Interview mit Franka Potente

"Heiner Lauterbach arbeitet sehr professionell."

Franka Potente ist Hauptdarstellerin in dem zweiteiligen Sat.1-TV-Thriller "Opernball". Frage: In "Opernball" spielen Sie eine angehende Journalistin, die die Hauptgründe eines Terroranschlages aufdecken will. Haben Sie den Roman von Josef Haslinger gelesen?

Franka Potente: Ich habe den Roman nach Lektüre des Drehbuches gelesen. Ich fand ihn sehr spannend, glaubwürdig und die Erzählstruktur sehr interessant. Hätte ich den Roman zuerst gelesen, hätte ich Zweifel gehabt, ob er sich verfilmen ließe, aber die hatte ich beim Drehbuch nicht.

Frage: Sie spielen die Gabrielle so überzeugend, fast könnte man glauben, der Beruf der Journalistin könnte eine Alternative zur Schauspielerei sein. Ist da etwas dran?

Franka Potente: Ich habe während der Schulzeit immer für Schülerzeitungen gearbeitet, kleine Geschichten und Tagebuch geschrieben, aber der Wunsch und der Drang, Schauspielerin zu werden, war schon von klein auf so groß, dass kein anderer Beruf eine Chance hatte.

Frage: Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zur Presse?

Franka Potente: Ich glaube, dass die Presse - wie auch in "Opernball", schon eine große manipulative Macht hat, die die Wahrheit verzerren kann, aufhetzen kann, aber auch beschönigen kann. Da muss man schon kritisch gegenüberstehen. Gerade in meinem Beruf habe ich viel mit der Presse zu tun, habe aber überwiegend sehr positive Erfahrungen gemacht und rede auch gern mit Journalisten.

Frage: Als prominente Schauspielerin sind Sie wahrscheinlich oft selbst Gast auf großen Veranstaltungen. Haben Sie schon einmal für einen Bruchteil von Sekunden daran gedacht, dass jetzt etwas ähnliches wie im "Opernball" passieren könnte?

Franka Potente: Ich habe die Angst eher in U-Bahnen oder großen Kaufhäusern - im 'realistischen' Leben. Bei Promi-Events ist man oft so abgelenkt oder man kennt so viele Leute, dass man sich seltsamerweise eher 'sicher' fühlt.

Frage: Im Film geht es neben dem Anschlag auch um eine Gruppe junger Leute, die ihrem Anführer fast bedingungslos dient. Können Sie das Verhalten dieser Jugendlichen - das oft genug auch im wahren Leben zu beobachten ist - nachvollziehen?

Franka Potente: Sicher. Jeder Mensch wünscht sich einen Halt, möchte aufgehoben und zugehörig sein. Wenn die Familie einem dies von klein auf nicht mitgegeben hat, sucht man wahrscheinlich an den absonderlichsten Stellen danach und greift nach jedem Strohhalm.

Frage: Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Ihrem Kollegen Heiner Lauterbach?

Franka Potente: Heiner Lauterbach ist ein Kollege wie andere auch. Er arbeitet sehr professionell. Anders als bei jüngeren Kollegen hatten wir außerhalb der Arbeit keinen besonderen Kontakt. Was okay ist, wir kamen ja wegen der Arbeit zusammen.

Frage: Wann wird man Sie das nächste Mal wieder im Fernsehen oder Kino sehen können? Wie sehen Ihre beruflichen Pläne für 1998 aus?

Franka Potente: Im Sommer kommt der Film Lola rennt von Tom Twyker in die Kinos. Auf diesen Film bin ich sehr stolz und kann die Premiere kaum erwarten. Außerdem läuft im Herbst Bin ich schön? von Doris Dörries an. Ebenfalls ein sehr schönes Projekt, auf das ich mich sehr freue.

Franka Potente
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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