Interview mit Heino Ferch

"Speer verkörpert das, was Hitler so gerne sein wollte."

Heino Ferch ist der Darsteller des Albert Speer in dem deutschen Kinofilm Der Untergang. Frage: Bitte beschreiben Sie Ihre Rolle als Albert Speer.

Heino Ferch: Er war der Haus- und Hofarchitekt von Hitler, Rüstungsminister, mit den Goebbels und auch mit Eva Braun befreundet und genoss großes Ansehen. Er ist eine sehr komplexe Figur. In den letzten 14 Tagen des Dritten Reiches war er nur kurzzeitig im Führerbunker und hat zwei größere Auftritte ? da hatte er bereits seit einem Jahr gegen Hitlers Befehle der ?verbrannten Erde? gearbeitet, also schon lange erkannt, dass es keinen Ausweg mehr gibt.

So lieferte er auch genug Indizien für die Alliierten, als ob er aktiver Widerständler gewesen wäre ? und er kam milder davon, was sicher dazu beigetragen hat, dass er 20 Jahre in Spandau abgesessen hat und nicht zum Tode verurteilt wurde oder es für nötig befand, sich wie andere in der Führungsriege umzubringen.

Frage: Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

Heino Ferch: Natürlich dass Oliver Hirschbiegel, den ich sehr gut kenne, und mit dem ich bereits wunderbar zusammengearbeitet habe, die Regie übernommen hat. Außerdem ist Bernd Eichinger der erfolgreichste Produzent für große Filme in diesem Land und die Besetzung ist phantastisch; bis ins Kleinste sind alle ganz tolle Kollegen.

Der Untergang ist ein großes, außergewöhnliches Projekt, auch eine Gratwanderung, eine reizvolle Aufgabe für alle. Und da ist es eine Ehre, den Albert Speer zu geben, auch wenn die Rolle eher zu den mittelgroßen Protagonisten dieses Films gehört.

Frage: Wie haben Sie sich vorbereitet?

Heino Ferch: Mit einer Menge Literatur über und von Speer; ich habe mir Fotos angeschaut, einzelne seiner Bauwerke, die in Berlin noch erhalten sind, besucht, und Gespräche mit Zeitzeugen und dem Regisseur geführt.

Frage: Welche Hoffnung verbinden Sie mit diesem Film?

Heino Ferch: Wir stellen ja eine These auf. Man kennt viele Wochenschauen, es gibt viel Material darüber, wie es über der Erde ausgeschaut hat, wie zerbombt Berlin gewesen ist ? aber es ist kaum etwas erhalten darüber, wie es während der letzten Tage im Bunker gewesen ist, mit und um Hitler ? wie er die letzten Wochen damit verbracht hat, den Exitus in sich zu akzeptieren, bis er sich selber umbringt. Die Größe des Projekts, der Regisseur, der Produzent und die Schauspieler ? das sind alles Gründe, die diesen Film sehr erfolgreich machen werden.

Frage: Ist der Film auch ein Kommentar zur aktuellen Situation in unserem Land?

Heino Ferch: Ein politischer Kommentar zur heutigen Situation ist es wohl weniger. Vielmehr ist es eine Schatzkiste, in die man hineinschauen kann, weil es das erste Mal ist, dass diese Zeit aus dieser Perspektive beleuchtet und versucht wird, alles so authentisch wie möglich darzustellen.

Frage: Wie haben Sie Albert Speer schauspielerisch gestaltet?

Heino Ferch: Ich gebe meiner Rolle Recht, ich gebe Albert Speer Recht, in allem, was er tut, in seiner bedingungslosen Fürsprache. Er war wohl einer der mächtigsten Männer des Dritten Reichs, auch wenn er sich im Nachhinein nur teilweise so gesehen hat und auch behauptet, er habe von der Judenvernichtung nichts gewusst. Das mag man glauben oder nicht; ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass jemand in seiner Position nichts mitbekommen hat.

Für diese Rolle muss man wohl die Bedingungslosigkeit aktivieren, mit der er diese große Aufgabe angegangen ist, ein neues Römisches Reich zu erschaffen; man muss diese Liebe zu seinem Beruf, den Ehrgeiz, der in ihm steckt, zulassen ? und auch die Hoffnungslosigkeit, das Sehen der Katastrophe und der Sinnlosigkeit, das eigene Versagen des Nicht-früher-Erkennens und des Akzeptieren-Müssens.

Ich glaube, Bormann war es, der zu Speer sagte: ?Sie wissen schon, dass der Führer Sie liebt.? In dieser merkwürdigen Ambivalenz liebte Hitler den Architekten, der ihm in Windeseile mit einem unglaublichen organisatorischen Talent ganze Bauwerke erstellen konnte ? das ist sicher ein geiles Gefühl, der siebte Himmel, der Traum eines jeden Architekten ?, mit dem er über Kunst philosophieren konnte.

Speer verkörpert das, was Hitler immer abgegangen ist, was er so gerne sein wollte, Künstler und Visionär. Auch das muss ich aktivieren, und das ist nicht so schwer, weil unser Beruf ja auch mit Kunst und Leidenschaft zu tun hat.

Heino Ferch
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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