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Eine
Freundin erzählte Hanna Schygulla vom Schauspielunterricht,
sie solle doch einfach mal mitkommen. Hanna Schygulla ging mit
? und traf dort (am Fridl-Leonhard-Studio in München)
Rainer Werner Fassbinder. Die beiden blieben nicht lange auf
der Schule, sondern gründeten das legendäre
Action-Theater ? später umbenannt in Antiteater ?
und bildeten lange eine einzigartige künstlerische Symbiose,
sowohl auf der Bühne als auch im Kino.
1943 in Kattowitz geboren, zog Hanna
Schygulla 1945 mit ihrer Mutter nach München. Nach dem
Abitur ging sie für ein Jahr als Au-pair-Mädchen nach
Paris. Ab 1964 folgte ein Studium der Germanistik und Romanistik in
München. Neben dem Studium nahm Hanna Schygulla in den
Jahren 1966/67 Schauspielunterricht. Durch
Rainer Werner Fassbinder kam sie 1967 zum Action-Theater. Im
Jahre 1968 gründete Hanna Schygulla mit
Rainer Werner Fassbinder, Peer Raben und anderen das
Antitheater in München.
Nach kleineren Filmrollen, u. a. bei
Jean-Marie Straub und Peter Fleischmann, war Hanna Schygulla
1970 in dem mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichneten Film Liebe
ist kälter als der Tod das erste Mal unter der Regie von
Rainer Werner Fassbinder zu sehen.
In den folgenden Jahren spielte sie,
mit einer Ausnahme, in allen
Rainer Werner Fassbinder-Filmen und vielen seiner
Bühneninszenierungen mit. Nach dem ersten gemeinsamen
Kassenerfolg 1974 mit Fontanes Effie Briest, wurde die
Zusammenarbeit vorübergehend aufgekündigt. Bis 1977
arbeitete Hanna Schygulla mit anderen Regisseuren. Für
den Wim Wenders-Film Falsche Bewegung erhielt sie 1975
erneut den Bundesfilmpreis.
Hanna Schygulla hat sich dem
Genie des
Rainer Werner Fassbinder aber nie ganz überlassen und ist
nach seiner Effi Briest-Verfilmung (1972), mit ihr in der
Titelrolle, eigene Wege gegangen. Diese führten u. a. zur
Zusammenarbeit mit Andrej Waida, Wim Wenders, Margarethe von Trotta
und Marco Ferreri.
Im Jahre 1978 kommt wiederum eine
Zusammenarbeit zwischen
Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla zustande.
Das Nachkriegs-Melodram Die Ehe der Maria Braun
(Bundesfilmpreis 1979, Silberner Bär 1979) findet im Ausland
ebenso Beachtung wie Lilli Marleen sowie Berlin
Alexanderplatz (1980).
Ihre Theaterkarriere findet ihre
Fortsetzung durch zwei Tourneen 1976 und 1980 und einem festen
Engagement bei den Münchener Kammerspielen ab 1979. Sporadisch
ist die Schauspieler in in internationalen Produktionen zu sehen.
1983 wird sie für ihre Rolle in Marco Ferreris Die
Geschichte der Piera in Cannes ausgezeichnet. 1990 kehrt
Hanna Schygulla zum deutschen Film zurück, unter
anderem in Jörg Grassers Cannes-Wettbewerbsbeitrag Abrahams
Gold.
Rainer Werner Fassbinder wollte sogar, dass sie gemeinsam einen
Film inszenieren ? als es nicht dazu kam, drehte Hanna
Schygulla ihren eigenen Film: Traumprotokolle, eine
intime Auseinandersetzung mit ihren inneren Vorstellungswelten
(unter anderem zu sehen gewesen im "Museum of Modern Art" in New
York). Ein neues Filmprojekt über das Holocaust-Mahnmal in
Berlin wurde im Jahr 2006 realisiert.
Zu ihrem 60sten Geburtstag erschien
im Schirmer & Mosel Verlag eine Sammlung mit Texten
renommierter Autoren und Weggefährten über Hanna
Schygulla (Du ... Augen wie Sterne. Hanna Schygulla.
Portraits, Texte, Filmstills und Interviews (2004) bei Amazon bestellen), in der sie mit eigenen Texten
auch schriftstellerisch überzeugt.
Neugierig ist sie auf die Begegnung
mit einer jungen Generation von Regisseuren. Neben Hans
Steinbichler drehte sie jüngst mit Till Franzen (Die Blaue Grenze, 2005) und
arbeitete mit Fatih Akin für dessen neuen Kinofilm Auf der
anderen Seite des Lebens zusammen.
