Hayao Miyazaki

* 5. Januar 1941 • Regisseur, Drehbuchautor • Biographie • Interviews • Oscars • Filmografie •

Biographie Seit 20 Jahren ist Hayao Miyazaki einer der wichtigsten Vertreter des japanischen Animationsfilms und einer seiner beständigsten und kreativsten Schöpfer. Ob als Produzent, Zeichner, Regisseur, Grafiker oder Drehbuchautor - Hayao Miyazaki ist mehr als ein Orchesterspieler, er ist ein genialer Künstler, einer der größten seiner Generation.

Seine Filmografie weist eine verblüffende Einheitlichkeit der Vision und eine erstaunliche Integrität auf, von der enormen Bandbreite seines Schaffens einmal abgesehen. Diese Ehrlichkeit mag vielleicht der Schlüssel zu seinem großen Erfolg sein.

In den 39 Jahren seiner Karriere hat Hayao Miyazaki alle Themen aufgegriffen, sämtliche Varianten ausprobiert und fast jedes Register gezogen. Sei es satirisch, episch oder elegisch, er bewegt sich munter vom Porträt zum Tableau des Genres.

Mit beispielhafter Einfachheit gelingt es ihm immer wieder, elementare Grundgefühle auszudrücken. Er liefert sich den lyrischen Regungen der Seele aus, er verliert sich im charmanten Spiel der Fantasie ...

Seine Selbstverleugnung, seine Unerbittlichkeit und die Liebe zu seiner Arbeit haben ihn angetrieben, seine Wahrnehmung und seine cineastischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sich selbst an seine physischen Grenzen zu treiben.

Hayao Miyazaki ist ein echter Künstler, der nie etwas nur der Kunst um der Kunst willen betreibt. Seine Filme sind konstruiert wie alte Kathedralen, mit Hingabe und Mut, die an religiöse Inbrunst erinnern - die all seinen Filmen zugrunde liegt.

Als Filmschaffender gewissenhaft, pedantisch und aufmerksam, hat Hayao Miyazaki während seiner gesamten Laufbahn einen heroischen und heftigen Kampf gegen faule Aphorismen und intellektuelle Trugschlüsse geführt. Sein Werk ist ein brillanter Tribut an den Triumph einer außergewöhnlichen Imagination.

Sommer 1941 Hayao Miyazaki wurde 1941 als zweites Kind einer vierköpfigen Familie geboren. Während des Krieges verließen seine Eltern Tokio auf der Flucht vor amerikanischen Bomben. Sie ließen sich in der kleinen Stadt Utsunomiya nieder, nicht weit von der Hauptstadt entfernt. Hayao Miyazaki wuchs in einer Umwelt auf, die sich nur schwer von den Auswirkungen des weltweiten Konflikts erholte. Obwohl er es leugnet, hat ihn diese Episode seines Lebens stark geprägt.

Die bäuerliche Kindheit beeinflusste einen Teil seines Werks, vor allem "My Neighbor Totoro". "Der einzige Film, dem kein Kind, und sei es noch so unruhig oder böse, widerstehen kann," behauptet John Lasseter, der Regisseur von "Toy Story" und "Die Monster AG". "Hayao Miyazakis kindgerechtesten Filme wie 'My Neighbor Totoro' oder 'Kiki's Delivery Service' sind für mich eine Quelle permanenter Inspiration."

"Ich bewundere ihn dermaßen, dass ich die Struktur des Studio Ghibli als Modell für den Aufbau von Pixar übernommen habe. Jetzt ist es ganz einfach, wenn sich ein Problem mit einer Pixar-Produktion ergibt, schauen wir uns einfach einen Hayao-Miyazaki-Film an. Und nach und nach finden wir darin die Lösung für unser Problem."

Anders gesagt, wenn die Mama in "My Neighbor Totoro" krank ist, dann vielleicht, weil Hayao Miyazakis Mutter von Tuberkulose infiziert war. Man kann vermuten, dass das Bild dieser mutigen Frau einige seiner erwachsenen Leinwand-Heldinnen geprägt hat.

Sein Vater leitete das familieneigene Flugzeugunternehmen, Miyazaki Airplane. Von ihm erbt Hayao seine Leidenschaft für die Luftfahrt, die sich später in seinen großen lyrischen Gedankenflügen fortsetzt.

Als Bewunderer der Comics von Osamu Tezuka, dem Vater der modernen Mangas, gesteht Hayao Miyazaki ein, dass er sich nie ganz vom Einfluss des Meisters freimachen konnte, auch wenn er Tezukas Arbeit im Bereich der Animation durchaus kritisch gegenübersteht.

