Götz George über "Die Sturzflieger"
Götz George

Frage: Götz George, Sie wollten anfangs den Bruchpiloten Rio spielen. Wieso haben Sie sich dann doch für die Rolle des Replikanten Max entschieden?

Götz George: Der Nahkampfreplikant Max ist in diesem Buch als ein bulliger, schon etwas ramponierter, grob erscheinender Kerl beschrieben. Wenn ich also den Piloten Rio, der sozusagen Max' Schöpfer ist, gespielt hätte, dann wären sich die beiden Rollen zu ähnlich gewesen. Davon hat mich der Produzent Günter Rohrbach überzeugt, wie ihm das schon bei den Spielfilmproduktionen "Die Katze" und "Schtonk" gelungen ist, wo ich auch zuerst die jeweils andere Rolle spielten wollte.

Frage: Wie bereitet man sich denn auf eine Rolle vor, in der man einen künstlichen Menschen spielt?

Götz George: Um klarzumachen, dass dieser Max, der ja äußerlich nicht von einem Menschen zu unterscheiden ist, eine Kunstfigur ist, muss er Macken haben, die auf technische Defekte zurückzuführen sind, weil sein Erbauer Rio aus Kostengründen auf gewisse Feinheiten verzichten musste. Weil ein Replikant aber im Gegensatz zu einem Roboter auch Gefühle entwickeln kann, kommt Max in Situationen, auf die er nicht programmiert ist - was dann entweder sehr komisch, aber auch sehr tragisch enden kann.

Frage: Wie sehen Sie das Verhältnis von Max zu seinem Chef und Schöpfer Rio?

Götz George: Das ist eine Haßliebe: auf der einen Seite bemuttert Max seinen chaotischen Boß, auf der anderen Seite wird er von ihm immer wieder vor den Kopf gestoßen. Ein bißchen sind beide wie ein altes Ehepaar: ständig nörgeln sie aneinander herum, aber keiner könnte ohne den anderen leben.

Frage: Interessant ist auch Max' Umgang mit dem Mutanten Spike. Warum behandelt er den Kleinen oft so unwirsch?

Götz George: Er ist eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die Spike bei Rio genießt und reagiert den Frust an dem Schwächeren ab - eine leider allzu menschliche Eigenschaft! Außerdem neigt Max, wie viele, die nicht geübt sind im Umgang mit Macht, dazu, diese zu mißbrauchen, sobald sie ihm plötzlich gegeben wird.

Frage: Wie kamen die Kampfszenen im Ring zustande? Haben Sie sich da vorher extra ein paar Wrestling-Übertragungen angesehen?

Götz George: In erster Linie musste ich mich der Dramaturgie der Figur unterwerfen, denn dieser Max wird sehr genau beschrieben: Er hat bereits 12 Kämpfe gefochten und alle verloren. Er ist ja auch im Grunde als Nahkampfreplikant längst überholt. Deshalb hat er mörderische Angst vor dem Gegner und ist in einer denkbar schlechten Ausgangsposition. Um das zu bedienen, musste ich mir eine eigene Choreographie schaffen und alles "verkehrt" machen, was wir in der Vorbereitungszeit mühsam trainiert hatten. Dafür genügt es nicht, sich ein paar Wrestling-Übertragungen anzusehen.

Frage: Wie war die Arbeit mit den Spezialeffekten? Wo lagen die Hauptschwierigkeiten?

Götz George: Der ganze Film war eine "Hauptschwierigkeit". Wir haben ja in Deutschland wenig Erfahrung mit dem Genre und deshalb auch mit dieser Art von Special Effects. Der Film will aber auch diesem Gebiet gar nicht mit ausländischen Produktionen konkurrieren und hat deshalb seinen Schwerpunkt auf einer sehr menschlichen und sehr komischen Geschichte.

Frage: Für die Rolle des Max mussten Sie lange Maskenzeiten auf sich nehmen. Wie lange saßen Sie z. B. für das abgerissene Ohr in der Maske?

Götz George: Nie zuvor habe ich solange in der Maske gesessen wie für diesen Film. Allein für das Ohr musste ich jeden Tag 2 Stunden vor Drehbeginn da sein. Weil ich kein Frühaufsteher bin, musste ich sehr viel Disziplin aufwenden, um dann im Endeffekt so häßlich auszusehen.

Frage: Gibt es eine lustige Anekdote in diesem Zusammenhang?

Götz George: Nachdem wir es im Vorfeld mit allen möglichen Perücken versucht hatten und das alles nach nichts aussah, hat der Maskenbildner, Peter Knöpfle, mein eigenes Haar ausgedünnt, mir Geheimratsecken hineingeschnitten und es blauschwarz gefärbt. Es war sehr unangenehm, so auf die Straße zu gehen, denn die Leute erkannten mich trotzdem und schauten mich alle sehr irritiert an.

In dieser Zeit bekam ich eine Auszeichnung, und nachdem wir die ganze Nacht gedreht hatten, war mein Fahrer Theo so nett, mich dort hinzubringen. Er stand also mit seiner Videokamera, die er immer dabei hatte, mitten in der Menge Journalisten, als er hörte, wie einer von ihnen sagte: "Wieso färbt sich der George die Haare - der steht wohl nicht zu seinem Alter?!" Auf die Idee, dass es vielleicht irgendetwas mit meiner momentanen Rolle zu tun haben könnte, ist dieser Einfaltspinsel natürlich nicht gekommen.

Frage: Mögen Sie selbst - privat - Science Fiction-Filme?

Götz George: Ich sehe alle Filme gerne, wenn sie eine Geschichte erzählen, die ich verstehen und auch nachvollziehen kann. Und wenn sie auch noch menschlich ist, bin ich berührt - also auch bei einem Science Fiction-Film.

Frage: Was können Sie über Ihre Kolleginnen und Kollegen erzählen? Wie war die Stimmung am Set?

Götz George: Die Stimmung war sehr freundschaftlich und oft auch lustig, obwohl neben der anstrengenden Arbeit wenig Raum blieb für Späße. Ingo Naujoks war ein wunderbarer, spontaner und wißbegieriger Partner, der für alles offen war und sich mit einer ungeheuren Spiellaune in die Rolle gestürzt hat.

Frage: Sie haben ja bereits bei der TV-Produktion "Morlock" mit dem Regisseur Peter F. Bringmann zusammengearbeitet. Wie würden Sie seine Arbeitsweise beschreiben?

Götz George: Peters großer Verdienst ist, dass er den Film nicht nur hervorragend inszeniert, sondern schon im Vorfeld für ihn gekämpft und ihn sehr genau vorbereitet hat. Wir konnten deshalb am Drehort sehr konzentriert arbeiten. Er gehört sicherlich in unserem Land zu den wenigen Regisseuren, die einen Film dieser Größenordnung machen können.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Dirk Jasper FilmLexikon
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