Interview mit Esther Schweins
Esther Schweins Esther Schweins über den Film Der Trip

Frage: Der kleine Bildschirm und die große Leinwand. Worin liegen für Sie die Unterschiede?

Esther Schweins: Die Reaktionen im Gesicht, also die Mimik, ist eine ganz andere, als man sie sich beim Fernsehen erlauben kann. Eine Stirnfalte erscheint auf der Kinoleinwand in einer Größe von so ungefähr ein Meter fünfzig. Im Fernsehen bleibt sie ganz klein. Das war eine Umstellung für mich, aber auch das Interessante daran. Man kann beim Film sehr viel mehr wegnehmen, sehr viel kleiner bleiben, kann im Gesicht, an der Art und Weise, wie man sich ausdrückt, viel ruhiger agieren.

Frage: Waren Sie dafür prädestiniert, gleich eine Komödie als erstes Kinoprojekt anzugehen?

Esther Schweins: Es ist natürlich klar, dass mir in erster Linie Komödien angeboten werden. Was für diesen Sommer zeitmäßig überhaupt nicht gegangen wäre, oder gegangen ist, waren eigentlich auch alles Angebote aus dem komödiantischen Bereich. Insofern habe ich das selber gar nicht gesteuert. Aber es tut mir auch nicht weh, dass es Komödien sind.

Frage: Die 70er Jahre. Haben Sie eine bestimmte Beziehung zu dieser Zeit? Sie werden es selbst leiblich ja wohl kaum erlebt haben.

Esther Schweins: Den letzten Ausläufer der 70er Jahre, die Schlaghosen, den habe ich noch mitgekriegt. Es ist nicht ganz so die Mode, die ich mag, also worauf ich mich einlassen würde. Eine Beziehung zu den 70er Jahren habe ich eigentlich nur durch die guten, alten, übriggebliebenen 68er Lehrer, die Pädagogen mit "Love & Peace", die uns davon noch ein bißchen beigebracht haben: die Philosophie der 70er Jahre, klar, aber eine großartige Beziehung, nein.

Frage: Die Petra, die Sie in "Der Trip" spielen, können Sie sie uns kurz beschreiben?

Esther Schweins: Petra ist Petra Ellerich. Sie ist vielleicht ein bißchen einfach im Gemüt und erzählt sich sicherlich über die Geschichte, dass sie Hilmar heiratet. Hilmar, den reichen Erben der Stadt, der ihr ein Leben im Luxus und voller Spaß bietet. Das ist Petra, wie wir sie zunächst kennenlernen. Im Lauf des Films verändert sich Petra, sie gewinnt mehr an Tiefe und - für den Zuschauer - an Liebenswürdigkeit. Denn eigentlich ist Petra "'ne ganz Nette", kein Kind von Traurigkeit, aber auch kein männermordender Vamp. Dafür spricht schon allein die Tatsache, dass sie keusch in die Ehe gehen will. dass es dann nicht mit Hilmar, sondern mit Dieter ist, das ist eine andere Geschichte.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Dieter Thomas Kuhn?

Esther Schweins: Die Zusammenarbeit mit Thomas hat sehr, sehr großen Spaß gemacht. Er ist ein grandioser Alleinunterhalter, was wir auch nach Drehschluß oft genossen haben. Mit oder ohne Gitarre, er macht Dinge, die wir bei Samstag Nacht versuchen zu lernen. Also Stand-ups, aus dem Stegreif eine perfekte Nummer zu bringen. Dazu hat er die absolute Begabung.

Frage: Wie würden Sie "Der Trip" beschreiben?

Esther Schweins: Ich bin selbst sehr gespannt, wie das Publikum "Der Trip" aufnehmen wird. Wir haben hier ja etwas ganz Neues versucht. Einfach zu sagen, dass es ein lustiger Film ist, würde nicht ausreichen. "Der Trip" ist etwas ganz anderes. Bei "Der Trip" haben wir bewusst versucht, immer den falschen Ton zu halten, immer einen Hauch daneben zu liegen, immer einen Tick zuviel zu haben, ohne dabei unglaubwürdig zu werden. Ich hoffe, das ist uns gelungen.

Frage: Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch, Esther Schweins!

Dirk Jasper FilmLexikon
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