Onlinekonferenz mit Ernst Meincke
"Man versucht als Synchronsprecher so gut wie möglich, dem Original nahezukommen."
Ernst Meincke Im "Deutschen Film Forum" ("einem Vorgänger des Dirk Jasper FilmstarLexikon") beantwortete Ernst Meincke, die Synchronstimme von Patrick Stewart, im Jahr 1997 im Rahmen einer Onlinekonferenz viele Fragen der Fans.

Dirk Jasper, Moderator: Schön, dass sie heute kommen konnten, wir freuen uns auf die interessanten Gespräche mit Ihnen.

Ernst Meincke: Vielen Dank, auch ich freue mich hier zu sein, es ist auch für mich eine ganz neue Erfahrung.

Frage: Glauben Sie an den Geist des Star-Trek?

Ernst Meincke: (überlegt) Ja. Zumindest, was das Anliegen der Serie betrifft.

Frage: Welche Stimme ist denn jetzt da? Sat.1 hat ja irgendwann die Stimmen gewechselt!

Ernst Meincke: Die zweite, ich habe die Rolle von Rolf Schult nach der ca. 80. Folge übernommen.

Frage: Patrick Stewart spielt wahrscheinlich auch in Batman 4 als Mr. Freeze mit, werden Sie ihn synchronisieren?

Ernst Meincke: Das kommt darauf an welches Studio mit der Synchronisation beauftragt wird und ob der Auftraggeber Wert auf meine Stimme legt. In der Regel ist man bemüht immer dieselbe Stimme für einen Schauspieler zu benutzen.

Frage: Was machen Sie außer Synchronisation noch so? Theater, Film?

Ernst Meincke: Ich mache Filmarbeiten, aber in den letzten 5 Jahre weniger. Ich komme als Schauspieler aus der fruheren DDR und bin in der Bundesrepublik nicht so bekannt. Im DDR-Fernsehen hatte ich einige Hauptrollen.

Frage: Haben sie auch 'ne Glatze?

Ernst Meincke: Wenn Du mein Foto aufrufst, wirst du sie leuchten sehen.

Frage: Sind Sie enttäuscht, das Sie nicht den Star Trek-Film syncronisiert haben? Kennen Sie Patrick Stewart persönlich?

Ernst Meincke: Dennis, Ja, ich war etwas enttäuscht, aber die Berliner Synchron hat den Film gemacht (Anmerkung: das Studio Arena synchronisierte die Serie) und sich für Rolf Schult entschieden Leider kenne ich Mr. Stewart wie du auch nur vom Bildschirm.

Frage: Ist es schwierig, eine Rolle zu sprechen, die man nicht selbst gespielt hat?

Ernst Meincke: Marco, nach 30 Jahren Berufserfahrung muss ich diese Frage verneinen :-)

Frage: Befasst sich Herr Meincke im Vorfeld mit der Rolle? Verucht er das Star Trek-Universum kennenzulernen?

Ernst Meincke: Um so detailliert heranzugehen fehlt einfach die Zeit. Ich muss mich da auf das deutsche Buch verlassen.

Frage: Werden sie oft auf Ihre Stimme angesprochen?

Ernst Meincke: Das passiert häufiger.

Frage: Verstehen Sie die technischen Details, die Sie synchronisieren müssen?

Ernst Meincke: Nein, die technischen Details muss ich eigentlich nicht so genau verstehen, da habt Ihr Fans mir einiges voraus.

Frage: Haben Sie es als schwer empfunden, eine so markante Stimme wie die von Patrick Stewart mit ihrer eigenen "Aura" zu versehen?

Ernst Meincke: Marco, man versucht als Synchronsprecher so gut wie möglich dem Original nahezukommen. Die eigene Aura ist da nicht so wichtig :-)

Frage: Sind Sie auch Schauspieler? Wenn ja, was ist einfacher: die Schauspielerei oder das Synchronisieren?

Ernst Meincke: Als Schauspieler muss ich mich intensiver mit der Rolle befassen, muss den Text auswendig lernen, also insgesamt mehr Arbeit investieren. Deshalb würde ich das schon als schwieriger bezeichnen. Das heißt allerdings nicht, das man Synchronarbeit auf die leichte Schulter nehmen darf.

