Interview mit Fabian Busch

"Ich bin immer noch mit meiner ersten großen Liebe zusammen."

Fabian Busch verkörpert in dem Film Liegen Lernen den Helmut. Frage: Was hat dich gereizt, die Rolle von Helmut zu spielen? Erinnerst du dich an den Moment, als du merktest, in dem Film will ich mitspielen?

Fabian Busch: Zu dem Projekt bin ich durch ein ganz normales Casting gekommen, allerdings kannte ich Henk schon von früher. Ich habe in Kurzfilmen, die er an der dffb gedreht hat, mitgespielt. Das hat damals unheimliches Vergnügen bereitet. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, hatten uns dann aber ein wenig aus den Augen verloren.

Gereizt hat mich an der Rolle natürlich alles, sowohl die Chance, wieder mit Henk zu arbeiten, zumal ich auch Paul is dead einen wunderschönen Film fand, als auch die Figur Helmut. Mir gefiel das Drehbuch, außerdem ist es für einen Schauspieler natürlich eine wunderbare Herausforderung, einen Charakter über 16 Jahre zu verkörpern. Es gab gar kein Zögern bei mir, zudem wollte ich immer schon in einem Projekt von X Filme mitwirken.

Frage: Wurden die Frauen dann gecastet, als du feststandest?

Fabian Busch: Es lief alles eher parallel, wobei die Frauen natürlich schon zu mir passen mussten. Aber es war natürlich ein Traum, mit diesen fünf tollen Schauspielerinnen zu drehen. Mit Susanne Bormann hatte ich schon in Raus aus der Haut von Andreas Dresen gefilmt, das war toll, das noch mal wiederholen zu können.

Fritzi Haberlandt hat ja auch in Kalt ist der Abendhauch gespielt, allerdings hatten wir nicht einen einzigen Drehtag zusammen. Sophie kannte ich noch von Unter der Milchstraße. Birgit ist mir zum ersten Mal in dem Furtwängler-Film aufgefallen, wo sie die doch relativ kleine Rolle der Sekretärin mit unheimlicher Präsenz füllt.

Frage: Beim Drehen war es wahrscheinlich ein wenig wie in der Geschichte, oder? Du bliebst, aber die Frauen kamen und gingen ...

Fabian Busch: Ja, stimmt!

Frage: Helmut ist - im Roman noch mehr als im Film - ja irgendwie ein komischer Typ.

Fabian Busch: Genau das hat mich natürlich gereizt. Man muss ja trotzdem versuchen, irgendwie eine Identifikationsfigur zu schaffen. Man muss es hinkriegen, dass man mit ihm mitfiebert und es ihm auch wünscht, dass er seinen Arsch endlich mal hoch kriegt. Als Ansatz dafür, ihn sympathisch zu gestalten, habe ich seine Ehrlichkeit genommen.

Er verletzt zwar viele Menschen, aber er lügt dabei nie, ist immer ehrlich, das hat einen positiven Aspekt. Das musste ich aus der Figur rauskitzeln. Ich glaube, im Laufe des Drehs hatten wir fast das Gefühl, wir könnten ihn sogar wieder unsympathischer machen... Viele Freunde von mir, die Helmut nur aus dem Roman kannten, konnten erst gar nicht verstehen, warum ich die Rolle spielen wollte.

Frage: Man mag Helmut ja schon dadurch, weil die Geschichte im Rückblick erzählt wird, er also einsieht, dass er Scheiße gebaut hat und sich etwas ändern muss, Aber wie hast du es in deinem Spiel geschafft, Helmut sympathischer rüberzubringen?

Fabian Busch: Das kann man gar nicht so genau erklären, es sind vor allem Nuancen. Blicke zum Beispiel. Wenn er Gisela verlässt, lässt er sie nicht einfach stehen und geht, sondern man sieht an seinem Blick, dass ihm das auch nahe geht. Man lässt das Bild zwei, drei Sekunden auf Helmut, um zu zeigen, dass er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. Oder es sind Dialoge, wie wir ein wenig umgestellt haben, um die Figur Frauen - und Männern - näher zu bringen. Zumindest ein bisschen, Helmut ist natürlich immer noch ganz oft einfach krass.

Frage:Denkst du, Liegen lernen ist eher ein Film, der Männer oder der Frauen anspricht?

Fabian Busch: Beide! Ich denke, dass es viele Männer gibt, die sich durch den Film an ihre Jugend erinnert fühlen, an ihre erste Liebe. Oder vielleicht ist es auch ihre zweite, dritte oder vierte Liebe gewesen, aber ich glaube, dass viele Männer eine Britta hatten, von der sie nicht loskommen konnten. Genauso wie eine Gloria, mit der sie scharfe Sachen erlebt haben ... Frauen wiederum gibt der Film die Chance zu verstehen, warum Männer manchmal so sind und manchmal so sind ... Für beide ist es aber auch ein amüsanter Film.

Frage: Ist es denn wirklich so, dass die erste große Liebe für Männer so wichtig ist?

Fabian Busch: Mich darfst du da eigentlich nicht fragen, ich bin immer noch mit meiner ersten großen Liebe zusammen. Deshalb ganz zweifellos: ja! Aber auch von Freunden weiß ich, dass einen die erste große Liebe schon sehr prägt.

Für mich ist Liegen lernen ja weniger ein Film über das Finden der Liebe (mit Tina), sondern über das Loslassen. Es kommt auch gar nicht so sehr darauf an, ob er für immer mit Tina zusammen sein wird, wichtig ist, dass er sich endlich von Britta löst.

Frage: Hast du eine Lieblingsszene?

Fabian Busch: Mich berührt besonders Helmuts Berlinbesuch, bei dem er Britta in dem Techno-Club trifft. Es ist einerseits eine so tragische Geschichte, andererseits ist sie so wunderschön, weil man versteht, was in ihm vorgeht. Das war auch vom Drehen her etwas ganz besonderes, weil wir im Dezember in Berlin noch ein paar Tage drangehängt haben.

Das hatte eine ganz eigene Melancholie. Als wir uns im Oktober getrennt hatten, wussten wir, man sieht sich noch mal. Aber die Dreharbeiten hatten mir solch großen Spaß gemacht, dass ich die Tage wirklich herbeigesehnt hab - da ging es mir fast so wie Helmut.

Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Fabian Busch in 'Liegen lernen'
Filmplakat zu 'Liegen lernen'

Dirk Jasper FilmLexikon

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