Interview mit Gruschenka Stevens
Gruschenka Stevens Gruschenka Stevens ist die Hauptdarstellerin in dem Film Mondscheintarif

Frage: Die Cora Hübsch in Mondscheintarif ist mehr als nur eine Hauptrolle. Mit dieser Figur steht und fällt der ganze Film.

Gruschenka Stevens: Ja, unglaublich, kann ich nur sagen, wirklich unglaublich! Es war aber auch schön für mich, bei so einer Herausforderung wächst man ja auch. Es gab wochenlang nur das Motiv Cora. Ich musste vier Seiten pro Tag auswendig lernen. Irgendwann hatte ich dann das ganze Buch im Kopf. Es war ein ganz anderes Arbeiten als ich es bisher gewohnt war. Sonst hat man ja mal einen Drehtag frei oder man kann am Wochenende vorarbeiten. Aber im Endeffekt war es ein Geschenk, als Schauspielerin so etwas leisten zu dürfen.

Frage: Im Verlauf Ihrer bisherigen Karriere konnten Sie - brutal ausgedrückt - Ihr Talent in dieser Form noch nie so richtig zeigen.

Gruschenka Stevens: Das ist absolut richtig, das ist nicht brutal ausgedrückt, sondern ein Fakt. Als Schauspieler ist man vom Drehbuch, vom Regisseur, von der Kamera, vom Partner abhängig. Mondscheintarif war wie ein Lottogewinn. Wenn einem so etwas angeboten wird, kann man auch alles zeigen. Eine Rolle mit so vielen Facetten habe ich bis jetzt nicht spielen dürfen. Das ist der erste Film, auf den ich in meinem Leben so richtig stolz bin. Und ich mache Schauspielerei, seit ich sechs bin.

Frage: Gibt es bestimmte Eigenschaften von Cora, die Sie besonders faszinieren?

Gruschenka Stevens: Humor, Leichtigkeit, die Selbstironie. Ihre Liebenswertigkeit, aber auch ihre Verletzlichkeit. Gerade dieser warme, ja intelligente Humor von Cora hat mich begeistert.

Frage: Cora hat bestimmte Regeln und Verhaltensweisen für ihr Liebesleben aufgestellt. Können Sie damit etwas anfangen?

Gruschenka Stevens: Also (lacht) ich find' mich zu dick, ich find' mich der Liebe nicht würdig, ich finde, ich sollte auch aussehen wie im Modemagazin, ich bin völlig verunsichert, wenn ich neue Leute treffe. Das sind Sachen, die kann jeder nachvollziehen. Die ganzen Themen des Films, das Dilemma einer Frau im Jahre 2001, sind einfach flächendeckend. Jede Freundin, der ich das Buch gegeben habe, hat sich kaputtgelacht. Jede kann es nachvollziehen.

Frage: Jo, gespielt von Jasmin Tabatabai, ist Coras beste Freundin. Warum?

Gruschenka Stevens: Weil Jo ein totaler Halt ist, egal, was auch passieren mag. Sie bringt Cora immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich kann durchaus nachvollziehen, warum die beiden so eng miteinander befreundet sind.

Frage: Und was macht Daniel alias Tim Bergmann zu Coras Traummann?

Gruschenka Stevens: Er sieht gut aus, wirkt sehr ruhig und auch sehr männlich. Aber an Äußerlichkeiten kann man das sowieso nicht festmachen. Denn Liebe ist etwas, was einfach passiert.

Frage: Einige hatten Bedenken, die Geschichte würde keine 90 Kino-Minuten tragen.

Gruschenka Stevens: Es stimmt, das Buch ist nicht allzu lang. Es ist auch eigentlich die Liebe, nicht so sehr die Story, die den Film trägt. Das Drehbuch unterscheidet sich auch vom Roman. Und ich fand das Skript von Ralf Huettner und Silke Neumayer brillant. Nachdem ich es zum ersten Mal gelesen habe, habe ich Ralf sofort aus der nächsten Telefonzelle angerufen.

Frage: Gerade für einen Mann eine erstaunliche Leistung ...

Gruschenka Stevens: (lacht) genau, das war das Lustige daran. Denn eigentlich würde man so etwas von Ralf nicht erwarten. Nach unserer Zusammenarbeit bei "Voll normaaal" und "Der kalte Finger" habe ich es auch sehr genossen, jetzt einmal ein positives Frauenbild darstellen zu dürfen.

Frage: War es eine Hilfe, dass Sie bereits mehrfach mit Ralf Huettner zusammengearbeitet haben?

Gruschenka Stevens: Absolut. Da ist eine gemeinsame Sprache, oft nur eine Gestik, man muss sich oft einfach nur angucken, und ich weiß Bescheid. Manchmal bin ich mitten in einem Take, und Ralf macht eine Geste. Dann ändere ich mein Spiel noch im Take. Es ist eine sehr klare Kommunikation wie man sie selten findet. Wir arbeiten sehr elegant miteinander. Es fasziniert mich immer, wenn jemand seinen Beruf so verinnerlicht hat wie Ralf.

Frage: Was würden Sie sich vom deutschen Film wünschen?

Gruschenka Stevens: Mehr Filme wie Mondscheintarif, nicht nur Männerfilme, wo alle immer so tough sind und so cool, sondern mehr Herz, mehr Leichtigkeit. Keine oberflächliche Leichtigkeit, sondern eine selbstironische. Ich wünsche mir mehr Romantik, die eben nicht abgeschmackt ist, sondern Romantik im positiven Sinne. Das ist auch der Grund, weshalb der amerikanische Film so erfolgreich ist, die Leute haben danach ganz einfach ein Bedürfnis.

Dirk Jasper FilmLexikon
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