Frage: Ist es möglich - für private Zwecke (z. B. Anrufbeantworter oder WAV-Dateien) - Ihre Stimme nach eigenen Wunschen aufnehmen zu lassen, oder läuft das nur über die Arena? Was wurde das etwa kosten (über Sie / über Arena)?

Ernst Meincke: Das ist wohl nicht möglich. Jeder würde dann die Stimme eines Schauspielers auf Band haben wollen.

Frage: Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Ernst Meincke: In der nächsten Zukunft synchronisiere ich bei Johannisthal-Synchron die Hauptrolle in einem 3-teiligen Spielfilm. Judy Winter wird da meine Partnerin sein, und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihr.

Frage: Ich komme auch aus der ehemaligen DDR. In welchen Filmen konnte man Sie dort sehen?

Ernst Meincke: Zum Beispiel in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" als Max de Simony. Im Zyklus "Berühmte Ärzte der Charieté" war ich Rudolf Virchow in der Folge "Der kleine Doktor" zu sehen. Insgesamt war ich in ca. 50 Rollen zu sehen.

Frage: Kann man auch eigene Ideen bei der Synchonisation mit einfließen lassen? Haben Sie Einfluss auf die Ubersetzung der Dialoge?

Ernst Meincke: Gerhard, Peter, echten Einfluss haben wir nicht, das Original ist immer maßgeblich. Bei guter Zusammenarbeit mit dem Regisseur, vor allem, wenn der auch das deutsche Dialog-Buch gemacht hat, kann man schon ab und an Sätze sprechbarer machen.

Frage: Wie oft haben sie vor dem Spiegel "Energie!" geübt? Was halten Sie persönlich von der Serie?

Ernst Meincke: Markus, nicht ein einziges Mal. Gute Schauspieler, womit ich nicht sagen will, das ich einer bin, arbeiten prinzipiell nicht vor dem Spiegel. Und ich sehe die Serie selbst auch ganz gern.

Frage: Sie haben vorhin gesagt, es sei schwieriger, sich in eine Filmrolle als in eine Synchronrolle hinein zu versetzen. Besteht da nicht die Gefahr, dass synchronisierte Filme darunter empfindlich leiden können?

Ernst Meincke: Das glaube ich nicht. Spielfilme werden immer sehr sorgfaltig synchronisiert. Bei Serien muss auch die Routine ins Spiel kommen, da mitunter die Vorlaufzeiten sehr kurz sind.

Frage: Machen sie nebenbei auch noch andere Synchron-Jobs? Oder sind sie mit Picard völlig ausgelastet? Ist ein neuer Star Trek-Film in Arbeit?

Ernst Meincke: Ich mache jede Menge andere Synchronarbeiten. (Anmerkung: ST TNG war zur Zeit des Interviews auch schon seit 3 Jahren fertig). Über neue Produktionen weiß ich leider überhaupt nichts. Wir werden sehr kurzfristig unter Vertrag genommen.

Frage: Ein bisschen indiskret, aber wieviel verdient ein Synchron-Sprecher denn?

Ernst Meincke: Nicht soviel, wie du vielleicht glaubst.

Frage: Herr Meincke! Captain Picard hat eine Glatze, was halten Sie davon!

Ernst Meincke: Ich finde die Besetzung hervorragend, da Stewart und ich eine ahnliche Frisur haben. Leider werden Glatzenträger in deutschen Filmen und TV-Produktionen häfig nur negativ besetzt, das ist sehr schade.

Frage: Wie lange dauert es eine Folge zu syncronisieren, und werden Texte manchal stärker verändert (nicht vom Sinn her) um eine bessere Lippensynchronität zu erhalten?

Ernst Meincke: Matthias, die reine Spracharbeit dauert etwa 3 Tage. Man muss der Synchronität natürlich Zugeständnisse machen. Sinnveränderungen oder Sinnverfälschungen sind aber tabu.

