Interview mit Herbert Knaup
"Natürlich spiegelt der Film unsere Zeit wieder"
Herbert Knaup Herbert Knaup spielt als Jakob Schaller die Hauptrolle in dem großen Sat.1-TV-Thriller 'Ich bring dich hinter Gitter', in dem er als verzweifelter Vater einen Mädchenmörder jagt, weil seine Tochter das nächste Opfer sein soll. Frage: Sie kommen gerade aus Spanien. Was haben Sie da gedreht?

Herbert Knaup: Einen spanischen Kinofilm, der in den 40er Jahren spielt. Ich musste auf Spanisch drehen, was umso erstaunlicher war, weil ich die Sprache vorher gar nicht konnte. Aber ich habe mich da richtig reingeschafft und am Ende locker drauflos geplappert.

Frage: Jakob Schaller ist da etwas zurückhaltender. Wie würden Sie Ihre Filmfigur beschreiben?

Herbert Knaup: Er ist kein Draufgänger, das stimmt. Auf den ersten Blick lebt er in einer Heile-Welt-Familie, aber das täuscht. Das dicke Haus täuscht über fehlende Vertrautheit hinweg. Im Laufe des Films bricht dann endgültig alles weg: Familie, Freundschaft, Job - und er stellt sich die Frage: Was bleibt mir eigentlich noch?

Frage: Zentral ist das Spiel mit Uwe Kockisch als Kommissar Dorn. Wie ist das Verhältnis der beiden?

Herbert Knaup: Die beiden sind lange Zeit die besten Freunde gewesen. Aber Dorn will andauernd der Platzhirsch sein und sich mehr und mehr seinen Traum von einer Familie verwirklichen. Plötzlich verhält sich Dorn wie ein Kuckuck, der Schaller aus dem Nest werfen will.

Frage: In der Anfangsszene wiegen Sie das Gehirn eines Toten. Wie war diese Erfahrung für Sie?

Herbert Knaup: Schaller ist ein Profi in seinem Beruf als Gerichtsmediziner. Als er aber mit Sinas Tod konfrontiert wird, fängt es unter der profihaften äußeren Hülle an zu schmerzen. Ich hoffe, ich habe diesen Zwiespalt gut hinbekommen. Es ist knüppelhart, was diese Menschen leisten - und wird vielleicht von vielen unterschätzt, was auch im Film zum Ausdruck kommt. Das Gehirn im Film war natürlich aus Plastik, aber komisch war die Vorstellung schon, die energetische Zentrale des Menschen in den Händen zu halten.

Frage: Wie, glauben Sie, kann man so einen Beruf bewältigen?

Herbert Knaup: Die richtigen Gerichtsmediziner hängen die Belastung mit dem Mantel an den Haken und gehen ihrem Alltag nach - auch weil sie früh damit konfrontiert werden. Mir hat mal eine angehende Ärztin von einem Patienten erzählt, den sie kurz zuvor noch gepflegt hatte. In einer Vorlesung wurde dann seine Leiche in den Hörsaal geschoben! Aber auf diese Weise kann man den Tod vielleicht umarmen und besser mit ihm leben lernen.

Frage: Im Film wird offen, aber auch durch kleine Flirts und Andeutungen, eine sexualisierte Stimmung erzeugt. Inwiefern entspricht dies der heutigen Realität?

Herbert Knaup: Jakobs Flirt mit Sina soll spielerisch sein, obwohl er natürlich schon in einer Art Midlife Crisis steckt. Er könnte genauso der Mörder sein, das ist ja gerade das Spannende an dem Film. Offener ist die Sache da schon bei Anwalt Stolzfuß, der mit jungen Mädchen badet und spielt. Natürlich spiegelt der Film unsere Zeit wieder: Auf der einen Seite hört man von einem Sexualverbrechen nach dem anderen, andererseits diese Sexbombardierungen mit Telefonsex-Nummern usw. Der Trend, der die ganze westliche Welt durchzieht, heißt: Jung sein, in sein. Wenn nicht, spring in den Jungbrunnen, lass dich operieren, tanz mit auf dem Vulkan, was geht mich die Welt an ...

• Dirk Jasper FilmstarLexikon
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Das Interview führte Jörg Kanzler © 2002 Sat.1 © 1994 - 2010 Dirk Jasper