Franz Antel
* 28. Juni 1913 in Wien, Österreich • Regisseur, Produzent, Autor • Biographie • Biographische Daten • Filmografie •
Franz Antel Biographie Glück oder Talent, Antel ist unter unseren etablierten Filmregisseuren jedenfalls der einzig Überlebende.

Ob der Filmjournalist, der dies 1969 schrieb, daran dachte dass der Satz mehr als 30 Jahre später immer noch Gültigkeit haben würde? Schon damals ein Fixstern, hat Franz Antel inzwischen Generationen von Filmemachern, von Kollegen, Konkurrenten und Neidern kommen und gehen sehen. Wäre er mit der Ruhe des Philosophen ausgestattet, er hätte an der Biegung des Flusses sitzen und sie alle vorbeitreiben lassen können.

Er hat bei der Kritik die schlechteste Presse, die man sich nur denken kann.

Konstant nicht nur die Person Franz Antel, konstant auch die Reaktion auf seine Filme. Vom Publikum angenommen, werden sie von der aktuellen Kritik nur selten gelobt. Und doch bekommen Filmfreunde, auch manch vehementer Kritiker, nostalgisch verklärte Augen, wenn Titel von Antel-Filmen erwähnt werden, etwa Hallo Dienstmann oder Spionage. Gelegentlich werden Antels Filme aus den fünfziger Jahren mit Hans Moser, Paul Hörbiger, Maria Andergast oder Susi Nicoletti - um nur einige publikumswirksame Stars zu nennen -, einer silbernen Epoche des Wiener Films zugerechnet.

Weil ich immer ein Gespür dafür hatte, was die Leute sehen wollten, und der Erfolg mir recht gab, haben mich die schlechten Kritiken mit der Zeit nicht mehr besonders irritiert.

Konstant auch Antels Antwort auf schlechte Kritik, geäußert im Brustton dessen, dem der Erfolg (fast immer) recht gab. Dem Publikum entgegenkommen, um es ins Kino zu verführen, war Hauptanliegen eines Regisseurs und Produzenten, dessen Filme die Herstellungskosten wieder einspielen mussten. Vielleicht war deshalb die nationale Irritation so groß, als Antel für den zweiten Teil des Bockerer auf politischem Interventionsweg die Finanzierung aus nationalen Filmfördertöpfen sich zusichern ließ. Um damit den bestbesuchten heimischen Film des Jahres 1996 zu drehen.

Patentrezept für die Konstanz des Erfolgs der meisten seiner Filme kann auch Franz Antel keines nennen. Vielleicht liegt sein Geheimnis darin, dass er sich immer gefragt hat, was die Leute interessiert, und er die Scheinwelt seiner Filme den wechselnden Interessen, dem sich verändernden Lebensgefühl seines Publikums angepaßt hat.

Antel hat den Film seit jeher als Traumfabrik für den traumhungrigen, alltagssatten Bürger begriffen, und weil er seine Anschauungen mit denen seiner Kunden in hohem Maße übereinstimmen, bleibt ihm der geschäftliche Erfolg über viele Jahre treu.

In den materiell erbärmlichen Nachkriegsjahren erfüllten Antels Filme den Traum des Publikums vom Märchenschloß, den vom unbeschwerten Sex, als Oswald Kolle und Beate Uhse in den sechzigern Jahren über die Gesellschaft hereinbrachen, und vielleicht erfüllt sein Bockerer eine Sehnsucht nach Gefährlichkeit und Abenteuer in Zeiten weitgehender materieller Sicherheit.

Immer aber, das ist eine geradezu unumstößliche Konstante seines Lebens und Schaffens, wollte und will Franz Antel in erster Linie unterhalten:

Denn Freude am Leben und an allem, was dazugehört, macht für mich dieses Leben erst lebenswert.

Weil er damit einem Bedürfnis weit über den deutschen Sprachraum hinaus entgegenkam, ist Franz Antel als Francois Legrand auch zu einem internationalen Markenartikel geworden. Und weil er dieser Maxime auch selbst huldigte, füllen seine amourösen Eskapaden nahezu ohne Unterlaß die diversen Adabei-Spalten von Zeitungen und Illustrierten.

Dass Franz Antel in der Fachliteratur ein vollkommen unbeschriebenes Blatt ist, diesen in der Vorbemerkung festgestellten Mißstand beseitigte eine Salzburger Dissertation Ende der achtziger Jahre. Eine Konstante nicht nur der österreichischen Filmgeschichtsschreibung war Franz Antel freilich schon zuvor - er wird es, mit zunehmendem zeitlichen Abstand wohl in noch stärkerem Maße, auch bleiben.


Biographische Daten
Filmografie
Dirk Jasper FilmLexikon
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