Frage: Wie sehen Sie eine Frau als Captain (Voyager)? Wird es zu einer Begegnung kommen? Sprechen Sie Klingonisch, oder wird aus dem Englischen eingespielt?

Ernst Meincke: Da ich für die Emanzipation der Frau bin, begrüße ich eine Frau als Captain sehr. Es ist eher unwahrscheinlich, das sich Picard und Janeway treffen. Aber vielleicht fällt den Filmemachern eine Dimension ein, in der das möglich ist :-). Die klingonischen Texte habe ich selbstverständlich selbst gesprochen. Wir Schauspieler konnen solche schwierigen Passagen sehr gut vom Original abnehmen.

Frage: Schreiben Sie die Antworten hier selbst oder werden die von jemand professionellen eingetippt?

Ernst Meincke: Okay, Du hast uns erwischt. Die Antworten tippt mein Nachbar hier ein, ich selbst stehe vor einem Computer wie der sprichwörtliche Ochs vorm neuen Scheunentor. Aber er darf nur schreiben, was ICH ihm sage.

Frage: Haben Sie zur DDR-Zeit Star Trek gekannt?

Ernst Meincke: Natürlich kannten wir Star Trek und waren begeistert. Ich war ein Fan von Captain Kirk.

Frage: Wie sehen Sie eigentlich die Zukunft, konnten Sie sie auch so oder ähnlich vorstellen, wie in Star Trek oder meinen Sie, dass die Menschheit es gar nicht soweit bringen wird?

Ernst Meincke: Wenn ich ehrlich bin, glaube ich eher, dass wir mit unserem Erdball zu rüde umgegangen sind. Für mich ist es schon fünf nach Zwölf.

Frage: Ist es ihr Traumberuf oder haben Sie auch noch andere Aufgaben im Auge?

Ernst Meincke: Mein Traumberuf ist die Schauspielerei, die Synchronarbeiten ist ein ebenfalls wichtiger und spannender Teil dieses Berufes.

Frage: Werden die Dialoge immer als "echte Dialoge" synchron mit den anderen Sprechern aufgezeichnet? Oder kommt es auch vor, dass Sie Ihren Text alleine als "Monolog" sprechen, und dieser nachträglich in den Dialog mit den anderen Sprechern reingeschnitten wird?

Ernst Meincke: Wenn der Dialogpartner ebenfalls im Studio ist, macht das die Arbeit natürlich leichter. Aus Termingründen kann es aber passieren, das eine Rolle ge"x"t werden muss. Das heißt, ich spreche meine Passagen alleine. Später wird dann alles bei der Mischung zusammen geschnitten.

Frage: Bekommen Sie beim Synchronisieren eigentlich die ganze Folge zu sehen, oder nur die Ausschnitte in den der Captain etwas sagt?

Ernst Meincke: Nicht die ganze Folge, aber auch nicht nur die Ausschnitte, in der der Captain was sagt, sondern die gesamte Szene, in der der Captain mitspielt.

Frage: Wie ist das, sich selbst zu hören, aber jemanden anderen zu sehen? Kommt es vor, das Sie sich dann auch mal selbst kritisieren ("Das hätte ich aber besser machen können") oder wird das bei der Synchronisationsarbeit schon alles "abgefangen"?

Ernst Meincke: Das geht mir auch so, ich kann mich selbst auch nicht hören :-) Wenn man mit einem gewissen Abstand etwas sieht, passiert es häufig, dass man sich selbst sagt "Das hättest Du anders machen müssen", dann ist es aber leider meist zu spät :-) Ich glaube, in jedem Beruf muss man kritisch mit der eigenen Arbeit umgehen.

Frage: Welches ist Ihre Lieblingsfigur in STTNG?

Ernst Meincke: Da ich mich am meisten mit Picard beschäftigt habe, naturgemäß der Captain. Als Schauspielerin gefällt mir aber Whoopi Goldberg (Guinan) besonders gut.

Dirk Jasper, Moderator: Herzlichen Dank an Ernst Meincke, herzlichen Dank an alle Fragesteller, auch wenn noch viele Fragen offen sind, vielleicht beim nächstenmal!

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1994 - 2010 Dirk Jasper