Interview mit Gérard Depardieu

"Ich möchte nicht noch einmal 20 sein."

Gérard Depardieu ist Hauptdarsteller der Sat.1-TV-Miniserie "Der Graf von Monte Christo". Frage: Sie haben einmal gesagt: "Es ist unmöglich, einen Film über Rache zu drehen, es ist, als ob einem die Suppe kalt serviert wird".

Gérard Depardieu: Wir servieren die Rache nicht als kalte Suppe, sondern als Bratenplatte. Für uns ist Dantès ein Mann auf der Suche nach Gerechtigkeit. Als Dantès aus der Kerkerhaft entflieht, entdeckt er eine neue Möglichkeit für seine Rache - die Liebe.

Frage: Sind Sie rachsüchtig?

Gérard Depardieu: Ja, wie alle Menschen habe ich eine eigene Meinung zu Gerechtigkeit, ich respektiere aber auch die Meinung anderer. Ich bin nicht besser, bin auch nur ein Mensch, der Fehler begehen kann.

Frage: Sie spielen an der Seite Ihres Sohnes, der den jungen Dantes darstellt. Wie alt fühlen Sie sich?

Gérard Depardieu: So um die 40. 40 ist die beste Zeit für einen Mann. Meine Jugend war glücklich, aber ich möchte nicht noch einmal 20 sein. Das ist anstrengend. Ich trauere nur der Unbeschwertheit jener Zeit nach.

Frage: Warum haben Sie - von Columbus über Rodin bis hin zu Danton - so viele historische Romanfiguren dargestellt?

Gérard Depardieu: Ich mag die Vergangenheit. Die Zukunft ist wie Coca Cola. Wir verfügen über ein großes Potential in der europäischen Kultur. Ich finde es sehr wichtig, dass wir daran arbeiten, diese Kultur im Fernsehen und im Kino nicht zu vernachlässigen.

Frage: Was mögen Sie an der Rolle von Dantes?

Gérard Depardieu: Jeder möchte gerne Figuren wie Cyrano oder D'Artagnan spielen und sich mit diesen großen Kämpfern für die Gerechtigkeit identifizieren. An Dantes liebe ich seinen Sinn für Gerechtigkeit und seine Klarheit. Auch nach 20 Jahren glaubt er an die Liebe - die absolute Liebe.

Frage: Und Sie?

Gérard Depardieu: Natürlich möchte ich an sie glauben. Manchmal bleibt sie zwar nur eine Illusion, aber das ist besser als nichts.

Frage: Sie verfolgen in Kuba ein bestimmtes Kulturprojekt. Was verbirgt sich dahinter?

Gérard Depardieu: Ich träume von einer Zusammenkunft von Intellektuellen, Architekten und Künstlern auf Kuba, eine Art Villa Medici der Dritten Welt, um über eine bessere Welt zu reden.

Frage: Sie haben bis jetzt kaum fürs Fernsehen gearbeitet.

Gérard Depardieu: Ich hatte bis heute nicht das richtige Angebot. Ich habe keine Vorurteile dem Fernsehen gegenüber. Es hängt nur von den Inhalten ab. Fortsetzungsromane sind genau der richtige Stoff fürs Fernsehen, und Dumas war sozusagen das Fernsehen seiner Zeit.

Gérard Depardieu

Dirk Jasper FilmLexikon

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