Erste Anzeichen von Kinoleidenschaft Hayao Miyazaki erlebte seine erste Liebesgeschichte mit dem Kino 1958, bei einer Vorführung von "The White Snake Enchantress" ("Hakujaden"), dem ersten langen japanischen Zeichentrickfilm in Farbe, produziert von den Toei Animation Studios.

Damals fasste er den Entschluss, das Zeichnen zu seinem Beruf zu machen. Trotzdem schrieb er sich an der Universität von Gakushuin ein, um Ökonomie zu studieren. In diesen vier Jahren nutzte er die Vorlesungen, um seinen Zeichenstil zu perfektionieren. Während des Studiums interessierte er sich auch für marxistische Theorien.

1963 begann er seine Arbeit bei Toei-Animation und nahm an einer Studiengruppe über Kinderliteratur teil. Auf diese Weise wurde er einer der wenigen japanischen Zeichentrickfilmer, die nicht der Manga-Schule entstammen. Seine kreative Besessenheit und das Arbeitsvolumen, das er bewältigt, heben ihn bald deutlich von den anderen Animatoren des Studios ab. Trotzdem, seine Karriere begann ganz unten auf der Erfolgsleiter.

Für den Film "Watchdog Bow How", eine fantasievolle Wiederaufnahme der berühmten 47 Heldengedichte Ronins, die unzählige japanische Actionfilme beeinflussten, wurde er in Intervallen bezahlt. 1964 arbeitete er mit an der "Ken, Wolf Boy", der ersten bei Toei produzierten Serie. Dabei lernte er zwei Männer kennen, die sein weiteres Leben entscheidend beeinflussen sollten: seinen späteren Partner Isao Takahata und seinen Mentor Yasuo Otsuka.

Die zeitgleiche Arbeit an den Fernsehserien, die auf Kosten der Kinofilme ging, führte zu ernsten Konflikten zwischen den Zeichnern und der Geschäftsleitung von Toei. Seine Hartnäckigkeit, seine Überzeugungen und seine Charakterstärke veranlassten Hayao Miyazaki 1964, im Alter von 23 Jahren, Mitglied der Studio-Gewerkschaft zu werden. Zugleich intensivierte er seine Beziehungen zu Takahata und Otsuka.

Ich habe einen Traum Hayao Miyazaki schwebte schon immer vor, einen Film zu realisieren, dessen Stil und Handlung das Kinder-Genre sprengen sollte - ein komplexes, zusammenhängendes Szenario für alle Generationen. 1965 beteiligte er sich an einem Projekt, das Takahata und Otsuka ins Leben gerufen hatten.

Trotz wachsender Spannungen seitens der Geschäftsleitung von Toei nahm "The Great Adventures of Horus, Prince of the Sun" im Sommer 1968 Gestalt an. Als erste große unabhängige, das heißt von den Künstlern, nicht den Produzenten erdachte, japanische Zeichentrickproduktion stieß dieses kluge und vorausschauende Werk auf starke Gegenliebe bei der Kritik. Hayao Miyazaki war für das Konzept und die Chef-Animation verantwortlich.

In der Branche schlug der Film ein wie eine Bombe. Seine Uraufführung 1968 läutete den Eintritt des Mediums ins Zeitalter der Moderne ein. Ein Schicksal erfüllte sich. "Wir wollten ein Werk schaffen, das uns selbst gefällt und anderen Erwachsenen um die Dreißig," erinnert sich Isao Takahata. "Das hieß natürlich nicht, dass sich der Film nicht auch an ein viel jüngeres Publikum richtet, im Gegenteil."

"Leider wurde 'Horus' finanziell ein Misserfolg. Das Marketing, das auf ein neues studentisches Publikum hätte abzielen sollen, wurde von Toei schlecht gemanagt. Dennoch hatte der Film Einfluss auf das Studio, weil die Psychologie der Figuren nach 'Horus' mehr auf den Punkt gebracht wurde.

Fortan wurden viele Geschichten über das Scheitern von Liebesbeziehungen zwischen einem Mann und einer Frau aus unterschiedlichen Welten in Szene gesetzt. Die dramatischen Mittel, die wir verwendet haben, hatten ihre Wirkung nicht verfehlt."

Sanfter Übergang Nach dem finanziellen Debakel, dem 1969 Otsukas Wechsel zum Konkurrenz-Studio A Production folgte, entschloss sich Hayao Miyazaki, bei Toei zu kündigen und mit Isao Takahata zu arbeiten. 1971 fand sich das Trio Hayao Miyazaki, Takahata und Otsuka wieder zusammen, um das Universum von "Pippi Langstrumpf" für die Leinwand zu adaptieren.

