Interview mit Ildikó von Kürthy
Ildikó von Kürthy Frau Ildikó von Kürthy schrieb die Vorlage für den Film Mondscheintarif

Frage: Frau von Kürthy, stimmt es, dass Autoren immer leiden, wenn Sie die Verfilmung ihres Buches sehen?

Ildikó von Kürthy: Ja. Ich habe jedenfalls sehr gelitten. In der ersten viertel Stunde musste ich mich zusammenreißen, nicht ständig aufzuspringen und Dinge ins Publikum zu brüllen wie: "Haben Sie das gehört? Das war von mir!" Oder "Können wir diese Szene bitte noch einmal sehen? Die ist aus meinem Buch!". Die übrige Zeit habe ich dann gebangt, ob der Film den Leuten um mich herum gefällt. Also genossen habe ich diesen Kinobesuch wirklich nicht. Nachher war ich allerdings so derartig erleichtert, dass ich den Ralf Huettner vor Glück fast zerdrückt hätte. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass mir der Film so gut gefallen würde.

Frage: Warum nicht?

Ildikó von Kürthy: Weil mir wenige deutsche Kinokomödien in den letzten Jahren gefallen haben. Warum hätte es also diesmal anders sein sollen? Aber Mondscheintarif ist wirklich eine Ausnahme: modern und romantisch und fantasievoll und sehr komisch. Ralf Huettner hat einen tollen Film gemacht. Und das obwohl er - davon muss man ausgehen - überhaupt nicht verstanden hat, worum es eigentlich geht.

Frage: Wie bitte?

Ildikó von Kürthy: Ich glaube Ralf und alle anderen Männer auf der Welt halten die Heldin Cora Hübsch für völlig bekloppt. "Großstadtneurotikerin" wird sie ja gerne mal von männlichen Kritikern genannt. Ein typisches Missverständnis zwischen den Geschlechtern: Es gibt keine neurotischen Frauen - wir sind alle so.

Frage: Sie arbeiten als Redakteurin beim "Stern". Wie kamen Sie darauf, einen Roman zu schreiben?

Ildikó von Kürthy: Gar nicht. Ich bekam einen Anruf. Jemand sagte: "Haben Sie nicht Lust ein Buch zu schreiben? Irgendwas über Frauen. Auf jeden Fall lustig und geistreicher als Hera Lind." Das war Britta Hansen vom Rowohlt-Verlag. Sie hatte Geschichten von mir im "Stern" gelesen und kam so auf die Idee, mich als Romanautorin auszuprobieren.

Frage: Mondscheintarif" wurde bislang 200 000 Mal verkauft. Von Ihrem Buch schwärmen so unterschiedliche Menschen wie Wolfgang Joop, Suzanne von Borsody und Howard Carpendale.

Ildikó von Kürthy: ... denen ich zum Dank jeweils einen glamourösen Gastauftritt in "Herzsprung", meinem zweiten Roman verschafft habe.

Frage: "Herzsprung" erscheint Anfang Oktober. Eine Fortsetzung von Mondscheintarif?

Ildikó von Kürthy: Nein. In "Herzsprung" geht es nicht um den Beginn einer Liebe sondern um das vermeintliche Ende. Meine Heldin setzt sich in ihr Auto, haut ab und erlebt in 48 Stunden das, was Frauen eben so erleben, wenn sie endlich mal das tun, womit sie sonst nur drohen.

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1994 - 2010 Dirk Jasper