Karriere sah es sogar so aus, als könne er sich zu einem Kino-Superstar vom Kaliber seiner Schwester Julia Roberts entwickeln (der er das Entree in Hollywood verschaffte und mit der er bislang übrigens nur ein einziges Mal gemeinsam vor der Kamera stand, 1986 für Stirb für dein Land). Gleich mit seinem Hollywood-Einstand König der Zigeuner (1978) schaffte Eric Roberts auf Anhieb eine Golden-Globe-Nominierung und beeindruckte Anfang der 80er Jahre in Kinoklassikern wie Der Pate von Greenwich Village und Runaway Train.

Später folgten Larry Cohens Trash-Hit The Ambulance, die Phil-Janou-Thriller Eiskalte Leidenschaft und Heaven's Prisoners und der Blockbuster Der Spezialist, in dem Roberts als Sylvester Stallones Widersacher brillierte. Aufsehen erregte das Kraftpaket mit dem Macho-Image insbesondere mit der sensiblen Darstellung eines Homosexuellen in Randal Kleisers It's My Party. Inspiration holte sich Roberts, der den "femininen" Part in einer schwulen Beziehung spielt, dabei bei seiner Frau. Auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, fühlt er sich heimisch: Roberts spielte in mehr als 100 Bühnenrollen und gewann für seine Leistung am Broadway in Burn This den begehrten Theatre World Award.

Seine erste Fernsehrolle absolvierte Eric Roberts bereits mit fünf Jahren. In dem Kinderfilm The Little Pioneers, den sein Vater Walter für einen lokalen TV-Sender inszeniert hatte, mimte er einen behinderten kleinen Jungen. Das Ganze war damals mehr eine Therapie-Maßnahme als Ausdruck künstlerischer Ambitionen. Denn als Kind stotterte Eric so sehr, dass er von Mitschülern gehänselt wurde. Sein Vater aber entdeckte, dass er seinen Sprachfehler verlor, sobald er etwas Auswendiggelerntes wiedergab. Und so begannen die beiden, Rollen einzuüben, von Shakespeare bis hin zu den modernen Klassikern. Schon damals offenbarte sich Erics Talent für Akzente. Ich habe meine Oscar-Dankesrede fertig, seit ich in der vierten Klasse war. Aber eigentlich besteht sie nur aus einem Satz: Ich danke meinem Vater, dass er mir das beigebracht hat, womit ich heute mein Geld verdiene.

Nach der Scheidung der Eltern lebte Eric Roberts bei seinem Vater, während Mutter Betty Lou mit seinen Schwestern Julia Roberts und Lisa Roberts nach Georgia zog. Eric absolvierte seine Schauspielausbildung in London an der Royal Academy of Dramatic Arts, zog dann nach New York, wo er sich mangels Kapital zunächst beim YMCA einquartierte, spielte für acht Monate in der Soap Opera Another World und schlug sich am Off-Brodway durch. Dafür, dass er gleich in seiner ersten Kinorolle, König der Zigeuner an der Seite von Susan Sarandon so begeisterte, macht er eine traumatische persönliche Erfahrung verantwortlich: Sein Vater war unerwartet kurz vor Weihnachten 1977 gestorben, und Roberts legte seinen ganzen Schmerz, seine Verzweiflung und seine Einsamkeit in die Rolle.

Den vorprogrammierten Aufstieg zu Starruhm unterbrach eine weitere persönliche Tragödie: Im Juni 1981 schleuderte sein Jeep frontal gegen einen Baum. Drei Tage lag Eric Roberts im Koma, bis er mit einem Körper voller zerbrochener Knochen und einem zerschundenen Gesicht aus dem Tiefschlaf erwachte. Mit eiserner Disziplin schaffte er ein Comeback, überzeugte in Der Pate von Greenwich Village und Runaway Train - und rutschte erneut ab. 1987 wurde er wegen Drogenbesitz und Widerstandes gegen die Staatsgewalt festgenommen. In die Trennung von Freundin Kelly und den Streit um das Sorgerecht der gemeinsamen Tochter Emma mischte sich Schwester Julia Roberts, die der Ex-Freundin ihres Bruders einen prominenten Anwalt spendierte. 1995 wurde er erneut festgenommen, weil er angeblich seine Frau Eliza geschlagen haben soll - ein Missverständnis, wie beide dem Staatsanwalt beteuerten. Doch der Ruf war einmal mehr ramponiert, der Versuch, sein Schläger- und Junkie-Image endlich loszuwerden, erneut gescheitert.

Doch Eric Roberts glaubt an sich und seine Kunst. Was er braucht, konstatiert er mit kühlem Kalkül, ist ein Comeback à la John Travolta. Ob's ihm einer seiner nächsten Filme beschert? Eric Roberts agierte zuletzt neben Christopher Walken in der Fortsetzung von God's Army, The Prophecy 2, mimte den Eurymachus in der TV-Mini-Serie The Odyssey, spielte in den Serie C-16: FBI und neben Keenan Ivory Wayans in David Hogans neuen Film Most Wanted. Kritik und Publikum zeigten sich auch von seiner Rolle in Kaltblütig begeistert.


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