Doch die Schöpferin von Pippi, die weltberühmte Autorin Astrid Lindgren, verweigerte die Zustimmung. Nach dieser Erfahrung bei den Vorbereitungen beschlossen Hayao Miyazaki und Takahata, sich nicht mehr von Auftragsarbeiten einschränken zu lassen und ließen ihrer Imagination in den beiden Kurzfilmen "Panda Kopanda" ("Panda, Little Panda") 1972 und 1973 freien Lauf.

Serien-Club Ihrem Ruf, Leinwandabenteurer zu sein, wurden die Komplizen mit ihrem nächsten Projekt gerecht, einer Arbeit, die des langen Atems der Nippon Animation bedurfte. Mit "Heidi" griffen sie das Prinzip erfolgreicher TV-Serien auf und schufen unter dem Motto "Klassische Werke von Weltrang" eine Reihe von Zeichentrick-Adaptionen großer Werke der Kinderliteratur.

Auch wenn die Serie von Erfolg gekrönt war, räumte Hayao Miyazaki, der die dramatischen Konzeptionen erarbeitete, später ein, er hätte lieber die finanzielle Unabhängigkeit gehabt, dieses Projekt abzulehnen.

Während dieser Epoche, 1978, realisierte Hayao Miyazaki auch seinen ersten Zeichentrickfilm fürs Fernsehen, "Future Boy Conan". Hier formte er die Grundlagen seines Stils, skizzierte seine Themen und deckte seine romanhaften Vorlieben auf. Trotz der Beschränkungen durch das Format entstand eine Serie von sehr hohem technischen Niveau. Eine Karriere jenseits aller Normen nahm ihren Lauf.

Hayao Miyazaki tritt ins Rampenlicht Im folgenden Jahr setzte Hayao Miyazaki die besten Passagen seiner Serie zu einer Arbeit fürs Kino neu zusammen. "Future Boy Conan" sollte sein erster Film als Regisseur werden. Doch Hayao Miyazaki weigert sich, seine Urheberschaft anzuerkennen. Seiner Meinung nach können die wenigen Szenen, die er hinzugefügt hat, die Zensur nicht aufheben, die die Produktion auf das Drehbuch ausübte. Frustriert verließ er Nippon Animation und wechselte zum Studio Telecom Animation Film.

Dort begannen Hayao Miyazaki und Takahata sogleich mit der Arbeit an einem neuen Projekt. "Lupin III" schildert die unglaublichen, romantischen und traumhaften Abenteuer einer Figur, die sie bereits 1971/72 fürs Fernsehen inszeniert hatten - den Erben des von Maurice Leblanc erfundenen Gentleman-Einbrechers.

Als Regisseur gelang Hayao Miyazaki mit "The Castle of Cagliostro", was viele als sein erstes Meisterwerk bezeichnen, eine Hommage an Paul Grimaults "The Curious Adventures of Mr. Wonderbird". Mit seinem Mentor Yasuo Otsuka, der bereits stark in die Entwicklung der verschiedenen "Lupin III"-Episoden eingebunden war, beschloss Hayao Miyazaki, in der extrem knappen Produktionszeit von wenigen Monaten einen 90-minütigen Animationsfilm zu realisieren.

Bedenkt man die semantischen, ästhetischen und technischen Ambitionen des Projekts, so war noch nie - und wird nie wieder - eine solche Großleistung vollbracht werden. Hayao Miyazaki und sein Team stellten sich einem anstrengenden Marathon, aus dem sie erschöpft, aber siegreich hervorgingen.

In "The Castle of Cagliostro" erfindet Hayao Miyazaki den Charakter der mythologischen "Nausicaa" neu, deren zeitgenössische Doppelgängerin "Clarisse" ist. Mehr noch als "Nausicaa", die 1984 seinen Ruhm endgültig begründen sollte, ist dieser Charakter die Inkarnation der legendären Königstochter in Homers "Odyssee".

Wie die epische "Nausicaa" ist sie eine auf einer Insel lebende Prinzessin, die Lupin, Hayao Miyazakis Odysseus-Figur, rettet. Er macht aus Lupin einen komplexen, äußerst liebenswerten Charakter. Clever, kompetent und vorausschauend steht er für Durchhaltevermögen und die perfekte Verbindung von Dreistigkeit und Umsicht.

