Interview mit Heino Ferch
Heino Ferch Heino Ferch ist Hauptdarsteller in dem TV-Movie "Koma - Lebendig begraben" auf Sat.1 Frage: Für "Koma - Lebendig begraben" haben Sie zum achten Mal mit dem Regisseur Uwe Janson zusammengearbeitet. Was verbindet Sie?

Heino Ferch: "Wir haben einen gemeinsamen Zugang zu Stoffen. Seit vier bis fünf Jahren arbeiten wir kontinuierlich miteinander, und oft beginnt unsere Zusammenarbeit lange vor den Dreharbeiten. Bei ,Koma' hatte ich schon die erste Drehbuchfassung zum Lesen bekommen. Bei der Stofferarbeitung hat Janson natürlich Kollegen im Kopf, mit denen er das Buch umsetzen will - ich bin da meistens maßgeblich beteiligt. Es ist 'ne wunderbare Sache, wenn man sich nicht immer über Grundlagen auseinandersetzen muss und weiß, wie der andere funktioniert."

Frage: In dem Film wird Sterben als eine lange Reise zwischen den Welten beschrieben, bei der der menschliche Wille letztendlich triumphiert. Haben Sie Grenzerfahrungen zwischen Leben und Tod?

Heino Ferch: "Als Hochleistungssportler hatte ich einmal eine Genickverstauchung. Für zwei, drei Sekunden habe ich gedacht, ich würde sterben, und Bilder aus meinem Leben rauschten an mir vorbei. Es war ein sehr leichtes, ,luftiges' Gefühl. Aber ,Koma' ist hauptsächlich ein Film über die Liebe und starke emotionale Zustände. Für mich war es spannend, die extreme Verzweiflung darzustellen, die diese Rolle beinhaltet - das Gefühl, vor einer Wand zu stehen und nicht weiterzuwissen. Solche Situationen kennt man im Ansatz aus dem eigenen Leben und weiß, wie man die Rolle spielen muss."

Frage: Franky ist Leiter einer Falkenzuchtstation. Vierzehn Tage lang waren diverse Greifvögel am Set. Wie haben Sie sich den nicht ganz ungefährlichen "Tierchen" genähert?

Heino Ferch: "Schon während eines früheren Drehs in Berchtesgaden habe ich gewußt, dass der Falkner dort unsere Dreharbeiten für ,Koma' betreuen wird. Ich habe also schon frühzeitig auf der Farm mit den Falken trainiert, sie vom Arm abfliegen lassen und gefüttert. So habe ich den Tieren und mir die Nervosität genommen - vor einem Adler mit zwei Meter Flügelspanne hat man anfänglich einfach Respekt. Aber die Falknerei ist ohne Frage interessant, das eingespielte Verhältnis zwischen Hund, Vogel und Jäger und der natürliche Jagdinstinkt der Tiere - faszinierend, ein wahrhaft königlicher und männlicher Sport."

Frage: Der Film besticht durch seine außergewöhnlich schönen und lyrischen Liebesszenen in einem Gebirgsbach.

Heino Ferch: "Das war harte Arbeit, denn das Wasser im Gebirgsbach hatte nur 10 Grad Celsius. Die Unterwasseraufnahmen haben wir morgens um sechs Uhr in einem Schwimmbecken gedreht. Dazu musste ich mit meiner Filmpartnerin Antje Schmidt im Arm u.a. vom Dreimeterbrett springen. Wir haben in den zwei Wochen Filmvorbereitung intensiv auf diese Szenen hingearbeitet und sie auch mit Bedacht nicht am Anfang gedreht."

Frage: Im letzten Jahr waren Sie in großen Produktionen wie Schlöndorffs Der Unhold zu sehen.

Heino Ferch: "Die Arbeit mit Schlöndorff und Malkovich war schon ein Meilenstein in meinem bisherigen Schauspieler-Dasein. Besonders in Erinnerung geblieben sind die Proben mit dem Theatermann Malkovich vorm Dreh. Bei ihm habe ich erlebt, wie wichtig es ist, bei sich zu bleiben, aus dem Vertrauen für die eigenen Fähigkeiten zu schöpfen. Man hat keine andere Wahl, egal bei welchem Projekt."

Frage: Sie sind als Jugendlicher über eine Statistenrolle als Akrobat zum Theater gekommen. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn es diesen Auftritt damals nicht gegeben hätte?

Heino Ferch: "Ich wäre vermutlich Biologe oder Meeresforscher geworden, oder irgendsowas, was man als Junge halt so vorhat. Das Selbstvertrauen als Schauspieler habe ich mir allein erarbeitet - meine Eltern hatten keine besondere Affinität zum Theater. Man muss natürlich den Arsch hochkriegen und ,Quälabende' in Kauf nehmen, wenn man seine Lebenspläne umsetzen will. Und man muss wild 'drauf sein, etwas Neues zu lernen. Zum Beispiel in Englisch oder Französisch zu drehen - das hat mit viel Lernen zu tun, ist aber auch 'ne Herausforderung, weil man gut sein und einen Aha-Effekt auslösen will."

Das Interview führte Bettina Gries.

Dirk Jasper FilmLexikon
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