Heino Ferch
* 18. August 1963 in Bremerhaven, Deutschland • Schauspieler • Biographie • Interviews • Filmografie •
Heino Ferch Biographie Der Kapitänssohn wurde 1963 in Bremerhaven geboren. Seinen ersten Bühnenkontakt hatte er noch als Schüler: Ein artistischer Bühnenauftritt im Musical Can Can (Bremen, 1978) war für ihn der Zündfunke, sich mit Haut und Haar der Schauspielerei zu verschreiben.

1987 beendete Ferch am Salzburger Mozarteum seine Schauspielausbildung, die unter anderem Stepptanz, Ballett und Gesang umfaßte, und er ist seitdem auf der Bühne, beim Fernsehen und Film eine feste Größe.

Von 1987 bis 1990 war Ferch unter der Intendanz von Hans Neuenfels festes Ensemblemitglied der Freien Volksbühne Berlin, von 1990 bis 1995 arbeitete er unter der Intendanz von Alfred Kirchner und Alexander Lang am Schillertheater. In dieser Zeit übernahm er auch Gastspiele bei Produktionen bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala und am Wiener Burgtheater, wo er die Hauptrolle in Brendan Behans Die Geisel (1996) spielte.

Einprägsame TV-Rollen hatte der vielseitige Mime in Heiko Schiers Wedding (1989) und als couragierter Werksarbeiter in Uwe Jansons Gefährliche Verbindung (1993). Seit seinem Kinodebüt in Peter Schamonis Schloß Königswald (1987) gehört Ferch auch noch zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Films. Es ist aber schwer zu ermitteln, welche seiner hervorragenden Darstellungen ihn in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Schauspieler seiner Generation gemacht haben. Sein sensibel gezeichneter Neonazi in Roland Suso Richters Samstags, wenn Krieg ist (1993) und in Tom Toelles Deutschlandlied (1994). 1995 wurde seine Darstellung in Maris Pfeiffers Romanze Küß mich! von der Kritik stark hervorgehoben.

In vielen Fernsehfilmen wurde er immer wider als harter Kerl besetzt, aber er vermag auch ganz andere Register zu ziehen, wie er in Martin Enlens Mobbing-Studie Wer Kollegen hat, braucht keinen Feinde (1995) eindringlich unter Beweis stellte: Dort stellte er einen schwächlichen Eigenbrödler im Mobbing-Streß eines Computerunternehmens dar. Aber auch in Nico Hofmanns Es geschah am hellichten Tag (1996) gab er eine überzeugende Vorstellung.

Nico Hoffmann, der Regisseur von Der Sandmann, schwärmt: "Heino Ferch ist eine Ausnahmeerscheinung unter den jungen deutschen Schauspielern. In seinem kraftvollen Einsatz und seiner natürlichen Ausstrahlung gleicht er Götz George."

In Der Unhold (1995) verleiht Heino Ferch der Figur des Obersturmbannführers Raufeisen Gesicht und Gestalt: Raufeisen ist ein ehrgeiziger junger Nazi, der als Emporkömmling mit großem Fanatismus erziehungsdiktatorischen Vorstellungen anhängt. Damit steht er in direktem Gegensatz zu dem alten deutschnational geprägten Grafen von Kaltenborn, aber auch zu Blättchen, der in dubiosen Experimenten rassistische Theorien zu beweisen sucht.

Im Frühjahr 1996 hat ihn Claude Berri für Lucie Aubrac nach Frankreich geholt. In diesem Film über das Leben der von Carole Bouquet verkörperten Lyoner Resistanceführerin stellt Ferch den berüchtigten Schlächter von Lyon dar: Klaus Barbie.

Große Kinorollen hat Ferch jüngst gestaltet: in Vivian Naefes 2 Frauen 2 Männer 4 Probleme, in Sherry Hormanns Widows - Erst die Ehe, dann das Vergnügen und in Joseph Vilsmaiers Comedian Harmonists. Dennoch dürfte seine Interpretation des eitlen, kraftstrotzenden und doch auch elenden und verletzlichen Marco in Tom Tykwers Winterschläfer ein Wendepunkt für Heino Ferch sein: seine erste große tragische Rolle.

Am Set von Winterschläfer wurde Ferch wegen seiner leichten Ähnlichkeit mit Hollywoodstar Bruce Willis übrigens nur "Bruce" genannt!

Regisseure, mit denen Ferch zusammenarbeitete, darunter Peter Schamoni, Wim Wenders, Heiko Schier und Uwe Janson schätzen an dem vielseitigen Schauspieler die Mischung aus ruppiger Härte und sensibler Intelligenz. Nach seiner Schauspiel-Ausbildung am Salzburger Mozarteum begann der 1963 geborene Heino Ferch 1987 seine Karriere an der Freien Volksbühne Berlin, wo er bis 1990 Ensemblemitglied war. Danach wechselte er zum Schillertheater und gab u.a. Gastspiele bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala und am Wiener Burgtheater. Sehr bald war der Charaktermime auch in TV-Filmen zu sehen, darunter in Uwe Jansons "Gefährliche Verbindung" (1993), in Roland Suso Richters "Samstags, wenn Krieg ist" (1993) und in Nico Hoffmans Klassiker-Remake von "Es geschah am helllichten Tag" (1996). Seit seinem Kinodebüt in Heiko Schiers Berlin-Film WEDDING (1989) gehört Heino Ferch auch zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Spielfilms. Und so ist es kein Wunder, dass er immer wieder von deutschen Regie-Koryphäen wie Wim Wenders für IN WEITER FERNE SO NAH (1992), von Volker Schlöndorff - an der Seite von John Malkovich - für DER UNHOLD (1995) und von Tom Tykwer sogar zweimal, nämlich für WINTERSCHLÄFER (1996) und LOLA RENNT (1997) vor die Kamera geholt wurde. Den großen Durchbruch hatte Heino Ferch dann 1997 in Joseph Vilsmaiers Ensemblestück COMEDIAN HARMONISTS als Roman Cykowski, eine Rolle, für die er mit dem Bayerischen Filmpreis und dem UCI-Filmpreis ausgezeichnet wurde. Vilsmaier besetzte Ferch zwei Jahre später erneut in seinem Bio-Pic MARLENE (1999). Zu Heino Ferchs weiteren Kinofilmen gehören u.a. WIDOWS (1997) von Sherry Hormann, Thomas Bohns STRAIGHT SHOOTER (1998), wo er die Nemesis von Hollywood-Legende Dennis Hopper war, und NACHTS IM PARK (2000) von Uwe Janson. In den letzten Jahren glänzte Heino Ferch vor allem in den TV-Highlights "Der Tunnel" (2000) von Roland Suso Richter, wofür er den Bayerischen Fernsehpreis und die Goldene Kamera bekam, in "Napoleon" (2001) von Yves Simoneau, in Uli Edels "Julius Caesar" (2002) und in Kaspar Heidelbachs "Das Wunder von Lengede" (2003). 2004 wurde Ferch mit dem Deutschen Videopreis ausgezeichnet. Als Albert Speer machte Heino Ferch zuletzt in der Bernd Eichinger-Produktion DER UNTERGANG unter der Regie von Oliver Hirschbiegel auf sich aufmerksam. Abgedreht hat Ferch inzwischen den TV-Mehrteiler "Die drei Musketiere", auf weitere Fernsehproduktionen bereitet er sich vor, u.a. auf die Rolle des Heinrich Schliemann.


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