Er verkörpert Treue, Reinheit und den Triumph der Intelligenz über brutale Kraft. "The Castle of Cagliostro" ist der Felsen, auf den sich Hayao Miyazakis Ruhm gründet. Bald klopften amerikanische Produzenten an, doch Hayao Miyazaki zeigte sich von ihren Angeboten unbeeindruckt. Er verachtete den Mangel an Integrität und Engagement im amerikanischen Animationsbusiness.

Für Hayao Miyazaki begann eine Periode des Übergangs. Noch einmal produzierte er einige erstaunliche Episoden der "Lupin III"-Serie fürs Fernsehen ebenso wie eine italienisch-japanische "Sherlock Holmes"-Coproduktion.

Er leistete einen kleinen Beitrag zu dem Animationsfilm "Cobra", einem damals populären mythischen Kinder-Helden. Aber er fand die Beschränkungen des Mediums erdrückend für seine kreative Arbeit. Von seinen Freunden Otsuka und Takahata gedrängt, gab er das Projekt zugunsten eines vielversprechenderen auf.

1982 begann er mit der Veröffentlichung des Mangas "Nausicaä", ein lyrisches Epos, das sich über zwölf Jahre und über 1000 Seiten erstreckt. Das einem breiten westlichen Publikum unbekannte Meisterwerk fand schnell weltweite Anerkennung in Kunstkreisen. In Frankreich beispielsweise wurde Moebius ein erklärter Fan.

1984 beschloss Hayao Miyazakis Herausgeber Yasuyoshi Tokuma, die Geschichte für die Leinwand zu adaptieren. Hayao Miyazaki erklärte sich bereit, Regie zu führen. So wurde eine emblematische Heldin des modernen japanischen Animationsfilms geboren, ein zweiter Boom des Genres begann.

Die Geschichte einer jungen Prinzessin, die in einem chaotischen und gefährlichen Universum ums Überleben kämpft, sprach ein weltweites Publikum an. Der Film, der das offizielle Siegel der World Wildlife Association trug, gewann zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Festivals.

In Frankreich kam der Film allerdings nur auf Video in einer um 30 Minuten gekürzten Fassung heraus - Hayao Miyazaki war erbost über die Verstümmelung seines Werks und verbot zehn Jahre lang alle weiteren ausländischen Aufführungen.

Akira Kurosawa erklärt: "'Nausicaa' war der Film, der dem großen Autorenfilmer die Anerkennung eines breiten Publikums brachte. Ich schätze ihn sehr. Ich glaube, wir beide kommen aus der gleichen Schule, teilen die gleiche Strenge, den gleichen Geschmack für menschliche Geschichten im großen Rahmen.

Aber ich bin beunruhigt, wenn die Kritiker unsere Arbeit in einen Topf werfen. Man darf die Bedeutung von Hayao Miyazakis Arbeit nicht herabsetzen, indem man sie mit meiner vergleicht."


Interviews
Oscars
Filmografie
  • 1978: TV-Serie: (England/USA: The Future Boy Conan / Japan: Mirai Shonen Konan) (26 Episoden)
  • 1980: TV-Serie: (England/USA: Lupin III - The Second TV Series / Japan: Shin Rupan Sansei) (2 Episoden)
  • 1982: TV-Serie: (England/USA: The Great Detective Holmes / Japan: Meitantei homuzu) (6 Episoden)
  • 1992: Kurzfilm: (England/USA: The Blue Seed / Japan: Sorairo no Tane)
  • 1995: Kurzfilm: (England/USA: On Your Mark)
  • 2001: Kurzfilm: (England/USA: The Whale Hunt/ Japan: Kujiratori)
  • 2001: Kurzfilm: (England/USA: Koro's Big Day Out / Japan: Koro no Osanpo)
  • 1979: Spielfilm: (England/USA: The Castle of Cagliostro / Japan: Kariosutoro no Shiro)
  • 1984: Spielfilm: (England/USA: Nausicaä of the Valley of the Winds / Japan: Kaze no Tani no Nausicaa)
  • 1986: Spielfilm: (England/USA: Laputa: Castle in the Sky / Japan: Tenku no Shiro Laputa)
  • 1988: Spielfilm: (England/USA: My Neighbor Totoro / Japan: Tonari no Totoro)
  • 1989: Spielfilm: (England/USA: Kiki's Delivery Service / Japan: Majo no Takkyubin)
  • 1992: Spielfilm: (England/USA: Crimson Pig / Japan: Kurenai no Buta)
  • 1997: Spielfilm: Prinzessin Mononoke
  • 2001: Spielfilm: Chihiros Reise ins Zauberland
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