Interview mit Henrik Scheib
Henrik Scheib Henrik Scheib war bei dem Film Tattoo für das Makeup zuständig Frage: Welche besondere Herausforderung stellte der Film Tattoo an Sie?

Henrik Scheib: In technischer Hinsicht bestand die Herausforderung vor allem in der Herstellung der tätowierten Yakuza-Häute. Dies war nicht einfach, denn die Haut sollte formstabil und transparent erscheinen, eine lederartige Anmutung haben und eine definierbare Dicke vorweisen. Außerdem musste sie einigermaßen feuerfest sein. Wir haben sehr viele Tests durchgeführt, um ein geeignetes Material zu finden. Das Ergebnis hat sich beim Dreh dann auch gut bewährt. Die Herstellung der künstlichen Haut war allerdings sehr zeitraubend und arbeitsintensiv.

Frage: Wie lange haben Sie sich auf die Dreharbeiten vorbereitet?

Henrik Scheib: Die ersten Vorbesprechungen fanden schon ein halbes Jahr vor Drehbeginn statt. Ein verbindliches Briefing gab es etwa zehn Wochen vor dem Start. Diese zehn Wochen benötigten wir, um die diversen Dummies und Props, die während der Dreharbeiten zum Einsatz kommen sollten, in mühevoller Kleinarbeit anzufertigen. Etwa sechs bis zehn Personen waren während dieser Phase ununterbrochen damit beschäftigt.

Frage: Wodurch haben Sie sich inspirieren lassen?

Henrik Scheib: Man arbeitet grundsätzlich auf der Grundlage der vom Art Department gemachten Vorgaben. Die Umsetzung im Detail bzw. die Umsetzung im Hinblick auf diverse technische Notwendigkeiten liegt allerdings in unseren Händen. Im Fall Tattoo waren die Vorgaben sehr eindeutig: Wir sollten keine Fantasiefiguren kreieren, sondern realistisch wirkende Körper. Bei den Yakuza-Häuten haben wir uns an Fotomaterial echter Häute orientiert. Bei der Anfertigung künstlicher Leichen halfen uns bebilderte medizinische und kriminalistische Lehrbücher weiter.

Frage: Gruseln Sie sich manchmal vor den Ergebnissen Ihrer Arbeit?

Henrik Scheib: Nein, man hat diese Sachen ja schließlich komplett selbst hergestellt. Ich würde mir aber trotzdem keine selbstgebaute Wasserleiche unters Bett legen. Die Fotodokumente in den bereits erwähnten medizinischen Lehrbüchern finde ich allerdings meistens ziemlich schockierend. Wenn man die anschaut, muss man definitiv Verdrängungsarbeit leisten, sonst gerät man zwangsläufig über die dahinter stehenden Schicksale ins Grübeln.

Dirk Jasper FilmLexikon
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