"Oft bin ich gefragt worden: Wenn
Sie ihr Leben noch einmal beginnen könnten, würden Sie
dann auch wieder Schauspielerin werden? Anfangs habe ich gesagt:
'Ja, warum nicht!' Dann: 'Wer weiß? Warum eigentlich noch
einmal?' Und schließlich: 'Am liebsten würde ich dann
etwas mit Musik machen.'"
"Eines Tages habe ich mich dann
gefragt: 'Warum brauche ich dafür ein neues Leben? Warum nicht
in diesem?' (Schließlich ist Marlene um die Fünfzig herum
auf Konzertreise gegangen). Und kaum war der Wunsch in mir selber
deutlich hochgekommen, brachte der Zufall (mein Freund und Helfer)
die erste Gelegenheit: arte fragte an, ob ich für einen
Themenarbend über den ersten Weltkrieg Lieder aus der Zeit
singen möchte? Der Franzose Jean-Marie Se'nia (Film- und
Theaterkomponist) erarbeitete mit mir das Repertoire. Zum
Schluß sagte er mir: "Ich habe Lust für dich zu
komponieren. Bring mir Texte!"
Was liegt näher, als "Rainer
Werner Fassbinder zu bringen" (diesmal ins Französiche
übertragen und als Kontrastfigur ... Jean-Claude Carrie're,
beide als Größen der Film- und Theaterwelt hinreichend
bekannt, aber als Lyriker noch relativ unentdeckt.
Das waren die ersten beiden
Säulen. Hinzu kamen dann: Rimbaud, Baudelaire, Heiner
Müller, Peter Handke, Thomas Bernhard ... und andere von
diesseits und jenseits der deutsch-französichen Sprachgrenze
... im Geflecht zweier Kulturen, in denen ich, ein Wanderer
zwischen beiden Welten, gleichermaßen 'zu Hause' oder soll ich
sagen 'unterwegs' bin."
Zu den Wechselfällen ihres
Lebens gehörte, die Karriere zweimal für die Pflege der
Eltern zurückgestellt zu haben. Zur ihrer Motivation, immer
wieder Neues zu wagen, bekannte Hanna Schygulla einmal:
?Ich bin auf meine Ängste immer zugegangen, denn da, wo
die Angst sitzt, da ist auch der Weg in die neue
Lebenserfahrung.?
Hanna Schygulla lebt heute in
Paris.
Interviews
Filmografie
1968: Der Bräutigam, die
Komödiantin und der Zuhälter (The Bridegroom, The Actress
And The Pimp). Rolle: Lucy
1969: Jagdszenen aus Niederbayern
(Hunting Scenes from Bavaria). Rolle: Paula
1969: Liebe ist kälter als der
Tod (Love Is Colder Than Death). Regie: Rainer Werner Fassbinder.
Rolle: Johanna
1969: Katzelmacher. Regie: Rainer
Werner Fassbinder. Rolle: Marie
1969: TV-Film: Die
Revolte
1969: Das Kuckucksei im
Gangsternest / Die heiße Gangsterbraut. Rolle:
Maria
1970: TV-Film: Baal
1970: Götter der Pest (Gods Of
The Plague). Rolle: Johanna Reiher
1970: TV-Film: Das Kaffeehaus (The
Coffeehouse). Rolle: Lisaura
1970: Mathias Kneissl. Rolle:
Mathilde
1970: Warum läuft Herr R.
Amok? (Why Does Herr R. Run Amok?). Regie: Rainer Werner
Fassbinder. Rolle: Schulfreundin
1970: TV-Film: Die Niklashauser
Fart (The Niklashausen Journey). Rolle: Johanna
1971: TV-Film: Rio das Mortes.
Rolle: Hanna
1971: TV-Film: Pioniere in
Ingolstadt. Rolle: Berta
1971: Whity. Rolle:
Hanna
1971: Warnung vor einer heiligen
Nutte (Beware of a Holy Whore). Rolle: Hanna,
Schauspielerin
1971: TV-Film: Jakob von
Gunten
1971: TV-Film: Die Ahnfrau -
Oratorium nach Franz Grillparzer
1972: TV-Film: Haus am
Meer
10. März 1972: Händler
der vier Jahreszeiten (The Merchant of Four Seasons). Regie: Rainer
Werner Fassbinder. Rolle: Anna
1972: Die bitteren Tränen der
Petra von Kant (The Bitter Tears of Petra von Kant). Regie: Rainer
Werner Fassbinder. Rolle: Karin Thimm
1972: TV-Miniserie: Acht Stunden
sind kein Tag
1972: TV-Film: Bremer Freizeit
(Bremen Coffee). Rolle: Luise Maurer
1973: TV-Film: Wildwechsel (Jail
Bait). Rolle: Ärztin
5. Juli 1974: Effie Briest. Regie:
Rainer Werner Fassbinder. Rolle: Effie Briest
1975: Falsche Bewegung (False
Movement). Regie: Wim Wenders. Rolle: Therese Farner
1976: Ansichten eines Clowns (The
Clown). Rolle: Marie
1977: TV-Miniserie: Die
Dämonen
1977: Sylvesternacht
1978: Die Ehe der Maria Braun (The
Marriage of Maria Braun). Regie: Rainer Werner Fassbinder. Rolle:
Maria Braun. Rolle: Maria Braun
1979: Die dritte Generation (The
Third Generation). Regie: Rainer Werner Fassbinder. Rolle: Susanne
Gast
1979: TV-Miniserie: Die große
Flatter. Rolle: Frau Piesch
1980: TV-Miniserie: Berlin
Alexanderplatz. Regie: Rainer Werner Fassbinder. Rolle:
Eva
1980: Lilli Marleen. Regie: Rainer
Werner Fassbinder. Rolle: Willie
1981: Die Fälschung (Circle of
Deceit / False Witness). Regie: Volker Schlöndorff. Rolle:
Arianna Nassar
1981: Flucht nach Varennes (La nuit
de Varennes). Regie: Ettore Scola. Rolle: Sophie de la
Borde
1982: (Passion). Regie: Jean-Luc
Godard. Rolle: Hanna, die Schauspielerin
1982: (Antonietta). Regie: Carlos
Saura. Rolle: Anna
1983: Heller Wahn (Friends and
Husbands / Sheer Madness). Regie: Margarethe von Trotta
1983: Die Geschichte der Piera
(Storia die Piera). Regie: Marco Ferreri. Rolle:
Eugenia
1983: Eine Liebe in Deutschland (Un
Amour en Allemagne). Regie: Andrzej Wajda. Rolle: Pauline
Kropp
1984: TV-Film:
(L'aide-mémoire). Rolle: Suzanne
1984: Die Zukunft heißt Frau
(Il futuro è donna). Regie: Marco Ferreri. Rolle:
Anna
1986: TV-Serie: Peter der
Große (Peter The Great). Rolle: Catherine
Skevronskaya
1986: (The Delta Force). Rolle:
Ingrid
1986: TV-Film: Barnum (Barnum).
Regie: Lee Philips. Rolle: Jenny Lind
1987: (Miss Arizona). Rolle: Mitzi
Rozsnyai
1987: TV-Film: Casanova (Casanova).
Regie: Simon Langton. Rolle: Casanovas Mutter
1987: Für immer Lulu (Forever,
Lulu). Rolle: Elaine
1988: TV-Film: Der Sommer von Frau
Forbes (El verano de la señora Forbes). Rolle: Frau
Forbes
1990: Abrahams Gold. Regie:
Jörg Grasser. Rolle: Bärbel
1990: (Aventure de Catherine C.).
Rolle: Fanny Hohenstein
1991: Schatten der Vergangenheit
(Dead Again). Regie: Kenneth Branagh. Rolle: Inga
1992: TV-Miniserie: (Me alquilo
para soñar)
1992: (Golem, l'esprit de l'exil /
Golem, the Ghost of Exile)
1992: Der Daunenträger
(Warszawa. Année 5703) Regie: Janusz Kijowski. Rolle:
Stephania
1993: Das blaue Exil (Mavi Surgun).
Rolle: Die Schauspielerin
1993: (Golem, le jardin
pétrifié / Golem: The Petrified Garden). Rolle:
Michelle
1993: Madame Bäurin. Rolle:
Tante Agathe
1993: TV-Serie: (Monologues;
Episode "André")
1994: (Hey Stranger). Rolle:
Tania
1994: Die kleinen Freuden des
Lebens (Aux petits bonheurs). Rolle: Lena
1994: TV-Film: (Le bel horizon).
Rolle: Michèle
1995: 101 Nacht - Die Träume
des M. Cinema (Les cent et une nuits de Simon
Cinéma)
1995: TV-Miniserie: (Associations
de bienfaiteurs). Rolle: Janet P. Sanders
1995: (Pakten / The Sunset Boys).
Rolle: Ewa Loehwe
1996: (Milim). Rolle: Spirit of
Exile
1996: Lea. Rolle: Wanda
1998: Black Out. Rolle:
Martha
1998: TV-Film: (Angelo nero).
Rolle: Eloide Prinzivalle
1998: Das Mädchen deiner
Träume (La Niña de tus ojos). Regie: Fernando Trueba.
Rolle: Magda Goebbels
2000: Die werckmeisterschen
Harmonien (Werckmeister harmóniák). Rolle: Tünde
Eszter
2001: TV-Film: Suche orientalischen
Mann (Absolitude). Rolle: Suzanne
2004: (Promised Land). Regie: Amos
Gitai. Rolle: Hanna
2005: Die Blaue Grenze
2005: (Vendredi ou un autre).
Regie: Le Moine
23. November 2006: Winterreise
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